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Thun, Thun, true Familie
Ursprünglich vermutlich aus Südtirol stammendes, weit verzweigtes Adelsgeschlecht (Teilung in verschiedene Seitenlinien, u. a. Th.-Hohenstein, Th.-Castell); erste urkundliche Nennung im 12. Jh. 1495 erblicher Reichs-Panierherrenstand, 1604 Reichs- und erbländischer Freiherrenstand, 1629 Reichsgrafen. Zahlreiche Familienmitglieder bekleideten hochrangige geistliche Ämter (Bischöfe von Passau, Salzburg, Trient, Gurk, Seckau), z. B.

Johann Ernst Graf von: * 6.7.1643 Kastelpfund/Südtirol (Castelfondo/I) [auch 3.7. Prag oder Graz], † 20.4.1709 Salzburg. Erzbischof. Der jüngere Halbbruder des Salzburger Fürsterzb.s (1654–68) Guidobald v. Th. (* 19.12.1616 Kastelpfund, † 1.6.1668 Salzburg) wurde schon früh für ein geistliches Amt vorgesehen: 1662 Domherr in Salzburg und in Passau, seit 29.12.1679 Bischof von Seckau, Generalvikar der Ober- und Untersteiermark und im Dekanat Wiener Neustadt; nach dem Tod von Max Gandolph v. Kuenburg (1622–87) wurde Th. am 30.6.1687 zum Fürsterzb. von Salzburg gewählt. Th. wurde in erster Linie als Bauherr in Salzburg aktiv (Felsenreitschule, Pferdeschwemme etc.) bzw. als Gründer zahlreicher Schulen und Kollegien und Stifter des Rupertiordens (1701) bekannt. Für die Musik hingegen hatte J. E. (wie auch sein Halbbruder) wenig Verständnis und reduzierte sie auf Kirche und repräsentative Anlässe (förderte Kirchenmusik und das Benediktinertheater, vernachlässigte hingegen die Kammermusik; 1690 verließ aus diesem Grund Ge. Muffat Salzburg, obwohl er mit der Missa In labore requies noch versucht hatte, sich den geänderten Gegebenheiten anzupassen). 1693 widmete H. I. F. Biber Th. seine einzige Sammlung mit vokal-instrumentaler Kirchenmusik, die Vesperae longiores ac breviores una cum Litaniis Lauretanis. Während der Regierung J. E.s kam es zu einer kurzen, aber intensiven höfisch-repräsentativen Opernpflege (1687 Li Trofei della Fede Catholica, 1699 Zweyeiniger Hymeneus – aus Anlass der Durchreise der Braut K. Josephs I., Bibers Chi la dura la vince etc.) 1702/03 wurde auf J. E.s Veranlassung die große Domorgel durch Ch. Egedacher errichtet und 1704/05 durch dessen Sohn Johann Christoph erweitert. Sein Cousin zweiten Grades

Jakob Maximilian Graf von: * 13.7.1681 Malè/Trentino (I), † 26.7.1741 (Ort?). Bischof. War zunächst Domherr zu Passau und Salzburg (1699), danach 1709–41 Bischof von Gurk. 1709 widmete ihm B. A. Aufschnaiter eine Vespersammlung. Er zeigte wie sein Neffe zweiten Grades und Nachfolger im Gurker Bischofsamt, Joseph Maria Graf v. Th. (* 24.5.1713 Trient [Trento/I], † 15.6.1763 Mattighofen/OÖ; reg. 1741–61, 1761–63 Bischof von Passau), großes Interesse an Musik und Theater. Sein Großneffe

Johann Joseph Franz Graf von: * 2.7.1711 Prag, † 21.5.1788 Prag. Mäzen. Sohn von Johann Franz Joseph Graf v. Th. (1686–1720). War K. k. wirklicher Kämmerer. Nachrichten über seine Privatkapelle sind spärlich, Mitglieder waren u. a. Johann Fechner, V. Hauschka, St. Klackel, Christoph Schimke und Jan Václav Stich. Von Bedeutung war das sog. Th.sche Theater auf der Prager Kleinseite, das 1735–94 bespielt wurde. Th. veranstaltete auch regelmäßig Hauskonzerte in LinzLinz. Er trat als steter Förderer W. A. Mozarts auf, der bereits im Oktober 1762 in seinem Wiener Palais spielte und dem Th. Ende Oktober/Anfang November 1783 (in Linz) sowie im Jänner 1787 (in Prag) Quartier gab. Mozarts sog. Linzer Symphonie (KV 425) ist Th. gewidmet. Alle elf das Kindesalter überlebenden Kinder Th.s werden in den Briefen der Mozarts erwähnt. Dessen Sohn

Franz de Paula Johann Joseph Graf von: * 14.9.1734 Tetschen/Böhmen (Děčín/CZ), † 22.8.1800 Wien. Mystiker, k. k. Kämmerer und geheimer Rat. Beschäftigte sich mit Mystik sowie mit Natur- und Geistesgeschichte; zu Beginn der 1780er Jahre entdeckte er die „Heilkraft“ seiner Hände. 1783 wurde er Freimaurer; möglich ist, dass er W. A. Mozart zum Eintritt in den Freimaurerorden bewog. Seine Schwester Christine Marie Josefa (* 25.4.1738 Prag, † 4.3.1788 Wien; 1764 verh. mit Karl Johann Fürst v. Dietrichstein-Proskau-Leslie) war die Mutter von M. v. Dietrichstein-Proskau-Leslie. Dessen Frau

Maria Wilhelmine Gräfin von: * 13.4.1744 Wien, † 8.5.1800 Wien. Mäzenatin. Tochter von Anton Corfiz Graf v. Uhlfeld (Uhlefeld, Ulfeld) und Maria Elisabeth v. Lobkowitz (Tochter von Ph. H. v. Lobkowitz), 1761 heiratete sie F. J. v. Th. Sie galt als Musikförderin ersten Rangs, das Palais Th. nahe der Minoritenkirche (Wien I) galt als Mittelpunkt des adeligen Sozial-, Kultur- und Musiklebens Wiens. Neben W. A. Mozart, der regelmäßig zu Gast war, verkehrten dort u. a. auch J. Haydn (schenkte der Gräfin eine Kopie seines Oratoriums Il ritorno di Tobia), Ch. W. Gluck, G. v. Swieten, J. v. Sonnenfels, F. X. W. v. Orsini-Rosenberg und K. Joseph II. Die Gräfin gilt als eine Hauptförderin Mozarts, u. a. dürfte er ihr seine Anstellung als Kammerkompositeur bei Hof (1787) zu verdanken gehabt haben. Sie trat auch als Fürsprecherin des jungen L. v. Beethoven auf, der ihr 1798 sein Trio op. 11 widmete. Ihre Schwester Anna Elisabeth (* 19.9.1747 Wien, † 27.1.1791 Wien) heiratete 1765 Georg Christian Graf v. Waldstein (Onkel von F. v. Waldstein) und war 1782 kurz Klavierschülerin M. Clementis. F. J.s und W.s Töchter

Maria Elisabeth: * 26.4.1764 Wien, † 23.12.1806 Wien. Mäzenatin. Ehelichte 1788 A. v. Rasumowsky.

Maria Christine: * 25.7.1765 Wien, † 11.4.1841 Wien. Pianistin und Mäzenatin. Heiratete 1789 C. v. Lichnowsky. Wird 1796 als „starke Tonkünstlerinn“ bezeichnet und soll ausgezeichnet Klavier gespielt haben. L. v. Beethoven widmete ihr 1801 den Klavierauszug von Die Geschöpfe des Prometheus.

Maria Karoline: * 10.5.1769 Wien, † 9.8.1800 Wien. Musikerin und Mäzenatin. Heiratete 1793 Richard Meade Lord Guilford de Gillhall (1766–1805), spielte hervorragend Gitarre und war eine gute Sängerin.


Literatur
Lit (chron.): J. F. Schönfeld, Jb. der Tonkunst von Wien u. Prag 1796; Wurzbach 45 (1882); ADB 38 (1894); J. Th. u. Hohenstein, Beiträge zu unserer Familiengesch. 1925; BeethovenH 1926; C. Preiß in Neues Mozart-Jb. 3 (1943); A. Orel in MozartJb 1954; H. C. Robbins Landon, Haydn: The Early Years 1732–1765 1980; H. C. R. Landon, Haydn. The years of 'The Creation' 1796–18001977; H.-J. Irmen, Mozart. Mitglied geheimer Ges.en 1988; G. Walterskirchen in Fs. zur Weihe der neuen großen Orgel im Salzburger Dom 1988 [Abb. J. E. v. Th.]; H. C. R. Landon, Mozart. Die Wr. Jahre 1781–1791, 1990; E. Hintermaier in H. Dopsch/H. Spatzenegger (Hg.), Gesch. Salzburgs II/3 (1991); H. Schuler, Mozart u. die Freimaurerei 1992; P. Clive, Mozart and His Circle. A Biographical Dictionary 1993; J. Stenzl et al. (Hg.), Salzburger Musikgesch. 2005; www.salzburgcoins.at (1/2006); WStLA (TBP 1788, 1800 [8.5., 22.8.], 1806; Portheim-Kat. [Th., Guilford, Lichnowsky, Waldstein]); Register MGG, LdM.


Ein Arbogast Graf v. Th.-Hohenstein veröffentlichte 1909 im Grazer Verlag Styria kleinere Kompositionen (Lied Der Tiroler Treuschwur, Märsche). Möglicherweise ist dieser mit Arbogast Franz Graf v. Th.-Hohenstein (* 17.10.1861 Padua/I, † 3.10.1935 [Ort?]) zu identifizieren.


Literatur
E. Knapp, Kirchenmusik Südtirols. Ergänzungsbd. 1997; eigene Recherchen.

Autor(en)
Christian Fastl
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl/Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Thun, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/09/2012]