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Vorarlberg
Westlichstes österreichisches Bundesland (Hauptstadt Bregenz). Über viele Jh.e hinweg beherrschten die Klöster des Bodenseeraumes (St. Gallen/CH, Einsiedeln/CH, Reichenau/D, Pfäfers/CH, Weingarten/D) durch gestreuten Landbesitz auch die musikalische Kultur der Region. Bis ins 19. Jh. war V. ein Konglomerat verschiedenster Herrschaften. Die Habsburger erwarben 1375 die Grafschaft Feldkirch, das Landgericht Rankweil, den Bregenzerwald und Dornbirn, 1765 die Reichsgrafschaft Hohenems, 1804 die sich seit der Säkularisation im Besitze von Wilhelm Friedrich von Nassau-Oranien-Dillenburg befindliche Reichsherrschaft Blumenegg und die Reichspropstei St. Gerold (vormals den Klöstern Weingarten und Einsiedeln gehörend). 1809–14 stand das Land unter bayerischer Regierung. Kirchlich war das Gebiet bis ins frühe 19. Jh. unter den Diözesen Konstanz, Chur/CH und Augsburg/D aufgeteilt, 1818 wurde ein eigenes V.er Generalvikariat geschaffen, das der Diözese Brixen unterstand, 1968 kam es zur Gründung der Diözese Feldkirch.

Nach der Eroberung des Gebiets um den Bodensee durch Tiberius und Drusus im Jahre 15 v. Chr. stand das Land über 300 Jahre unter römischer Herrschaft (Austria Romana). Zweifellos beherrschten auch in Brigantium Musik und Tanz den Kult, die Bräuche, das Militärwesen und die Unterhaltung. Bildliche Tanz- und Instrumentendarstellungen finden sich im V.er Landesmuseum auf Grabungsfunden importierter Töpferwaren. Konkrete Hinweise zum Musikleben gibt es bislang (2006) nicht.

Mit den iro-schottischen Glaubensboten Kolumban und Gallus begann im 7. Jh. eine für das gesamte Bodenseegebiet musikhistorisch bedeutsame Epoche. Aus dem ehemaligen Benediktinerkloster Mehrerau sind älteste schriftliche Nachweise zum Musikleben auf V.er Boden in Form von musikalisch-liturgischen Handschriftenfragmenten mit Neumen- und Hufnagelnotation z. T. noch als Einbandverstärkung von Rechnungsbüchern im V.er Landesarchiv erhalten.

Die höfisch-ritterliche Kultur findet einen namhaften Vertreter in dem aus Bregenz stammenden Grafen Hugo (XII.) von Montfort und seinem Dienstmann B. Mangolt. Die sog. Heidelberger Liederhandschrift (cpg 329) des Montforters gehört zu den bedeutendsten Dokumenten spätmittelalterlicher Liedkunst. Auch in ihrer Feldkircher Residenz war dieses bedeutende Geschlecht musikalisch aktiv: Rudolf V. von Montfort-Feldkirch ließ 1380 und 1389 dreitägige Osterspiele veranstalten. Messstiftungen zeugen von zahlreichen gesungenen Ämtern und Andachten zum Andenken verstorbener Familienangehöriger. Hermann von Montfort († 1352) übte 1319–28 das Amt des Domkantors in Chur aus. Weniger umfassend, doch schriftlich belegt ist das Musikleben der Bürger und der bäuerlich-handwerklichen Bevölkerung. Seit dem 14. Jh. werden Spielleute genannt, Pfeifer, Geiger, Trompeter, Trommler: Bernhard der Pfifer (1385), Kuno der Pfifer (1385), der Spielmann Dietrich Hintzett aus Bludesch (1528). Als Turmbläser und Wächter (Thurner) sorgten sie für die Sicherheit in den Städten, sie musizierten in den öffentlichen Tanzhäusern, zu vorgeschrieben Zeiten, beaufsichtigt von der Obrigkeit (Ordnung der Spillüt 1500 für Feldkirch, Tanzordnung der Pfarre Plonß 1709, Polizeiordnungen, Tanzlizenzen u. a.). 36 Tanzhäuser sind seit Ende des 14. Jh.s bekannt (1398 Feldkirch, 1431 Satteins, 1465 Rankweil, 1481 Thüringen).

Für musikalische Ausbildung wurde in den Schulen gesorgt, v. a. den Latein- und Deutschen Schulen in Feldkirch, Bregenz, Bludenz und Hohenems. Unter den Schulmeistern ist eine große Mobilität zu vermerken: in Feldkirch wirkte u. a. der aus Lindau stammende J. Vogelsang, bekannt für sein Traktat Musicae rudimenta (Augsburg 1542). J. C. Bösch ging an das nördliche Ende des Bodensees (Hegau), in Bludenz engagierten sich im 17. Jh. besonders Kilian Berchtold aus Mindelheim und Heinrich Gäßler aus Masmünster/Elsaß (Masevaux/F). In der Region tätige Schulmeister wie Josef Pfund, Anton Scherer, Bösch und Josef Ignatz Gapp sind als Komponisten von Jesuitendramen bekannt, die seit 1649 in Feldkirch ein Gymnasium führten. Geistliche Stiftungen, so die des Konstanzer Bischofs und Kardinals Marcus Sitticus III. von Ems (1581) oder des Bludenzer Frühmessers Johann Nessler (1632) trugen zur Förderung musikalisch talentierter Knaben bei. Schulordnungen geben Details zum Musikunterricht und sind Zeugen der kirchenmusikalischen Praxis. Z. B. wurde 1661 der Lateinschulmeister von Feldkirch beauftragt, täglich sechs Knaben im Gesang zu unterrichten. Sie waren maßgeblich an der Gestaltung von Gottesdiensten beteiligt, mit einstimmigem Choralgesang und mehrstimmigem Figuralgesang. Von der mehrstimmigen Musizierpraxis gibt es seit dem ausgehenden 16. Jh. auch für V. authentisches Notenmaterial. Papierfragmente aus der Herrschaft Blumenegg bezeugen erstmals deutschsprachige Weihnachtslieder. Die beiden Lateinschulmeister Georg und Christoph Klopfer sind Schreiber des Feldkircher Chorbuches von 1617 in Großfolio. Der Bregenzer H. Bildstein ließ 1624 seine Motettensammlung Orpheus Christianus drucken.

Mehrstimmig wurde auch in den Klöstern gesungen. So war es im 17. Jh. in Mehrerau üblich, an den Hochfesten „pluribus vocibus“, an den gewöhnlichen Tagen jedoch nur einstimmig mit Orgelbegleitung zu singen. Klostereigene Komponisten sorgten für geeignetes Repertoire. Auch die Frauenklöster nahmen an dieser Entwicklung teil. Bei den Dominikanerinnen von St. Peter bei Bludenz wurden nach 1640 mit der „edlen Musik des Figurale“ und Instrumentenbegleitung neue Wege beschritten. Als besonders musikalische Nonnen galten Dominica Zürcher aus Bludenz, Maria Cäcilia Gartner aus Einsiedeln, Maria Magdalena Opser aus Feldkirch, Anna Katharina Zürcher aus Bludenz, Maria Victoria Reinhart aus Innsbruck. Erhalten ist aus dem Kloster eine Nonnengeige, die heute im V.er Landesmuseum verwahrt wird. 1614 verschaffte der Feldkircher Organist den Klarissen von Valduna zwei Musikinstrumente, vom Franziskanerinnenkloster Thalbach bei Bregenz existiert ein Orgelpositiv aus 1622, 1641 ließ die Priorin der Dominikanerinnen von Altenstadt eine Orgel bauen. Erhaltene Musikalieninventare geben Auskunft über das musikalische Repertoire an V.s Kirchen.

Eine barocke Prachtentfaltung, wie wir sie in anderen Residenzen des Bodenseeraumes antreffen, gab es auf V.er Boden nicht. So zwang der Mangel an geeigneten Möglichkeiten talentierte Musiker zur Emigration; der Spielmann Hans Bach trat in die Dienste der Herzöge von Württemberg/D, hier wirkte um dieselbe Zeit auch der Kapell- und Singschüler Michel Glebat. Bildstein wurde Organist am Hofe des Konstanzer Fürstb.s Jacob Fugger, der Kapuzinerpater L. (von) Schnifis verkehrte in Innsbruck und an verschiedenen süddeutschen Adelshöfen. Georg Mayr gehörte zu den Sängerknaben und Trompetern am Innsbrucker Hof (1612–14). Höfisches Musikleben finden wir in bescheidener Form bei den Grafen von Hohenems, die während der Renaissance- und Frühbarockzeit politisch und kulturell eine dominierende Stellung einnahmen. Es entsprach aber nicht annähernd dem ihrer Verwandten in Italien und Salzburg. Für besondere Anlässe wurden Musiker aus anderen Zentren geholt, u. a. aus Konstanz, Tettnang/D, Lindau/D.

Von der militärischen Funktion der Spielleute berichten Musterrollen. 1621 werden über 50 Pfeifer und Trommler aus der Region genannt. Trommler und Pfeifer sind im Verband von Schützengesellschaften zu finden, bekannt ist ihre Teilnahme bei Fronleichnamsprozessionen seit Ende des 18. Jh.s. In diesem Zusammenhang begegnet man allmählich größeren Blasmusikformationen (Blasorchester), der älteste Hinweis kommt aus Hörbranz, wo es schon vor 1800 eine Feldmusik gab. Dornbirner Jugendliche erwarben 1796 Musikinstrumente aus der Schweiz. 1819 sandte der Lustenauer Pfarrer Franz Josef Rosenlächer erstmals Musiker zum Unterricht ebendorthin. Seit den ersten Jahrzehnten des 19. Jh.s häufen sich die Nachrichten über das Auftreten der türkischen Musik. Einfluss auf das zivile Musikleben übten besonders die in Bregenz und Dornbirn stationierten Regimentkapellen aus. Militärmusiker wie F. Rezek sind auch als Komponisten bekannt. Der Wiener K. von Thann wurde 1924 nicht nur Leiter der Heereskapelle des Alpenjägerbataillons, er engagierte sich auch im V.er Chorwesen, gründete ein Streichorchester und übernahm nach 1945 die Leitung des neu gegründeten V.er Funkorchesters. Seit 1958 gibt es die V.er Militärmusik.

Eine breite kulturelle Basis wurde im 19. Jh. durch die aktive Beteiligung des Bürgertums (bürgerliche Musikkultur), insbesondere der Fabrikanten gelegt. Es kam zur Gründung von Gesellschaften der Musikfreunde (1842 Feldkirch, 1871 Dornbirn, 1900 Bregenz; Musikverein), welche die Organisation und Durchführung von musikalischen Veranstaltungen übernahmen. Laien sammelten sich in Männerchören, Blasmusikvereinen, Theatergruppen, Orchestervereinen (1864 Gründung V.er Sängerbund , 1924 V.er Harmoniebund). Hauptberuflich angestellte Musikdirektoren übernahmen kirchliche wie auch weltliche Aufgaben: Georg Frick und A. Torggler aus Tirol, Ph. Schmutzer, A. Jaksch und Martin Horner aus Böhmen. In Bludenz wirkte mehrere Jahre der aus Regensburg/D stammende Rheinberger-Schüler Josef Renner (1869–1934). Streichorchester gab es nicht nur in den Städten, sondern auch in Schruns, Bezau und Lustenau. Eigene Fonds forcierten die Errichtung von Musikschulen (1888 Feldkirch, 1900 Bregenz, 1902 Dornbirn). Träger des öffentlichen Konzertwesens waren vom 19. Jh. bis zum Zweiten Weltkrieg die musikalischen Vereine mit eigenen Produktionen. Reisende Virtuosen und Theatergesellschaften hatten um Auftrittsbewilligung anzusuchen (Nationalsängergesellschaft Messmer , Steyrersänger-Gesellschaft Gebrüder Forster, Wiener Volkssängergesellschaft  W. Seidl, Theatergesellschaften von Jakob Anton Mack, August Müller, Eduard Wolf, Nanette Ringelmann u. a.). 1819 gab es in Bregenz das erste Theater, das auch den Gastspieltruppen zur Verfügung stand, mitunter musikalisch unterstützt durch Militärmusiker oder Mitglieder des Musikvereins. Konzerte fanden zumeist in größeren Gasthaussälen statt: in Dornbirn in der Mohrenhalle, im Saal des Vereinshauses, später im Schlossbräusaal, im Gössersaal in Bregenz. 1901 wurde mit dem Saalbau in Feldkirch ein Mehrzweckgebäude errichtet, das auch als Lichtspieltheater dienen sollte.

Kirchenmusikalisch sind im 18. und 19. Jh. zwei besondere Einschnitte zu verzeichnen: durch die Säkularisation und die Reformbewegung des Cäcilianismus. Bis zur Schulreform unter K.in Maria Theresia, die sich in V. in den späten 1770er Jahren allmählich durchzusetzen begann, und der Säkularisation, der V.s Klöster zum Opfer fielen, waren Lehrer und Schüler Träger der Kirchenmusik gewesen. Von diesen Umwälzungen besonders betroffen war Feldkirch, auch durch den Verlust des Jesuitengymnasiums. In diese Zeit fällt erstmals die schriftliche Erwähnung der Beteiligung von Mädchen und Frauen am Kirchengesang. Um 1800 gab es in den Städten und größeren Orten bezahlte Musiker und auch Kirchensängerinnen, meist Töchter der Chorregenten: Crescentia Schmidt in Feldkirch, Benedicta Martini in Bregenz, Franziska und Katharina Bobleter in Dornbirn, Elisabeth und Anna Maria Jussel in Bludesch u. a. Um 1830 wird im kirchenmusikalischen Bereich das bürgerliche Engagement klar erkennbar. Städtische Musikdirektoren übernahmen die kirchenmusikalischen Aufgaben. Der zunehmenden Verweltlichung des Repertoires entgegenzutreten, erreichten in der 2. Jh.hälfte von Süddeutschland ausgehend die kirchenmusikalischen Reformbewegungen V., 1870 wurde der V.er Cäcilienverein gegründet. Als Mentor ist der Komponist und Lehrer W. Briem zu nennen, als Redakteur der Zeitschrift Der Kirchenchor der Geistliche Franz Josef Battlog (1836–1900).

Ein weiterer Bereich, der durch das kulturelle Engagement des Bürgertums maßgeblich an öffentlichem Bewusstsein gewann, ist die musikalische Kultur der Bauern und Handwerker. Sammelbewegungen wurden initiiert, Lieder und Texte publiziert. J. M. Strolz (1799–1874) zeichnete zw. 1812/18 alte Bregenzerwälder und Montafoner Volkstänze erstmals handschriftlich auf. 1819 wurden im Zuge der Sonnleithner-Sammlung (J. Sonnleithner) die ersten Volksmusikaufzeichnungen in V. durchgeführt. H. Pommer unternahm nach 1917 volksmusikalische Forschungen und gab eine erste Liedsammlung in Druck (Volkslieder und Jodler aus Vorarlberg 1926). 1920 wurde ein volkskundlicher Ausschuss des V.er Landesmuseums gegründet, der zugleich als Ausschuss des Österreichischen Volksliedunternehmens ( Volksliedwerk ) bestätigt wurde. Der Bregenzer Gymnasialdirektor Ambros Guth ermunterte 1923–29 Studenten zur Sammlung von Volksliedern für ihre schriftlichen Prüfungsarbeiten; der Tanzforschung widmete sich in den frühen 1930er Jahren A. Schmitt. Er zeichnete die charakteristischen Formen wie Hopser, Rongger, Sieben Sprünge, Ahi-Tanz, Drei lederne Strümpf, Gible gäbele auf. 1950 nahm der Arbeitsausschuss V. des Österreichischen Volksliedwerkes unter dem Vorsitz von Arnulf Benzer seine Sammeltätigkeit auf und setzte mit der Volksliedpflege einen weiteren Schwerpunkt. Gesangsgruppen und Volksmusikensembles (Schwestern Katharina und Edeltraud Tichy, Geschwister Winkler) traten nach dem Zweiten Weltkrieg bei öffentlichen Veranstaltungen auf. Der V.er Volksgesang wird von zugewanderten Liedern dominiert, mitgebracht von durchreisenden Nationalsängergesellschaften und Saisonarbeitern (Krautschneider, Handwerker, Schwabenkinder, HopfenleserInnen u. a.). Nur vereinzelt trifft man dabei auf Lieder in der alemannischen Mundart, was die maßgeblichen Stellen dazu bewog, Neuschöpfungen gezielt zu fördern. Lieder von G. Hering-Marsal, W. Fritz, Nanni Burger-Seeber (1913–2001), B. Wiederin, H. Lutz, Erich Hollenstein u. a. gehören heute zum Standardrepertoire öffentlich auftretender Gesangsgruppen, sind aber auch vereinzelt im aktuellen Volksgesang anzutreffen. 1949 wurde das Heimatlied „s’ Ländle, meine Heimat“ von A. Schmutzer zur V.er Landeshymne (Hymnen) bestimmt (s. Nb. und Tbsp.). 1957 kam es zur Gründung eines V.er Volksliedarchivs im V.er Landesarchiv, J. Bitsche wurde der erste Archivar, ihm folgte E. Schneider (1976). Das Archiv beherbergt heute (2006) über 20.000 Dokumente der musikalischen Volkskunde und ist Teil der 1999 am V.er Landesarchiv eingerichteten Musiksammlung. 1975 wurde der Verein V.er Volksliedwerk gegründet, der unter dem Dachverband Österreichisches Volksliedwerk die Arbeit der Ausschüsse fortsetzt. Volksmusikalisches Engagement speziell in der Pflege des Volkstanzes zeigt der V.er Landestrachtenverband, in dem die Trachtengruppen und Musikkapellen des Landes zusammengeschlossen sind.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die musikalische Kultur einen Aufschwung durch die Gründung der Bregenzer Festspiele , des V.er Funkorchesters und des Landestheaters. Politische und wirtschaftliche Gründe bewogen Musiker, in den Westen Österreichs abzuwandern. Die Musiker O. Lutz, R. Mayer, G. Schneider, W. Stärk und E. Pichler traten auch als Komponisten erfolgreich an die Öffentlichkeit. Mit dem Funkorchester erhielt V. 1945 das erste Berufsorchester. Unter der Leitung von H. Moltkau entwickelte sich der Klangkörper bis zu seiner Auflösung 1959 zu einem bedeutenden Kulturfaktor, der auch grenzüberschreitend wirkte. 1946/47 bestritten die Musiker die ersten Abonnementkonzerte in Dornbirn, Feldkirch, Bludenz und Hard, traten aber auch mit kleineren Ensembles auf, mit dem Kolbe-Quartett des Konzertmeisters Raimund Kolbe oder der Bauernkapelle unter Franz Reiter. Besonderes Interesse wurde der zeitgenössischen Musikszene entgegengebracht, zu der auch der V.er F. Andergassen gehörte. Pionierarbeit in diesem Bereich leistete auch der 1949 von dessen Tochter Gisela Andergassen begründete Musikkreis Feldkirch. Diese Institution initiierte 1973 die noch (2006) aktive Veranstaltungsreihe Forum Feldkirch.

1961 wurde der Versuch gestartet, mit der Gründung des V.er Kammerorchesters unter G. Klien die Orchestertradition wieder aufzunehmen, die Auflösung folgte nach nur zwei Jahren. 1984 wurde das V.er Symphonieorchester gegründet, dessen Chefdirigent 1988–2005 Christoph Eberle war. Auf dem Jahresprogramm des Orchesters steht u. a. ein sechsteiliger Abonnementzyklus in Bregenz und Feldkirch (seit 1994) und im Bregenzerwald (seit 2002), in Zusammenarbeit mit dem Landestheater gibt es zudem jährlich eine Opernproduktion.

Heute zeigt sich in V. eine kulturelle Vielfalt, die alle musikalischen Bereiche umfasst; zu etablierten Festivals wie den Bregenzer Festspielen, der Schubertiade oder dem Forum zeitgenössische Musik Feldkirch traten in den letzten Jahren das Feldkirch Festival, Bludenzer Tage zeitgenössischer Musik, Bregenzer Frühling, Hohenemser Orgelmusiktage, St. Gerolder Konzertreihen, Montafoner Sommerkonzerte, Musiktheater in Götzis. Alternativ dazu bieten in einer breiten Palette der Spielboden Dornbirn, das Theater am Saumarkt in Feldkirch und zahlreiche Kleinveranstalter kulturelle Events.

Eine breite Basis an musikalischer Ausbildung kommt besonders den zahlreichen Chören und Blasmusikkapellen des Landes zugute, die sich im V.er Chor- bzw. Blasmusikverband zusammenschließen. Für den musikalischen Nachwuchs des Landes sorgen Musikschulen in allen Regionen, V. besitzt die größte Musikschuldichte Österreichs. Die Gründung des V.er Landeskonservatoriums (1977), des Musikgymnasiums in Feldkirch und mehrerer Musikhauptschulen ergänzen das Angebot. V.er sind heute in der internationalen Musikwelt anzutreffen, dazu gehören die Komponisten H. Willi, R. Dünser, die Dirigenten Manfred Honeck, Ch. Eberle u. a.

V.s Musikinstrumentenbau steht im engen Zusammenhang mit der Deckung des regionalen Bedarfs. Die Zahl der Orgeln nahm seit dem 17. Jh. rasch zu, maßgeblich dafür waren geistliche Stiftungen, u. a. 1662 die Stiftung des Landvogtes Johann Rudolf von der Halden in Bludesch. V.er Orgelbauer sind im Schweizer und süddeutschen Raum mit Werken zu finden. Zu einem Zentrum des Orgelbaues wurde im 18. Jh. Rankweil, führend dabei die Familien Abbrederis, Andreas Ziegler und Amman. In Feldkirch arbeitete Josef Locher (?–1756) aus Landshut, in Gisingen J. Allgeuer (Allgöwer); Johann Michael Grass (1746–1809) aus Bürserberg unterhielt in Lommis/CH eine Werkstätte. Im 19. und 20. Jh. sind zu nennen die Orgelbauwerkstätten Behmann und ihre Nachfolgefirmen Glatter-Götz und Rieger in Schwarzach, J. M. Bilgeri in Riefensberg, Mayer in Feldkirch, J. A. Schönach in Rankweil, Hubert Neumann (1921–62) in Götzis, Pflüger in Feldkirch-Gisingen (seit 1979), Christoph Enzenhofer in Bludesch (seit 1978); J. Metzler aus Schwarzenberg begründete in Graubünden /CH eine Werkstätte. Geigen-, Streich- u. Zupfinstrumente (Geigen- und Lautenbau) erzeugten Victorin Drassegg (1782–1847), Eugen Zaiser (1868–1927), Ernst Volkmann (1902–41) in Bregenz. Johann Martin Schwerzler (1823–85) eröffnete 1862 die erste Werkstätte als Musikinstrumentenmacher für Blasinstrumente in Wolfurt. Sein Neffe Anton Rohner (1860–1940) übernahm den Betrieb, er beschäftigte böhmische Wandergesellen. Sein Schwiegersohn Gebhard Hinteregger (1891–1964) führte die Werkstätte weiter. Historische Musikinstrumente, auch aus den genannten Werkstätten, werden heut im V.er Landesmuseum aufbewahrt. Schriftliche Dokumente und Tonträger zur Musikgeschichte V.s finden sich in den beiden Musiksammlungen, im V.er Landesarchiv in Bregenz und in der Stadtbibliothek Feldkirch. Eine Musikdokumentationsstelle in Feldkirch vermittelt zeitgenössisches Musikschaffen.


Literatur
Lit (alphabet.): Auf den Spuren der Volksmusikforschung u. Volksmusikpflege in V. u. im Appenzeller Land, hg. v. Bezirk Oberbayern 2001; J. Bitsche/K. M. Klier in Montfort. Vierteljahresschrift f. Gesch. u. Gegenwartskunde V.s 16 (1964); A. Bösch-Niederer in Dornbirner Schriften. Beiträge zur Stadtkunde 26 (2000); A. Bösch-Niederer in U. Nachbaur/A. Niederstätter, V.er Landessymbole 2004; A. Bösch-Niederer in V. Chronik, hg. v. Land V. 32005; A. Bösch-Niederer, Die Musikdrucke des historischen Archivs des Domchores zu Feldkirch 2005; K. H. Burmeister in Montfort 29 (1977); K. H. Burmeister, Kulturgesch. bis zum Beginn des 19. Jh.s 1985 (= Gesch. der Stadt Feldkirch 2); K. H. Burmeister, Gesch. V.s. Ein Überblick 31989; W. Deutsch/E. Schneider (Hg.), Beiträge zur Volksmusik in V. u. im Bodenseeraum 1983; G. Fischer, Urkundenauszüge aus dem Dornbirner Archive 1886 (= Sonderdruck aus 31. Jahresbericht des k. k. Real- u. Obergymnasium in Feldkirch); E. Hofer, V.er Volkstänze 1971; [Kat.] Aus Musikernachlässen der Stadtbibliothek Feldkirch, hg. v. der Internationalen Ges. zur Erforschung u. Dokumentation der Musik im Bodenseeraum 1984; G. Jussel, Dorfbuch Bludesch 1994; U. Kemmerling-Unterthurner, Musik in Dornbirn. Studien zur Musikgesch. im 19. und 20. Jh. 1994; A. Kremmel in V. unser Land. Jungbürgerbuch, hg. v. der V.er Landesregierung 31992; A. Kremmel, Das Sinfonieorchester V. – Spuren zum Erfolg: Grundlagen u. Gesch. des ungewöhnlichen Konzert- u. Opernorch.s 2003; H. Nadler, Orgelbau in V. u. Liechtenstein, 4 Bde. [1985]; W. Pass (Hg.), Musik in V. 1970 (ÖMZ Sonderheft); W. Pass in Jb. des V.er Landesmuseumsvereines 1978/79 (1979); J. Pfefferkorn in Heimatbuch Montafon Schruns 1980; H. Sander, Beiträge zur Gesch. des Frauenklosters St. Peter b. Bludenz 1901; A. Schmidhofer, Ikonographie der Musikdarstellungen V.s, Dipl.arb. Innsbruck 1983; E. Schneider/A. Bösch-Niederer, Die Lieder-Hss. der Schwestern Clessin 1997 (= COMPA 6); MGG 9 (1961) [Österreich, VIII: V.]; E. Schneider in Landes- u. Volkskunde, Gesch., Wirtschaft u. Kunst V.s 4 (1967); E. Schneider, V.er Komponisten v. Bürk Mangolt bis Ferdinand Andergassen 1973; E. Schneider in Montfort 33 (1981), 36 (1984) u. 39 (1987); E. Schneider in Bregenzerwald-Heft 4 (1985); E. Schneider (Hg.), Blasmusik in V. 1986; E. Schneider in Götzner Heimatbuch 2 (1988); E. Schneider, Musik u. Theater in Lustenau 1989; N. Schnetzer (Hg.), Musik ist ihre Freude. Beiträge zur Musikgesch. Rankweils im 19. und 20. Jh. 1994; V.er Musikschulwerk 1989; H. Walter in K. Ilg (Hg.), Landes- u. Volkskunde V.s 3 (1961).

Autor(en)
Annemarie Bösch-Niederer
Empfohlene Zitierweise
Annemarie Bösch-Niederer, Art. „Vorarlberg‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

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