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Saphir, Saphir, true Moritz Gottlieb (eig. Moses)
* 1795 -02-088.2.1795 Lovas-Berény bei Pest (Lovasberény/H), 1858 -09-055.9.1858 Baden bei Wien/NÖ. Kritiker, Feuilletonist, Dramatiker, Schriftsteller. S.s Karriere ist typisch für viele jüdische Literaten in Zentraleuropa: Er besuchte zunächst die Talmudschule in Pressburg und dann in Prag, wo er die europäische Literatur für sich entdeckte und Anglistik, Germanistik und Romanistik studierte. Von seiner Familie zurückgerufen, arbeitete er vorübergehend im väterlichen Geschäft, bevor er ein Studium der klassischen Philologie in Pest absolvierte. Dort begann seine Laufbahn als Schriftsteller bei der Zeitschrift Pannonia. 1822 wurde er in Wien Kritiker an A. Bäuerles Theaterzeitung, 1825 wurde er ausgewiesen und ging nach Berlin, wo er 1826–29 Schriftleiter der Schnellpost, des Berliner Courier und des Berliner Theateralmanach auf das Jahr 1828 war. Es erschien ein erster Auswahlband seiner Glossen, Die Konditorei des Jokus (1828). Nachdem er sich auch in Berlin unbeliebt gemacht hatte, ging er nach München/D, wo er die Zeitschriften Der Bazaar (1830) und Der deutsche Horizont (1831) gründete, aber nach Angriffen auf das bayerische Königshaus inhaftiert und wiederum ausgewiesen wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris kehrte er zurück, konvertierte zum evangelischen Glauben, übte literarische Zurückhaltung und wurde Hoftheater-Intendanzrat. Ab 1834 lebte er in Wien, wo er die Zeitschrift Der Humorist (1837) gründete und eine wichtige Rolle während der Revolution 1848 spielte. Vortragsreisen führten ihn durch Deutschland, Frankreich und Österreich. Er war Gegner J. Nestroys und Anhänger I. Castellis. Der Kontakt zu F. Liszt ist auch charakteristisch für zeitgenössische Darbietungsformen: Bei Auftritten Liszts 1838 zugunsten der ungarischen Hochwasseropfer wurden auch Balladen bzw. Gedichte S.s rezitiert, 1840 wirkte Liszt in einer von S. gestalteten „Akademie und humoristischen Vorlesung im k. k. Theater in der Josephstadt“ mit und 1846 in einer „musikalisch-deklamatorischen Akademie“ S.s im Kärntnertortheater, der enge Kontakt zu dem Komponisten 1838–40 ist auch durch einen Brief belegt (abgedruckt in der Ausgabe La Maras).

Seine Satiren und Erzählungen, die ausgewählt in Buchform erschienen, prangern die Lebensgewohnheiten des (Klein-)Bürgertums an, das Bildung und Kunstbeflissenheit mehr zur Schau stellt, denn als genuines Interesse betreibt. Musikpflege im bürgerlichen Salon, etwa das Klavierspiel sog. höherer Töchter und die Tanzsucht, wird ebenso geschildert wie folkloristische Musikszenen aus einem als exotische Idylle dargestellten Ungarn.


Schriften
W: S.'s Schriften, GA/Volksausgabe, 26 Bde. [ca. 1880]; Poetische Erstlinge 1821; Humoristische Damen-Bibliothek 1838; Pariser Briefe über Leben, Kunst, Ges. u. Industrie zur Zeit der Weltausstellung im Jahre 1855, 1856.
Literatur
D. Legány, Franz Liszt. Unbekannte Presse und Briefe aus Wien 1822–1886, 1984; ÖBL 9 (1988); H. Kernmayer, Exemplarische Untersuchungen zum literaturästhetischen und politischen Diskurs der Moderne 1998; ÖL 1995; P. Varga in www.kakanien.ac.at/beitr/fallstudie/PVarga2.pdf (28.11.2001); http://gutenberg.spiegel.de/autoren/saphir.htm (4/2005); http://infos.aus-germanien.de/Moritz_Saphir (4/2005); http://1848.ub.uni-frankfurt.de/cgi-bin/uebersicht.rb (4/2005).

Autor(en)
Cornelia Szabó-Knotik
Empfohlene Zitierweise
Cornelia Szabó-Knotik, Art. „Saphir, Moritz Gottlieb (eig. Moses)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]