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St. Pauls Eppan (deutsch für italienisch S. Paolo Appiano)
Teil der Großgemeinde Eppan an der Weinstraße. Die Großpfarre Eppan mit dem Zentrum in St. P. dürfte seit dem 8./9. Jh. bestehen, früheste Dokumente erwähnen sie im Jahr 1147. Die majestätische Pfarrkirche St. Pauli Bekehrung, der „Dom auf dem Lande“ und einer der bedeutendsten Sakralbauten Südtirols, wurde vom 15. bis in das 19. Jh. wiederholt baulich verändert. In den Jahren um 1600 lieferte Hans Schwarzenbach aus Füssen/D eine Schwalbennestorgel für die Südwand der Kirche (Vertragsabschluss 1599, Bezahlung 1603); 1609 dürfte sie auf die neue Westempore versetzt worden sein. Belegt sind mehrere Reparaturen: 1618 (Lucio Valvassori), 1670 (D. Herz) und 1674 (Sebastian Achammer). Als Eugenio Casparini 1689 für St. P. eine neue Orgel fertigte, nahm er die Schwarzenbach-Orgel in Zahlung, überholte sie und verkaufte sie nach Auer (Ora/I), wo sie seit 1690 in der Peterskirche steht und 1982–86 restauriert wurde. 1895 errichtete F. (II) Reinisch in der Paulskirche eine neue mechanische Kegelladenorgel (II/25), das Gehäuse konstruierte P. Johann Maria Reiter OFM (* 1851 Lienz/T, † 1924 Maria Schmolln/OÖ). Johann Pirchner restaurierte das Instrument 1998. Seit 2002 verfügt die Paulskirche auch wieder über eine Schwalbennestorgel (Verschueren Orgelbouw, Heythuysen/NL). 1998 begann eine Reihe von Orgelkonzerten in der Pfarrkirche („Abendmusik im Dom auf dem Lande“). Sie wurden in Besetzung und Aufführungsorten allmählich ausgeweitet; zur Organisation und Durchführung entstand 2005 der Konzertverein Pauls-Sakral. In St. P. sind derzeit (2017) drei Chöre aktiv: der Chorverein sowie ein Jugend- und ein Kinderchor. Das Organistenamt haben heute professionell ausgebildete Organisten inne. Schon im 17. und 18. Jh. wirkten in St. P. fähige Organisten, damals noch in der üblichen Personalunion Lehrer – Mesner – Organist, ferner waren qualifizierte Musiker angestellt. 1624 wird Mathias Lell aus Madrano/I als Organist der Pfarre St. P. entlohnt (Lunelli 1992, 190).

1814–30 war Dekan B. Ladurner ein Förderer der Musik in St. P. Ca. 1848 wirkte hier der Lehrer, Bassist und Komponist St. Stocker. 1945–69 leitete der an der Kirchenmusikschule Regensburg/D ausgebildete Adolf Veith (* 1892 Laas/Südtirol [Lasa/I], † 1981 St. P.) die Kirchenmusik (Chor, Orchester, Sängerknaben), er war 1945 als Benefiziat nach St. P. gekommen. Während seiner Ära wirkten immer wieder renommierte Tiroler Musiker und Komponisten bei der Kirchenmusik in St. P. als Gäste mit, unter ihnen J. Gasser, V. Goller, K. Koch oder die Patres Oswald Jäggi OSB (* 1913 Basel/CH, † 1963 Glarus/CH) und Kolumban Gschwend OSB (* 1928 Altstätten/CH, † 1998 Bozen) aus dem Kloster Gries in Bozen.

Der historische Notenbestand der Pfarrkirche St. P., verwahrt vom Chorverein, umfasst ca. 40 Musikhandschriften aus dem 19. Jh., ca. 300 Musikdrucke aus dem 19. und ca. 200 Musikdrucke aus dem frühen 20. Jh. Besitzvermerke verweisen auch auf Musikinstitutionen der Region bzw. der früher St. P. unterstellten Pfarreien wie St. Michael Eppan, die Dominikaner von St. Josef in St. Michael Eppan oder die Expositur Perdonig. Nicht zuletzt scheint z. B. der St. P.er Organist D. Sailer als Eigentümer auf. Die Musikalien in St. P. sind prägnante Zeugnisse des Cäcilianismus.

1810 wirkte eine Kapelle von 13 Musikanten in der Kirche beim 40-stündigen Gebet zu Pfingsten mit. Die Musikkapelle von St. P. nimmt als ihr Gründungsjahr 1764 an; damals spielten elf „Pfarrmusikanten“ anlässlich eines Festumzugs der Schützen beim Schießstand eine „türkische Musik“. Auf einem Gemälde aus dem Jahr 1842 in der Paulskirche ist die Musikkapelle als Teilnehmerin bei einer Bittprozession dargestellt (Abb. bei Zani/Plunger).

Die Berühmtheit des Geläutes von St. P. liegt vor allem in der Anna-Maria-Glocke mit einem Durchmesser von 184 cm und einem Gewicht von 3.860 kg. Sie ist ein Werk von Georg Grassmayr in Brixen aus dem Jahr 1701, der sie aus einer gesprungenen Vorgängerin von 1676 goss. Sieben weitere Glocken stammen aus der Firma Grassmayr in Innsbruck (1937), wobei ältere Glocken von Daciano Colbachini (Padua/I) und Chiappani (Trient) umgegossen wurden. Die Totenglocke stammt aus der Gießerei des Anton Zwelfer in Bozen (1735).

Die Zisterzienserinnenabtei Mariengarten zu St. P. im ehemaligen Ansitz Bloashof wurde 1883 vom Kloster Lichtenthal aus (Baden-Baden/D) gegründet. Eine von zwei in Mariengarten vorhandenen Musikhandschriften verweist auf den „Couvent de Lichtenthal“ (https://opac.rism.info/search?id=650003780). Die Choralschola Mariengarten steht derzeit unter Leitung von Sr. Felizitas Wieser OCist, Organistin war in den letzten Jahren Sr. Beatrice Lechthaler OCist. Auf der zweiten Empore der Klosterkirche steht eine Orgel von Johann Pirchner (1983, Reinisch), im Altarraum ein Truhenpositiv von Henk Klop (Garderen/NL, 2004). 1907 war die Klosterkirche mit einer Orgel der Firma Gebrüder Mayr (Feldkirch) ausgestattet worden, diese hatte 1957 der in St. Nikolaus/Eggen (San Nicola/Ega/I) ansässige Orgelbauer Leopold Stadelmann (* 1901 Bregenz, † 1981 Bozen) umgebaut. An musikalisch tätigen Schwestern aus früherer Zeit sind bekannt: Priorin Maria Charitas Zipperlin (1880–1940), „eine feingebildete Ordensfrau, die sich auf Musik und Erziehung gut verstand“ (100 Jahre Mariengarten, 108) und die Gregorianischen Choral für die Begleitung mit Orgel adaptierte; Sr. Maria Walburgis Vögele (1864–1946), Organistin; Sr. Maria Gertrudis Psaier (1882–1955), Musiklehrerin und Kantorin (ebd. 109f). Sr. Mirjam Burger war um 1989 Kantorin und Organistin, an der Mittelschule des Klosters leitete sie den Mädchenchor. Im 20. Jh. wurde in der seit dem Schuljahr 1886/87 geführten Klosterschule großer Wert auf Musikunterricht gelegt. Während des Zweiten Weltkriegs leiteten Sr. Cäcilia Huber und Sr. Benedikta Forster „eine kleine Musikschule“, in der Kinder auch extern das Spielen eines Instruments erlernen konnten (vgl. Zani/Plunger 1989, 176).

In St. P. sind geboren: ca. 1723 Prospero Mayr, später Kapellmeister und Gesanglehrer im Augustiner-Chorherrenstift San Michele all’Adige/I († 1770) und 1891 der Organist und Komponist F. B. Kirchmair.


Literatur
Mariengarten feiert sein 75. Geburtsjahr: 1883–1958, Fs. 1958; A. Reichling, Orgellandschaft Südtirol 1982; [Fs.] 100 Jahre Mariengarten 1883–1983, [1983]; Fs. zur Weihe der erneuerten Hans-Schwarzenbach-Orgel zu St. Peter in Auer (1599–1986) 1986; K. Zani/K. Plunger, 225 Jahre Musikkapelle St. P. Fs. 1989; C. Lunelli, Dizionario dei Musicisti nel Trentino 1992; C. Lunelli, Dizionario dei Costruttori di strumenti musicali nel Trentino 1994; K. Bragagna in 50 Jahre Verband Südtiroler Musikkapellen 1948–1998, 1998; U. Stillhard/H. Torggler, Südtiroler Orgellandschaft von Reschen bis Innichen 2011; Tagesztg.en (Der Bote für Tirol, Dolomiten, Katholische Bll. aus Tirol, Südtiroler Tagesztg., Tiroler Stimmen); H. Herrmann-Schneider, Bericht der Sichtung des Notenarchivs der Pfarrkirche St. Pauls Eppan, Typoskript 2004 (Institut für Tiroler Musikforschung, Kopie im Südtiroler Landesarchiv Bozen); https://de.wikipedia.org/wiki/St._Pauls_(Eppan) (2/2017); https://de.wikipedia.org/wiki/St._Pauli_Bekehrung_(St._Pauls) (2/2017); www.kirche-st-pauls.info/ (2/2017); http://www.vks.it (2/2017); www.mk-stpauls.it (2/2017); www.mariengarten.it (2/2017); Mitt. Äbtissin Irmengard Senoner OCist, Mariengarten.

Autor(en)
Hildegard Herrmann-Schneider
Empfohlene Zitierweise
Hildegard Herrmann-Schneider, Art. „St. Pauls Eppan (deutsch für italienisch S. Paolo Appiano)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 11/08/2017]