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Reinecke, Reinecke, true Carl Heinrich Carsten (Pseud.e Heinrich Carsten, W. te Grove)
* 1824-06-2323.6.1824 Altona (heute Hamburg/D), 1910-03-1010.3.1910 Leipzig/D. Dirigent, Komponist, Pianist, Musikpädagoge. Sein Vater, der Musikpädagoge Johann Peter Rudolf R. (1795–1883) war R.s einziger Lehrer und prägte ihn im Sinne der Wiener Klassiker, J. N. Hummel, L. Spohr und I. Moscheles. Erster Klavierunterricht im Alter von fünf Jahren, zwei Jahre später erste Kompositionsversuche, später auch Geigenunterricht. Erster öffentlicher Auftritt als Pianist mit elf Jahren, gleichzeitig begann er auch bereits selbst zu unterrichten. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Leipzig, wo er u. a. Felix Mendelssohn Bartholdy und R. Schumann kennen lernte, ging er mit dem Geiger W. v. Wasielewski 1846 auf Konzertreise nach Danzig (Gdánsk/PL), kehrte 1848, unterbrochen von einer kurzen Anstellung als Pianist am dänischen Hof zunächst nach Leipzig zurück und ließ sich 1849 in Bremen/D nieder. 1851 wurde R. von F. Hiller als Lehrer für Klavier und Kontrapunkt an das Kölner Konservatorium verpflichtet. Nach weiteren Stationen als Musikdirektor in Barmen/D und Universitätsmusikdirektor sowie Leiter der Singakademie in Breslau (Wrocław/PL) 1860 endgültige Rückkehr nach Leipzig. Hier 35 Jahre lang Kapellmeister am Gewandhaus (Nachfolger A. Nikisch) sowie bis 1902 Prof. am Konservatorium für Klavier, Komposition, Ensemblespiel, ab 1897 auch als Studiendirektor, d. h. künstlerischer Leiter. Das Leipziger Konservatorium galt zu dieser Zeit als eines der renommiertesten Europas, zu R.s zahlreichen Schülern zählten u. a. L. Janáček, C. Muck, F. Weingartner, E. N. v. Reznicek, L. Stolz, V. Zack. Dazwischen unternahm R. zahlreiche Konzertreisen, in denen er als Pianist und Dirigent wirkte, so auch 1867 nach Wien und 1888 nach Salzburg. Hier leitete er gemeinsam mit J. F. Hummel das vom 24.–26. Juni stattfindende Musikfest. 1885 nahm R. an der Stimmtonkonferenz in Wien teil, wo er maßgeblich an der Festsetzung des einheitlichen Stimmtons auf 435 Hz beteiligt war. Im Zuge seiner Wien-Aufenthalte 1896 und 1897 traf er u. a. mit J. Brahms und I. Brüll zusammen. R.s großes kompositorisches Œuvre war bereits in den letzten Jahren seines Lebens der Vergessenheit anheim gefallen und findet auch heute nur selten Eingang in die Konzertprogramme. Einige seiner Kinderlieder hingegen wurden zu Klassikern und konnten sich bis heute (2011) im gesamten deutschen Sprachraum halten (u. a. das Wiegenlied Wer hat die schönsten Schäfchen?).
Ehrungen
Ritterkreuz des Wasa-Ordens 1874; Prof.-Titel 1885.
Werke
zahlreiche Kompositionen in allen etablierten Gattungen, darunter Opern, (Märchen-)Singspiele; Messen; 3 Symphonien, Ouvertüren, 4 Klavierkonzerte, je 1 Konzert für V., Vc., Fl., Harfe; 5 Streichquartette; Klavierwerke; Kinderlieder; Mithg. der GA von W. A. Mozart, L. v. Beethoven und G. F. Händel, Hg. sämtlicher Klavierwerke von J. S. Bach und G. F. Händel.
Schriften
Was sollen wir spielen? 1886, Aphorismen über „Die Kunst, zum Gesang zu begleiten“ 1890, Rathschläge u. Winke f. Clavierschüler 1890, Zur Wiederbelebung der Mozart'schen Clavier-Concerte 1891, Die Beethoven'schen Clavier-Sonaten. Briefe an eine Freundin 1895, 91924, „Und manche liebe Schatten steigen auf“. Gedenkblätter an berühmte Musiker 1900, 21910, Meister der Tonkunst 1903, Aus dem Reich der Töne 1907.
Literatur
MGG 13 (2005); NGroveD 21 (2001); D. Mundus (Hg.), C. R. Erlebnisse und Bekenntnisse. Autobiographie eines Gewandhauskapellmeisters 2005; www.carl-reinecke.de (8/2007).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Reinecke, Carl Heinrich Carsten (Pseud.e Heinrich Carsten, W. te Grove)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 10/11/2006]