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Tuczek Tuczek Jan (Tuček, Tutschek), Familie
Jan (Johann): * 1742-12-1515.12.1742 Zasmuk bei Kolin/Böhmen (Zásmuky/CZ), † 1783 -09-1919.9.1783 Prag. Chorregent und Komponist. Lebte spätestens ab Mitte der 1760er Jahre in Prag. 1770 Bassist an der Prager St. Heinrich-Kirche, gleichzeitig Musikmeister der Prag-Neustädter Zivilgarde. Ab 1774 wirkte er als Chorregent und Kantor an der St. Peter-Kirche in der Prager Neustadt.
Werke
Intermezzo Der verliebte Nachtwächter (Zuschreibung, erstes Singspiel in tschechischer Sprache [J. M. Menninger]), Bühnenmusik (Zwischenaktsmusiken, Einlagearien); Kirchenmusik, lat. Geistliche Spiele.


Sein Sohn Vincenc Tomáš Václav (auch Franz Vinzenz Ferrarius): * 2.2.1773 Prag, † zw. 2.11./17.12.1820 Pest? (Budapest). Sänger, Musikdirektor, Komponist. Schüler des Vaters, war zunächst um 1793 am Vaterländischen Theater (im Hibernertheater) in Prag als Tenorist, Cembalist (1794–96) und Komponist tätig. 1794 schrieb er vermutlich im Auftrag E. Schikaneders ein Singspiel für das Freihaustheater. 1797–99 Kapellmeister des Hzg.s von Kurland und Sagan (Żagań/PL), Peter Graf v. Biron, und 1800 Theatermusikdirektor in Breslau (Wrocław/PL). Ab 1801 Sänger und Kapellmeister am Theater in der Leopoldstadt, wo er 1807–09 nochmals in der Nachfolge von W. Müller als Kapellmeister wirkte. 1802–06 und 1810–20 war T. in Budapest als Kapellmeister und Komponist tätig, 1817/18 kurz in Kaschau (Košice/SK).


Werke
Bühnenwerke (Hanns Klachl von Przelautsch 1796, Die Polterhexe von Lichtenstein 1807, Samson 1808), Messen, Oratorium Das jüngste Gericht, Kantaten, Symphonie, Tondichtung Die Schlacht bey Leipzig 1816, Tafelmusik.


J.s Cousin 2. Grades war

František (Franz Sales): * 30.1.1782 Sezemitz/Böhmen (Sezemice/CZ), † 4.8.1850 Charlottenburg/Preußen (Berlin-Charlottenburg/D). Musiklehrer und Komponist. Besuchte bis 1802 das Gymnasium in Königgrätz und studierte 1802–07 an der Univ. Wien Philosophie, Theologie, Naturwissenschaften und Jus. Anschließend wirkte er als Musik- und Gitarrelehrer in Wien. Verheiratet seit 3.2.1822 mit der Wiener Klaviermeistertochter Eleonora Philippina Caudella. 1842 übersiedelte er zu seiner Tochter nach Berlin.


Werke
Gitarren-, Klavier- u. Violinmusik.


Dessen Kinder

Leopoldine Margarethe (verh. Herrenburg): * 11.11.1819 [nicht: 1821, 1822, 1824] Wien, † 20.10.1883 Baden bei Wien/NÖ (begr. Berlin). Sängerin (Sopran). Uneheliche Tochter von F. T. und seiner späteren Frau, wurde nachträglich legitimiert. Ausbildung beim Vater und bei J. Fröhlich, 1829–34 Schülerin des Konservatoriums der GdM. Am 7.8.1836 Debüt am Kärntnertortheater (in J. Weigls Nachtigall und Rabe). An der Wiener Hofoper sang sie zunächst kleinere Partien (u. a. die Alisa in der EA der Lucia di Lammermoor 1837), bald jedoch auch führende Rollen (Cherubin, Blondchen, Amina in der Nachtwandlerin). 1839 war sie der Page in der EA der Hugenotten. 1841 erfolgte ein Gastspiel in Berlin; zwar kehrte sie noch einmal nach Wien zurück, durch eine Abstandszahlung befreite sie sich jedoch aus dem Wiener Vertrag und wurde Ensemblemitglied in Berlin (bis 1861). Hier wirkte sie in den UA.en von G. Meyerbeers Ein Feldlager in Schlesien (Vielka, 1844) und O. Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor (Frau Fluth, 1849) mit. Zahlreiche Gastspiele, u. a. in Breslau, Prag, Leipzig/D, Frankfurt am Main/D, beim Bonner Beethoven-Fest (1845) und in Wien, wo sie bereits 1844 wieder auftrat (Marie in der Regimentstochter, Isabella in Robert der Teufel). Im Theater an der Wien gastierte sie in Vielka, das Zigeunermädchen (Feldlager in Schlesien), im Kärntnertortheater war sie 1848 in der Titelrolle der Martha zum letzten Mal zu hören. Zu ihren Glanzpartien zählten neben den genannten Partien Pamina, Agathe und die Zerlinen in Don Juan und Fra Diavolo. Heiratete am 5.5.1850 den Kunstmaler Johann Andreas Herrenburg, die Ehe wurde jedoch bald darauf geschieden.


Ehrungen
königlich preußische sowie königlich sächsische Kammersängerin.


Philipp Carl: * 1.5.1824 Wien, † 6.9.1888 Bad Kösen/D. Violinist. Studierte 1838–42 am Konservatorium der GdM und gehörte 1850–78 dem Orchester der königlichen Hofoper in Berlin an. Seine Schwester Antonia Albertina (verh. Rademacher; * 26.4.1831 Wien, † 1.7.1902 Köln/D) besuchte 1839/40 das Konservatorium der GdM und wirkte später als Opern- und Konzertsängerin sowie Gesangpädagogin.


Ehrungen
W: königlich preußischer Kammermusiker.


Mehrere Enkelinnen und Urenkelinnen von Franz T. wirkten als Musikerinnen bzw. Sängerinnen in verschiedenen deutschen Städten (u. a. die Altistin Clara Philippine [* 11.2.1854 Charlottenburg, † 27.8.1919 Berlin], die 1881 den Komponisten Max Bruch heiratete).


Literatur
A. Jakubcová/M. J. Pernerstorfer (Hg.), Theater in Böhmen, Mähren und Schlesien 2013; NGroveD 25 (2001); MGG 13 (1966) u. 16 (2006); R. Angermüller, Wenzel Müller u. „sein“ Leopoldstädter Theater 2009; Wurzbach 48 (1883); K-R 1997 u. 2000; Eisenberg 1903; Kosch 1 (1953) [Herrenburg] u. 4 (1998); M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1836 bis 1848, 2004; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1848 bis 1870. Personal – Aufführungen – Spielplan 2002; C. F. Pohl, [Fs.] Die Ges. der Musikfreunde des österr. Kaiserstaates u. ihr Conservatorium 1871, 157; Müller-Asow 1929; Kürschner 1954; Ulrich 1997; Stieger II/3 (1978); Wr. allgemeine Theaterztg. 30.11.1820, 576; Der Wanderer 17.12.1820, 3; Taufbuch 1741–84 der Pfarre Sezemitz, pag. 479; Trauungsbuch 1816–28 der Pfarre St. Rochus (Wien III), fol. 171; Taufbuch 1817–39 der Pfarre Maria Rotunda (Wien I), fol. 57; Taufbuch 1819–25 der Pfarre St. Rochus, fol. 7; Sterbebuch 1877–86 der Pfarre Baden-St. Stephan, fol. 198; Mitt. Gabriele T.

Autor(en)
Michael Jahn
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Michael Jahn/Christian Fastl, Art. „Tuczek (Tuček, Tutschek), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 24/01/2017]