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Revue
Eine Gattung der Kleinkunst; mit Nähe zu Varieté, Kabarett und wegen der Dominanz von Musik und Tanz auch Operette, Musical und Show. Die R. besteht aus einer losen Folge von Nummern zu einem Thema ohne stringente Dramaturgie. Ihrem Wesen nach stets unterhaltend, kann sie auch subtile Zeitkritik vermitteln, wobei aussagekräftige Musiknummern pointiert eingesetzt werden. Musikalisch ist die R. vom jeweiligen Etablissement und seinen Ausführenden abhängig: Zumeist verbinden bekannte Schlager bzw. Songs die einzelnen Teile, phasenweise liegt das Schwergewicht auf Tanz bis hin zu elaborierten Choreographien, die als Höhepunkt bzw. zum Finale das Interesse des Publikums steigern sollen.

In Wien lässt sich die R. ab 1913 im Kabarett Fledermaus nachweisen (Femina-R.n). Fast zeitgleich präsentierte das Kabarett Simplizissimus, vulgo Simpl, Programme mit Musik, wo der noch heute (2004) gültige Typus der „Klein-R.“ bzw. „kabarettistischen R.“ über Jahre aus den bunten Programmen von Rezitationen, Conferencen, Klavierimprovisationen, Schnellzeichnern, Operettenschlagern, Artisten und nicht zuletzt Chansons entwickelt wurde. Maßgeblich mitgewirkt haben Fritz Grünbaum und Karl Farkas, der die kleine „kabarettistische R.“ um 1950 perfektionierte. Rein unterhaltend ist demgegenüber die Ausstattungs-R., eher in Berlin, Paris, London und den USA (z. B. die Ziegfeld-Follies) beheimatet. Hier wird durchaus neu komponierte Musik verwendet (z. B. von R. Benatzky zur Ausstattungs-R. Wien lacht wieder mit F. Grünbaum und K. Farkas 1926). Als besondere Attraktion präsentierte sich in Wien, und später international, der Tänzer Rudolf Schmitz (* 1905) unter dem Pseud. Werner Rudyn in R.n. Ihm, der 1933 nach Palästina emigrierte und während des Zweiten Weltkriegs als „Stage Manager“ der Komödiantengruppe Sheiks of Araby die Alliierten Truppen unterhalten hat, ist der Film Komm und sieh’ Rudyn (Österreich 1999) gewidmet.

Zur Zeit des sog. Dritten Reichs gewann die auf Tanz konzentrierte R. an Bedeutung, v. a. in Filmen, die fortan das Bild von der R. prägten. 1937 kam der Film Première (Gloria-Film, Wien) mit Musik von Dénes von Buday (1890–1963) und Peter von Fenyes sowie Zarah Leander (1907–81) als Protagonistin heraus. Der zentrale Ort der Krimi-Handlung ist ein R.-Theater. Reine R.-Filme bestritt M. Rökk, nachdem sie in der Zirkus-R. Stern in der Manege reüssiert hatte, etwa mit dem Film Kora Terry (1940).

1940 gründete der Eiskunstläufer Karl Schäfer in Wien eine eigene Eis-R., um, dem Publikumsgeschmack folgend, Schautänze in Kostümen zu Live-Musik aufzuführen. 1945 gab er die Abschiedsvorstellung, doch lebte seine Idee in der Wiener Eisrevue ab 1945/46 unter der Bezeichnung Ice-Show Hollyday on Ice (in amerikanischem Besitz) weiter. 1952–71 wirkte R. Stolz als Komponist und musikalischer Leiter für die Wiener Eisrevue, 1972–79 W. Heidrich. Die Wiener Eisrevue ist Gegenstand von Filmen wie Der weiße Traum (1943) mit Musik von A. Profes und Frühling auf dem Eis (1951) mit Musik von Hans Elin (H. Jelinek). Wiewohl die Gattung R. nach dem Zweiten Weltkrieg in Filmen und Lokalen weiterhin präsent ist, bediente man sich zunehmend des Begriffs „Show“. Ende des 20. Jh.s wird der Terminus R. wieder häufiger verwendet, allerdings zumeist für Programme mit kabarettistischen Musikeinlagen.


Literatur
MGÖ 3 (1995); www.derschmidt.com/rudyn/echo.html (3/2005); www.engelmann.co.at/k_history.htm (3/2005); www.filmarchiv.at/events/1404/wienfilm/fruehling.htm (3/2005); www.kabarettarchiv.at/ (3/2005); www.kinosessel.de/roekk.htm (3/2005); www.simpl.at/ (3/2005); www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=020040123005 (3/2005).

Autor(en)
Margareta Saary
Empfohlene Zitierweise
Margareta Saary, Art. „Revue‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 31/03/2005]