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Treumann, Treumann, true Matthias Karl Ludwig
* 1823 -07-2727.7.1823 [Ulrich auch: 1821] Hamburg/D, 1877 -04-1818.4.1877 Baden/NÖ. Schauspieler, Bühnenschriftsteller, Theaterdirektor. Sohn des Theaterbilleteurs und Schneiders Friedrich Gustav T. (ca. 1790–1839 [1841?, 1843?]), begann zunächst eine Buchdruckerlehre. 1841 gab er in Pest (Budapest) sein Debüt als Chorist und reiste danach mit einer Theatertruppe durch Ungarn und Siebenbürgen. 1847–52 gehörte er auf Empfehlung F. v. Suppès dem Theater an der Wien an. 1852 wechselte er an das Carltheater, wo er bis 1860 erfolgreich an der Seite J. N. Nestroys auftrat (v. a. in Possen).

Bereits 1859 hatte T. um die Baubewilligung eines eigenen Theaters im Bereich der abgetragenen Gonzagabastei am Franz-Josefs-Kai (heute: Wien I, Morzinplatz 4) angesucht. Nach Erhalt der Genehmigung (6.1.1860) errichtete er ab Juni 1860 zunächst (u. a. aufgrund finanzieller Probleme) ein provisorisches Theatergebäude, das am 1.11.1860 eröffnet wurde (T.theater, Kai-Theater, Quai-Theater). Das Ensemble rekrutierte sich aus jenem des Carltheaters, auch Nestroy trat mehrmals in dem Theater auf. T.s Theaterprivileg umfasste die Aufführung von Possen mit Gesang und Tanz, Schau- und Lustspielen, Pantomimen sowie Singspielen; Opernaufführungen bedurften einer Zusatzbewilligung. Zwischen 1860/63 gelangten 1.283 einaktige Lustspiele, Possen und Schwänke, 744 Operetten (davon 575 von J. Offenbach, der hier am 28.1.1861 sein Wiener Dirigentendebüt gab) und 207 mehraktige Stücke im T.theater zur Aufführung. Nachdem das hölzerne Interimstheater in der Nacht vom 9. auf den 10.6.1863 abgebrannt war (s. Abb.), nahm T. von dem ursprünglichen Plan, ein dauerhaftes Theater zu errichten, Abstand. Er übernahm dagegen die Direktion des Carltheaters (Eröffnung am 19.8.1863), die er bis 1866 innehatte und wohin ihm das gesamte Ensemble (mit den Kapellmeistern F. v. Suppè [ab 1862 am T.theater] und C. F. Stenzl) folgte. An der Stelle des alten T.theaters befand sich 1871/73–1945 das Hotel Métropole, 1963–67 wurde eine Wohnhausanlage errichtet.

T.s Tochter Leopoldine (* ca. 1834 [Ort?], † 7.1.1914 Baden) war als Schauspielerin tätig (v. a. in Baden, wo sie 1907 ihr 30jähriges Bühnenjubiläum feierte), sein Bruder Franz T. (* 1820 Hamburg?, † 4.3.1874 Kirchberg am Wechsel/NÖ) trat ebenfalls als Schauspieler in Erscheinung und war T.s wie auch C. Carls Sekretär.


Ehrungen
Wr. Bürgerrecht 1865; Ehrenmitglied des medizinischen Unterstützungsvereins.
Werke
Operetten- u. Singspiellibretti (v. a. Übersetzungen u. Bearbeitungen von frz. Stoffen, musikalischer Bearb. häufig C. Binder): Das Mädchen vom Elisonzo 1858 (M: Offenbach), Die Hochzeit bei Laternenschein 1858 (M: Offenbach), Die Savoyarden 1859 (M: Offenbach), Die Tante schläft 1861 (M: Henri Caspers), Die Schwätzerin v. Saragossa 1862 (M: Offenbach), Pariser Leben 1867 (M: Offenbach), Der Dorfadvokat 1872 (M: Robert v. Hornstein), 25 Mädchen u. kein Mann 1873 (M: Suppè), Zwei Hochzeiten u. ein Bräutigam 1873 (M: K. F. Kohn), Die Reise um die Erde in 80 Tagen 1875 (M: Suppè), Graziella 1876 (M: Charles Lecocq), Prinz Methusalem 1877 (M: Joh. Strauß Sohn).
Literatur
Czeike 5 (1997); Kosch 4 (1998); K-R 1997; ADB 38 (1894); Wurzbach 47 (1883); Eisenberg 1903; A. Entsch (Hg.), Dt. Bühnen-Almanach 42 (1877), 132–135; E. Gettke (Hg.), Almanach der Genossenschaft dt. Bühnenangehöriger 6 (1878), 124f; Dt. BühnenJb (1908), 122 u. 26 (1915), 168f; Bauer 1955; Stieger III/3 (1981); Ulrich 1997; – T.theater: J. Hüttner in Jb. der Ges. f. Wr. Theaterforschung 17 (1970); Hadamowsky 1988; F. Mailer in ÖMZ 27 (1972); Czeike 5 (1997); Wr. Ztg. 10.6.1863.

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Treumann, Matthias Karl Ludwig‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

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