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Stiedry, Stiedry, true Fritz
* 1883-10-1111.10.1883 Wien, † 1968-08-099.8.1968 Zürich/CH. Dirigent. Der Sohn des späteren Prokuristen des Bankhauses Rothschild, Philipp St. (* 23.10.1845 Beneschau [Benešov/CZ], † 23.10.1907 Wien), maturierte 1901 am k. k. Maximilians-Gymnasium (Wien IX) und erhielt seine musikalische Ausbildung bei E. Mandyczewski. Nach Abschluss seines Jus-Studiums an der Univ. Wien (Promotion 16.3.1907) konvertierte er am 11.4.1907 zum evangelischen Glauben AB. Auf Empfehlung G. Mahlers wurde er 1907/08 Assistent von E. v. Schuch an der Hofoper in Dresden/D. Danach kam er auf dessen Empfehlung als Kapellmeister ans Deutsche Theater in Prag, gefolgt von Stationen in Teplitz und Posen (Poznań/PL). 1912–14 Erster Kapellmeister am Stadttheater in Nürnberg/D. Hier heiratete er am 29.3.1913 die Opernsängerin E. Wagner. 1914 Gastdirigat in Kassel/D. Während des Ersten Weltkriegs Reserveoffizier des Feldhaubitz-Regiments Nr. 2. 1914 (kriegsbedingter Antritt erst 1916) bis 1923 Erster Kapellmeister an der Berliner Hof- bzw. Staatsoper unter Generalmusikdirektor L. Blech und Intendant M. v. Schillings. 1923 verließ er das Haus nach der Ernennung von E. Kleiber zum Generalmusikdirektor im Unfrieden und klagte vergeblich wegen Vertragsbruchs. Im Frühjahr 1924 Gastdirigate in Wien, u. a. von zwei Arbeiter-Sinfoniekonzerten. Ab April 1924 als Nachfolger F. Weingartners musikalischer Leiter und Mitdirektor (neben A. Markowsky) der Volksoper Wien. Als Kapellmeister holte er im Sommer H. Jalowetz. St.s Pläne, das Orchester zu vergrößern und ein modernes Programm umzusetzen, konnte er aufgrund finanzieller Probleme des Hauses nur zum Teil umsetzen und die Schließung Ende April 1925 nicht verhindern. St. leitete u. a. am 14.10.1924 die UA von A. Schönbergs Die glückliche Hand und am 21.1.1925 die österreichische EA von Walter Braunfels’ Oper Die Vögel, die er bereits in Berlin auf die Bühne gebracht hatte. Daneben dirigierte er auch im Wiener Konzerthaus und im Musikverein. St. gehörte dem Kreis um Schönberg an und setzte sich für dessen Werke ein. 1925 neben F. Schalk und M. Graf Jurymitglied des Kunstpreises der Stadt Wien. Nach seinem Weggang aus Wien folgten eine Reihe von Gastdirigaten u. a. in Italien, Spanien, Skandinavien und der Sowietunion. In Leningrad (St. Petersburg/RUS) machte er das Publikum mit Schönbergs 5 Orchesterstücken bekannt, die er zweimal hintereinander spielen ließ. Ab 1929 Präsident der Berliner Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Im selben Jahr wurde St. in der Nachfolge B. Walters erneut an der Seite L. Blechs Kapellmeister der Berliner Städtischen Oper. Am 21.9.1932 heiratete er in Berlin in zweiter Ehe die Schauspielerin und Sängerin E. v. Wagner, mit der er ab spätestens Oktober 1927 mitunter aufgetreten war. 1933 wurde er aus rassischen Gründen entlassen (Nationalsozialismus) und ging für kurze Zeit nach Österreich zurück. Im Herbst übernahm er die Leitung der Leningrader Philharmonie, der er bis 1937 vorstand. Darüber hinaus dirigierte er auch an der Leningrader Oper und in Moskau, außerdem im Februar 1936 in London. Dazwischen war er immer wieder in Wien, die Sommer 1935–37 verbrachte er in Bad Ischl. Am 16.6.1937 dirigierte St. ein letztes Mal in Wien, er leitete im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses ein Konzert Neuer Musik. Ende Jänner 1938 reiste er mit einem Besuchervisum nach New York/USA und wanderte schließlich im Mai 1938 mit Hilfe A. Schnabels aus Kuba nach Miami in die USA ein (Exil). Er ließ sich in New York nieder (Einbürgerung 1944), gründete noch 1938 das Kammerorchester des Vereins New Friends of Music, für das Schönberg seine zweite Kammersymphonie komponierte, dirigierte 1946–58 an der Metropolitan Opera und war u. a. neben J. Reitler an der von ihm mitgegründeten Opernschule am Hunter College tätig. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in der Schweiz. St. komponierte kammermusikalische Werke, seine einzige Oper Der gerettete Alkibiades blieb unvollendet.
Schriften
Beiträge über die Wr. Staatsoper u. über A. Schönberg (s. MaÖ 1997, 183).
Werke
Kammermusik; Oper Der gerettete Alkibiades (T: Georg Kaiser), unvollendet.
Literatur
M. Th. Arnbom, „Ihre Dienste werden nicht mehr benötigt“. Aus der Volksoper vertrieben – Künstlerschicksale 1938, 2018; G. Saleski, Famous Musicians of Jewish Origin 1949; NGroveD 24 (2001); Riemann 1961 u. 1975; Biogr. Hb. der dtspr. Emigration 1983; InterpretenL 1992; MaÖ 1997; Orpheus im Exil 1995; DirigentenE 1985; Kürschner 1954; Müller-Asow 1929; DBEM 2003; F-A 1936 u. 2 (1978); MGÖ 3 (1995); Prager Tagbl. 21.3.1909, 15; Die Zeit 23.10.1907, (Abendbl.) 2; Neues Wr. Journal 10.3.1914, 9, 9.10.1923, 4f; Das Tage-Buch 13.10.1923, 1454ff; Illustrierte Kronen-Ztg. 23.5.1924, 8; NFP 30.5.1924, 7; Der Tag 25.9.1924, 7; Wr. Morgenztg. 16.10.1924, 3; Neues Wr. Tagbl. 15.10.1924, 11; NZfM 90/18 (Dezember 1923), 29, 94/2 (Februar 1927), 108; Wr. Ztg. 25.5.1915, 7; Arbeiter-Ztg. 15.3.1925, 11; C. Maurer-Zenk in Lex. verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (https://www.lexm.uni-hamburg.de, 10/2020); https://scopeq.cc.univie.ac.at (10/2020); www.genteam.at (10/2020); https://konzerthaus.at/datenbanksuche (10/2020); https://heritage.statueofliberty.org (10/2020); eigene Recherchen (Bühnen-Jb.er; www.anno.onb.ac.at).
Autor*innen
Monika Kornberger
Alexander Rausch
Letzte inhaltliche Änderung
9.4.2021
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger/Alexander Rausch, Art. „Stiedry, Fritz‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 9.4.2021, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e37a
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN

DOI
10.1553/0x0001e37a
GND
Stiedry, Fritz: 117244864
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