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Viganò, Viganò, true Familie
Tänzerfamilie

Onorato: * 6.9.1739 Mailand/I, † 1811 (Ort?). Tänzer, Choreograph. Erhielt Musikunterricht von Luigi Boccherini, dem Bruder seiner Frau (der Tänzerin Esther Maria Boccherini, * ? Lucca/I, † nach 1774 [Ort?]). In Wien war O. 1760–65 an beiden Hoftheatern engagiert, seine spätere Frau (Verehelichung 1763 in Wien) mindestens 1758–65, jedoch soll sie erst 1774 Wien endgültig verlassen haben und mit J. G. Noverre nach Mailand gegangen sein. O. arbeitete nach seiner Wiener Zeit in Italien, die Musik zu vielen seiner Ballette schrieben seine Söhne Salvatore und Giuglio. Seine Söhne

Salvatore: * 25.3.1769 Neapel/I, † 10.8.1821 Mailand. Tänzer, Choreograph, Tanzpädagoge, Komponist. In den Tänzerberuf wurde er von seinen Eltern eingeführt, und in die Musik möglicherweise von seinem Onkel L. Boccherini. 1783–88 tanzte er in der Kompanie seines Vaters. 1789 trat er in Madrid auf und erlernte dort spanischen Tanz; darüber hinaus traf er Jean Dauberval, der ihn mit den Konzepten von J. G. Noverre bekannt machte. 1789 heiratete er die Tänzerin Maria Medina (eig. Mayer/Meyer?; * 1765 oder 1756? [Wien?], † 1833 Paris?), die auch seine Tanzpartnerin wurde. Bis 1790 tanzte er unter der Führung von J. Dauberval am Grand Théâtre von Bordeaux/F und konnte seine Technik erheblich verbessern. Der Einfluss des Noverre-Schülers zeigte sich auch in den ersten Choreographien S.s. 1793 ging er mit seiner Frau nach Wien, wo sich sein Ruf als Choreograph festigte. Zwischen 1795/98 tourte das Ehepaar erfolgreich durch Zentraleuropa. 1799, nach der Trennung von Maria, kehrte S. nach Wien zurück, wo er bis 1803 arbeitete. Seine Frau gastierte noch 1796 und 1812 in Wien. In der Wiener Zeit entwickelte er seinen eigenen choreographischen Stil, für den sein Biograph Carlo Ritorni den Begriff des „coreodramma“ fand. Nach 1804 arbeitete S. v. a. in Italien und nach 1811 fast ausschließlich für die Mailänder Scala, zusammen mit einer Gruppe von ausgesuchten TänzerInnen- und SchaupielerInnen.


Werke
Ballette Raul Signore de Crequi [...] (1791); Richard Löwenherz, Kg. v. England (1795, M: J. Weigl); Die Geschöpfe des Prometheus (1801, M: L. v. Beethoven); Gli Strelizzi (1809); Otello […], La Vestale (1818); Alessandro nell’Indie (1820).


Giuglio Cäsar: * 1772 Neapel, † nach 1824 (Ort?). Tänzer und Choreograph. War ebenfalls Schüler von L. Boccherini, 1793–1815 Solotänzer in Wien, wo er 1798 die seit 1797 engagierte Tänzerin Marie Anna (Marianne) Bummel (* 1782 Wien, † nach 1815 [Ort?]) ehelichte. Im April 1815 suchte er vergeblich um ein Privilegium für Tombolaspiele in Provinzstädten an, 1824 ist er noch in Mailand nachweisbar. Sein Sohn Ernest Eduard Julius (* 20.2.1808 Wien, † nach 1814 [Ort?]) tanzte 1813/14 als Eleve am Wiener Hoftheater sowie am Theater an der Wien.

Unklar ist, ob ein Verwandtschaftsverhältnis zu Antonio V. (* 1752 Mailand, † nach 1795 [Ort?]) bestand (Bruder von Onorato?), der 1770–74 in Wien engagiert war, 1774 mit J. G. Noverre nach Mailand ging, 1784 Ballettmeister bei der Schauspieltruppe von F. J. Scherzer in Linz war und 1794/95 neuerlich in Wien nachweisbar ist.


Literatur
S. J. Cohen (Hg.), International Encyclopedia of Dance 6 (1998); B. N. Cohen-Stratyner, Biographical dictionary of dance 1982; Raab 1994 [Boccherini, V.]; Schneider 1985.

Autor(en)
Gabi Vettermann
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Gabi Vettermann/Christian Fastl, Art. „Viganò, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]