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Röllig, Röllig, true Carl Leopold
* --1754/55 Hamburg/D, 1804 -03-044.3.1804 Wien. Instrumentenbauer, Komponist, Musikschriftsteller. Über R.s Jugend ist nur bekannt, dass er seine Studien in Hamburg nicht abschloss. Ab 1781 baute er eine Karriere als Glasharmonikavirtuose auf und unternahm mit diesem Instrument mehrere Tourneen. Ab 1791 hielt er sich in Wien auf und wurde 1792 von Go. v. Swieten in die Hofbibliothek berufen. Seine Aufgabe bestand darin, die bis dahin verstreut aufgestellten Musikschriften und Musikalien in eine systematische Ordnung zu bringen. Er legte so den Grundstein für die heutige Musiksammlung der ÖNB. Ab 1802 hatte er den Rang eines 2. Bibliotheksdieners inne. Parallel dazu entwickelte er neue Musikinstrumente, die er in Zusammenarbeit mit Wiener Musikinstrumentenmachern baute und für die er Privilegien erlangte. Er stellte sie in Publikationen und Zeitungsartikeln vor (Übersicht bei Wurzbach). R. starb ledig im Bürgerspital an Entkräftung.

Während üblicherweise die Schalen der Glasharmonika mit den Fingerspitzen zum Schwingen gebracht werden, entwickelte R. eine Tastenglasharmonika, bei der dies über eine Tastatur erfolgt. Die Anregung dazu geht angeblich auf die Vorstellung zurück, die Schwingungen der Glasschalen wären gesundheitsschädlich. Ab 1795 baute R. zusammen mit J. Dohnal sen. ein kleines, tragbares Klavierinstrument mit dem Namen Orphica. Zusammen mit Ma. Müller d. Ä. entwickelte er die Xänorphica, ein Streichklavier mit komplizierter Mechanik, bei dem die Saiten durch Streichbögen angeregt wurden. Nach R.s Tod erwarb Müller dessen Privilegien und kündigte an, die dadurch geschützten Instrumente in Eigenregie weiterbauen zu wollen (Wiener Zeitung, nach Haupt 1952). R. verfasste auch Tonstücke und musiktheoretische Abhandlungen.


Literatur
E. Hanslick, Gesch. des Concertwesens in Wien 1869, 135; H. Haupt, Wr. Instrumentenbau um 1800, Diss. Wien 1952, 68, 145f, 148; J. Stummvoll (Hg.), Gesch. der Österr. Nationalbibliothek 1 (1968), 284, 306; B. Vogel in The Galpin Society Journal 57 (2004); Wurzbach 26 (1874). – WStLA (TBP 1804).

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Röllig, Carl Leopold‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]