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styriarte
Steirisches Sommer-Musikfestival (lat.-ital.: Steiermark, Kunst), 1985 von der steirischen Landesregierung ins Leben gerufen, um den international renommierten Dirigenten N. Harnoncourt wieder enger an seine Heimatstadt Graz zu binden und ihm hier ein Podium für seine künstlerischen Ideen zu schaffen. Darüber hinaus setzte sich die st. ganz allgemein zum Ziel, einem musikinteressierten Publikum qualitativ höchstwertige Aufführungen in kritischer Interpretation zu bieten.

In den Anfangsjahren gab es wiederholte Führungswechsel in der künstlerischen Leitung: Auf Wolfgang Schuster (1985/86) folgte Andrea Herberstein (1987/88), danach Christopher Widauer (1989/90). Im Herbst 1990 wurde die Steirische Kulturveranstaltungen GmbH als Trägerorganisation der st. gegründet, als Geschäftsführer M. Huber eingesetzt, der seither das Festival leitet (2005).

Während sich in den ersten Jahren des zunächst zweiwöchigen Festivals die Programme auf Jahresregenten wie z. B. J. S. Bach (1985), L. v. Beethoven (1990) oder J. J. Fux (1991) konzentrierten und sich somit auf Werke des 17.–19. Jh.s beschränkten, wurde das Angebot sukzessive v. a. in Richtung Musik des Mittelalters und der Renaissance, aber auch des 20. und 21. Jh.s erweitert und das Festival nach und nach auf fünf Wochen ausgedehnt (jährlich ca. 30.000 Besucher). Seit 1992 erreicht die st. durch sorgfältig ausgearbeitete Themenkreise wie z. B. Spuren des Mythos (1995), Verlorenes Paradies (1998), Von Zeit zu Zeit (2004), dass Künstler wie N. Harnoncourt, Jordi Savall, Pierre-Laurent Aimard, Vladimir Ivanoff, Lorenz Duftschmid, M. Schirmer u. v. a. neue Programme zu diesen Themenschwerpunkten kreieren. Zentrale Bedeutung wird dabei auch der Neubewertung des vertrauten Repertoires beigemessen. Gemeinsam mit dem Concentus musicus und dem Arnold Schoenberg Chor erarbeitete N. Harnoncourt für die st. viele geistliche Werke, so etwa die sechs letzten großen Haydn-Messen, die in der Pfarrkirche in Stainz/St zur Aufführung kamen. Kritische Neuinterpretationen von Orchesterwerken lieferten N. Harnoncourt und das Chamber Orchestra of Europe u. a. mit vielen Werken Fr. Schuberts, darunter Lazarus und Rosamunde, Beethovens (Klavierkonzerte mit P.-L. Aimard, zyklische Aufführung aller Symphonien), R. Schumanns (Genoveva, Das Paradies und die Peri), Felix Mendelssohn Bartholdys und J. Brahms’. Mit der 2003 eröffneten Grazer Helmut-List-Halle war auch der geeignete Ort für szenische Produktionen geschaffen, wo Harnoncourt auch Musiktheater umsetzen kann (J. Offenbachs La Grande-Duchesse de Gérolstein, 2003, und Georges Bizets Carmen, 2005).

Neben Orchesterkonzerten im Stefaniensaal, kirchenmusikalischen Aufführungen in Stainz und anderen steirischen Kirchen und Kammermusik im Grazer Schloss Eggenberg und im Minoritensaal (Graz) wird zunehmend auch versucht, die traditionellen Konzertformen aufzulösen und neue Wege der Musikvermittlung zu gehen. So bietet etwa die seit 1999 alle zwei Jahre stattfindende st.-Landpartie ins Stift St. Lambrecht ein spirituell-sinnliches Erlebnis.


Literatur
st. Magazin 1995ff; www.styriarte.com (9/2005).

Autor(en)
Gertraud Heigl
Empfohlene Zitierweise
Gertraud Heigl, Art. „styriarte‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 30/09/2005]