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Rieder, Rieder, Karl Familie
Karl Bartholomäus: * 1818-04-1717.4.1818 Gumpendorf (Wien VI), † 1886-01-1616.1.1886 Wien. Volkssänger, Gitarrist. Der Sohn eines Wiener Tischlers war ab 1838 in Wien als Volkssänger tätig (u. a. bei den Gesellschaften Johann Fruholz, Herzog und J. Fürst). Ab 1855 in Wiener Lokalen in verschiedenen Ensembles (u. a. im Duett mit Anna Fortin) sowie als Solist nachweisbar. Dazu kamen auch Auftritte außerhalb Wiens, so 1860 in Graz. Von Jänner bis November 1866 Teil der Wiener Gaudebrüder (neben Ferdinand Voll und Thomas Holzhey), später widmete er sich v. a. der Karriere seiner beiden Töchter, die er mit der Witwe des Volkssängers Jakob Kern, Katharina (geb. Wänger, * 16.11.1823 Münzkirchen/OÖ, † 2.1.1894 Wien), hatte. Die Taufpatin seiner Töchter war die Musikersgattin Anna Rieder, vermutlich eine Verwandte. Am 20.8.1864 legitimierte er die Beziehung durch Eheschließung in Hernals (Wien XVII), als Trauzeugen fungierten seine beiden Volkssängerkollegen Anton Altenburger und Josef Fischer. R., der auch ein sehr guter Gitarrist gewesen sein soll, verlor krankheitsbedingt seine Stimme und starb an Luftröhrenschwindsucht.
Werke
Singspiele, Szenen (Die belauschte Sängerin, Schuastabua und Kärntnermadl, Der Maskenball, Die Steirerbuam), Couplets, Wienerlieder (Wann i amal stirb, Obs d’hergehst zu mir), Duette.
Literatur
J. Koller, Das Wr. Volkssängertum 1931; S. Schedtler (Hg.), Wienerlied und Weana Tanz 2001; F-A 1936; Fremden-Bl. 27.1.1855, [6], 22.9.1858, [7]; [Grazer] Tagespost 11.3.1860, [12]; Taufbuch der Pfarre Gumpendorf (Wien VI) 1812–18, fol. 292; Trauungsbuch der Pfarre Hernals 1862–64, fol. 179; Sterbebuch der Pfarre St. Leopold (Wien II) 1885–87 [1886], fol. 4; Sterbebuch der Pfarre Lichtental (Wien IX) 1891–97, fol. 159; www.anno.onb.ac.at (8/2019).


Seine Töchter

Katharina (Kathi, Käthe, verh. Armin): * 25.10.1861 Hernals (Wien XVII), begr. 13.3.1945 Wien. Volkssängerin. In mehreren Sommern reiste die Familie ab etwa 1869 als Die Wiener Schwarzblatteln durch die Habsburger-Monarchie (Troppau, Esseg [Osijek/HR], Laibach, Klagenfurt, Graz), wobei die Gesellschaft in Gasthäusern, Theatern, Konzertsälen und Salons auftrat. 1871 begleitete sie der Geiger J. Kübler, ab 1872 der Zitherspieler F. Kittel. Der Vater vermarktete die Schwestern, die auch anzügliche Lieder, verstärkt durch entsprechende Gesten, interpretieren mussten, als Wunderkinder und gab sie als jünger aus. Gelobt wurde das „seltene Talent dieser allerliebsten Kleinen, ihre Sicherheit im Vortrage der verschiedenen Gesangspiecen, sowie ihr naiver Humor“ (Klagenfurter Ztg. 13.10.1871). Ab September 1874 traten die Schwestern, vermutlich um Verwechslungen mit gleichnamigen Ensembles zu vermeiden, die zeitgleich in Wien auftraten, als Goldamseln in E. Danzers Orpheum auf. Hier führten sie bis Ende April 1874 mit zunehmendem Erfolg allabendlich Lieder, Miniaturpossen und Singspiele aus der Feder ihres Vaters auf. Es folgten Engagements auch außerhalb Wiens (Prag, Dresden/D), im Oktober und November 1876 Auftritte in Schwender’s Colosseum (Wien XV). Danach waren sie Teil der Gesellschaft von Gustav Münstedt, mit der sie in Brünn, Olmütz und ab September 1877 in Wien gastierten. Im September und Oktober 1879 folgte ein weiteres Engagement in Danzer’s Orpheum. Ab Mai 1881 betrieben die Schwestern für einige Zeit eine Weinschenke im Liebhartstal (Wien XVI) „Zu den Goldamseln“. Ab Herbst 1882 gastierten sie als Orig. Wiener Goldamseln für längere Zeit in Pasler’s Central-Halle in Prag. Spätestens ab Juni 1883 gemeinsame Auftritte mit ihrem Ehemann, dem Volkssänger J. Armin. Ab 1888 trat K. R. gemeinsam mit ihrem Mann in der Gesellschaft Hirsch auf. Im September 1891 gastierte das Ehepaar in Budapest, 1893–1900 Engagement in Danzers Orpheum. Ende März 1897 feierte K. R. dort ihr 30-jähriges Artistenjubiläum. Bis 1906 trat sie u. a. immer wieder im Varieté Gartenbau auf, danach dürfte sie sich von der Bühne zurückgezogen haben und sich zumindest bis 1942 der von ihrem Mann gegründeten Agentur gewidmet haben.


Literatur
J. Koller, Das Wr. Volkssängertum 1931; S. Schedtler (Hg.), Wienerlied und Weana Tanz 2001; Wr. Theater-Chronik 28.10.1870, 5; Klagenfurter Ztg. 7.10.1871, 1452, 13.10.1871, 1484; Troppauer Ztg. 11.9.1869, [6]; Vereinigte Laibacher Ztg. 26.8.1871, 1432; [Grazer] Tagespost 27.9.1872, [7]; Neues Fremden-Bl. 5.9.1874, 8, 22.10.1874, 4, 30.4.1875, 3; Neues Wr. Tagbl. 6.9.1877, 16, 25.3.1897, 8; Neues Wr. Journal 28.3.1897, 17; NFP 28.4.1881, 18; Leitmeritzer Ztg. 23.6.1883, 634; Pester Lloyd 11.9.1891, 8; Die Bombe 6.9.1896, 5; Taufbuch der Pfarre Hernals 1860–61, fol. 199; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at, Lehmanns Adresskalender).


Anna (Netti, verh. Werner): * 29.4.1863 Hernals, † nach 1890 (Ort?). Volkssängerin. Während ihres Engagements in Danzer’s Orpheum als eine der beiden Goldamseln trat sie im März und April 1875 in Ein Mädchen für Alles, einem sog. „Soloscherz“ in deutscher, englischer und ungarischer Sprache, auf. Bis zumindest 1889 standen sie und ihre Schwester als Wiener Goldamseln auf der Bühne, dazwischen, etwa im Mai 1884 in Prag, auch als Solistin sowie im Terzett mit ihrem Schwager J. Armin. Vermutlich heiratete sie den Gesangskomiker Werner (und nicht Wermer, wie dies Koller angibt), mit dem sie seit spätestens 1884 auch gemeinsam auf der Bühne stand. Um 1890 dürfte sie sich von der Brettlbühne zurückgezogen haben, danach verliert sich ihre Spur.


Literatur
J. Koller, Das Wr. Volkssängertum 1931; Neues Fremden-Bl. 2.3.1875, 8; Prager Tagbl. 28.5.1884, 13; Taufbuch der Pfarre Hernals 1862–63, fol. 92.

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Rieder, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22/10/2019]