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Schreiber, Schreiber, true Adolf
* 1881 -05-055.5.1881 Prag, † 1920 -09-011.9.1920 Berlin (Freitod). Komponist und Dirigent. Sohn eines Tapezierermeisters. Absolvierte wahrscheinlich 1899–1902 die dem Prager Konservatorium angegliederte Orgelschule, der gleichzeitige Besuch einer Violinklasse sowie Kompositionsunterricht bei A. Dvořák ist möglich. Sch., eine nach der Charakteristik seines Jugendfreundes und Apologeten M. Brod (* 1884) geniale, aber von Selbstzweifeln erfüllte Künstlernatur, die sich in der realen Welt nicht zurecht gefunden habe, war als Kapellmeister fast ausschließlich im Operettenfach tätig. Als Stationen lassen sich u. a. nachweisen: Linz, Ingolstadt/D, Pilsen, Bozen, ab 1907 Hamburg/D (2. Kapellmeister am Neuen Operetten-Theater), ab 1909 Berlin (2. Kapellmeister am Theater des Westens bzw. am Neuen Operetten-Theater). Während des Ersten Weltkriegs war Sch. zunächst an verschiedenen Fronttheatern eingesetzt, es folgten 1916 das Sommertheater in Schwerin/D, 1917 das Stadttheater in Kattowitz (Katowice/PL), schließlich ein Engagement als Chorleiter am Deutschen Künstler-Theater Berlin. Eine Zeitlang war er auch Lehrer an der Neuen Opernschule von Mary Hahn in Berlin. Von Sch.s Kompositionen liegen nur insgesamt 11 Lieder gedruckt vor, wobei seine Textauswahl einen weiten literarischen, von der Antike bis in die Moderne reichenden Horizont verrät. In kompositorischer Hinsicht scheint seine Stärke v. a. in der musikalischen Charakteristik kurzer, oft karikierender Texte (etwa jenen von Christian Morgenstern) gelegen zu sein. Obwohl Sch.s künstlerische Begabung von L. Janáček, Carl Nielsen und Engelbert Humperdinck, angeblich auch von G. Mahler anerkannt wurde (H. Berl verglich Sch. sogar mit Mahler und A. Schönberg), ist sein Schaffen zu seinen Lebzeiten so gut wie unbekannt geblieben. Eine gültige Beurteilung seines Werkes sowie seine verbürgte Beziehung zum Prager Kreis, v. a. zu Franz Kafka und M. Brod – in dessen Besitz sich ein umfangreicher Briefwechsel, besonders aber zahlreiche Kompositionen Sch.s befanden – ist angesichts der schmalen Quellenbasis bzw. des feuilletonistischen Charakters der Monographie Brods zur Zeit (2015) noch nicht möglich.
Werke
gedruckt: Unsere Gespräche (Lied) in Dt. Arbeit 8 (1908/09); 10 Lieder 1921. – ungedruckt (nach Sch.s Tod im Besitz von M. Brod): Bühnenmusiken zu Dramen M. Brods; Chöre a-capella; Liederzyklus (Singstimme, Kl. u. Va.) nach Rainer Maria Rilkes Marienleben; Leonore (Chor m. Orch., T: Gottfried August Bürger); Liederzyklus nach Gedichten Ch. Morgensterns; ca. weitere 200 Lieder; Sonate f. V. u. Kl. etc.
Literatur
ÖBL 11 (1999); Riemann 1929; M. Brod in Die Schaubühne 9 (1913); L. Andro in Der Merker 12 (1921); M. Brod, A. Sch. 1921; Neuer Theater Almanach (bzw. Dt. Bühnen-Jb.) 14 (1903) – 33 (1922); H. Berl, Das Judentum in der Musik 1926; H. Reitterer in Kontexte. Musica iudaica 1998 (1999); L. Janáček in Lidové noviny 25.9.1921; M. Brod – F. Kafka: Eine Freundschaft II. Briefwechsel, hg. v. M. Pasley 1989; L. Janáček. Feuilletons aus den „Lidové noviny“, hg. v. J. Racek/L. Spies 1959; LdM 2000; J. Branberger, Das Konservatorium für Musik in Prag 1911, 353.

Autor(en)
Hubert Reitterer
Empfohlene Zitierweise
Hubert Reitterer, Art. „Schreiber, Adolf‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]