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Show-Chance (Showchance)
Talente-Wettbewerb des ORF, von E. M. Kaiser (Nachwuchsstudio, Ö3) und E. Kugler (musikalischer Leiter) entwickelt. Die Sh.-Ch. fand 1969–74 statt und gilt als Wiege des Austro-Pop und „Urmutter“ der Castingshows (u. a. Die große Chance, Starmania) in Österreich. Ziel war es, neue Talente zu entdecken, deren Karriere der ORF anfänglich unterstützte (Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen, Auftritte). Dabei wurden schnelle Erfolge forciert, Wünsche und Vorstellungen der Interpreten jedoch kaum berücksichtigt; alle Entscheidungen waren der Produktion vorbehalten. Für die Teilnehmer wurden häufig eigene Lieder getextet und komponiert, viele Komponisten und Texter schrieben für die Sh.-Ch.-Teilnehmer, darunter G. Danzer, Margarita Frank, A. Heller, Ch. Kolonovits, Alfred Komarek, E. Kugler, Arthur Lauber, Lance Lumsden, H. Neuwirth, R. Österreicher, R. Opratko, Rob. Ponger, Alfred Schilling, F. E. Zimmermann. 1971/72 gab es die Auflage, dass Einzelinterpreten auf Deutsch singen mussten, Bands war die Sprache dagegen freigestellt. 1973 legte man einen neuen Modus und neue Bedingungen fest, in den Fokus rückte nun die Förderung von Komponisten und Textautoren. Ein Jahr später suchte man wiederum „junge Komponisten und Texter“, die ihre Werke – auf Deutsch – selbst zu singen hatten (das Teilnahmealter war auf 16–26 Jahre beschränkt). Diese letzte Ausgabe der Sh.-Ch. war mit einem Musikvideo-Wettbewerb für Absolventen der Wiener Filmakademie verbunden (eigene Filmjury u. a. mit Fatty George); die fünf Besten erhielten ORF-Produktionen als Preise. Bereits 1973 hatten Studenten der Filmakademie Videoclips mit den Teilnehmern gestaltet, in denen diese sich selbst und ihre Lieder vorstellten.

Die Bewertung der Auftritte erfolgte ausschließlich durch eine Fachjury, deren Zusammensetzung häufig wechselte, u. a. gehörten ihr J. Fehring (1971), Ernst Grissemann (1972–74), J. Grunsky (1970), A. Heller, E. M. Kaiser (1969), E. Kleinschuster (1971), K. Krautgartner (1969), L. Martini (1971), H. Neuwirth (1973), R. Opratko (1969), A. Peschek (1972), P. Schweizer (1972) an. 1970 gab es Mutmaßungen über mögliche Vorab-Absprachen der Juroren. Die Finalshows fanden entweder im großen Sendesaal des Wiener Funkhauses oder in der Wiener Stadthalle statt und wurden z. T. auch live im Fernsehen und/oder im Radio (Ö3) übertragen. An den Vorausscheidungen der Erstauflage sollen sich ca. 1.500 Kandidat/innen beteiligt haben, von den zehn Finalist/innen hatten die meisten bereits Erfahrung mit Auftritten und Schallplatten- oder Rundfunkaufnahmen. 1970–72 gab es jeweils mehrere Vorrundenshows in verschiedenen österreichischen Städten, 1973/74 war die Kandidatenvorauslese ganz an die neun ORF-Landesstudios delegiert. Erster Moderator war 1969 A. Heller, ihm folgten Peter Machac (1970/71) und Dieter Dorner (1972–74). Alle Ausgaben der Show wurden von E. Kugler und seiner Kapelle begleitet.

Sieger (1971/72 gab es getrennte Wertungen für Einzelinterpreten und Bands): 1969 (10 Finalisten): Angela Deloni (* 1946 Linz); 1970 (15): ex aequo M. Mendt und Eric (Eric Spitzer-Marlyn, * 1952 San Diego/USA); 1971 (8 Einzelinterpreten und 7 Bands): Elfi (Elfriede Sepp, * 1952 Dornbirn/V) und Golem; 1972 (9 bzw. 5): Stefanie (Stefanie Elfriede Vyhnak, 1949–2013) und Acid (mit Rob. Ponger); 1973 (12): P. Cornelius; 1974 (12): Ray & Mick (R. Bilgeri [1971 mit der Gruppe Wanted bereits 6.] und Michael Köhlmeier). Weitere Teilnehmer waren u. a. G. Ens (5./1972), Marika Lichter (3./1969), P. Meissner (2./1974), Waterloo & Robinson (3./1971), Worried Men Skiffle Group (7./1969), W. Weiss (6./1972), Wilfried (3./1972), Dawn Breakers (5./1973, mit B. Khadem-Missagh), I. Wolf (Rang?/1973), H. Walcher (2./1972), Wolfgang Hofer (5./1970, später erfolgreicher Texter für U. Jürgens).

1969 fand einmalig eine Internationale Sh.-Ch. in Mainz/D mit je fünf Teilnehmer/innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz (in beiden Ländern gab es zu dieser Zeit ähnliche Veranstaltungen) statt; Sieger wurden die Milestones (bei der Sh.-Ch. 1969 2. Platz), M. Lichter erreichte den dritten Platz. 1970 wurde einmalig eine Schallplatte zur S.-Ch. produziert.

Nach der Letztauflage des Wettbewerbes 1974 gab es im Folgejahr noch eine mit Austro-Pop-Show betitelte Live-Nachfolgeveranstaltung (nicht mehr unter der Ägide des ORF, erstmals mit der W. Lindner-Band), die jedoch nur auf bereits bekannte Künstler zurückgriff und aufgrund von Missmanagement zu einem finanziellen Fiasko wurde. Ab 1976 präsentierte Ö3 neue Talente dann in der Radio-Show Austro-Pop.


Literatur
www.was-wurde-aus.at (6/2018); https://de.wikipedia.org/ (6/2018); eigene Recherchen.

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Show-Chance (Showchance)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 13/09/2018]