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Swieten, Swieten, true Gottfried Freiherr van
* 1733 -10-2929.10.1733 Leyden (Leiden/NL), 1803 -03-2929.3.1803 Wien. Diplomat, Bibliothekar, Mäzen, Komponist. Kam 1745 nach Wien, als sein Vater Gerhard v. S. Leibarzt von K.in Maria Theresia wurde, und erhielt bis 1752 seine Ausbildung an der theresianischen Ritterakad. Nach kurzer Tätigkeit als Kammer-Rat bei der niederösterreichischen Regierung ab 1755 in diplomatischen Diensten (Brüssel, Frankfurt am Main/D, Paris, Warschau). 1769 war er in England, ab Ende 1770 Gesandter am Hofe Friedrichs des Großen in Berlin. 1777 wurde er nach Wien zurückberufen, wo er – als Nachfolger seines Vaters – bis zu seinem Tode Präfekt der kaiserlichen Hofbibliothek war. 1781–91 war er auch Präsident der Studien- und Zensur-Hofkommission. S., ein typischer Vertreter der wesentlich von Beamten getragenen, patriotisch gestimmten spätjosephinischen Aufklärung in Österreich, war ein begeisterter, auch selbst komponierender Musikliebhaber. In Berlin lernte er die Musik G. F. Händels und J. S. Bachs kennen. C. Ph. E. Bach, den er ebenfalls sehr schätzte, beauftragte er mit sechs Streichersymphonien (sog. Hamburger Symphonien Wq 182, 1773). S. war auch Widmungsträger von Bachs 3. Sammlung von Sonaten für Kenner und Liebhaber (Wq 56, 1781). Nach seiner Rückkehr nach Wien setzte er sich für Aufführungen von Bach und Händel ein, v. a. bei den in seiner Wohnung in der Hofbibliothek stattfindenden sonntäglichen Matineen (Historismus), bei denen 1782/83 auch W. A. Mozart deren Musik kennen lernte, was nicht ohne Einfluss auf seine Werke dieser Zeit blieb. 1786 gründete S. die Gesellschaft der Associirten (Cavaliers), die Privataufführungen v. a. Händelscher Oratorien in den Stadtpalais ihrer aus dem Hochadel stammenden Mitglieder initiierte. Auf Anregung S.s schrieb Mozart, der nach J. Starzer ab 1787 die Aufführungen leitete, für die Gesellschaft 1788–90 seine Bearbeitungen Händelscher Werke (Acis und Galatea, Messias, Cäcilien-Ode, Alexander-Fest). V. S., der schon 1796 den Text der Vokalfassung zu Die Sieben Letzten Worte für J. Haydn eingerichtet hatte, übersetzte (aus dem Englischen) und bearbeitete auch die Textbücher zu dessen Oratorien Schöpfung und Jahreszeiten und regte zudem manche Tonmalereien an. Unter der Mitwirkung der Gesellschaft der Associirten fand dann die UA beider Werke im Palais Schwarzenberg statt. Auch L. v. Beethoven wurde in seinen frühen Wiener Jahren in S.s Kreis aufgenommen, spielte bei S.s Musikabenden aus dem Wohltemperierten Klavier und widmete ihm seine 1. Symphonie. S. ist ferner Widmungsträger der 8 Orgelfugen op. 3 (gedruckt 1792) von P. G. Pasterwiz sowie von J. N. Forkels Bachbiographie (1802).
Werke
Arien f. das Pasticcio La Rosière de Salency [gem. m. Pierre Alexandre Monsigny u. François-André Danican Philidor], 3 opéras comiques (Les Talents à la Mode; Colas, toujours Colas; La chercheuse d’esprit [verschollen]), 7 Symphonien [3 unter J. Haydns Namen als op. 29 gedruckt; weitere verschollen].
Literatur
K. Radlecker, G. v. S., Diss. Wien 1950; D. E. Olleson, G. Baron v. S., and his Influence on Haydn and Mozart, Diss. Univ. of Oxford 1967; C. Sautner, G. v. S. und die alte Musik, Dipl.arb. Wien 1988; P. Baumgärtner, G. v. S. als Textdichter von Haydns Oratorien, Diss. Wien 1930; E. F. Schmid in MozartJb 1953; O. Biba in U. Prinz (Hg.), [Kgr.-Ber.] Europas Musikgesch. Europäisches Musikfest. Stuttgart 1993, 1997; A. Oppermann in Concerto. Das Magazin f. Alte Musik (Dez./Jan. 2003/04), Nr. 189; NGroveD 23 (2001); MGG 12 (1965); G. Gruber/J. Brügge (Hg.), Das Mozart-Lex. 2005; Riemann 1961 u. 1975; Wurzbach 41 (1880); Czeike 5 (1997); ÖL 1995; DBEM 2003; Kellner 1956; MGÖ 2 (1995).

Autor(en)
Barbara Boisits
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Swieten, Gottfried Freiherr van‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]