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Tabulatur
Bezeichnung entweder für den Regelkanon des Meistersangs (I) oder einer Notationsform für bestimmte Instrumente anstelle der gewöhnlichen Notenschrift (II). In beiden Fällen bezieht sie sich auf eine schriftliche Fixierung (auf einer Tafel = lat. tabula; intabulieren), d. h. also eine „Vorschrift“. Die T. der Meistersinger von Steyr stammt von L. Wessel (Essen/D) und ist in Dresden/D erhalten. Gehen die T.en für Zupfinstrumente (Lautentabulatur) von der Darstellung der Griffe auf dem Griffbrett durch Ziffern oder Buchstaben aus, besitzen diejenigen für Tasteninstrumente (z. B. Klavier, Orgelmusik) eine größere Nähe zur Partitur, indem die einzelnen Stimmen des mehrstimmigen Satzes übereinander geschrieben erscheinen (u. U. sogar in unterschiedlicher Weise). Zwar gibt es keine österreichischen Spezifika, doch lassen einzelne Aufzeichnungen aus Mondsee und Melk (15. Jh.) noch eine Wurzel erkennen, indem die Töne des zugrundeliegenden Chorals in Tonbuchstaben unter den in einem Vierliniensystem notierten Figurationen notiert sind. Ist der Satz mehr als zweistimmig, scheint es nur eine Frage von Konsequenz zu sein, alle Stimmen in gleicher Weise (mit Buchstaben oder Ziffern; der Rhythmus wird, wie bei den Lautentabulaturen, mit darübergesetzten, von der gewöhnlichen Notation entlehnten oder abgeleiteten Rhythmuszeichen angegeben) festzuhalten, dabei aber nur das klingende Resultat im Auge zu haben, da Stimmkreuzungen zwar darstellbar, aber ohnehin nicht als solche hörbar wären. Diese Notate waren übersichtlicher, benötigten deutlich weniger Beschreibstoff und der Benutzer musste nicht einmal Noten lesen können, da die T. stets eine Griffschrift ist. Insgesamt sind die Klavier- (Orgel-)Intabulierungen (Klaviermusik) im Vorfeld des Generalbass-Spiels und -Denkens zu sehen.
Literatur
A. Heiberg, Zur T. des Meistergesangs auf der besonderen Grundlage der bisher unveröffentlichten Steyrer T., Diss. Prag 1927; MGG 7 (1997) [Notation IX]; W. Apel, Die Notation der polyphonen Musik 900–1600 , 1962.

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Tabulatur‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]