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Scholl, Scholl, Nikolaus Familie
Nikolaus (Niklas): * 1749-12-2323.12.1749 [1745?] Freistadl/Ungarn (Hlohovec/SK), † 1822-04-044.4.1822 Alservorstadt (Wien IX). Flötist. War Kpm. bei Michael Hieronymus Fürst Radziwill und muss über Galizien und Pressburg (Geburt der Söhne 1778 bzw. 1783) nach Wien gekommen sein. Er trat 1787 in einem Konzert der Tonkünstler-Sozietät als Solist auf, damals, wie auch noch 1789, gehörte er der Kapelle des Fürsten Grassalkovics an. 1791/92 war Sch. Taufpate von Kindern von F. Sch., die mutmaßlichen Brüder wohnten zu der Zeit im selben Haus in St. Ulrich (Wien VII). Bis 1796 ist N. Sch. jedenfalls als Musiker in Wien nachweisbar, 1791–1822 war er Mitglied der K Ca. 1800 soll er Kapellmeister des IR.s Nr. 32 in Pest gewesen sein. Bei der zweiten Heirat seines Sohnes K. 1809 wird er als Hofmusiker bezeichnet (nicht bei Köchel). Als am 28.10.1817 seine Frau Theresia starb, wohnte die Familie in der Leopoldstadt (Wien II). Möglicherweise übersiedelte Sch. danach wieder in seine Geburtsstadt, in der Verlassenschaftsabhandlung nach seinem Tod wird beim Wohnort vermerkt: „von Freystadl aus Ungarn reisend anher“. N. Sch. soll an der Entstehung (Instrumentierung?) des ungarischen Rákóczi-Marschs beteiligt gewesen sein.

Sein Bruder?

Franz: * ca. 1752/58 Freistadl?, † 27.11.1828 Pressburg/Ungarn (Bratislava/SK). Holzblasinstrumentenbauer. Er wird 1791/92 als Musikus bezeichnet und ab 1794 als Instrumentenmacher und Musikus in Wieden (Wien IV). 1792 und 1794 bemühte er sich am Wiener Hof um die Nachfolge des Instrumentenmachers Th. Lotz und suchte 1799 um die Verleihung des Hoftitels an. Sch. wurde von K. Franz II. 1802 ein Privileg für Herstellung und Verkauf seines selbst erfundenen Blasinstrumentes „Schollbasso“ (klarinettenartig, Umfang von vier Oktaven) erteilt. 1803 annoncierte er eine Liste von ihm verbesserter Instrumente (Klarinetten mit erweitertem Umfang, Schollbasso und Fagotte). Seine Werkstatt befand sich in der Favoritenstraße (Wien IV). 1805 offerierte Sch. seine Instrumente erfolglos N. II. Fürst Esterházy; danach verliert sich seine Spur bis zu seinem Tod.

Nikolaus’ Söhne

Karl Hieronymus Nikolaus (Charles): * 12.1.1778 Zolkiew/Galizien (Żółkiew/PL), † 12.2.1854 Wien. Flötist und Komponist. Studierte in Wien an der Univ. und wurde ab 1790 von seinem Vater musikalisch ausgebildet (Gesang, Violine, Flöte), später von K. Kreith zum Flötenvirtuosen. 1796 ist er als 2. Flötist am Theater in der Leopoldstadt überliefert. 1797 wurde er im K. k. Hoftheater nächst der Burg (Burgtheater) angestellt, 1813–39 wirkte er im Hofoperntheater. Daneben unterrichtete er; Schüler waren u. a. J. Fahrbach und P. Amtmann. Als Komponist trat er mit Stücken für sein Instrument hervor.


Werke
virtuose Kompositionen für Fl. mit u. ohne Begleitung (s. Abb.), Kammermusik (auch für Csakan), Tanz- u. Marschmusik f. Kl.


Friedrich: * vor 1780? (Ort?), † zw. 1796/1817 (Ort?). Klarinettist. Über ihn ist kaum etwas bekannt, 1796 ist er als 2. Klarinettist am Theater in der Leopoldstadt belegt, danach ist er in Wien nicht mehr greifbar. 1817, beim Ableben der Mutter, war er nicht mehr am Leben.

Martin Joseph: * 17.3.1783 Pressburg (Bratislava), † 9.12.1859 Parma/I. Flötist, Komponist, Kapellmeister. War ab 1808 Kapellmeister bei der → Militärmusik des IR Nr. 4 (Hoch- und Deutschmeister), noch 1817 wird er als solcher bezeichnet; im selben Jahr fand beim Sperl in Wien eine Akademie zu seinen Gunsten statt, bei der auch sein Bruder J. auftrat und Werke von → J. und G. Heidenreich zu hören waren. 1818–50 gehörte er der Tonkünstler-Sozietät an. 1821–31 war Sch. Hof-Harmonie- und Balldirektor am Hof von Erzherzogin Maria Louise (Tochter von K. Franz II./I.) in Parma, wo er auch Werke von M. Pamer zur Aufführung brachte. 1838 Musiklehrer in Casalmaggiore/I, 1842–44 Musiklehrer und Kapellmeister in Bregenz, ab ca. 1851 lebte er wieder in Parma.


Werke
Walzer und weitere Tanzmusik, Arrangements bekannter Stücke von W. A. Mozart (Requiem), J. Haydn (Teile der Oratorien), L. v. Beethoven, C. Czerny, G. Rossini u. a. f. Harmoniemusik, Märsche, Klaviermusik.


Simon: * 27.4.1789 Mariahilf (Wien VI), † 15.2.1832 Raab/Ungarn (Győr/H). Musiker. Wird 1813 als Musiker bezeichnet, weitere Details fehlen bislang; seiner Witwe hinterließ er zwei Töchter. Seine 1846 gestorbene Tochter Maria wird als Tochter einer herrschaftlichen Kammermusiker-Witwe bezeichnet, was auf eine Tätigkeit S.s in einer Adelskapelle hinweist. Bei den am 2.5.1800 im Theater in der Leopoldstadt als Violinisten auftretenden „2 kleinen Scholl“ könnte es sich um ihn und seinen Bruder J. gehandelt haben. Ebenso könnten diese beiden Brüder jene „Gebrüder Scholl“ gewesen sein, die am 29.1.1828 im Saal zum schwarzen Bock (Wien IV) einen Gesellschaftsball (Ball) veranstalteten.


Werke
Bearbeitung der Romanze aus der Oper Die Gämsen-Jäger von Gottlob Benedict Bierey f. Singstimme u. Git. 1814.


Joseph Lorenz: * 29.11.1791 St. Ulrich, † 27.8.1838 Alservorstadt (Wien VIII). Cellist. Lebte zumindest 1817–25 als Musiker in der Leopoldstadt, danach in Mariahilf (ca. 1828), Laimgrube (Wien VI; ca. 1831) und Wieden. Taufpatin seiner 1828 geborenen Tochter Franziska war die Witwe nach J. F. Morelly, Barbara. 1828/29 war er kurzeitig auf Vermittlung seines Bruders M. Sch. Cellist am Hof zu Parma. Am 11.5.1829 spielte er in einer Akademie im Theater in der Leopoldstadt ein Violoncellokonzert. Er starb im Allgemeinen Krankenhaus und hinterließ seiner Witwe Agnes, geb. Schreiner, acht Kinder.

Am 19.1.1784 konzertierte in Pressburg eine Sängerin namens Sch., es ist unklar, ob es sich hierbei um eine Verwandte dieser Familie handelte.


Literatur
H. Strebel, Anton Stadler: Wirken u. Lebensumfeld des „Mozart-Klarinettisten“ 2016; Dullat 2010; G. Mendolicchio, Musica alla corte ducale di Parma 2014; E. Anzenberger-Ramminger/F. Anzenberger in F. Anzenberger (Hg.), Symposiumsbericht. Symposium zur Musik der „Hoch- und Deutschmeister“ in der Donaumonarchie 2016; A. Bösch-Niederer (Hg.), Victorin Drassegg (1782–1847) 2016, 37 u. 53; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1836 bis 1848, 2004; W. Waterhouse, The New Langwill Index 1993; H. Haupt in StMw 24 (1960); Wurzbach 31 (1876); C. F. Pohl, Denkschrift aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Tonkünstler-Societät 1871; R. Angermüller, Wenzel Müller u. „sein“ Leopoldstädter Theater 2009; Köchel 1867; Magyar Nagylex. 15 (2002), 293 [Rákóczi-induló]; ZeneilL 3 (1965); MGÖ 2 (1995); A. Ziegler, Addressen-Buch von Tonkünstlern, Dilettanten […] in Wien 1823, 80 [Schall]; J. F. v. Schönfeld, Jb. der Tonkunst v. Wien u. Prag 1796; AmZ mit besonderer Rücksicht auf den österr. Kaiserstaat 10.4.1817, 117f; Wr. Ztg. 29.1.1828, 116, 30.3.1847, 455; Pester Lloyd 14.11.1892, 3; F. Rathner, Die bewaffnete Macht Österreich-Ungarns 1618–1918 in ihren Märschen 1983, Bd. 2, 72; Weinmann 2/9, 2/9a, 2/10, 2/11, 2/19, 2/23; Taufbuch 1783–90 der Pfarre Mariahilf (Wien VI), fol. 304, 412; Taufbuch 1792–99 der Pfarre St. Ulrich (Wien VII), fol. 4, 8 u. 62; Trauungsbuch 1791–1801 der Alservorstadtpfarre (Wien VIII), pag. 507f; Trauungsbuch 1806–20 der Pfarre St. Leopold (Wien II), fol. 313; Trauungsbuch 1807–10 der Dompfarre St. Stephan (Wien I), fol. 128; Taufbuch 1811–19 der Pfarre St. Leopold, fol. 86; Taufbuch 1819–26 der Pfarre St. Leopold, fol. 201; Taufbuch 1827–32 der Pfarre Mariahilf, fol. 72; Taufbuch 1830–32 der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube (Wien VI), fol. 73; WStLA (G. Gugitz, Auszüge über Persönlichkeiten des Wr. Kulturlebens [Archivbehelf]; Verlassenschaftsabhandlungen 4375/1800, 4529/1817, 4425/1822, 173/1833, 6148/1838, 4544/1846; Portheim-Kat.); www.conservatorio.pr.it (3/2018).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Scholl, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]