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Rieger, Rieger, true Familie
Orgelbauer

Franz: * 13.12.1812 Zossen/Österreichisch-Schlesien (Sosnová/CZ), † 29.1.1885 Jägerndorf/Österreichisch-Schlesien (Krnov/CZ). Erhielt seine Ausbildung bei Joseph Seyberth in Wien und war ab ca. 1841 im Raum Jägerndorf als Orgelbauer tätig, wo er 1844 eine Werkstätte gründete und 1845 sein Opus 1 fertigte (Burgbergkirche in Jägerndorf, II/20, zerstört 1945). Bis 1873 baute er ca. 32 Orgeln mit Schleifladen und mechanischer Spiel- und Registertraktur in Österreichisch-Schlesien, Böhmen und Mähren. Vermutlich war er ein weitschichtiger Verwandter von G. Rieger.

Sein Sohn Otto (d. Ä.) Anton: * 3.3.1847 Jägerndorf, † 12.12.1903 Jägerndorf. Lernte bei seinem Vater sowie u. a. bei Joseph Ullmann in Wien (1864) und bei Martin Schlimbach in Würzburg/D und Bamberg/D. 1873 übernahm er mit seinem Bruder die Werkstätte vom Vater, die 1873 unter dem Namen F. R. & Söhne bzw. Gebrüder R. (ab 1879) mit der Opuszählung wieder bei 1 begann. Bedingt durch die 1890 in Budapest gegründete Filiale wurden bis 1903 von ca. 1.070 gefertigten Orgeln über 600 Instrumente in Ungarn errichtet. Die Brüder forcierten im Gegensatz zum Vater vermehrt das Kegelladensystem.


Ehrungen
(alle mit seinem Bruder G. R.) Fortschrittsmedaille bei der Wiener Weltausstellung 1873; Goldmedaille und Diplom Academie nationale bei der Pariser Weltausstellung 1878; Ritter des Franz Joseph-Ordens 1896; Ritter des Ordens vom Heiligen Grab 1896; K. u. k. Hoflieferant 1896; päpstlicher Gregorius-Orden.


Dessen Bruder Gustav: * 1.8.1848 Jägerndorf, † 20.6.1919 Wien. Erlernte das Handwerk wie sein Bruder beim Vater sowie bei J. Ullmann und M. Schlimbach. Nach dem Tod des Bruders zog er sich als Privatmann nach Wien zurück.

O. A. R.s Sohn Otto (d. J.) Franz: * 22.5.1880 Jägerndorf, † 28.3.1920 Jägerndorf. Erhielt Orgelunterricht von Rudolf Sperlink in Jägerndorf und erlernte sein Handwerk beim Vater; eine Fortbildungsreise nach Frankreich und in die USA kam aufgrund des Todes vom Vater nicht zustande. 1903 übernahm er die Firmenleitung. Er entwickelte das elektropneumatische Traktursystem Drexler-R., konnte 1912 die Jahresleistung der Firma auf 105 Orgeln steigern und führte sie an die Spitze der damaligen Orgelbaufirmen Mitteleuropas. Zu den wichtigsten Orgeln dieser Zeit zählt jene im Wiener Konzerthaus (1913, V/116, op. 1.900). 1909 wirkte er maßgeblich an der Gestaltung des internationalen Regulativs für Orgelbau mit.


Ehrungen
Verschiedene Orden.


Nach dem Tod von O. R. d. J. übernahm J. v. Glatter-Götz 1920 die Leitung der Firma, die er 1924 käuflich erwarb. Die in der Zwischenkriegszeit verlorenen Märkte in Osteuropa konnten durch verstärkten Export nach Skandinavien oder Südamerika wettgemacht werden. 1923 errichtete die Firma die erste Kinoorgel auf dem Gebiet der ehemaligen K. u. k. Doppelmonarchie im Stadtkino von Jägerndorf. 1938 war die Firma Gebrüder R. mit den Filialbetrieben in Mocker/Schlesien (Mokre/PL; gegr. 1926) und Budapest der größte Orgelbaubetrieb des Deutschen Reichs, bis 1945 fertigte man, von 1873 an gerechnet, 3.000 Orgeln. Im Mai 1945 wurden sowohl die Inhaber (Glatter-Götz) wie auch die deutschsprachigen Mitarbeiter deportiert und in weiterer Folge die Werkstätten unter Angliederung der kleinen Firma von Josef Kloss (1948) dem verstaatlichten Instrumentenbaukombinat zugeordnet. Der Staatsbetrieb R.-Kloss wurde 1994 privatisiert. 2005 baute er ca. 7–10 Orgeln jährlich fertigte das Opus 3.723 (Pardubice/CZ, III/45). 2015 musste R.-Kloss Insolvenz anmelden.

J. Glatter-Götz und sein Sohn pachteten 1946 die Orgelbauwerkstätten der Firma Behmann in Schwarzach/V und konnten den unter dem Namen R. Orgelbau neu gegründeten Betrieb nach und nach wieder am Markt etablieren, wobei von Beginn an die Exporte nach Westeuropa und Nordamerika dominierten. Später kamen noch Skandinavien und der Ferne Osten sowie Australien hinzu. Ch. Glatter-Götz übergab die Geschäftsführung am 1.10.2003 an Wendelin Eberle.

Schon 1936 hatte in Jägerndorf die Rückbesinnung auf die klassische Schleifladenorgel begonnen, in Schwarzach konzentrierte man dann alle Bemühungen auf diesen Orgeltyp. So wurde die Firma in vielen Belangen des modernen Orgelbaus federführend, v. a. auch in der Suche nach überzeugenden Architekturlösungen, aber fast noch mehr in technischen Belangen mit mehreren Patenten auf mechanische Trakturen, Setzerkombinationen, Tonventilformen, doppelten Ventilabzügen, Doppelregistraturen, Registerspeicherungen usw. Die durchaus eigenständige Intonation der R.-Orgeln hat sich im Lauf der Jahrzehnte grundlegend gewandelt, von der knallig neobarocken Klangwelt bis hin zur aus der französischen Orgelromantik abgeleiteten farbigen Intonation.


Literatur
LdM 2000 [R., R.-Orgelbau, Kloss]; SchlMl 2001; MGG 11 (1963); NGroveD 21 (2001); ÖBL 9 (1988); R. Quoika, Die Jägerndorfer Orgelbauer R. u. ihr Haus 1967; Honegger/Massenkeil 7 (1992); ISO-Information 1 (1969), 8; 5 (1985) 5f; 28 (1988), 65; 30 (1989), 50 f.; 100 Jahre Bund Dt.er Orgelbaumeister 1991, 279f.; H. Fischer/Th. Wohnhaas, Lex. süddt.er Orgelbauer 1994; NFP 29.2.1924, 17; WStLA (TBP 1919); B. Plánsky et al., Krnov město královského nástroje. Jägerndorf die Stadt des königlichen Instrumentes 2007; Tauf- und Trauungsbuch 1773–1818 der Pfarre Zossen, Taufen, pag. 178f; Taufbuch 1847–52 der Pfarre Jägerndorf, fol. 7 u. 38; Taufbuch 1877–84 der Pfarre Jägerndorf, fol. 239; Sterbebuch 1881–92 der Pfarre Jägerndorf, fol. 183; www.rieger-orgelbau.com (3/2005); http://rieger-kloss.cz (3/2005); http://organy.hc.sk (3/2019).

Autor(en)
Gottfried Allmer
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Gottfried Allmer/Christian Fastl, Art. „Rieger, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 11/03/2019]


GND
Rieger, Franz
Weiterführende Literatur (OBVSG)
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Rieger, Otto
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Rieger, Gustav
Weiterführende Literatur (OBVSG)
GND
Rieger, Otto
Weiterführende Literatur (OBVSG)

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