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Schwarzenberg, Schwarzenberg, true Familie
Fränkisches Adelsgeschlecht, 1172 erstmals urkundlich erwähnt; der Name Sch. wird seit dem Erwerb der gleichnamigen Herrschaft 1405 geführt (Freiherren zu Sch., ab 1566/99 Grafen, ab 1671 Reichsfürsten [Primogenitur], 1746 Ausdehnung der Fürstenwürde auf die ganze Familie). 1661 erbten die Sch. von den Eggenbergern große Ländereien in Österreich (Steiermark, Krain) und Böhmen; Hauptsitz der Familie war ab 1654 Wien, seit dem 18. Jh. bis 1918 auch Böhmisch Krumau (Český Krumlov/CZ). Die Familie kann als typisches Ministerialengeschlecht angesehen werden, deren zahlreiche Mitglieder in kaiserlichen Diensten zu finden sind (v. a. in militärischen Funktionen). Nachrichten über ein Musikleben am Hof der Familie Sch. stammen aus dem frühen 18. Jh.

Adam Franz Karl: * 25.9.1680 Linz, † 11.6.1732 Brandeis an der Elbe/Böhmen (Brandýs nad Labem/CZ). Adeliger, Mäzen. Ab 1703 Majoratsinhaber, wurde 1711 unter Joseph I. Oberststallmeister, im selben Jahr unter Karl VI. Obersthofmarschall und 1722 Oberststallmeister. 1723 Hzg. v. Krumau. Ab 1701 mit einer Tochter von F. A. v. Lobkowitz verheiratet, der seinerseits 1706 in vierter Ehe eine Schwester A. F. K.s ehelichte. Er starb an den Folgen einer Schussverletzung, die ihm Karl VI. im Zuge eines Jagdunfalls zugefügt hatte. Der kunstliebende Fürst hatte auch Musiker in seinen Diensten: J. Z. Garzaroll, Franz Wondraczek (Hornist und Kopist), Tomás Vlach (Trompete), Jan Černohorský (Trompete), Jakob Karl Kohaut (Laute, Vater von K. v. Kohaut).

Sein Sohn Joseph Adam Johann Nepomuk: * 15.12.1722 Wien, † 17.2.1782 Wien. Adeliger. Unter Maria Theresia ab 1755 Obersthofmarschall und ab 1776 Obersthofmeister. Gründete eine eigene Adelskapelle und begann mit dem Aufbau einer Musikaliensammlung; 1746 sind neben F. Wondraczek (bis 1752) und J. K. Kohaut (bis 1750) nur Josef Andrezek (bis 1752), Franz Schlechta (Šlechta), Matthias Procháska und der Organist F. F. Arbesser als Kapellmitglieder belegt. 1752 trat Matthias Gross neu in die Kapelle ein. 1762 verfügte der Fürst, dass musikalisch ausgebildete Personen bevorzugt in fürstliche Dienste aufzunehmen seien. In den folgenden Jahrzehnten gehörten der gerühmten Sch.ischen Harmoniemusik (2 Oboen, 2 Englischhörner, 2 Hörner, 2 Fagotte) an: Johann Georg Kunst (Kunz), Mathias Červenka, Johann Vodička, Peter Bradáč († 1805 Wien), Joseph Fikar, Johann Schlechta, J. G. Triebensee, Ludwig Partl (Vartl, Partl, † 1797 Wien), I. Teimer, J. Went, Joh., Ph. und F. Teimer, Karl Reütter, Wenzel Kautzner, Leopold Procháska, Franz Müller, Franz Oliva, Christoph Sartori, Sebastian Rothschmidt, Willibald Lother, J. Czerwenka. Als Klavier- und Gesanglehrer fungierte G. Scarlatti. Leiter der Harmoniemusik – sie bestand unter J. A.s Nachfolgern bis 1796 vollständig, bis 1808/09 noch in Teilen –, war in den 1780er Jahren A. J. Jüngling, Expeditor der fürstlichen Hofkanzlei. Unter J. A.s Regierung wurde 1765/66 in Krumau auch ein neues Schlosstheater errichtet (bereits A. F. hatte mit der Aufführung von Opern in Krumau begonnen). 1776–82 war er Protektor der Tonkünstler-Sozietät.

Dessen Enkel Joseph Johann Nepomuk: * 27.6.1769 Wien, † 19.12.1833 Frauenberg/Böhmen (Hluboká nad Vltavou/CZ). Adeliger. War wie sein Vater Johann Nepomuk (* 3./4.7.1742 Postelberg [Postoloprty/CZ], † 5.11.1789 Frauenberg) Mitglied der Associierten Cavaliers in Wien, für deren Aufführungen (u. a. von J. Haydns Schöpfung und Jahreszeiten) der Fürst das alte Stadtpalais zur Verfügung stellte. J. J. N. war mit G. van Swieten, J. Haydn und A. Salieri befreundet und förderte zahlreiche junge Künstler (u. a. L. v. Beethoven, der ihm sein Quintett op. 16 widmete). 1810–12 war er weiters Mitglied jener Theaterunternehmungsgesellschaft, die 1807 die Wiener Hoftheater gepachtet hatte. 1812–14 war er gemeinsam mit A. I. v. Lobkowitz als Verwalter des Vermögens von J. F. M. v. Lobkowitz für die Administration der Hoftheater verantwortlich.

Dessen Sohn Friedrich Johann Joseph Cölestin: * 6.4.1809 Wien, † 27.3.1885 Wien. Geistlicher. Studierte in Wien und Salzburg, 1833 Priesterweihe, 1835–50 Erzbischof von Salzburg und 1849–85 von Prag; 1842 Kardinal. F. hatte maßgeblichen Anteil am kulturellen Aufschwung Salzburgs ab den 1830er Jahren und war einer der Gründerväter des Dom-Musik-Vereins und Mozarteums Salzburg.

J. J. N.s Bruder Ernst Joseph Johann Nepomuk: * 29.5.1773 Wien, † 14.3.1821 Wien. Geistlicher, Mäzen, Komponist. Bereits 1782 Domherr zu Köln/D, 1792 zu Lüttich/B, Theologiestudium in Wien, Mitglied des Domkapitels von Salzburg (ab 1795) und Passau (ab 1797). 1807 Priesterweihe in Wien, 1808 Domherr zu Gran (Esztergom/H), 1816 Erzdiakon zu Schoßberg (Šaštín-Štráze/SK) und 1818–21 (1819 geweiht) Bischof von Raab (Győr/H). V. a. während seiner Salzburger Zeit (1796–1806) widmete sich E. der Kunst und Musik, er zählte zum Freundeskreis von J. M. Haydn, B. Hacker, Johann Anton Susan, welche ihm zahlreiche Werke widmeten. Selbst komponierte er einige Vokalwerke (geistlich wie weltlich) bzw. Klaviermusik, verfasste eine Schrift zur Errichtung einer Musikakademie in Salzburg und ließ auf seine Kosten Elisabeth, die Schwester von S. Neukomm, bei J. Tomaselli ausbilden. Seine sehr kostspielige Hofhaltung führten zu einer Versteigerung seines Nachlasses, aus dem 1822 sein Bruder J. J. die Musikalien erwarb.


Gedenkstätten
Sch.promenade (Salzburg-Aigen).


Dessen Neffe Friedrich Karl: * 30.9.1799 Wien, † 6.3.1870 Wien. Militär und Literat. Sohn von Karl Philipp v. Sch. (1771–1820), dem Oberbefehlshaber in der Völkerschlacht bei Leipzig/D. Verfasste Erzählungen, Gedichte u. ä. Sein 1835 entstandenes Gedicht Gruß vom Meer vertonte C. Loewe (op. 103/1), der ihn 1844 in Wien kennen gelernt hatte.

Das Musikarchiv der Familie Sch. befindet sich derzeit [2014] in Krumau, umfasst ca. 6.500 Stücke und stammt zum Großteil aus dem Besitz von E. v. Sch.


Literatur
LdM 2000; ÖL 1995; ÖBL 12 (2005); J. Záloha in StMw 44 (1995); A. Mysliík in HaydnJb 10 (1978); MGÖ 2 (1995); Wurzbach 33 (1877); NDB 24 (2010); A. Jakubcová/M. J. Pernerstorfer (Hg.), Theater in Böhmen, Mähren und Schlesien. Von den Anfängen bis zum Ausgang des 18. Jh.s. Ein Lex. 2013; Hadamowsky 1988; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1794 bis 1810. Musik und Tanz im Burg- und Kärnthnerthortheater 2011 2011; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1810 bis 1836. Das Kärnthnerthortheater als Hofoper 2007; J. Stenzl et al. (Hg.), Salzburger Musikgesch. 2005; M. Runze, Carl Loewes Werke. Gesamtausgabe der Balladen, Legenden, Lieder und Gesänge für eine Singstimme 10 (o. J. [1900/01]); I. Kubiska-Scharl/M. Pölzl, Die Karrieren des Wr. Hofpersonals 1711–1765, 2013; R. Topka, Der Hofstaat Kaiser Karl VI., Diss. Wien 1954; C. F. Pohl, Denkschrift aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Tonkünstler-Societät 1871; E. Michel-Blagrave in D. Šedivý (Hg.), [Kgr.-Ber.] Salzburgs Musikgeschichte im Zeichen des Provinzialismus? 2014; www.angelfire.com (4/2014); http://genealogy.euweb.cz/schwarzb/schwarzb3.html (4/2014); http://de.wikipedia.org (4/2014).

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher/Christian Fastl, Art. „Schwarzenberg, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 28/04/2014]