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St. Andrä-Wördern
Marktgemeinde im Bezirk Tulln/NÖ. Ursprünglich zwei selbständige Gemeinden, seit 1972 unter Einbeziehung von weiteren fünf umliegenden Ortschaften zu einer Großgemeinde (2003: 6.450 Einwohner) vereinigt. Der Ortsname wurde von der Bahnstation der Franz Josefs-Bahn übernommen.

Eine 1730 erbaute Henke-Orgel (möglicherweise ein Portativ) in der Pfarrkirche St. A. wurde 1898 durch ein zweimanualiges Werk von A. Mauracher ersetzt. 1984 errichtete Friedrich Heftner eine neue Orgel mit 13 Registern und 930 Pfeifen, das alte Werk wurde an die 1957–66 erbaute Pfarrkirche Greifenstein/NÖ abgegeben. Das Musikarchiv enthält neben seit etwa 1900 gängigen „Landmessen“ Kompositionen von Jos. Fischer (Regens Chori 1904–39) und Werke der klassischen Kirchenmusikliteratur. Leiter des Kirchenchores ist seit 1944 A. Schnürl.

1896–98 bestand ein Männergesangverein Hagenthaler Sängerbund (Männergesang, Sängerbund, s. Abb.). Der Musik- und Gesangverein mit einem Männerchor und einem Salonorchester wurde 1907 gegründet. In einigen seiner Konzerte wirkte auch E. Eysler mit. Heute (2005) unterhält der Verein (Obfrau Ingrid Palzer) eine Blasmusik-Kapelle (Leitung Robert Frieberger), den 1989 von Wolfgang Schnürl gegründeten Hagentaler-Chor (Leitung Kathy Heedles) und eine durch ihre Nestroy-Aufführungen bekannt gewordene Theatergruppe (Leitung Wolfgang Heilinger). Der Schlosschor Hadersfeld (Obmann Walter Fickert), 1973 von Christoph Kuczewski im Schloss Hadersfeld gegründet, ist durch seine gediegenen Choraufführungen auch im benachbarten Ausland bekannt geworden. 1946–56 bestand ein Arbeiter-Mandolinenorchester.

Immer wieder wurden neue Tanz- und Unterhaltungskapellen sowie Bands mit ortsansässigen Musikern gegründet. Durch ihre Originalität weithin bekannt wurde die a cappella-Gruppe Mainstreet, von Willi Dussmann (* 1952) 1980 gegründet; die Gruppe wurde 2002 in Deutschland als „Künstler des Jahres“ in der Sparte „A cappella“ ausgezeichnet.

Eine private MSch. bestand seit etwa 1925. Ihr Leiter, Franz Schwarz (1891–1963), geprüfter Kapellmeister und in der Stummfilmzeit Dirigent des Orchesters im Wiener Burgkino, war ein später Repräsentant der „Turnermeister“: er spielte und unterrichtete alle Instrumente. 1964 gründete A. Schnürl eine MSch. des Musik- und Gesangvereins, die 1984 von der Gemeinde übernommen wurde. Leiter seit 2000 ist Gottfried Brunnbauer.

Zu den Musikerpersönlichkeiten, die sich seit dem Bau der Franz Josefs-Bahn (1870) in St. A.-W. niederließen, gehören: Franz Krenn (1815–97, Prof. für Musiktheorie am Wiener Konservatorium und Chorregent an der Hofkirche St. Michael in Wien), E. Eysler (1874–1949, Operettenkomponist), F. H. Hartmann (1900–72, Komponist, Prof. für Musiktheorie an der MAkad. in Wien und an der Univ. Johannesburg, Südafrika). Von den in St. A.-W. geborenen oder wohnenden Musikerpersönlichkeiten seien genannt: S. Martikke, Sängerin an der Wiener Volksoper, M. Irosch, Sängerin an der Volksoper in Wien, Maria Brojer, Konzertsängerin und Gesangsprof.in in Wien, Regina Prachner und Gabriele Riedel, beide am Konservatorium der Stadt Wien, Mario Aiwasian (* 1969), Tontechniker beim ORF und Betreiber einer „Soundfabrik“; Richard Böhm (* 1969), erster Promovent „sub Auspiciis Praesidentis“ an der MUniv. Wien und Musikprof. am Musikgymnasium in Wien, K. Schnürl (* 1924), ehemaliger Lehrer am Musikgymnasium in Wien, bis 2000 Lektor am musikwissenschaftlichen Institut der Univ. Wien.


Literatur
M. Wotapek, Zur Situation der Musikpflege in St. A.-W., Hausarbeit Wien 1979; K. Schnürl, Die Kirchenmusik an der Pfarrkirche St. A. vor dem Hagental von 1730 bis 1997, 1997; Heimatbuch der Markgemeinde St. A.-W. 2 (2002).

Autor(en)
Karl Schnürl †
Empfohlene Zitierweise
Karl Schnürl †, Art. „St. Andrä-Wördern‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]