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Seelos Seelos true (Sellas), Familie
Geigen- und Lautenmacher. Zahlreiche Mitglieder der aus dem Allgäu/D stammenden Familie waren ab dem frühen 17. Jh. in Österreich und Norditalien (dort unter dem Namen Sellas) als Instrumentenmacher tätig, wobei von den bisher Nachgewiesenen nur jene, die nördlich der Alpen tätig waren, behandelt werden.

Georg: * ? Osterrainen, Pfarre Rieden bei Füssen/D, † zw. 1668/Jänner 1670 (Ort?). Der Sohn des Mang S. hat nach einer Vermutung Layers bei seinem gleichnamigen Vetter in Venedig das Handwerk gelernt. Erstmalig nachweisbar ist er 1644 in Kaltern/Südtirol (Caldaro/I). 1646 erhielt er einen Geburts- und Freibrief in Füssen und ließ sich in Innsbruck nieder. 1647 heiratete er die Uhrmachertochter Anatolia Saurwein und erhielt in der Folge von Erzhzg. Ferdinand Karl einen Freibrief, der ihm die Ausübung seines Gewerbes sicherte. Damit wurde er zu einem Konkurrenten des in Absam/T ansässigen J. Stainer. S. stand bis 1662 als Geigenmacher und Leibtrabant mit einer jährlichen Besoldung von 120 fl im Dienst des Landesherrn. Dafür hatte er die Instrumente des Hofes zu betreuen, zusätzliche Arbeiten wie etwa Neubauten wurden separat vergütet. Das Naheverhältnis zur Innsbrucker Hofkapelle zeigt sich u. a. darin, dass der Hofkapellmeister A. Rainer wiederholt als Taufpate für S.’ Kinder fungierte. Nach dem Tod des Erzhzg.s 1662 wurde S. als Trabant entlassen, behielt aber die Stellung eines Hofgeigenmachers. Obwohl er auch Aufträge von anderen Innsbrucker Kapellen erhielt, dürfte er in finanzielle Nöte geraten sein und hinterließ nach seinem Tod seine Familie in Armut. Die Witwe führte das Gewerbe mit Hilfe der beiden Söhne weiter:

Johann Georg: * ca. 1650 (Ort?), † 7.5.1724 Innsbruck. War zunächst Musiker und wird 1673 als Pfarrsinger erwähnt. 1681 erhielt er vom Kaiser einen „Hof-Freiheitsbrief“ als Geigenmacher in Innsbruck. Als Begründung wurde angeführt, dass einerseits bereits sein Vater diesen Posten bekleidet und er andererseits fünf Geschwister zu erhalten habe. In diesem Jahr übernahm er auch von seiner Mutter das väterliche Handwerk. S. führte für die Hofkapelle Reparaturarbeiten aus, lieferte aber auch neue Instrumente, Bögen und Saiten. Seine Arbeit wurde durch eine geistige Erkrankung beeinträchtigt und 1691 soll er „in Wahnsinn“ verfallen sein. Trotz wiederholter vorübergehender Besserung seines Zustands waren die verbleibenden Lebensjahrzehnte von wirtschaftlicher Not gekennzeichnet. S. konnte immer wieder kleinere Arbeiten durchführen, doch wurden auch Aufträge für Reparaturen an ortsansässige Tischler oder Berufskollegen weitergegeben.

Johann: * 20.2.1654 Innsbruck, † Juli 1715 Linz. Dürfte wie sein Bruder das Handwerk bei seinem Vater gelernt haben. 1679, nach dem Tod von Rudolf Höß, ließ er sich in Linz nieder, erhielt das dortige Mitbürgerrecht und verdrängte den kurz vorher aus Bozen (Bolzano/I) angereisten M. Alban. Wenig später heiratete S. und bezog ein Haus in der Bethlehemstraße 8. 1696 richtete er an Leopold I. ein Bittgesuch um Erteilung eines Privilegs für Linz und das gesamte Land Österreich ob der Enns. Obwohl er in dem Gesuch falsche Angaben gemacht hatte und sich die Landstände, die durch dieses Privileg wirtschaftliche Nachteile für die Kunden befürchteten, dagegen aussprachen, genehmigte der Kaiser das Ansuchen. Die Folge waren Rechtsstreitigkeiten mit anderen in Oberösterreich ansässigen Landgeigenmachern. Nach seinem Tod setzte die Witwe, gestützt auf das umstrittene Privileg, das auf die Familie überging, das Handwerk fort, welches später auf ihren Schwiegersohn B. Weigert übertragen wurde.

Eine Beurteilung der Arbeiten der drei Geigenbauer ist wegen der geringen Anzahl der erhaltenen Instrumente äußerst problematisch. Mit Sicherheit ist zu sagen, dass die beiden im Linzer Museum befindlichen Barytone von J. S. und seine anderen erhaltenen Instrumente sehr hohes handwerkliches Niveau besitzen.


Literatur
Senn 1954; O. Wessely in Jb. der Stadt Linz 1954; A. Layer, Die Allgäuer Lauten- u. Geigenmacher 1978, 176; R. Bletschacher, Die Lauten- u. Geigenmacher des Füssener Landes 1978, 205; MGG 12 (1965); Lütgendorff 61975 u. 1990; St. Pio, Violin and Lute-Makers of Venice. 1640–1760, 2004, 23–47; Kellner 1956.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Seelos (Sellas), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]