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Reutter, Reutter, Georg Familie
Georg d. Ä.: * 11- 4-getget. 4.11.1656 Wien, 1738 -08-2929.8.1738 Wien. Organist, Theorbist und Komponist. G. R. war vielleicht Schüler von J. C. Kerll, dem er 1686 als Organist zu St. Stephan in Wien nachgefolgt sein soll (gesichert ist er in diesem Amt 1694–1715 nachweisbar). Nach einem Aufenthalt in Italien 1694/95 erlangte er 1697 eine Anstellung als Theorbist (bis 1703) und 1700 eine als Organist (bis zu seinem Tod) an der Wiener Hofmusikkapelle. 1712 wurde er als Nachfolger von J. J. Fux 2. Kapellmeister (Kapellmeister der Kapelle beim Gnadenbild von Maria Pötsch) und 1715 1. Kapellmeister zu St. Stephan; 1727/28 gab er die 2. Kapellmeisterstelle an J. G. Reinhard ab. Von seinen Zeitgenossen wurde G. R. als Instrumentalist hoch geschätzt; von seinen Werken stechen insbesondere virtuos gehaltene Toccaten und zahlreiche Versetten für Orgel hervor.
Ehrungen
Nobilitierung (durch Francesco Graf Sforza) 1695.
Werke
Orgelmusik


Seine Söhne

Karl Joseph: get. 6.5.1699 Wien, † 17.3.1736 Wien. Organist. War ab 1720 Organist zu St. Stephan.

Johann Adam Joseph Karl Georg (R. von Rittersfeld) d. J.: get. 6.4.1708 Wien, † 11.3.1772 Wien. Komponist. Musikalischen Unterricht bekam er bei seinem Vater und A. Caldara, der ihm den aktuellen Opernstil nahebrachte: Schon 1727 wurde am Wiener Hof G. R.s erste Oper Archidamia aufgeführt. Nach drei erfolglosen Versuchen, die Stelle des Hoforganisten zu erhalten, ging er um 1730 nach Italien (Venedig und Rom). Nach seiner Rückkehr wurde er 1731 zum Hofkomponisten ernannt; im selben Jahr heiratete er Th. Holzhauser. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder (Karl, Elisabeth) hervor. 1736 übernahm er die Aufgaben des 1. Domkapellmeisters an St. Stephan, 1738 (nach dem Tod des Vaters) wurde ihm das Amt offiziell übertragen; 1756 konnte er in der Nachfolge von F. Schmidt auch die 2. Domkapellmeisterstelle (Kapellmeister der Kapelle beim Gnadenbild von Maria Pötsch) an sich bringen. 1747 erfolgte R.s Ernennung zum 2. Hofkapellmeister mit einer autonomen Zuständigkeit für die Kirchenmusik. Nach der Beurlaubung des 1. Hofkapellmeisters L. A. Predieri 1751 übernahm R. die Leitung der Hofkapelle, den Titel des 1. Kapellmeisters erhielt er aber erst nach dem Tod Predieris 1767. Aufgrund der Veränderungen in der Verwaltung und Besoldung Maria Theresias und des beschränkten Budgets ließ R. die in der Hofkapelle frei gewordenen Stellen unbesetzt, was zum quantitativen und qualitativen Verfall der Hofkapelle führte. Abgesehen davon zählte R. zu den einflussreichsten und fruchtbarsten Wiener Kirchen-, Opern- und Oratorienkomponisten seiner Zeit; seine Kirchenwerke wurden bis ins 19. Jh. aufgeführt. Sein Opern- und Instrumentalstil verrät in vielerlei Hinsicht (hochidiomatischer, virtuoser Violinstil, Verwendung verschiedener Unisono-Techniken, konzertanter Instrumente, Einsatz des Bläsertrios in selbständigen Abschnitten wie in Zenobia, 1732, Doppelchörigkeit u. a.) deutlichen Einfluss Caldaras in Verbindung mit den aktuellen, aus Neapel stammenden stilistischen Tendenzen.


Ehrungen
Nobilitierung (durch K. Karl VI.) 1740.
Werke
38 Opern (Archidamia 1727, La Magnanimità di Alessandro 1729, Alcide 1729, Plotina 1730, La Generosità di Artaserse con Temistocle 1731, Zenobia 1732, Alessandro Il Grande 1732, Ciro in Armenia 1733, Il Sacrificio in Aulide 1735, La Speranza assicurata 1736, Il Parnaso accusato e difeso 1738, L’Alloro Illustrato 1738, L’Eroina d’Argo 1739), Oratorien (La morte d’Abele, T: G. Salio Padovano, 1727; La Betulia liberata, T: P. Metastasio; Gioas, re di Giuda, T: P. Metastasio, 1735, Maria Lebbrosa, 1739 u. a.); Kirchenwerke (ca. 80 Messen, Requien, 126 Motetten, 63 Hymnen, weiters Sequenzen, Responsorien, Litaneien u. a.); Instrumentalwerke (6 Symphonien, Partiten, Suiten, Trompeten- und Cembalokonzerte, Bläserquintette u. a.). – NA: Instrumentalwerke in DTÖ 31 (1908), hg. v. K. Horwitz u. K. Riedel.


G. R. d. J. Sohn P. Marian(us) OCist (Karl): * 11.1.1734 Wien, † 21.10.1805 Wien (begr. Heiligenkreuz/NÖ). Geistlicher. Erhielt seine musikalische Ausbildung im Kapellhaus zu St. Stephan, wo er mit dem jungen J. Haydn bekannt war. 1753 trat er (gemeinsam mit P. C. Scheupflug) ins Zisterzienserstift Heiligenkreuz ein und feierte 1757 seine Primiz. Anschließend lehrte er bis 1761 Theologie im Stift, war 1766–68 bzw. 1776–78 als Bibliothekar und Novizenmeister tätig und danach als Seelsorger in inkorporierten Pfarren. 1787–90 Kommendatar-Abt und 1790–1805 Abt von Heiligenkreuz. Er galt als guter Musiker und ausgezeichneter Violinist, durch ihn gelangte der umfangreiche musikalische Nachlass seines Vaters nach Heiligenkreuz. Während seines Abbaziats baute I. Kober die große Orgel (II/52) in der Stiftskirche.


Literatur
MGG 11 (1963), 13 (2005) u. 16 (1979); NGroveD 21 (2001) [mit WV]; EitnerQ 8 (1902); Wurzbach 25 (1873); L. R. v. Köchel, Johann Josef Fux 1872; C. F. Pohl, Joseph Haydn 1 (1878), 37–44; Köchel 1869; R. Topka, Der Hofstaat Kaiser Karl VI., Diss. Wien 1954; M. Seiffert, Gesch. der Klaviermusik 1988; L. Stollbrock in VfMw 8 (1892); N. Hofer, Die beiden R. als Kirchenkomponisten, Diss. Wien 1915; N. Hofer, Thematisches Verzeichnis der Werke von G. R. jun. [Ms., A-Wn]; F. W. Riedel, Kirchenmusik am Hofe Karls VI. (1711–1740), 1977; B. C. MacIntyre, The Viennese Concerted Mass of the Early Classic Period 1986; F. W. Riedel, Quellenkundliche Beiträge zur Gesch. der Musik für Tasteninstrumente in der 2. Hälfte des 17. Jh.s 1960, 21990; MGÖ 2 (1995); A. P. Brown in D. W. Jones (Hg.), Music in eighteenth-century Austria 1996; A. Niemetz, 800 Jahre Musikpflege in Heiligenkreuz 1977; M. Ebenbauer, Die Dommusikkapelle St. Stephan im Wien des 19. Jh.s, Dipl.arb. Wien 2002, 42f; WStLA (TBP 1805).

Autor(en)
Dagmar Glüxam
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Dagmar Glüxam/Christian Fastl, Art. „Reutter, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]