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Tirol
Seit 1919 österreichisches Bundesland, das Nordtirol (Hauptstadt Innsbruck) nördlich und Osttirol (Hauptort Lienz) südlich des Alpenhauptkamms umfasst. Zuvor mit Südtirol und Trentino österreichisches Kronland. 1938–45 gehörten zum Reichsgau T. auch Vorarlberg , ferner ab 1943 Bozen, Trient und Belluno/I, während Osttirol damals Teil des Reichsgaues Kärnten war. 1831 schrieb der sächsische Dichter J. Mosen nach einem T.-Aufenthalt seine Ballade Zu Mantua in Banden. In ihr werden Andreas Hofer als Held der T.er Freiheitskämpfe von 1809 und seine Hinrichtung auf Befehl K. Napoleons 1810 in Mantua/I besungen. 1844 vertonte L. Knebelsberger Mosens Gedicht, das Lied wurde rasch populär und 1948 durch Landtagsbeschluss T.er Landeshymne (s. Nb; Hymnen).

(I) Die habsburgische Hofhaltung in Innsbruck führte zu Glanzzeiten der Musikgeschichte T.s von überregionaler Bedeutung, insbesondere unter K. Maximilian I. (1490–1519 T.er Landesfürst), Erzhzg. Ferdinand II. v. T. (reg. 1564–95, in Innsbruck ab 1567) und Erzhzg. Ferdinand Karl (reg. 1646–62); damals wirkten hier die besten Musiker und Komponisten ihrer Zeit, internationales Repertoire mit stilistisch universellem Anspruch erklang auf höchstem Niveau. Das Ansehen T.s in der Musikwelt um 1600 erklärt B. Amons ständiges stolzes Namensattribut Tyrolensis. In der Musikkultur des Innsbrucker Hofes wurzeln auch die Anfänge des heutigen Tiroler Landestheaters.

Neben der Innsbrucker HMK und nach deren Auflösung 1724/48 waren die Klöster und Pfarrkirchen samt ihren Schulen bedeutende Musikinstitutionen. Die dem Hof nahe stehenden Jesuiten hatten Niederlassungen in Innsbruck und Hall in Tirol, die Benediktiner in St. Georgenberg-Fiecht, die Zisterzienser in Stams, die Prämonstratenser in Wilten, die Serviten in Innsbruck und auf Maria Waldrast (seit ca. 1465 Wallfahrtsort, Grundsteinlegung des Klosters 1621), 1817–1971 auch in Rattenberg, die Augustiner-Eremiten in Seefeld (1604–1785) und Rattenberg (1384–1817), die Franziskaner in Innsbruck, Hall i. T. (seit 1644) und Schwaz (seit 1507), ferner in Telfs, Reutte und Lienz. Unter den Frauenklöstern pflegten die Dominikanerinnen zu Mariathal/Kramsach und Lienz, die Servitinnen zu Innsbruck (Regelhaus und Versperrtes Kloster), die Augustiner-Eremitinnen zu St. Magdalena im Halltal (1447–1500, danach in Hall und ab 1522 in Schwaz) die Musik. Die Klarissen von Hall (1724–82), eine Tochtergründung ihres ebenso musikbeflissenen Klosters in Brixen, hatten hervorragende Musikerinnen in ihren Reihen, auch eine fleißige Notenkopistin. In nahezu allen Klosterkonventen fanden sich außer den beinahe selbstverständlichen Musiker(inne)n auch Komponist(inn)en, ferner z. T. Instrumentenmacher. Die Schul- und Musikausbildung der Jugend war wohl eine Domäne der Männerklöster, doch richtete das Damenstift Hall 1590 eine Sängerknabenstiftung ein. Die Singknaben-Tradition hat sich noch im Stift Wilten mit externen Schülern erhalten.

Pfarrschulen, deren Schulmeister mit der Ausbildung von Singknaben und Instrumentalisten auch einen grundlegenden Beitrag für die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten leisteten, sind in T. später als in Südtirol bezeugt, in Innsbruck erstmals 1204, in Lienz 1237. Die Schulmeister kamen oft von weit her, z. B. in Schwaz 1507 Matthäus Weiß aus Breslau (Wrocław/PL), spätere aus Bayern , Württemberg/D oder Polen. Im 17. Jh. sind Schulmeister als Musiklehrer und Kirchenmusiker nachgewiesen etwa in Steinach am Brenner oder Matrei (Ost-T.). In der Pfarrkirche Zirl waren nur Knaben und Männer als Sänger zugelassen, die dort erst spät geduldeten Frauen mussten noch um 1900 ledig sein. Nicht selten wurde das Amt des Pfarrorganisten vererbt: In Schwaz versahen es Mitglieder der Familie Tschortsch über drei Generationen, von ihnen ragt Johann Georg Tschortsch (1681/82–1736/37) als Komponist heraus. Schon J. A. Holzmanns Vater war Pfarrorganist von Hall, sein Stiefvater Johann Prohaska dort Pfarrmusikus. J. B. Falk in Innsbruck folgte seinem Vater G. P. Falk. Pfarrorganisten wie -chorregenten waren oft gleichzeitig Schullehrer und Mesner oder, wie J. G. Tschortsch, in Innsbruck J. B. Falk, J. E. de Sylva, L. Streiter oder K. Koch, Geistliche. In der seit 1964 bestehenden Diözese Innsbruck (T. östlich des Zillertals gehört zur Diözese Salzburg) besteht oft heute noch die Personalunion von Schullehrer und Kirchenmusiker. Selbst professionelle Organisten und Chorregenten wie an Innsbruck/St. Jakob (Dom, 2005: R. Jaud, Christoph Klemm), Innsbruck/Stift Wilten (2005: K. Estermann, Norbert Matsch), Innsbruck/Dreiheiligen (2005: Organist Ernst Kubitschek), Pfarrkirche Hall (2005: Organist Hannes Christian Hadwiger) nehmen ihre kirchenmusikalische Tätigkeit nicht hauptamtlich wahr, sondern zusätzlich zu einem musikalischen Lehrberuf.

Orgeln stehen in T. seit dem 1. Drittel des 15. Jh.s in kirchlichem Gebrauch. Einer Reihe von erhaltenen T.er Pfarrmusikarchiven ist zu entnehmen, dass die Kirchenmusik ein Repertoire an Werken lokaler wie überregional verbreiteter Komponisten prägte. Im 18. Jh. erklangen selbst in der Kleinstadt Vils Kontrafakturen italienischer Opernarien. Ab der 2. Hälfte des 19. Jh.s dominierte, ausgehend von Süd-T., bis in die kleinsten Dorfkirchen der Cäcilianismus, nachdem um die Mitte des 19. Jh.s sog. Landmessen weite Verbreitung gefunden hatten und die Organisten gern eine Tanzmelodie als Zwischenspiel einflochten. Der Musikalienbestand der Pfarrkirche und Musikkapelle von Vils veranschaulicht exemplarisch die durch Jh.e enge Verflechtung von Pfarr- und Blasmusik in T. (Blasorchester).

Deutscher Kirchengesang (Kirchenlied) wird bereits für das 15. Jh. angenommen, mit Christ ist erstanden ist ein deutsches Kirchenlied (Osterlied) 1508/09 im Haller Heiltumbuch des Ritters Florian Waldauf erwähnt. In T. erschienen früh deutsche katholische Gesangbücher (Kirchengesangbuch), als erstes 1524 der Hymnarius durch das ganntz Jar [...] mit Text und leeren Notenzeilen (Impressum Sygmundslust, bei Vomp/Bezirk Schwaz, ein ehemaliger Ansitz Erzhzg. Sigmunds von 1470, wo 1520–26 die erste Druckerei T.s bestand, RISM 152406), 1588 in kompletter Ausgabe mit Text und Noten das Catholisch Gesangbuechlein (RISM 158805), letzteres nur vielleicht in gegenreformatorischer Intention. Noch im Winter 1566/67 hatte man den Lateinschulmeister Thomas Ferholtz zu Rattenberg wegen „Singung der teutschen verfelschten Psalmen in der Kirchen“ entlassen, obwohl dies „im gantzen Landgericht“ bereits Usus geworden war. 1668 hingegen erlangten „deutsche Kirchensinger“ in Kitzbühel bischöfliche Patronanz, um 1700 sind sie in Matrei belegt. Im Tannheimer Tal bürgerten sich deutsche Kirchengesänge erst zu Beginn des 19. Jh.s ein, da es bis 1816 zur Diözese Augsburg/D gehörte und deren eigenen liturgischen Vorschriften folgte.

Die T.er Knappen aus den Bergbaurevieren von Hall oder Schwaz verstanden es vortrefflich, „weltlich vnd geistlich Lieder“ zu singen. Sie gaben ihre Gesänge auch in Klöstern und bei Hof oder 1570 sogar als Begleitung Erzhzg. Ferdinands auf dessen Reise nach Prag zum Besten. Im 18. Jh. bildete sich in Imst eine instrumentale Knappenmusik. Die noch heute bestehenden Knappenkapellen von Hall, Schwaz oder Fieberbrunn sind Gründungen des 19. Jh.s, berufsspezifische Formierungen von damals allgemein modernen Blaskapellen (Blasorchester), die zwar heute noch in Bergmannsuniform ausrücken, doch nach der Auflassung der Bergwerke längst keinen ständischen Bezug zum Bergbau mehr haben. In Schwaz entstand 1532 die erste Meistersingerschule Österreichs.

Eigene MSch.n gab es auf Privatinitiative hin mehrere bereits zu Beginn des 19. Jh.s, besondere Bedeutung erlangte diejenige des 1818 gegründeten Innsbrucker Musikvereins . Sie ging über in die MSch. der Stadt Innsbruck, zu ihr kam 1957 das Städtische Konservatorium. 1987 wurde die MSch. der Stadt Innsbruck verselbständigt (Schuljahr 2005/06: 3.450 Schüler), 1990 das Konservatorium zum T.er Landeskonservatorium erhoben für künstlerische und pädagogische Diplomstudien sowie Lehrgänge für Volksmusik, Blasorchesterleitung, Jazz, Popularmusik. Nach 1945 gründeten in vielen Gemeinden verschiedene Träger MSch.n, deren Ausbildungsstandard und Organisation ständig verbessert wurden. 1990 bestanden in T. über 60 MSch.n. 1992 beschloss der T.er Landtag ein Gesetz zur Regelung des Musikschulwesens. Seither sind im T.er Musikschulwerk 26 Landes-MSch.n und 5 MSch.n sonstiger Träger (diese ebenfalls vom Land T. gefördert) verbunden. An den über das ganze Land verteilten Landes-MSch.n wurden im Schuljahr 2004/05 16.693 Schüler unterrichtet.

Musikalische Jugendarbeit leisten nachhaltig auch die T.er Blasmusikkapellen, die mit speziellen Ausbildungsangeboten eine alte Tradition weiterführen. Von den städtischen Thurnern und Spielleuten über fürstliche Trompeter, Trommler und Schwegelpfeifer der Schützen, Pfarr- und v. a. Militärmusiker führt ein Jh.e langer Weg zu den heutigen Ensembles, die sich früher wie heute Modeerscheinungen in musikalischem Repertoire und Instrumentarium ständig anpassen und wandeln. T.er Bildzeugnisse aus dem 18. Jh. zeigen, dass Blaskapellen damals bei repräsentativen öffentlichen Ereignissen unabkömmlich waren, so wie es heute (2006) noch in T. unerlässlich ist. T. hat derzeit mehr Musikkapellen (300) als Gemeinden (279). Sie sind seit 1947 im Blasmusikverband T. organisiert (Präsident ist [2005] EU-Kommissar a. D. Franz Fischler). Zur Legende österreichischer Blasmusik im 20. Jh. wurde der T.er S. Tanzer.

Praktische Musikausbildung auf Univ.s-Ebene bietet in T. eine Zweigstelle des Mozarteums in Innsbruck an. Musik als wissenschaftliche Disziplin besteht an der Univ. Innsbruck seit 1920 (institutionalisiert von R. v. Ficker, unter ihm 1925/26 endgültig – erstmals in einem österreichischen Bundesland – als Lehrkanzel eingerichtet; Nachfolger: W. Fischer [1928–38, 1948–57], W. Ehmann [1940–45], H. v. Zingerle [1957–70], W. Salmen [1974–92], T. Seebaß [seit 1993]; ao. Prof. W. Senn war ein Pionier der landeskundlichen Musikforschung). Nach Einzelinitiativen im 19. Jh. nahm die Volksmusikforschung in T. institutionell ihren Anfang 1905 mit der Gründung des Arbeitsausschusses für T. und Vorarlberg unter dem Germanisten Josef Wackernell, als Zweig des Österreichischen Volksliedunternehmens . Nach dessen Überführung in das Österreichische Volksliedwerk 1945 stand dem T.er Volksliedwerk mit seinem Volksliedarchiv der Germanist und Volkskundler Anton Dörrer vor, seine Nachfolger wurden W. Senn (1961), N. Wallner (1967), K. Horak (1977), Manfred Schneider (1989). Arbeitsschwerpunkte sind seit M. Schneider Feldforschungen in ganz T. mit der Präsentation ihrer Ergebnisse für die Allgemeinheit in wissenschaftlichen Publikationen, innovativ in Konzertveranstaltungen, CD- und begleitenden Noteneditionen, auch multimedial im Internet.

„Ohne Lieder, Tanz und Jagd kann der T.er nicht leben“, stellte Adolf Anton Schmidl in seinem Handbuch für Reisende nach T. 1840 fest, wobei die Volkslieder „was immer für Gegenstände behandeln“. Viele Lieder sind an Brauchtum gebunden, groß ist der Schatz an weihnachtlichem Liedgut. Ständelieder (u. a. des Alm- und Jagdwesens), Liebeslieder, Schnaderhüpfel (G’stanzl), Jodler, Tänze (u. a. Menuette, Ländler, Deutsche, Schuhplattler, Polka; Volkstanz) gehören zum Inbegriff T.er Volksmusik. Tanzhäuser gab es in Städten und alten Gerichtsorten, im 15. Jh. z. B. in Innsbruck, Lienz, Aschau im Lechtal. Im 16./17. Jh. dienten in der Gegend um Innsbruck und im Oberland Spieltennen als Tanzhäuser, in Kitzbühel tanzte man im Rathaus.

Typische Volksmusikinstrumente in T. sind u. a. die Geige und Harfe im Zillertal, die Harfe auch im Unterinntal, das diatonische Hackbrett in Ost-T. Bei Arbeit und Brauch der bäuerlichen Bevölkerung finden wir archetypische Musikinstrumente wie Tierhörner und elementare Musikinstrumente wie Schellen, Glocken, Peitschen, Ringelstock. Die Maultrommel diente dem Liebeswerben und der Kurzweil. J. H. Hörmann hat für sie um 1730 eine Partita (Suite) mit Begleitung von Flöten, Violinen und Basso continuo komponiert. Bodenfunde von Archäologen in T. weisen Maultrommeln vom ca. 14. bis zum 18. Jh. nach, Knochenflöten ab dem 13./14. Jh. Das Hölzerne Glachter (Xylophon), ursprünglich ein Instrument bei der Tanzmusik, machten die Nationalsänger zum Präsentationsobjekt.

Im 18. Jh. und zu Anfang des 19. Jh.s zog es viele T.er Wanderhändler ins Ausland. Sie boten ihre Waren feil und sangen Lieder aus der Heimat, die in der Fremde Anklang fanden. V. a. machten sich die originellen und geschäftstüchtigen Zillertaler das allgemeine, auch in höfischen Kreisen erwachte Interesse am Volkslied nutzbar. Die Französische Revolution und die Napoleonischen Feldzüge hatten das T.ische Nationalbewusstsein bestärkt, so dass in einer Zeit des romantisierenden Enthusiasmus für die Alpen Volkslieder und Jodler T.s zum begehrten, eigenständigen Exportartikel werden konnten, umgesetzt in klingende Münze. T. avancierte zum Markenzeichen in Musik, Tanz, Dichtung, Mode. Stimmbegabte, von Natur aus sangeskundige T.er schlossen sich als Natursänger oder Nationalsänger in Gruppen zusammen und bereisten die Welt; sie boten einem Publikum aller sozialen Schichten ursprünglich Volkslieder aus T., später eigene oder fremde Kompositionen, klischeehafte Gebilde wie Tirolerlieder. Showmäßige Vorführungen nahmen landläufigen Folklorismus vorweg. Der Mode, à la Tyrolienne zu komponieren, folgten auch L. v. Beethoven, G. Rossini oder F. Liszt. Die ersten, auf Dauer berühmtesten Nationalsänger waren die Geschwister Rainer aus dem Zillertal. Von dort kamen ferner die Strasser-Familie, die Gebrüder Leo, die Geschwister Hauser, Maria Egger-Rieser mit den Nationalsängern Oberforcher; aus dem Oberinntal z. B. stammten die Geschwister Meister, die Gesellschaften Haas und Tschiderer. Im Gefolge der Nationalsänger machten im 19. Jh. aus T. gebürtige Zithervirtuosen wie Karl Fittig, Balthasar Mitterer, F. Ringler, Paul Rudigier international die Zither zum prototypischen alpenländischen Instrument. Ab ca. 1950 war die Engel-Familie (P. Engel) aus Reutte über drei Jahrzehnte lang in aller Welt (volks)musikalischer Botschafter Ts. Franz Posch (* 1953 Hall i. T.) wurde mit seiner TV-Sendung Mei liabste Weis’ (ORF T., seit 1988) zum Publikumsliebling und Prototyp eines T.er Volksmusikanten zwischen Pflege der Tradition und Showgeschäft.

In der 2. Hälfte des 19. Jh.s lebten viele Männerchöre auf zur Pflege von Musik und Geselligkeit, Frauen etablierten sich in den Chören erst Anfang des 20. Jh.s. Die Gründung der Innsbrucker Liedertafel 1842 setzte den Anfang für das organisierte Chorwesen in T. 1860 enstand ein erster Dachverband, der T.er Sängerbund . Als Sängerkreis T. wurde er 1938 dem Deutschen Sängerbund einverleibt. 1946 konstituierte sich neu der T.er Sängerverband, dazu erfuhr der ehemalige T.er Sängerbund 1952 eine Neugründung. Diese beiden Vereine fusionierten 1996 zum T.er Sängerbund, der alle Chöre Nord- und Ost-T.s einschließt, zum Jahresende 2005 354 Chöre mit ca. 7.800 Sänger(inne)n.

Bis heute arbeiten Musikinstrumentenmacher in T. Seit dem Ende des 15. Jh.s sind in Innsbruck Glockengießer nachgewiesen, unter ihnen die Dynastie der Löffler bis in das 17. Jh. Von alten Traditionsbetrieben haben die Familien Grassmayr (Glockenguss) und Scherl (Schellenschmiede, seit 1703) in Schnann (Stanzertal, Bezirk Landeck) bis jetzt überdauert. Orgelbauer sind seit der 2. Hälfte des 15. Jh.s bekannt, als ältester B. Streng 1487–1508 in Pettneu am Arlberg. Außer in Innsbruck und Hall unterhielten Orgelbauer Werkstätten in Matrei am Brenner (Familie Fuchs, seit Anfang 18. Jh.), in Oberperfuß (Familie Weber, 18./19. Jh.), in Schwaz (J. Aigner, 19. Jh.), im Zillertal (Familie Mauracher, 18./19. Jh.), in Steinach am Brenner (Familie Reinisch, seit 1833). Aus Vils stammten Orgelmacher der Familie Wörle (18. Jh.), die in Bozen (I. F. Wörle) bzw. Rom (J. C. Wörle) reüssierten. Derzeit sind als Orgelbauer tätig die Pirchner Orgelbau GmbH & Co KG in Steinach am Brenner, Thomas Sittler in Biberwier, Christian Erler in Schlitters.

Der Ruf des T.er Geigenbaus gründet sich auf J. Stainer. Über die Geigenbauer der Landeshauptstadt hinaus wurden die Vilser Geigenmacher Eberle, Rief, Petz, Wörle erfolgreich, G. Aman(n) in Augsburg, A. Posch in Wien. Seit 1996 hat sich Geigenbaumeister Arnold Posch (* 1967 Innsbruck) in Hall auf Restaurierungen und Stainer-Nachbau spezialisiert, weitere Geigenbauer arbeiten in Innsbruck (Bernhard Costa, Wolfgang Kozák) und Kufstein (Hans Ulrich Roth), in Flaurling experimentell Dieter Ennemoser. Siegfried Graf in Buch bei Jenbach stellt Teufelsgeigen her. Seit ca. 1900 arbeiten im T.er Unterland und in Ost-T. namhafte Harfenbauer, sie erzeugen z. B. auch Hackbretter. Zu den Kunden des Haller Gitarren- und Kontrabassbauers Hermann Erlacher zählen die (Zillertaler) Schürzenjäger und andere renommierte Ensembles der volkstümlichen Musik; für sie baut er Individualmodelle wie eine rot-weiß-rote Gitarre, die Korpusform analog dem Umriss von Österreichs Landesgrenzen, Elektro-Zithern oder einen nur 121 cm langen Kontrabass für den amerikanischen Jazzer David Friesen. Zupfinstrumentenbaumeister Mathias Tilzer (* 1969 Bludenz/V) in Innsbruck hat als Schwerpunkt Gitarrenbau. In Wattens begann 1952 Otmar Hammerschmidt (1907–56), ein Nachfahre von Musikinstrumentenmachern in Böhmen, Klarinetten zu erzeugen. 1974/76 übernahm die fünfte Generation Hammerschmidt den Betrieb, heute betreibt die Musik Hammerschmidt GmbH neben der Produktion den Verkauf, auch von Klavieren und elektronischen Musikinstrumenten mit Filialen in Innsbruck und Imst. Herbert Neureiter führt in Söll (Bezirk Kufstein) einen Meisterbetrieb für Holzblasinstrumente seit 1994, Norbert Joast in Lienz eine Meisterwerkstätte für Blasinstrumente seit 1998. Gerold Angerer baut Klarinetten in Fritzens.

Aktuelle Festivals für Musik außerhalb Innsbrucks: seit 1993 die Avantgarde T. (Internationale Akademie für Neue Komposition und Audio-Art) in Schwaz, seit 2005 in Seefeld; seit 1994 die Klangspuren in Schwaz, ebenfalls für zeitgenössische Musik, seit 2004 mit Ensemble Modern Akademie; seit 1991 die Alpentöne in Obergurgl-Hochgurgl (Gemeinde Sölden/Ötztal): das etwas andere Volksmusik-Festival; seit 1993 Outreach für zeitgenössischen Jazz, Pop und Electronic Music in Schwaz; seit 1998 die T.er Festspiele Erl (G. Kuhn).

Im 19. Jh. war J. Netzer ein Komponist und Dirigent aus T., der in Wien und Deutschland reüssierte. Wie Netzer studierte M. Nagiller Musik in Wien, feierte Erfolge in Paris und Deutschland, kehrte aber nach T. zurück. Der Meisterpianist J. Pembaur d. J., berühmt durch seine Liszt-Interpretationen, konzertierte in ganz Europa und unterrichtete in München, sein Bruder K. M. Pembaur prägte als Dirigent das Musikleben in Dresden/D. A. Kanetscheider setzte dem T.er Volkslied durch seine Bearbeitungen ein Denkmal im 20. Jh. Als gebürtige T.er Komponisten repräsentieren die Moderne in Österreich und im Ausland: M. Buchrainer, P. Engel, B. Jestl, J. Klammer, W. Mitterer, Tibor Nemeth, W. Ritsch, E. Schimana, G. Smekal, J. M. Staud, E. Urbanner, N. Zehm. In T. verblieben sind E. Berlanda, Franz Baur (* 1958 Hall i. T.), F. Bramböck, B. Breit, K. Estermann, N. Gerhold, Siggi Haider (* 1957 Axams), R. Jahn, M. Lichtfuß, R. Nessler, W. Pirchner, J. Schmidhuber jun., Gu. Schneider, F. Schreyer, P. Suitner, H. Wisser, G. Zechberger. Besondere Verdienste um die Förderung Neuer Musik in T. hat sich O. Costa (ORF Studio T.) erworben: Er initiierte die Konzertreihe Musik im Studio, ihm sind viele Aufnahmen Neuer Musik in T. zu verdanken, die das ORF-Archiv in Innsbruck als singuläre Zeugnisse verwahrt. Im ORF Kulturhaus T. bietet inzwischen W. Praxmarer weiter ein Podium für die Avantgarde. Ihr waren schon 1949–69 in Innsbruck die Österreichischen Jugendkulturwochen gewidmet.

Viele Primärquellen in T. sind noch unerforscht. RISM Landesleitung Westösterreich (neben dem Referat Südtirol in Innsbruck, Institut für Tiroler Musikforschung) betreibt in T. durch die systematische Quellenerfassung und -sicherung gezielt musikalische Denkmalpflege (Gedächtnis). Zahllose Einzelbeiträge in lokalen Zeitschriften, Ortsmonographien, Festschriften von Musikkapellen und Chören, der Tagespresse etc. sind bislang unausgewertet.

(II) Die Quelle, die uns am weitesten in die Geschichte der Musik in T. zurückführt, ist der Nonsberger Märtyrerbericht von 397, der schildert, wie drei christliche Missionare, griechischer Abstammung und aus Kleinasien, von den heidnischen Anaunen im Zuge eines Rituals ermordet wurden. Die Bewohner wurden mit einer „Tuba“ zu einer Art Flurprozession zusammengerufen, dabei kamen sie mit „teuflischem Geschrei“ („ululato carmine diabolico“) an der neuerrichteten christlichen Kirche vorbei, ergriffen einen der christlichen Priester, schlugen ihn und bliesen mit der „Tuba“ durchdringend auf ihn ein. Er wurde „strepidu tubae furiose percussus et securibus confossus“ (= durch das heftige Getön der Tuba erschüttert und mit Schlägen zu Tode gebracht). Am nächsten Tag wurde die christliche Kirche verwüstet, die heimischen Burschen banden dem Leichnam des Priesters eine Viehschelle um den Hals und zogen ihn an den Füßen durch das Tal. Manche Einzelheiten in diesem grausigen Bericht erinnern daran, dass mit der Christianisierung nicht alle Züge älterer Musikpraxis verschwunden sind. Die „Tuba“ aus diesem Bericht wurde des öfteren als „Alphorn“ gedeutet, ist aber vielleicht eher ein „Tierhorn“ und hätte dann eine Parallele zu dem Horn, das heute noch als Signal zum Beginn des „Scheibenschlagens“ im Vinschgau oder beim Klöckeln im Sarntal geblasen wird. Das „ululare“ erweist als lautmalende Bezeichnung auf ein „u“-Schreien mit Silbenwiederholungen, also auf eine musikalische Lautkonstellation, für die wir Vergleichbares in den Arbeits- und Verständigungsrufen (Ruf) der Alpenkultur finden.

In T. ist die erste Volksmusiksammlung auf dem Boden des heutigen Österreich entstanden. 1807 publizierte J. Strolz im 2. Band des Sammlers für Geschichte und Statistik von T. ein Volkslied und Schnaderhüpfeln aus dem Zillertal mit ausführlichem Kommentar. Einen sehr breiten Einblick in Volksgesang und Volksmusik in T. nach den Napoleonischen Kriegen geben die T.er Einsendungen aus den Kreisen Pustertal, Bozen, Trient und Imst zur Sonnleithner-Sammlung von 1819 (Volksliedsammlung). Wichtige und relativ frühe Schilderungen zur T.er Volksmusik haben wir auch von Reiseschriftstellern und frühen Volkskundlern, wie August Lewald, der seinem Buch Tyrol, vom Glockner zum Orteles, und vom Garda- zum Bodensee, München 1835, sogar Notenstiche beilegte, die aber wenigstens zum Teil auf Strolz basieren. Von der Forschung bisher unbeachtet blieb der ab ca. 1870–1922 auf Schloss Matzen (Brixlegg/T) lebende Ire Baillie Grohman, von dem hervorragende Schilderungen von Bräuchen, Gesang, Musik und Tanz stammen. Weiters sind zu nennen Ludwig Steub, Adolf Pichler, Heinrich Noé, der Beamte und Statistiker Joseph Rohrer, der Priester Beda Weber, Johann Adolf Heyl, Ludwig von Hörmann. Ohne Melodien sind die gemeinsam mit seinem Onkel Josef August Kapferer angelegten Sammlungen des Innsbrucker Schriftstellers Rudolf Greinz. Das Ende des 19. Jh.s markieren in der T.er Volksmusikforschung einerseits die Weihnachtsliedausgabe von August Hartmann, andererseits die Person F. F. Kohls, der im Geist der national-liberalen Volksliedsammlung mehrere wichtige Bände zustandebrachte. Das 1904 gegründete Sammelunternehmen Das Volkslied in Österreich etablierte sich im heutigen T. unter der Leitung des Germanisten Eduard Wackernell; die damals angelegten Sammlungen bilden den Grundstock des bis zum heutigen Tag weitergeführten T.er Volksliedarchivs, wobei namhafte Fachleute wie N. Wallner, K. Horak oder Manfred Schneider zu nennen sind. K. M. Klier lieferte wichtige historische Beiträge. In Südtirol wurden zwischen 1940/42 vom damaligen Leiter des Staatlichen Instituts für Musikforschung in Berlin, A. Quellmalz, mit einer kleinen Forschergruppe im Auftrag der Kulturkommission des SS-Ahnenerbes mit damals modernster Technologie etwa 3000 Volksmusikaufnahmen hergestellt. Eine umfassende Evaluierung seiner Methoden und Sammelergebnisse vor dem politisch höchst problematischen Hintergrund der „Option“ wurde 2001 von Th. Nußbaumer vorgelegt. Letzterer leitet heute (2006) das 1989 von J. Sulz ins Leben gerufene Institut für musikalische Volkskunde an der Univ. „Mozarteum“ (Standort Innsbruck). Der 1966 gegründete T.er Volksmusikverein setzt, wie auch viele private Liebhaber, zahlreiche Aktivitäten in der Volksmusikpflege (Adventsingen, Sänger- und Musikantentreffen, Turmblasen u. a.) und führt seit 1974 im Zweijahresrhythmus den Alpenländischen Volksmusikwettbewerb durch.

Historisch nachgewiesen und teilweise noch lebendig sind zahlreiche Lärmbräuche (Lärminstrumente) des bäuerlichen Arbeits- und Festjahres, wie das spielerisch-rituelle Schnellen (= Peitschenknallen) der Buben im Frühjahr, je nach Gegend auch Pfingstschnalzen, Aperschnalzen, Maiausschnöllen, Maibutterschnöllen, Jörg-Marende-Krachen genannt; das Bockshornblasen der Hüterbuben und Hirten zu vielen brauchtümlichen Anlässen, das Blasen des Waldtuters im hinteren Passeier und im Sarntal, das Klöckeldreschen. Große Bedeutung als brauchmäßig verwendete Schallgeräte hatten und haben die Glocken; so sind die Kerngruppen der berühmten T.er Fasnachtszüge mit bei jedem Schritt ertönenden Schellen und Glocken behängte Maskengestalten. Kirchenglocken hatten apotropäische Bedeutung, Bräuche wie das Wetterläuten (zur Abwehr von Unwettern) wurden im Zuge der Aufklärung ab 1783 wiederholt verboten. Das Scheibenschlagen mit den gerufenen Reimen, das um 1840 für das Passeier und für Lienz belegt ist, ist durch Verbote an vielen Orten abgekommen, an einzelnen noch lebendig. Im Pitztal hat sich das Maisingen erhalten, an mehreren Orten die Labera-Sänger (in Kitzbühel „Hoanzelbank“ mit ihrem gereimten und gesungenen Rügegericht in der Fasnacht (Fasching). Bei den traditionellen Hochzeiten wurde besonders das Abholen der Braut sowie der Weg zur Kirche und die Trauung musikalisch gestaltet, ebenso das Auftragen des traditionellen Mahles, das durch getragen gespielte Weisen untermalt wurde, genannt Übers-Kraut-Geigen oder Knödel-Geigen, und der Hochzeitstanz; die älteste T.er Aufzeichnung einer volkstümlichen Hochzeitsmusik für Streichtrio mit Schwegel stammt vom Ritten/Südtirol 1819. Höhepunkt einer Hochzeit war an manchen Orten der Ehrentanz, bei dem von allen Anwesenden Gstanzln (vorzugsweise anzügliche) über das Vorleben der Brautleute gesungen werden konnten. Aufgrund von kirchlichen Verboten sind an vielen Orten Musik und Tanz bei den Hochzeitsfeiern abgekommen, geblieben ist jedoch der Brauch, wichtige Stationen im Festverlauf mit Pistolen- oder Böllerschüssen zu begleiten. Das Faule-Weib-Singen im Wipptal ist ein Ständchen am Vorabend des Hochzeitstages vor dem Brauthaus, das von ohrenbetäubendem Lärm begleitet wird. Solcherart Katzenmusik gab es rund um die Hochzeit und auch sonst mehrfach. Traditionellerweise wurden nicht nur die Hochzeiten, sondern auch die Zunfttänze der Handwerker und Bergleute (Reiftänze und Schwerttänze) in der Fasnacht abgehalten: weitere Aufführungen waren an den jeweiligen Zunfttagen. Der gesellige Tanz wurde außer in der Fasnacht und bei Hochzeiten auch an den Zunfttagen und bei Kirchweihfesten gepflegt; im Herbst gab es Bälle für die Mahder und das Almpersonal und bei den Weinlesefesten.

Bereits für das 15. und beginnende 16. Jh. dürfen wir die Verwendung deutscher Kirchenlieder im Gemeindeleben annehmen. Der konfessionell nicht eindeutig zuordenbare Hymnarius: durch das ganntz Jar verteutscht, nach gewöndlicher weyß unnd Art zw synngen, so yedlicher Hymnus, Gemacht ist wurde 1524 von Josef Piernsieder „in Verlegung“ des Gewerken Georg Stöckl auf Schloss Siegmundslust bei Schwaz gedruckt. Deutscher Kirchengesang spielte auch in T. eine wichtige Rolle während der Glaubenskriege. Das Catholisch Gesangbuechlein , gedruckt in Innsbruck 1588, zum gemeinsamen Gesang von Schülern geschrieben und vermutlich im Umkreis des Jesuitenordens entstanden, ist das erste vollständige katholische Kirchengesangbuch Österreichs. Ihm ließ der gleiche Drucker, Johann Paur, 1592 die Gaistliche Ristkammer mit einem Liedanhang folgen. Seit der Gegenreformation haben wir in T. mit Kirchensingern zu rechnen, die die Gottesdienste mit mehrstimmigen Liedern nach handschriftlichen Texten und mündlich überlieferten Melodien gestalteten, und in beinahe allen Gemeinden T.s seit dem 17. Jh. tätig waren. Über die Bestellung „deutscher“ Vorsänger wird 1546 aus Sterzing berichtet. Nur wenige Kirchensingergruppen haben sich bis heute erhalten; die meisten sind durch Kirchenchöre und Kirchenmusiken ersetzt worden und haben v. a. den Cäcilianismus nicht überlebt, dessen bedeutendster Komponist der T.er I. Mitterer war. Von ihm stammt die Melodie des Liedes Auf zum Schwur T.er Land, das 1896 zur Hundertjahrfeier des Bundes T.s mit dem Heiligsten Herzen Jesu geschaffen wurde und fast wie eine zweite Landeshymne gilt. Der Brauch des Sternsingens, der sich ab ca. 1550 verbreitet hat, dürfte einerseits von Schülern, andererseits von Kirchensingern getragen worden sein. Das in T. m Zuge der Gegenreformation sehr geförderte Wallfahrtswesen hat zalreiche barocke Wallfahrtslieder hervorgebracht. Von den Innsbrucker Buchdruckern Daniel Paur (Baur), J. Gaech und J. Ch. Wagner wurden die Bestrebungen der Gegenreformation durch den Druck von Büchern und Flugblätter mit geistlichem Liedgut unterstützt. Seit Ende des 18. Jh.s ist jedoch das gemeinschaftliche Singen bei Wallfahrten und Prozessionen oder bei sonntäglichen Andachten durch das von den Rosenkranzbruderschaften propagierte Rosenkranzbeten verdrängt worden. Länger erhalten haben sich an manchen Orten die von Kirchenratschen begleiteten Karfreitagsprozessionen (Meran, Algund) und die Ratscherbuben. Bei der Gestaltung der Auferstehungsfeier, die in T. bis heute (2006) viele bildhafte Elemente kennt, wird an vielen Orten das Lied Christ ist erstanden gesungen, beim Pfingstamt Komm heiliger Geist. Beide Lieder sind bereits 1508/09 im Haller Heiltumbuch als Melodieincipit für gemeinschaftlichen Volksgesang angeführt und wurde durch die Jh.e immer wieder in Liederbücher aufgenommen. Viel musikalisches Gepränge gab es bei den Fronleichnamsprozessionen (besonders prachtvoll in Bozen bis 1753), bei denen oft auch Spielleute mitwirkten. Die Spuren der Thurner im geistlichen Brauchtum findet man noch in der bis ca. 1880 am Christtag, zu Neujahr, Dreikönig, zur Auferstehung, am Ostersonntag, Pfingstsonntag, zu Fronleichnam und Christi Himmelfahrt geblasenen Fanfare der Stadt Hall. Unter den von der Kirche im Zuge der Gegenreformation eingesetzten bzw. umgeformten Ansingebräuche sind Anklöpfeln (in Südtirol: Klöckeln), Herbergsuchen, Kindelwiegen, Neujahrs- und Sternsingen, Gregorisingen und das Pitschelesingen (= Singen um Brot) zu Allerheiligen im Ahrntal zu erwähnen. Das Klöckeln (Südtirol), bzw. Anklöpfeln (Nordtirol) an den Donnerstagnächten im Advent zeigt in verschiedenen Ausformungen altertümliche Züge wie Vermummungen, Aufgelärme mit Glocken, Schellen, Peitschen und Bockshorn, das Tanzen (trotz des kirchlichen Tanzverbotes im Advent!) mit den weiblichen Hausbewohnern, Springen auf den Feldern, weshalb es nahe liegt, dass die dabei verwendeten religiösen Lieder christliche Umdeutungen älterer Bräuche sind. Das Sarntaler Klöckellied hat sich bis an die Schwelle der Gegenwart in einer Fassung in parallelen Quinten erhalten. Peter Barcaba hat daran eine Untersuchung geknüpft, in der er auf die mögliche Verwandtschaft dieses Distanzsingens mit dem mittelalterlichen Parallelorganum hinweist.

Aufgrund der besonderen Privilegien der T.er hat sich in diesem Land die Schützenmusik mit Trommel und Pfeife länger als anderswo erhalten, bevor sie von der Feld- oder Harmoniemusik bzw. der Blasmusik abgelöst wurde. Als militärisches bzw. politisches Instrument begleiteten Schwegel und Trommel in der Zeit K. Maximilians I. die Landsknechte, später die Schützen, aber nicht nur im Krieg, sondern auch bei Huldigungen, Fronleichnamsprozessionen, Kirchweihzügen, Schützenfesten. Etwa ab 1810 wurden sie durch Blaskapellen ersetzt. Eine Reihe von T.er Schützenmärschen konnten noch aufgezeichnet werden; die meisten sind im 6/8-Takt. K. M. Klier hat den offensichtlichen Beziehungen zwischen der Maria-Theresianischen Militärmusik und den überlieferten Pfeiferweisen eine sehr instruktive Darstellung gewidmet.

Aus Thaur ist der Umgang des Tagrebell = Tagreveille) für den Fronleichnamstag um 4.00 Uhr früh überliefert, wobei der Alte Schützen-Fußmarsch gespielt wurde.

In T. weisen Urkunden seit dem 13. Jh. auf ortsansässige Spielleute hin. Thurner und Spielleute waren im 16. und 17. Jh. an vielen Orten im Einsatz, einheimische wie reisende, oft lieferten sie sich unliebsame Konkurrenz. 1451 hatten sich die Spielleute im Spielgrafenamt an der Etsch und im Inntal in einer Zunft zusammengeschlossen, der ein vom Landesfürsten ernannter Spielgraf vorstand. In T. brannte täglich ihre Opferkerze in der Wiltener Frauenkirche. 1808 löste die bayerische Regierung das Spielgrafenamt auf, von da an stellten die Landgerichte Patente für Musikanten aus. Nachrichten über Zwistigkeiten zwischen Musikern reichen weit zurück. Das „Hofieren“ in Innsbruck durch fremde Spielleute wurde bereits in der Landesordnung von 1532 und immer wieder verboten; ab 1598 sind Streitigkeiten zwischen den Innsbrucker Thurnern und den Haller Geigern aktenkundig. 1629 beschweren sich die Innsbrucker Thurner über „fremde Geiger“, die bei Tag ins Wirtshaus gehen und bei Nacht mit den jungen Burschen gassatn und aufmachen. Zahlreiche Nachrichten seit dem 17. Jh. belegen die überragende Rolle von Wandermusikanten aus dem Fassatal/Südtirol, die hauptsächlich mit Saiteninstrumenten (Geigen und Zithern) unterwegs waren. 1767 gibt es in Innsbruck einen Streit zwischen der aus den Musikern der Stadtmiliz gebildeten Sporer’schen Musikantenkompanie und der als freie Vereinigung auftretenden Obermayr’schen Kompagnie wegen des Rechtes, bei Hochzeiten, Dinzltagen und Märkten aufzuspielen. 1783 verlangten beide Kompanien vom Stadtrat ein Verbot der Musikaufführungen durch Pfarr- und Klostermusikanten und Studenten. Während hinter den Schreibern einer Liederhandschrift des späten 18. Jh.s aus dem Passeier, in der auch Tänze, meist zweistimmig mit Bass, notiert sind, R. Lach Schulmeister und Dorforganisten vermutete, treten uns seit Beginn des 19. Jh.s in verschiedenen Musikantenhandschriften Dorfmusikanten, Streicher wie Bläser, entgegen. Es waren Spielleute, die teilweise solistisch, teilweise in „Harmoniemusiken“, später in Ortsmusikkapellen, wirkten. Eine neue Welle „fremder” Musikanten kam im Laufe des 19. Jh.s aus Böhmen. Die böhmischen Musikanten wurden im 19. Jh. zum Synonym für kleine Blasbesetzungen, die zum Tanz spielten. Über Besetzungen, Tanzgattungen, Melodien und Satzweise dieser Ensembles geben uns Abbildungen und Gebrauchshandschriften Auskunft. Das Vorbild der Böhmischen hat besonders in Südtirol Spuren hinterlassen. Die heutige Idealbesetzung für eine Böhmische sind 2 Klarinetten, 2 Flügelhörner, 2 Tenorhörner, 2 Waldhörner und Basstuba; manchmal auch Schlagzeug, auch Harmonika und Harfe. Nach dem Abklingen der Bordunmusik, die in T. hauptsächlich durch Instrumentendarstellungen bezeugt ist, hat sich im Laufe des 17. Jh.s im Prinzip das Streichtrio (Kirchentrio) durchgesetzt, mit zahllosen volkstümlichen Variationsmöglichkeiten. Die Schwegel dürfte sehr früh schon zur Tanzmusik verwendet worden sein. In den Akten zum letzten Hexenprozess im Pustertal, der 1645 in Rodeneck abgehalten wurde, werden Geiger und Pfeifer als Tanzmusikanten genannt. Strolz zählt 1807 die bei der Tanzmusik möglichen Instrumente nur beiläufig auf: Zither, Hackbrett, Schwegel, ein Paar Geigen, Bass, Maultrommel etc. Eindeutige Zeugnisse haben wir aber durch die Bilder von Franz und Placidus Altmutter (Geige, Schwegel, Hackbrett und Bass um 1800, Geige, Schwegel und Hackbrett 1806, Geige, Schwegel und Bassettl [Kontrabass] 1819) u. a. und durch die Aufzeichnung der Hochzeitsmusik am Ritten 1819 (2 Geigen, Schwegel und Bass). Die Klarinette war in T. der Schwegel zwischen 1830/40 fast immer fester Bestandteil der Besetzung. Das Streichtrio mit all seinen Varianten blieb trotz dieser Konkurrenz als Volksmusikensemble durch das ganze 19. Jh. bestehen, so jedenfalls konnte es die um 1900 einsetzende Volksmusikforschung für Erl, Bad Häring, den Angerberg, das Pitztal, das Ahrntal, das Zillertal, den Achensee und das Passeier feststellen. Solistisch zum Tanz spielte die Harfe, die im 19. Jh. nach T. mportiert wurde. Zu den Hauptüberlieferungsgebieten der Geigenmusik in T. wurden das Zillertal und das Passeiertal.

Seit dem Mittelalter bestanden in T. Tanzhäuser, auch Tanzlauben oder Spieltennen genannt, die vielfach gleichzeitig die Häuser für die Rechtssprechung waren und sich bis ins 18., teilweise ins 19. Jh. erhalten haben. Getanzt wurde bei Hochzeiten, Verlobungs- und Tauffeiern, Ernte- und Weinlesefesten, Zunft- und Dinzeltagen, im Fasching, und besonders viel bei Kirtagen. Neben diesen offiziellen Tanzanlässen gab es – provoziert durch die wiederholten Tanzverbote – sog. Winkeltänze, die im Geheimen stattfanden. Tanzverbote begegnen uns in T. seit dem 16. Jh.; sie waren zu beobachten beim Tod eines Herrschers oder auch aus sittlichen Gründen. Im Einflussbereich der Bischöfe von Trient und Brixen, wo sie sich seit dem 17. Jh. wiederholen, dürften die Tanzverbote besonders rigoros gewesen sein. In anderen Diözesen des damaligen T. hingegen gab es Tanzverbote nur im Kriegsfall. Vornehmlich die missionierenden Reformorden traten gegen das Tanzen auf. So wetterten beispielsweise die Jesuiten bei ihrer Mission in Wattens derart gegen die Spieltenne, dass sie – unter Anführung der Schulkinder – von der Bevölkerung niedergerissen wurde. Aus Gründen der Staatsraison wurde von K.in Maria Theresia 1772 die Zahl der Feiertage vermindert; gleichzeitig wurde verfügt, dass an Sonn- und Feiertagen die Musik auf dem Land nicht vor 15 Uhr und in der Stadt nicht vor 16 Uhr beginnen dürfe; sie durfte bis zur Polizeistunde währen. Für ganz T. verbot Andreas Hofer 1809 Tanz und Bälle, Hochzeiten ausgenommen. Aber es gab offensichtlich genug Orte, die in religiösem Übereifer das Tanzen auch bei der Hochzeit abschafften, so z. B. Gröden, Passeiertal, Meran, Sarntal, Kaltern. Die zur Diözese Salzburg gehörenden Gebiete des Zillertals und des Unterinntals waren hingegen liberaler.

Auf den mittelalterlichen Reigentanz in T. verweisen der T.er Landreim (Vers 857) und Akten von 1588 und 1620, wo vom „Reyensingen“ und Spottliedern gegen die Geistlichkeit die Rede ist. Der Kirchtagstanz in Lüsen scheint ein Reigentanz gewesen zu sein. Die älteste bekannte Tanzmusikhandschrift ist jene aus Platt im Passeier, die R. Lach herausgegeben hat. Darin finden sich als Tanzstücke Menuette, deutsche Tänze und Ländler sowie auch Kontratänze (Countrydance) und Tänze im 6/8-Takt, Monfermy genannt, womit die aus Norditalien stammende Monferrine gemeint ist. Die erste Schilderung des Tanzbrauches in T. verdanken wir J. Strolz, aus dessen Bericht sehr deutlich die zu seiner Zeit noch ausschließliche Verwendung einer einzigen Tanzgattung, nämlich des Ländlers, in der Einheit von Schnaderhüpfel-Singen, instrumentalem Musizieren und Tanzen hervorgeht. Das Anfriemen, jener Brauch, dass der Bursch ein Schnaderhüpfel singt, dessen Melodie von den Spielleuten übernommen und zum Tanz gespielt wird, wurde damals als besonders auffallend empfunden. Der Ländler als Werbetanz der Ledigen wird in den Quellen des 18. und 19. Jh.s als Ländler, Deutscher oder auch Walzer benannt und wurde in T. meist nicht mit den typisch ländlerischen Armfiguren getanzt, sondern war eher ein frei improvisierter Wickler, bei dem die Burschen mitunter geradezu akrobatische Figuren ausführten. Wie überall, wo der Ländler heimisch war, wurde er auch im deutschsprachigen T. während des 19. Jh.s zur 16-Taktigkeit weiterentwickelt. Eine typologische Unterscheidung zwischen 16-taktigen Ländlern und 16-taktigen Walzern ist nicht möglich; von den Musikanten werden beide Bezeichnungen verwendet. Die Sechzehntakter dienen zur Begleitung des Schuhplattlers.

Wann in T. die Kleinformen unter dem Namen Dreher oder Masolka entstanden sind, oder wie die geradtaktigen Hupfer getanzt wurden, lässt sich mangels Quellen nicht eindeutig sagen. In der Sonnleithner-Sammlung von 1819 findet man als Tanzmusik neben den Ländlern auch die ältesten bekannten Boarischen (Bayrisch-Polka), hier Hopser genannt, und zwar aus dem Landgericht Ehrenberg. Das Eindringen des Gesellschaftstanzes auf dem Land ist bereits für die 2. Hälfte des 18. Jh.s nachzuweisen. Mit den komponierten Walzern und Polkas für Xylophon von Fr. Rainer (z. B. Lord Roschill-Waltzer, Sehnsuchts-Polka, Kuss-Polka, Zillerthaler Waltzer; vor 1872; vgl. Horak 1988, 16), die sich durch eine individuelle Motivik von den volkstümlichen Walzern und Polkas früherer Jahrzehnte unterscheiden, bewegen wir uns bereits im Grenzbereich von Volks- und Kunstmusik.

2005 haben Archäologen bei Ausgrabungen auf dem Pirchboden bei Fritzens Reste einer Harfe aus Hirschgeweih mit rätischer Inschrift entdeckt, die man sich als Begleitinstrument für – rätische – Epengesänge (Epos) vorstellen kann. Die Überreste des schön geschnitzten, mit einem Fabeltier verzierten Instrumentes lagen unter den Trümmern eines eisenzeitlichen Herrensitzes, der wahrscheinlich bei der Eroberung des Alpenraumes durch die Römer 15 v. Chr. zerstört worden ist. Deutsche Epen sind in T. für das Mittelalter belegt. „In der ‚Berner Weis‘ sang man das erst in späterer Fassung, um 1230, überlieferte ‚Eckenlied‘, ebenso ‚Sigenot‘, ‚Virginal‘ und ‚Goldemar‘. Die Epen ‚König Laurin‘, ‚König Ortnit‘ und ‚Wolfditrich‘, die im 12. bzw. 13. Jh. entstanden sind oder ihre Fassung erhalten haben, bedienten sich der Weise des gleichfalls nach T. weisenden ‚Hildebrandliedes‘“ (Senn). Für die weitere Liedentwicklung bieten die in der Gottschee aufgezeichneten Lieder wertvolle Indizien, die ihren Ursprung wenigstens z. T. in T. haben, da diese Sprachinsel durch die Grafen von Ortenburg zu Beginn des 14. Jh.s mit Kärntner und Osttiroler Bauern errichtet wurde. Ein Spottlied auf die Bauern aus der 1. Hälfte des 15. Jh.s, dessen Text im Innsbrucker Ferdinandeum gefunden wurde, zeigt soziale Gegensätze zwischen einem Hofmann und einem Bauern auf; unter den Flugblattliedern, die in T. seit dem 17. Jh. gedruckt wurden, sind auch weltliche Lieder, teilweise mit Melodien, darunter Satiren auf Modenarrheiten. Zahlreiche Balladen wurden noch in rezenter Überlieferung gesammelt. Die Ballade vom Muskatbaum findet man bereits im Ambraser Liederbuch von 1582, jene vom Abendgang im Jaufner Liederbuch von 1603. Über die historische Singpraxis wissen wir wenig. Bei Einsetzen der Volksliedforschung zu Beginn des 19. Jh.s findet sich jedenfalls bereits eine voll entfaltete Mehrstimmigkeit. Strolz hat allerdings daneben noch gesungene Schwänke ohne Begleitung, oder mit Begleitung einer Bassstimme, gehört. Kohl nennt für die Zeit um 1900 einstimmigen Gesang mit Zither oder Laute, zweistimmigen Gesang, auch mit Hinzutreten eines Basses, der besonders bei den Frauen beliebt sei, vierstimmige Männergesänge und vierstimmige gemischte Gesänge in einigen Gegenden, z. B. in der Wildschönau. Das Singen mit „Überstimme“ (wobei die zweite Stimme die Hauptstimme ist), war zur Zeit Kohls eine neue Erscheinung, vielleicht von Kärnten oder vom Jodler übernommen. Unter den Singanlässen für Schnaderhüpfel, die Strolz 1807 nennt, stehen neben den öffentlichen Tänzen und dem Gasselgehen die „feyertägliche Zusammenkunft im Wirtshause“, der „Heimgarten“, die „Rockengesellschaften und andere Gelegenheiten“, wie auch die „Almen und die Feldarbeit“, „die beschwerlichen Bergmahden“. Das Wirtshaus dürfte außer an den Feiertagen und bei Tänzen keine große Rolle gespielt haben, da in bäuerlichen Kreisen das Geld rar war. Man traf sich eher in der Nachbarschaft oder auf der Alm. Laut dem Zeugnis von Strolz wurden Lieder durch Schiffleute, Viehhändler, Ölträger, Fuhrleute, Bandlkrämer und Soldaten verbreitet. Die Kriegsepoche zwischen 1792/1813 hat laut Strolz noch mehr die Ausbildung der ländlichen Orchester“ und die Erfindung neuer Volksgesänge gefördert. Viele Lieder, die in T. volkstümlich geworden sind, stammen von namentlich bekannten „Bauerndichtern“ (Ch. Blattl, Johann Schiestl vulgo Hans Staudinger, Christian Dandler, Georg Töchterle u. a.), die v. a. aktuelle Ereignisse in Lieder umsetzten und Gelegenheitslieder machten. Manche davon, in T. auch als „Buschgawill“ bezeichnet, waren lange lebendig. Besonders stark vertreten waren sie im Tauferertal, im Ahrntal, in der Wildschönau und im Brixental. Die Autoren waren oft Hochzeitlader, Brautführer oder Sternsinger. Für die Sonnleithner-Sammlung 1819 wurden aus T. vorwiegend geistliche Lieder, darunter viele Weinachtslieder, eingeschickt; die weltlichen sind Gelegenheitsdichtungen, Zeitbilder und Unterhaltungslieder, viele in hochdeutsch. Schnaderhüpfel dürften zu Beginn des 18. Jh.s (vielleicht in den Gebirgstälern des T.er Unterlandes) aufgekommen sein und verbreiteten sich in viele Regionen T.s. Etwa seit den 1820er Jahren wurden sie an Beliebtheit von den längeren Liedern der Nationalsänger übertroffen, die zuweilen aus Schnaderhüpfeln entstanden, denen ein Jodler angehängt wurde. Über das Jodeln in T. gibt es im Land selbst wenig historische Nachrichten; sehr viele jedoch außerhalb T.s in Zusammenhang mit den Nationalsängern und ihren Jodelliedern. Die allermeisten in T. aufgezeichneten Jodler sind zweistimmig. In der Gegenwart zeigt sich in T. eine sehr lebendige, von öffentlichen Stellen geförderte Volksmusikpflege, die sich bewusst der übermächtigen touristischen Kommerzfolklore entgegenstellt und darin auch z. T. von den Medien unterstützt wird (Peter Moser, Franz Posch u. a.). Für die „Neue Volksmusik“ steht das Ensemble Die Knödel. In Feldforschungen konnte eine reich überlieferte Gesangskultur und sehr eigenständige Instrumentalmusiküberlieferungen (Zillertaler und Passeirer Geiger, Osttiroler Hackbrett, T.er Volksharfe, „Böhmische“, „Inntaler“, „Zigeunerstimmung“ bei der Gitarre u. a.) dokumentiert werden.


Tondokumente
TD: Werke von T.er Komponisten (aus T. stammend oder hier wirkend): CDs Innsbruck: Institut für T.er Musikforschung: CD-Reihen Musik aus Stift Stams 1ff (1994ff) u. Klingende Kostbarkeiten aus T. 1ff (1996ff): J. Abenthung, B. Amon, E. Angerer OSB, B. A. Aufschnaiter, V. B. Faitelli, G. P. Falk, G. Finger, Georg Flori, M. Goller OSB, F. S. Haindl, Ch. Hollander, J. H. Hörmann, J. A. Holzmann, J. M. Malzat, J. Netzer, St. Paluselli OCist., Franz Posch (1810–77), Franz Praxmarer, Felix Rainer, Johann Rangger, J. Regnart, Ambrosius Reiner, Bartolomé de Selma y Salaverde, Simon Sailer, F. Sales, Ch. Sätzl, J. Stadlmayr, J. E. de Sylva, Johann Georg Tschortsch, A. Utendal, G. B. Viviani, J. Zach. – Lieder u. Instrumentalstücke aus mündlicher Volksüberlieferung: CDs Freche Lieder aus Osttirol (1995), Liebe Lieder aus Osttirol (1995), T.er Weihnachtssingen 1–6 (1989, 1992–96). – CDs Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 1995ff: Werke von G. Andergassen, B. A. Aufschnaiter, Franz Baur, L. v. Call, J. B. Falk, J. B. Gänsbacher, Siggi Haider, J. A. Holzmann, J. Netzer, G. A. Pandolfi Mealli, M. Nagiller, Michael Sebastian Pegger (1813–96), P. Suitner. – Tyrolienne 1 (1997, L. v. Beethovenop. 107, WoO 158/4–8, Tänze, u. a. aus der Sonnleithner-Sammlung, Wien 1819), Tyrolienne Tyrolienne 2 (2002, Klaviermusik à la Tyrolienne von Jean Eykens, H. Herz, J. N. Hummel, I. Moscheles u. a.). – CDs T.er Volksliedwerk/T.er Volksliedarchiv): In oaner Dur. Gitarrenstückln in alter T.er Stimmung („Zigeuner-Stimmung“), Maultrommelstückln vom Weerberg 2003; Ton- u. Multimedia-CD 200 Jahre volksmusikalisches Gitarrenspiel in T. 2004. – CDs Österr. Volksliedwerk: ...is a Landl a kloans. Volksmusik aus den Kitzbüheler Alpen 1997. – CDs Pro Vita Alpina, Sölden/Ötztal:): musica alpina 1ff (1993ff). Eigene CD-Editionen der Musikkapellen u. Chöre.
Literatur
MGG 9 (1961) [Österreich/Tirol]; ÖMZ 25 (1970), H. 11; W. Deutsch/M. Schneider (Hg.), Beiträge zur Volksmusik in T. 1978; E. Egg/W. Pfaundler, Das große T.er Blasmusikbuch 1979; M. Schneider (Hg.), [Fs.] K. Horak 1980; M. Schneider (Hg.), Volksmusik in T. 1–3 (1982–86); H. Herrmann-Schneider, Die Musik-Hss. des Dominikanerinnenklosters Lienz im T.er Landesmuseum Ferdinandeum 1984; M. Schneider in [Fs.] E. Egg 1985; J. Fontana et al., Gesch. des Landes T. 1–4 (1985–88); M. Schneider in [Kat.] Der Herzog u. sein Taler 1986; Ch. Hunger in Fulpmes 1987; H. Herrmann-Schneider/M. Schneider in [Kat.] T.er Schwaben in Europa. Künstler, Händler, Handwerker 1989; H. Herrmann-Schneider, Die Musik-Hss. der Pfarrkirche u. der Musikkapelle Vils 1993; H. Herrmann-Schneider in [Kat.] Bayerisch-T.ische G’schichten. Eine Nachbarschaft. Beiträge 1993; MGÖ 1–3 (1995); RISM Serie A/II. Musik-Hss. nach 1600, 1996ff (CD-ROM; m. Teilbeständen von T.er Musikarchiven, ab 2003ff mit dem Gesamtbestand an Musik-Hss. der Pfarrkirche Hall i. T., bearb. von F. Gratl); MaÖ 1997; S. Albrich-Warger, Die Engel-Familie. Musikanten aus Reutte in T. erobern die Welt 1998; M. Schneider, Lieder f. die Weihnachtszeit nach T.er Quellen 1998; H. Herrmann-Schneider in G. Haid (Hg.), Volksmusik – Wandel u. Deutung 2000; M. Reiter, Zu Mantua in Banden. Die T.er Landeshymne 2003; K. Drexel/M. Fink (Hg.), Musikgesch. T.s (2001) u. 2 (2004); H. Herrmann-Schneider, Musik in Tirol. Grundzüge ihrer Geschichte von der Zeit Kaiser Maximilians bis zum Ende der k. und k. Monarchie/Music in the Tyrol: an Outline of its History [...] in www.musikland-tirol.at (2002); Kulturberichte aus T. 2002, H. 423/424 u. 2003, H. 429/430; J. Lanz/K. Eichbichler (Hg.), [Kgr.-Ber.] Cäcilianismus in T. Brixen 2002, 2003; H. Herrmann-Schneider in [Kat.] Schwarzwälder Geigenbau. Franziskanermuseum 2004; H. Noflatscher/J. P. Niederkorn (Hg.), Der Innsbrucker Hof 2005; [Kgr.-Ber.] Säkularisation 1803 in T. Brixen 2003, hg. v. der Brixener Initiative f. Kirche u. Musik 2005; M. Schneider in M. Frick/G. Neumann (Hg.), Beachten und Bewahren. Caramellen zur Denkmalpflege [...] T.s [2005]; 100 Jahre T.er Volksliedarchiv,Beilage zur T.er Tages-Ztg. 23.9.2005, Nr. 221. – Zss., Jb.er: Das Fenster g’sungen u. g’spielt (Innsbruck-Bozen); JbÖVw; Kulturberichte aus T. (Innsbruck 1947ff); ÖMZ; Sänger- u. Musikanten-Ztg. (München); Der Schlern; SK; T.er Heimatbll.; T.er Volkskultur; Veröff. des T.er Landesmuseums Ferdinandeum. – Tages-Ztgn.: Neue T.er Ztg.; T.er Nachrichten; T.er Tages-Ztg. – Mitt. P. O. Ruggenthaler OFM (Provinzarchivar Schwaz); website (Auswahl, allgemein, alle 11/2005): www.musikland-tirol.at (für T. und Südtirol grundlegend, auch mit Klangraum, T.er Musikatlas aktuell u. 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Autor(en)
Hildegard Herrmann-Schneider
Gerlinde Haid †
Empfohlene Zitierweise
Hildegard Herrmann-Schneider/Gerlinde Haid †, Art. „Tirol‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

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