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Ried im Innkreis
Hauptort des oberösterreichischen Innviertels. Erste Erwähnung 1136, seit 1248 landesfürstliche Burg, 1364 als „Markt“ bezeichnet, Stadterhebung 1857, bis ins 19. Jh. „Bayrisch Ried“, der Zusatz „i. I.“ wurde ab 1779 geläufig.

Die Anfänge der R.er Musikgeschichte liegen im Dunkel und sind nur durch Analogien zu erfassen. Dass dabei stets die Schulen eine besondere Rolle spielten, liegt ebenso auf der Hand wie deren Verbindung zur Kirche. 1459 wird erstmals ein Schulmeister in pfarrlichen Diensten erwähnt, neben der Lateinschule 1558 eine (für die Musik weniger wichtige) deutsche Schule (eine Reihe von lat. und dt. Schulmeistern ist namentlich bekannt). Orgeln sind in der Pfarrkirche seit dem späten 16. Jh. belegt (Reparatur an beiden Kirchenorgeln 1696, nach dem teilweisen Neubau 1719 ein neues Werk durch einen Degendorfer aus Passau/D, an diesem arbeiteten 1728 J. I. Egedacher und 1768 Heinrich Jakob König aus Obernberg/OÖ), allein in den 1580/90er Jahren sind drei Organisten namentlich bekannt (Hiernonymus Panschober, Sebastian Polhamer, Erasmus Hofer). Von Hofer ist in der Library of Congress in Washington eine umfangreiche Orgeltabulatur (1602/14) erhalten. Bemerkenswert ist, dass die Funktion des Organisten schon im 17. Jh. fallweise vom Schuldienst unabhängig war (nicht so Johann Chrysostomus Föckler, aus Aurolzmünster/OÖ, vorher in Reichersberg/OÖ, auch Chorregent, † 20.7.1690; wohl aber Johann Ellepeck 1657–72; weitere Namen sind bekannt, 1857/58 hatte R. Führer die Stelle inne). Das ermöglichte ihnen, z. T. auch als auswärts tätige Orgelbauer hervorzutreten (z. B. Sebastian Polhamer 1621 in Obernberg, 1632 in Hohenzell/OÖ und zw. 1630/57 in Mattsee; ebenso Hans Georg Göz 1684 in Hohenzell; allerdings hat keiner von ihnen auch nur annähernd eine Bedeutung erlangt wie die in R. ansässige Bildhauer-Familien Schwanthaler und Zürn). Neben dem Chorregenten und Organisten wurden von der Kirche noch je ein Bassist, Tenorist, Altist und Diskantist gehalten. Demgegenüber hielt die Stadt ab dem 16. Jh. Thurnermeister, an deren Stelle im 19. Jh. Kapellmeister aufgenommen wurden (z. B. 1867–93 Bernhard Redl). Als eine Besonderheit ist das im 17. Jh. für die finanzielle Abdeckung all dieser Musikfunktionen von der geistlichen und weltlichen Vogtei geschaffene „Musikantenamt“ anzusehen (kam mit dem Absterben der Bruderschaften im Zuge des Josephinismus zum Erliegen).

Bereits 1588 war eine Darstellung des „Englischen Grußes“ (Mariä Verkündigung) „in der Kirchen altem Gebrauch nach ausgerichtet“ worden; diese Tradition wurde – ebenso wie alle Passions- und Ölbergspiele (Geistliche Spiele) – im Innviertel 1782 „abgeschafft“. Im 17. Jh. ist ein Passionsspiel im Zusammenhang mit der Karfreitags-Prozession zum „heiligen Grab“ belegt (1662 werden von der Witwe des Lateinschulmeisters Tobias Burgstaller, Chorregent seit 1640, † 1.10.1661, die hiezu nötigen „Gesänger“ eingefordert). Bemerkenswert ist, dass zumindest zw. 1669/1779 dreimal im Jahr (zu Mariä Verkündigung, am Karfreitag und am Ostersonntag) Prozessionen und Spiele belegt sind, bei denen Geißler (Flagellanten) eine tragende Rolle spielten. Andere Spiele (z. B. zu Fronleichnam) wurden von verschiedenen Zünften (Leinenweber, Metzger) ausgeführt.

Ab 1832 wirkte hier der geachtete Salzburger Lokalkomponist Judas Thaddäus Susan (1779–1838) als Pfleger in R. In der 2. Hälfte des 19. Jh.s war der Orgelbauer Carl Reppe hier ansässig. Vorübergehend hat auch J. L. Kränzl als Musikverleger eine gewisse Bedeutung erlangt.

Nach Wiener Vorbild wurde spätestens 1846 (wahrscheinlich von dem Kanzlisten im Kreisamt und Chorregenten Johann Aichberger) die Liedertafel (Männergesang) gegründet. In der Folge entstanden noch drei weitere Gesangvereine, so 1912 der Christlich-deutsche Gesangverein, der sich vom Liedertafelstil ab- und mehr dem Volkslied zuwenden wollte, aber auch die Kirchenmusik unterstützte und sich mehrmals u. a. sogar an J. Haydns Oratorien wagte (1934 aufgelöst und als Vaterländischer Chor weitergeführt, 1938–45 verboten), und 1920 der Deutsche Männergesangverein „Harmonie“. Die 1934 gegründete „Kunstgemeinde“ veranstaltete vier Jahre lang nahezu monatlich Kammermusik-Abende (Hauptträger waren das von Franz Hager, Karl Rausch, Hans Forster und Franz Priller gebildete Streichquartett). 1923–38 war der mit F. Neuhofer befreundete Leiter des Gesangvereins Josef Ransmayr auch Leiter des Kirchenchores. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gründete der seit 1919 in R. tätige Arzt Max Gerhartinger in altem Musikvereins-Geist ein Symphonie-Orchester, das im Brucknerbundorchester aufgehen sollte. Nach wie vor sehr aktiv ist die Stadtkapelle R. (1779 als Marktmusik erwähnt, bald darauf in die Bürgergarde eingegliedert). 1953 wurde der Brucknerbund R. gegründet, der 1958 auch die bestehende MSch. ins Leben rief (Vorläufer: MSch. von B. Redl, vor 1893; Wintersteigersche MSch. 1898 belegt; MSch. von Paul Stolz, 1927; Kreismusikschule für Jugend und Volk, 1938). Ihr Leiter war bis 1967 Kpm. Otto Jürgen, seit 1977 ist sie Teil des oberösterreichischen Landesmusikschulwerks und führt (Stand 1993) selbst Zweigstellen in Mettmach, Obernberg i. I., Eberschwang und St. Martin i. I. sowie mehrere Ensembles (Hornensemble, Schulorchester, Jugendblasorchester, Bläserensemble, 2 Blockflötenensembles, Schlagwerkensemble), Leiter ist Karl Geroldinger. An kleineren Instrumentalgruppen seien genannt: die Mathis-Combo (1968 in Nachfolge der Gruppe Melodia, 1953), die Tanzkapelle Piccadilly (1973), die Blaskapelle Ceska (1984), das Innviertler Kammerorchester (1985), die Innviertler Saitenmusi (1985) und die Innkreis-Buam (1986). 1978 erhielt die Stadtpfarrkirche eine neue Orgel der Schweizer Fa. Mathis. Gebürtige R.er sind der Cembalist J. Sonnleithner, der Klarinettist Gerald Pachinger (* 1967, seit 1997 an der Wiener MUniv.), August Humer (Lehrer für Orgel und Cembalo an der Anton Bruckner Privat-Univ. Linz), der Saxophonist Chr. Maurer u. a.


Literatur
A. Dallinger, Das Musikleben der Stadt Ried i. I. unter besonderer Berücksichtigung der MSch. und der Instrumentalgruppen, Dipl.arb. Wien 1993; F. Berger, R. i. I. Gesch. des Marktes und der Stadt 1948; F. Berger, Bürgerbuch des Marktes R. i. I. 1933; H. Knittler (Red.), Die Städte Oberösterreichs = Österr. Städtebuch 1 (1968); R. Ziegler in Schütz-Jb. 26 (2004).

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Ried im Innkreis‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 04/05/2005]