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Schaller, Schaller, true Johann (Pseud. Bertini, J. H. Bertini, Johann Heinrich Sch.-Bertini, Johann Friedrich Bertini-Sch.)
* 1821-09-1919.9.1821 Gumpendorf/NÖ (Wien VI), † 1879-03-2020.3.1879 Wien. Gesangpädagoge. Sohn eines Webers, war zunächst im Geschäft des Vaters tätig, widmete sich dann jedoch einer Sängerkarriere (über seine Ausbildung ist nichts bekannt). Er hatte nur Engagements als Opernchorist und Tenorist an untergeordneten Bühnen. Reisepässe wurden ihm für München (1844), Kaschau (Košice/SK; 1847), Bern (1849) und die deutschen Bundesstaaten (1850) ausgestellt. 1857 eröffnete er in Wien eine konzessionierte Gesangschule (später auch als „Gesang- und Opernschule“ bezeichnet), wobei er die „Neue Methode der Tonbildung und Gesangskunst“ bewarb und eine Ausbildung in „Gesangskunst nach italienischer und deutscher Schule“ versprach. Die Prüfungen und Aufnahmen erfolgten im Klaviersalon von M. Leitermayer im Trattnerhof (Wien I). 1860 bewarb er sich erfolglos um die Leitung der Wiener Hofoper. 1867 wird berichtet, dass es für die Abhaltung von Prüfungen ein Salontheater gab. Die Schule besaß einen guten Ruf, sechs Vorstellungen im Akademie-Theater (vormals Residenztheater, Canovagasse 1, Wien I) mit Ausschnitten aus Opern des 19. Jh.s (Klavierbegleitung: Emil Weeber) 1876 riefen eine positive Resonanz in der Presse hervor. Seine Gesangmethode war jedoch nicht unumstritten. Bis 1865 wohnte Sch. in Währing (Wien XVIII), danach ist er unter verschiedenen Adressen in Wien I nachweisbar. Ab 1867 war er auch als Theateragent tätig, um 1870 war Karl Wilke Administrator bei ihm.

Schüler Sch.s waren u. a. Hermann Dohrs (1876 nach Innsbruck engagiert), Katharina Worani (1867 an die Hofoper engagiert), Caroline Singer (1871 nach Magdeburg/D engagiert) sowie die Sänger Flemming (Auftritte 1861 in Linz und Graz), Rappaport, Hartl, Schachner, Weller und die Sängerinnen Ida Tipula (zuvor am Konservatorium der GdM), Stoy, Lampe (eventuell Caroline Steinmann-Lampé), Liedermann, Orabuena (Auftritt 1871 in Salzburg) und Streda.

Im Wiener Adressbuch ist nach Sch.s Tod noch bis 1907 eine Anna Bertini-Sch. (auch Ida Sch.-Bertini, * ?, † ca. 1907 [Ort?]) als Gesanglehrerin nachweisbar. Zunächst auf Sch.s letzter Wohnadresse (Wien I, Babenbergergasse 9) wohnhaft, übersiedelte sie im Herbst 1904 in die Mühlgasse 5 (Wien IV).


Schriften
Die Tonbildung der Gesangskunst in ihrer Vollendung, oder der Unterricht wie er sein soll!, 1858.
Literatur
H. Mansfeld in Jb. der Ges. f. Wr. Theaterforschung 11 (1959); Hadamowsky 1988, 428; Fromme’s musikalische Welt 1 (1876) – 4 (1879); Ulrich 1997; Der Humorist 28.1.1859, 3f; Recensionen u. Mittheilungen über Theater u. Musik 23.2.1859, 129f; Fremden-Bl. 2.1.1861, 4, 10.10.1857, 14, 12.4.1876, 8, 30.5.1876, 4, 10.6.1876, 8; [Grazer] Tagespost 31.8.1861, 3, 13.2.1876, Abendbl., 3; Neues Fremden-Bl. 9.8.1867, 6; Der Zwischen-Akt 24.11.1867, 3; Wr. Theater-Chronik 29.7.1870, 115, 4.8.1871, 123, 17.11.1871, 182, 9.4.1875, 59, 14.4.1876, 62, 26.5.1876, 87, 21.7.1876, 119, 29.9.1876, 160; Innsbrucker Nachrichten 9.12.1872, 2980; Morgen-Post 2.4.1876, 5, 14.4.1876, 3; Neues Wr. Abendbl. 10.5.1876, 4, 19.5.1876, 4, 7.6.1876, 4, 12.7.1876, 4, 14.7.1876, 4; NFP 28.6.1876, 6; Die Presse 28.6.1876, 11; Neue Zs. f. Musik 1.9.1876, 353; Wr. Ztg. 25.3.1879, 14; Neues Wr. Journal 6.10.1904, 15; Taufbuch 1815–22 der Evangelischen Gemeinde Wien I, 1821, RZ 106; Sterbebuch 1877–79 der Evangelischen Gemeinde Wien I, 1879, RZ 71; Lehmann-Adressbücher 1859–1907; ÖStA (HHStA, HA, GIdHTh, K. 84).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Schaller, Johann (Pseud. Bertini, J. H. Bertini, Johann Heinrich Sch.-Bertini, Johann Friedrich Bertini-Sch.)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22/10/2019]