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Stadler, Stadler, Joseph: Familie
Joseph: * 1719-03-077.3.1719 Döllersheim/NÖ, † 1771-03-1717.3.1771 Mariahilf (Wien VI). Schuhmacher und Musiker. Kam ca. 1733 nach Wien, wo er 1743 heiratete. St. übersiedelte spätestens Ende 1749 mit seiner Familie nach Bruck an der Leitha/NÖ, wo er möglicherweise auch als Musiker bei einem Grafen Harrach tätig war. Ab 1755 lebte die Familie wieder in Wien.

Seine Söhne

Anton Paul: * 28.6.1753 Bruck an der Leitha, † 15.6.1812 Landstraße (Wien III). Klarinettist und Komponist. Über seine Ausbildung ist nichts Gesichertes bekannt, möglicherweise unterrichtete der 1767 und 1769 in Wien weilende Mannheimer Hofklarinettist Michael Quallenberg St. und seinen Bruder. 1773 sind erste Auftritte der Brüder St. in Konzerten der Wiener Tonkünstler-Sozietät nachweisbar. Spätestens seit März 1773 standen sie in Diensten von D. M. Fürst Galitzin (noch Ende 1775). Vielleicht schon ab 1776, spätestens jedoch ab 1779 substituierten die Brüder in den Orchestern der Wiener Hoftheater, um 1780/81 gehörten sie der Kapelle von K. J. Graf Palm an. 1782 erfolgte ihre Aufnahme in das Hoftheaterorchester und in die neu gegründete kaiserliche Harmoniemusik (erst ab 1791 zählten sie zur eigentlichen Hofmusikkapelle), nachdem sie sich 1780 und 1781 erfolglos um Engagements in die Kapelle von Kraft Ernst Fürst Oettingen-Wallerstein an dessen Hof nördlich von Augsburg/D bemüht hatten. A. St. trat in weiterer Folge als erfolgreicher Solist in Erscheinung, 1791/92–96 unternahm er eine ausgedehnte Konzertreise durch Nordeuropa; er galt als bester Klarinettist seiner Zeit. Selbst Freimaurer, war St. mit W. A. Mozart befreundet, der für ihn mehrere Werke schrieb, so z. B. das A-Dur-Quintett KV 581 (1789) und das Konzert KV 622 (1791); auch F. X. Süßmayr schrieb für ihn ein (verschollenes) Klarinettenkonzert. 1796 wurde er wegen Urlaubsüberschreitung aus der HMK (nicht jedoch aus dem Theaterorchester) entlassen, noch im selben Jahr bemühte er sich erfolglos um eine Anstellung als „Hofkammer Conzertist“; 1806 bewarb er sich ebenfalls vergeblich um eine Aufnahme in die Hofkapelle von N. II. Fürst Esterházy in Eisenstadt. St. blieb daher bis 1812 Mitglied der Hoftheaterorchester. Als Solist ist er noch 1806 aufgetreten. 1799/1800 entwarf er einen Musick Plan für die von Georg Graf Festetics in Kesthely am Plattensee (Keszthely/H) gegründete MSch., der einen guten Einblick in pädagogische, musikgeschichtliche und aufführungspraktische Ansichten der damaligen Zeit gibt. St. nahm mehrere Verbesserungen zur Erweiterung des Tonumfanges der Klarinette (sog. „Bassettklarinette“, entwickelt mit Th. Lotz, erster Auftritt damit am 20.2.1788) und des Bassetthorns vor.


Werke
Konzert f. Klar. u. Orch. (verschollen), Klarinetten- u. Bassetthornmusik (Capricen, Variationen, Duette, Trios), Flötenduos, Musik f. Csakan.
Schriften
Musick Plan (Hs., H-Bn); eine angekündigte Klarinettenschule dürfte nie erschienen sein.


Dessen Schwager Ludwig Bichler (Pichler, Büchler, Bruder seiner Frau; * ca. 1763 Olmütz/Mähren [Olomouc/CZ], † 27.6.1826 Wien) war ab 1792/93 bis ca. 1814 Klarinettist an den Wiener Hoftheatern.

Johann Nepomuk: * 6.5.1755 Bruck an der Leitha, † 2.5.1804 Alsergrund (Wien IX). Klarinettist. Sein Lebensweg ist eng mit dem seines Bruders verknüpft, v. a. was Tätigkeiten und Anstellungen betrifft. Anders als A. St. gehörte er jedoch bis zu seinem Tod der HMK an. 1783–98 war J. St. Mitglied der Tonkünstler-Sozietät. Auch er war mit Mozart bekannt. J. Eybler schrieb sein Klarinettenkonzert möglicherweise für ihn; C. A. Cartellieri komponierte ein Konzert für zwei Klarinetten für die Brüder St.

A. St.s Söhne

Michael Johannes: * 28.12.1787 Wien, 24.3.1815 Leopoldstadt (Wien II). Instrumentenmacher. Besuchte die Stiftsschule von Kremsmünster. Wird 1812 als „Instrumentenmachergesell“ bezeichnet, bei seinem Tod jedoch als Drechsler. Sein Taufpate (und auch seines Bruders) war der aus der Mozart-Biographie bekannte Johann Michael Puchberg. Die Identifizierung des 1815 verstorbenen Drechslers M. St. mit dem – jedenfalls zw. 1812/17 verstorbenen – Sohn A. St.s ist nicht eindeutig beweisbar, aber wahrscheinlich.

Anton Carl: * 4.11.1791 Spittelberg (Wien VII), † nach 1826 (Ort?). Musiker. Violoncellist. Wurde 1803 trotz Befürwortung von Hofkapellmeister A. Salieri nicht als Hofsängerknabe aufgenommen (statt ihm: F. Wild), tritt aber 1804 ins neu gegründete Kapellknaben-Institut des Fürsten Esterházy ein; hier erhält er Violoncello-Unterricht von Johann Clameth. Ab 1808 bzw. 1810–12 war er Cellist in der Kapelle von N. II. Fürst Esterházy. Wird beim Tod des Vaters als „Musikus im Wiedner Theater, 1 ter Passetelist“ (Kontrabass) bezeichnet. Spätestens ab 1817 hielt er sich in Russland auf, wo er 1826 noch gelebt haben soll.


Literatur
H. Strebel, Anton Stadler: Wirken u. Lebensumfeld des „Mozart-Klarinettisten“ 2016; NGroveD 24 (2001); P. Clive, Mozart and His Circle 1993; H. C. R. Landon (Hg.), Das Mozart Kompendium 1991; E. Hess in MozartJb 1962/1963 u.1967; K. M. Pisarowitz in Mitt. d. Int. Stiftung Moz. 19 (1971); M. Lorenz in Acta Mozartiana 58 (2011); K. Lamkin, Esterházy Musicians 1790 to 1809, 2007; W. A. Bauer/O. E. Deutsch (Hg.), Mozart. Briefe u. Aufzeichnungen, 7 Bde. 1962ff, v. a. Bd. 5, 360; E. Schenk, Mozart 21975; H. Schuler, Mozart u. die Freimaurerei 1992; G. Croll/K. Birsak in ÖMZ 24 (1969); Wurzbach 37 (1878); Beiträge v. P. L. Poulin in MozartJb 2 (1991), in Music and Letters 69 (1988), 71 (1990) u. in BachJb 1990; WStLA (Verlassenschaftsabhandlung v. A. P. St.; TBP 1804 u. 1812); Tauf-, Trauungs- und Sterbebuch der Pfarre Döllersheim 1686–1784, fol. 188v; M. Lorenz, Das Forschungsprojekt „W. A. Mozart und sein Wiener Umfeld“: Mozartforschung in Wien am Beginn des 21. Jahrhunderts (http://michaelorenz.blogspot.co.at, 10/2013).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Stadler, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 23/04/2018]


GND
Stadler, Joseph
Weiterführende Literatur (OBVSG)
GND
Stadler, Anton Paul
Weiterführende Literatur (OBVSG)
GND
Stadler, Johann
Weiterführende Literatur (OBVSG)
GND
Stadler, Michael
Weiterführende Literatur (OBVSG)
GND
Stadler, Anton
Weiterführende Literatur (OBVSG)

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