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Schiechtl, Schiechtl, true Anton (Toni)
* 1881-04-2121.4.1881 Kitzbühel/T, 1953-03-1515.3.1953 Innsbruck. Komponist, Musiker, Beamter. Sohn des Lehrers und Chorregenten von Kitzbühel, Ignaz Sch. d. J. (* 2.7.1830 [Ort?], † 1911 Kitzbühel), und dessen Frau Anna Maria Therese (geb. Russegger, * 19.10.1853 Kitzbühel, † 19.7.1934 Kitzbühel). Sch.s Großvater war der Kramsacher Lehrer und Organist Ignaz Sch. d. Ä. (* 1.2.1788 Kramsach-Voldöpp/T, † ?), verheiratet mit Margarethe (geb. Knoll, * 28.6.1793 Breitenbach am Inn/T, † ?). Sch. heiratete am 22.8.1914 Friederike Emilie Müller (* 31.3.1890 Graz, † 19.4.1983 Innsbruck). Das Paar hatte fünf Söhne, von denen vier im Zweiten Weltkrieg gefallen bzw. vermisst sind. Ignaz Sch. d. J. nahm seinen Sohn wie dessen Schwester schon als Kind zum Singen mit auf den Kirchenchor, bestimmte ihn für die geistliche Laufbahn und schickte ihn nach dem Besuch der Volksschule in Kitzbühel (1887–92) an das Borromäum nach Salzburg. Wegen seiner Musikleidenschaft soll Sch. an das staatliche Gymnasium gewechselt haben. Im Juli 1900 legte er in Salzburg die Matura ab. Er begann 1904 seine Berufslaufbahn als Kanzleigehilfe bei der k. k. Finanzprokuratur in Innsbruck, durchlief in den Folgejahren mehrere Dienstgrade und wurde schließlich 1939 Steueramtmann der Oberfinanzkasse Innsbruck. Am 31.10.1942 trat er in den Ruhestand, worum er aus gesundheitlichen Gründen selbst angesucht hatte. Über seine Musikausbildung ist derzeit nichts bekannt. Zehm erwähnt ein „nebenbei“ betriebenes Germanistik-Studium. Sch. wird als hervorragender Sänger geschildert mit großer Vorliebe für das Liedschaffen von H. Wolf. Klavierbegleiter (Liedbegleitung) seiner Wolf-Liederabende in Innsbruck (vor und nach dem Ersten Weltkrieg) waren z. B. Alexander Myon (Musikdirektor in Brixen) und H. v. Zingerle. Laut familiärer mündlicher Überlieferung soll Sch. gut Klavier und sehr gut Geige gespielt sowie das Quartettspiel gepflegt haben. 1932/33 wirkte er nachweislich als Solo-Tenor an der Jesuitenkirche Innsbruck. Bei der Uraufführung von J. E. Ploners geistlicher Chorkantate Ostermusik am 12.4.1933 in Innsbruck sang er die Solopartie des Evangelisten. Im Juni 1942 verkörperte er bei einer Aufführung von Ploners Scherz, List und Rache op. 99 „vorzüglich“ im Innsbrucker Heim der NS-Frauenschaft den Scapin. Um 1933/34 war er Dirigent des Innsbrucker Kammerchores. Im Dezember 1934 zerwarf er sich mit diesem, nicht zuletzt aufgrund von Schwierigkeiten bei der Einstudierung von E. Berlandas Balladeske op. 24 für ein Konzert. Daraufhin gab Sch. die künstlerische Leitung dieses Ensembles ab, das sich in der Folge auflöste und von Ploner wieder neu („arteigen“) gegründet wurde. Sch. verband mit Ploner eine langjährige Freundschaft. Sch. war Mitglied der 1934 in Innsbruck gegründeten Arbeitsgemeinschaft Tiroler Komponisten. Er legte in der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft vom 8.1.1935 offiziell das Dirigat des Innsbrucker Kammerchores nieder, in der Zusammenkunft am 1.2.1935 wurde sein Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft protokolliert. In der Konferenz der Arbeitsgemeinschaft vom 5.12.1937 begrüßte man „das Wiedererscheinen Sch.s“. Sch. konvertierte 1913 vom Katholizismus zum Protestantismus, möglicherweise aufgrund der anstehenden Heirat mit seiner evangelischen Braut. Er war 1918 im Kriegsdienst gestanden und gehörte folgenden politischen Vereinigungen an: Vaterländische Front (als „Beamter zwangsweise“, 1934–38), NSDAP (ab 5.12.1937, Mitglieds-Nr. 6,104.132/Vorl.; nach anderer Aktennotiz Parteigenosse seit 1.5.1938), NSV, RDB und RLB (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, Reichsbund der Deutschen Beamten, Reichsluftschutzbund ab 30.6. bzw. 1.7. und 12.8.1938). Den Diensteid auf Adolf Hitler legte er am 18.3.1938 ab. Laut einer Beurteilung Sch.s durch die NSDAP Gauleitung Tirol-Vorarlberg vom 17.3.1939 für den Oberfinanzpräsidenten Innsbruck gehörte Sch. „schon immer“ zum „nationalen Lager“ und „biete Gewähr“, sich „stets rückhaltlos“ für den NS-Staat einzusetzen. Charakterlich sei „nichts Nachteiliges“ über ihn bekannt. Sch. wohnte seit 1931 in Innsbruck-Mühlau und wurde am Mühlauer Friedhof „in aller Stille“ beerdigt. Die Familiengrabstätte besteht dort bis heute (2014). Der Verbleib der Musikalien aus Sch.s Nachlass, sowohl seiner eigenen Werke (seine Lieder sind durchkomponiert im Streben nach Synthese von Wort und Ton) wie Notenmaterial anderer Komponisten, ist derzeit (2014) fraglich. Wahrscheinlich liegen sie unbeachtet in Privathand.
Ehrungen
Bronzene Tapferkeitsmedaille; Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse 1942; Treudienst-Ehrenzeichen 2. Stufe 1942.
Schriften
Emil Berlanda: Musik für den Totensonntag [op. 11] in Tiroler Anzeiger 17.11.1931; Emil Berlanda: „Musik für den Totensonntag“ [op. 11]. Zur Uraufführung durch den Innsbrucker Kammerchor in Innsbrucker Nachrichten 21.11.1931.
Werke
gedruckt: (Bearb.) Es wird scho glei dumpa in Hirten- und Krippenlieder aus Nord- und Südtirol, F. 1, hg. v. Arbeitsgemeinschaft Tiroler Komponisten, Innsbruck 1937; hs. (nach Zehm): Sololieder mit Kl., aber auch anderen Instrumenten, häufig auf eigene Texte (z. B. Der Abend kommt gegangen [mit Fl. u. Vc.], Abendlied an die Natur, An das Herz, An die Luft, Auf Flügeln, Begegnung, Darum, Der Feind, Frühlingsfromm, Des Gärtners Klage, Gib dich darein, Glocken, Gott ist alle Dinge, Gott lauscht, Gebet eines Lebensdürstenden, Einer jungen Frau, Der Hahnenruf, Lockende Welt, Mädchenlied, Magna Mater, Mein Herz ist so voll Traurigkeit, Neue Liebe [T: Gustav Falke, im Zyklus Eine Liebe], Schicksalsfahrt, Schweigsame Liebe, Siehst du den Stern, Singende Seele, Spätsommer, Ständchen [Schifferliedchen], Trauernd Land, Unterm Haus-Kruzifixus, Der Wagen, Was ich dir verdanke, Weltgetragen, Zum Totensonntag), Lieder „im Tiroler Volkston“, Chöre, Männerchöre; Sonaten f. V. und f. Vc., weitere Kammermusik; Kantate Die Legende vom Weltschatten; hs. (nach Mitt. v. J. Sch.): Variationen über das in Innsbruck bei J. Groß (ca. 1850) gedruckte Lied Bist einmal kommen du Heiland der Welt von Dominikus Schiechtle (1786–1867) für V. u. Orch. oder Kl.
Literatur
Radio Wien 10/34 (1934), 3; L. Zehm, Tiroler Liedkomponisten des zwanzigsten Jahrhunderts, Diss. Innsbruck 1957; H. J. Spiehs, Josef Eduard Ploner 1965; A. Riester in ÖMZ 25 (1970); ME 4 (1950/51), 252; Innsbrucker Nachrichten 11.12.1937 [Druckausgabe Tiroler Hirten- und Krippenlieder], 9.9.1941 [Gefallenenanzeige Sohn Fritz], 19.6.1942 [Sänger in Scherz, List und Rache von J. E. Ploner), 7.7.1942 [Gefallenenanzeige Sohn Wolfgang], 20.11.1943 [Liedsänger]; Tiroler Tageszeitung 17.3.1953 [Todesanzeige, ebd. u. a. genannt als Bruder Ignaz Sch., als Schwester Anna Steiner], 24.3.1953 [Dank f. Anteilnahme]; E. Berlanda, [Autobiographie], Typoskript ca. 1950 (Kopie Archiv Institut für Tiroler Musikforschung); Tiroler Landesarchiv Innsbruck (Taufbuch Kitzbühel 1881 [Mikrofilm], Finanzlandesdirektion Innsbruck Personalakt 4476: Sch. A.); Meldeamt Innsbruck (Meldebogen); www.musikland-tirol.at (4/2014); Mitt.en Jörg Sch. und Gudrun Purtscheller (geb. Sch.), beide Enkel von A. Sch., Innsbruck (2 und 3/2014).

Autor(en)
Hildegard Herrmann-Schneider
Empfohlene Zitierweise
Hildegard Herrmann-Schneider, Art. „Schiechtl, Anton (Toni)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 30/04/2014]