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Volkstümliche Musik
Bezeichnung für populäre Musik, die nicht immer im gleichen Sinne verstanden wurde. Sie verweist einerseits auf die Nähe zu Volksmusik und Volkslied, fungiert aber andererseits – v. a. in der wissenschaftlichen Diskussion – als Abgrenzung zur „traditionellen“, „authentischen“ bzw. „echten“ Volksmusik. Im allgemeinen Sprachgebrauch und in den Medien werden die Bezeichnungen Volksmusik und v. M. häufig synonym verwendet. Die v. M. hat im Laufe der Zeit eine breite Vielfalt an Stilvarianten hervorgebracht. Das Hauptrepertoire ist jedoch zunächst von der alpenländischen Folklore (Alpenmusik) und der Tanzmusik des 19. Jh.s (Polka, Marsch, Walzer, Ländler [Volkstanz], Lieder) geprägt.

Bis in die 1960er Jahre verband man mit dem Begriff v. M. meist instrumentale Volksmusik, im Besonderen die Blasmusik (Blasorchester). Danach bezeichnete man damit medial verbreitete (anfangs in Musiksendungen im Rundfunk wie z. B.: Volkstümliche Hitparaden und Wunschkonzerte) neue Kompositionen oder Bearbeitungen traditioneller Stücke, welche der Volksmusik in vielen Bereichen (strukturell und inhaltlich) sehr ähnlich sind, aber aus kommerziellen Gründen für eine breite Masse konzipiert wurden.

Als im hohen Maße Stil bildend gilt seit Mitte der 1950er Jahre der sog. Oberkrainer-Stil . Die Spielweise, die charakteristische Besetzung (Akkordeon, Klarinette, Trompete, Gitarre und Bariton) und sogar das Repertoire, das vorerst hauptsächlich instrumentale Polka und Walzer enthielt, wurde von unzähligen Tanzmusikgruppen in Österreich kopiert, weil der Oberkrainer-Sound vom Publikum sehr gut angenommen wurde und als „modern“ galt. Dieser neuartige musikalische Einfluss, technische Neuerungen, die fortschreitende Kommerzialisierung mit der Schaffung eines eigenen „volkstümlichen Marktes“ und die Etablierung einer „volkstümlichen Musikszene“ sowie die von den Medien vorgegebenen „Moden“ führten mitunter zu tief greifenden Veränderungen in der ländlichen Gebrauchsmusik.

Einen besonderen Aufschwung nahm die v. M. Anfang der 1980er Jahre mit dem Aufkommen erster Musikshows (Show) im Fernsehen, die diese Musikrichtung förderten; als Vorreiter ist an dieser Stelle der sehr erfolgreiche Musikantenstadl zu nennen. Wichtig wurde nun auch die optische Komponente: volkstümliche Musiker/innen präsentieren sich meist in Trachten- oder trachtenähnlicher Kleidung und bewegen sich in einer ländlichen Kulisse oder in der Natur. Zur Entstehung neuer Kompositionen hat der 1986 erstmals ausgetragene Grand Prix der Volksmusik besonders beigetragen. Mit der vermehrten Einbindung von Gesang (zunächst Typus „humorvolles“ Lied), der Einbeziehung eines Schlagzeugs und „moderner“ Rhythmen der Tanzmusik fand im Laufe der Zeit eine deutliche Annäherung zum deutschen Schlager statt, was in weiterer Folge Ende der 1980er Jahre zur Ausprägung des volkstümlichen Schlagers führte.

Die Einschaltquoten bei diversen volkstümlichen Musiksendungen in Millionenhöhe und immense Absatzzahlen zeugen von einer hohen Beliebtheit dieser Musikrichtung in den 1980/90er Jahren.


Literatur
Beiträge v. G. Haid u. E. Klusen in Didaktik der elementaren Musikerziehung 3 (1981); I. Bontinck in Musik u. Bildung 15/7–8 (1983); H. Thiel in ME 38 (1984); G. Noll in H. Gembris et al. (Hg.), Musikpädagogische Forschungsberichte 1993; MGÖ 3 (1995); MGG 9 (1998) [Volksmusik]; P. Wicke et al. in Hb. der populären Musik 31997.

Autor(en)
Sonja Oswald
Empfohlene Zitierweise
Sonja Oswald, Art. „Volkstümliche Musik‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]