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Waidhofen an der Ybbs
Stadt im südwestlichen Niederösterreich, Hauptort des Ybbstales. Vermutlich als Handelsstützpunkt an der alten Eisenstraße gegründet, lassen römische Funde in der Umgebung auf ein hohes Alter der Ansiedlung schließen. Ab dem späten 10. Jh. im Besitz der Bischöfe von Freising/D, wird W. erstmals 1186 als Waidhovn genannt und erscheint ab dem ausgehenden 13. Jh. als Stadt („civitas“). Um 1230 besingt der Minnesänger Neidhart von Reuental die gute Qualität der weithin bekannten und verbreiteten W.er Eisenerzeugnisse. Die Gründung der Pfarre ist wohl in die Mitte des 13. Jh.s zu setzen, ein von Seitenstetten aus betreutes Gotteshaus ist bereits für 1186 bezeugt. Die Reformation war ab den frühen 1530er Jahren in W. stark ausgeprägt und wurde erst ab 1590 zunehmend zurückgedrängt. Führende Vertreter des Protestantismus stammten aus W., so etwa der wichtigste Verfasser protestantischer Schuldramen, Paul Rebhuhn. Ca. 1649/50 begannen die Kapuziner mit der Errichtung eines Klosters samt Kirche (1659 geweiht, 1786 aufgehoben, 1834 als Franziskuskirche neu geweiht, 1938–2005 von den Salesianern betreut). 1803 kam W. in den Besitz der Habsburger. Die vom Handwerks- und Handelsbürgertum geprägte Stadt erlebte einen grossen Aufschwung durch die Eröffnung mehrerer Eisenbahnlinien und Schulen in der 2. Hälfte des 19. Jh.s. Durch den Bahnanschluss wurde W. als Sommerfrische-Ort (Kur und Sommerfrische) zunehmend attraktiv, in der Folge entstand mit dem Bildungsbürgertum eine neue Oberschicht. Seit 1869 Stadt mit eigenem Statut, hat W. seit der Bildung einer Großgemeinde 1972 heute (2006) ca. 12.000 Einwohner, wobei die Stadt selbst ca. 5.800 Einwohner zählt.

Obwohl mehrere Meistersinger in den Ratsprotokollen der Stadt verzeichnet sind (Martin Kaiser, Hans Glöckler, Laurentius Mehs, G. Scheuber, P. Heiberger, S. Kriegsauer), fehlt bis dato jeder Hinweis auf eine Meistersingerschule. In W. entstandene Lieder sind nur von L. Wessel (1562) und L. Mehs bekannt. 1316 ist erstmals ein (namentlich nicht genannter) lateinischer Schulmeister belegbar, ab dem 16. Jh. werden die Nachrichten über die Lehrer und deren Gehilfen, die auch für die Besorgung der Kirchenmusik an der Stadtpfarrkirche zuständig waren, in den Ratsprotokollen häufiger. Eine vermutlich protestantische deutsche Schule ist für 1556 belegt. Ebenfalls im 16. Jh. kam es zur Aufführung von kleinen Komödien und Theaterspielen durch die Schulkinder unter der Leitung des Schulmeisters. Ab 1670 förderte Pfarrer Johannes Bernhard Pocksteiner die Chormusik, indem er aus eigener Tasche Sänger bezahlte. Ende des 17. Jh.s ist mit Andreas Dorfmayr ein langjähriger Organist namentlich bekannt, 1707 wurde dem Bassisten Johann Michael Gindl die erledigte Schulmeisterstelle verliehen. Als Chorregenten sind ab dem 18. Jh. Johann Danner (Doner; 1745–79), Thaddäus Resch (Reschner, Reschler), Christian Wisinger (um 1812) und ein gewisser Gießrigl (bis 1849, vermutlich befreundet mit J. B. Schiedermayr) namentlich bekannt. 1849–86 war Friedrich Schiffner (* 5.12.1824 Enns, † 13.3.1886 W.) Regens chori, 1886–94 Franz Joseph Johnscher (* 10.1.1865 Wien, † 1.4.1940 Wien), 1894–1931 Josef Steger (* 24.3.1865 Flachau/Sb, † 17.9.1931 W.) und 1931–74 dessen Sohn Karl Steger (* 8.11.1900 W., † 21.10.1978 W.); alle vier hinterließen auch Eigenkompositionen. Die Pflege der Kirchenmusik an der Stadtpfarrkirche kann als bedeutend eingestuft werden, der teilweise erhaltene Notenbestand zeigt eine weite Streuung der Stilrichtungen und Epochen. Bedingt durch das Wirken J. Gablers war W. auch ein Zentrum des Cäcilianismus in der gemäßigten Richtung J. E. Haberts. Durchaus bemerkenswert erscheint die Tatsache, dass bis ca. 1960 jeden Sonn- und Feiertag ein lateinisches Hochamt, meist mit Orchester zur Aufführung gelangte.

Die erste belegbare Orgel (II/20) in der Pfarrkirche St. Lambert und Magdalena wurde 1732 von J. I. Egedacher errichtet, an ihr könnte vielleicht zwischen 1770/90 F. X. Chrismann gearbeitet haben. 1797 reparierte der Chrismann-Schüler P. Hötzl die Orgel. Von der Egedacher-Orgel haben sich nur mehr die Gehäuseflügel und einige Prospektpfeifen erhalten, da es nach einigen Reparaturen im 19. Jh. (durch J. Breinbauer 1862/63 und Jos. Unterberger 1882) 1892/93 durch Jos. Mauracher (II/24, pneumatisch), 1948 wiederum durch die Firma Mauracher (III/35, elektro-pneumatisch) und 1974–76 durch die Linzer Firma Bruno Riedl (II/30, mechanisch) zu großzügigen Um- bzw. Neubauten kam. 1868 errichtete J. Breinbauer eine Orgel (I/8) in der Bürgerspitalkirche, die seit der Zwischenkriegszeit auch der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus dient. 1976 erfolgte ein Umbau des Instruments durch J. Mertin (I/10). In W. selbst ist im 17. Jh. der Orgelbauer Jakob Breitensteiner (Praidenstainner; 1629–83) belegbar, der 1682 eine Orgel für die Pfarrkirche Haslach/OÖ errichtete.

Das W.er Thurnermeisteramt ist bereits für die 2. Hälfte des 16. Jh.s belegt, 1563 erscheint Paul Heissen als Thurnermeister, 1646 Mathias Lettner. Bis 1796 versah Franz Kummerer das Amt, 1797–1814 Matthias Wunderl („bürgerlicher Turnermeister und Musikdirecteur“, anschließend Thurnermeister in St. Pölten) und 1814–25 J. Glöggl „Ballunternehmer und bürgerl. Thurnermeister“, der z. B. im Fasching 1818 zu einer Ballveranstaltung lud. 1844 verkaufte Al. Glöggl die Thurnermeisterstelle, die er von seiner verwitweten Mutter übernommen hatte, um 3.500 fl an den vorher in Enns als Regens chori und Thurnermeister tätig gewesenen Alois Schiffner. Diesem folgten später seine Söhne Friedrich und Eduard (1864–84) nach. Nicht unbedeutend dürften die Thurner für die erstmals 1799 genannte Musikbanda (Banda) des Bürgerkorps (gegr. 1798) gewesen sein. In der Frühzeit des Bürgerkorps wurde übrigens noch ausdrücklich zwischen der Musikbanda und den Spielleuten des Bürgerkorps unterschieden. Die Musiker der Kapelle rekrutierten sich in der 1. Hälfte des 19. Jh.s in erster Linie aus Gewerbetreibenden und Handwerkern, vermutlich jedoch auch aus Thurnern. Zumindest ist die Mitgliedschaft des Thurnergesellen Josef Skala (Scala; 1809–50) eindeutig belegt, wobei sein Beruf auch mit „Musiklehrer“ angegeben wird. Auch der ebenfalls als Musiklehrer bezeichnete Josef Busek (1805– nach 1858) gehörte der Kapelle an, bei ihm ist eine Tätigkeit als Thurnergeselle ebenfalls nicht auszuschließen. Als Kapellmeister der Bürgerkorpskapelle sind Michael Thoma (1805–38), Al. Glöggl (1838–44), Josef Schiffner (1847–60) und F. Schiffner (1859–77) überliefert. 1877 erfolgte die formale Ausgliederung der Kapelle aus dem Bürgerkorps, 1885 kam es zur Statutengenehmigung der zivilen Blaskapelle Städtische Musikkapelle W. a. d. Y., die jedoch weiterhin bis 1937 auch für das Bürgerkorps tätig war. Gleichzeitig wurde zur finanziellen Unterstützung der Kapelle der Musikunterstützungsverein der Stadt W. a. d. Y. und Umgebung ins Leben gerufen, der 1887 bereits 244 Mitglieder zählte. Dieser sorgte für das Gehalt eines fix angestellten Stadtkapellmeisters, wobei potentielle Anwärter ein entsprechendes Probespiel (Klavier, Blas- und Streichinstrumente) absolvieren mussten. Aus der Stadtkapelle ging weiters ein Salonorchester hervor, das für die immer größer werdende Zahl der Sommergäste regelmäßige Promenadenkonzerte gab. Diese fanden zwar mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges – währenddessen diverse Militärkapellen Konzerte in der Stadt gaben – ein abruptes Ende, jedoch wurde die Tradition in der Zwischenkriegszeit und auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart (Blasmusik am Wochenende) fortgesetzt. Vereinzelt kam es auch zu Gastspielen namhafter auswärtiger Musiker, zu nennen sind hier Auftritte der Sängerin Hedwig Hohenegger 1910 und des Cellisten E. Brabec 1937. Aus der Stadtkapelle und ihrem Salonorchester ging 1928 durch Abspaltung die Freie Orchestervereinigung hervor, die jedoch nur eine kurze Lebensdauer hatte. Weitere Orchester der Zwischenkriegszeit waren die Salonorchester der Oberrealschule und des Salesianerheims. Letzteres stand 1929–35 unter der Leitung von Margarete Kravka und 1935–39 unter jener des W.er Beamten und Komponisten Ernst Viktor v. Hartliebs (* 4.2.1910 Wien, † 21.2.1986 W.).

Als Stadtkapellmeister fungierten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Raimund Bauer (1885–90), Richard Schlegl (1890/91, † 1891; Musiklehrer, vorher Vizekapellmeister in St. Pölten), Josef Kliment (1891–1919, * 1867 Bezirk Beraun [Beroun/CZ], † 12.2.1935 W., Bruder von J. Kliment sen.), Georg Maderthaner (1919/20), Rudolf Pribitzer (1920–24; Musiklehrer und Leiter der Gesangschule des MGV.s W. sowie eines Filmmusikorchesters, danach Musiklehrer in Mürzzuschlag bzw. Chorregent in Steyr), Florian Tröscher (1924–26), Anton Zeppelzauer (1927–35, * 13.6.1874 Wien, † nach 1935 [Ort?]), August Milosits (1935–38; Musiklehrer), Heinrich Pattermann (1938/39) und Franz Bäuml (1939–45; Militärkapellmeister, Musiklehrer, langjähriger Leiter einer W.er Tanzkapelle). Die bedeutendsten unter ihnen waren sicherlich J. Kliment und A. Zeppelzauer. Kliment, Schüler des Prager Konservatoriums und ehemaliger Militärmusiker, war vor seiner W.er Tätigkeit Mitglied der Kurkapelle in Mödling gewesen und trat auch mit zahlreichen Eigenkompositionen hervor (Walzer [Die Ybbstaler], Märsche [W.er Marsch], Orchestermusik). Zeppelzauer, 1926 Sieger unter 35 (!) Mitbewerbern, war ebenfalls langjähriger Militärmusiker gewesen, wobei er bis zum Regimentstambour aufgestiegen war. Eine zeitlang leitete er das Wiener Lehár-Orchester, vielleicht war er ein Schüler F. Lehárs. Auch er war als Komponist und Arrangeur tätig, 1932 erhielt er die Ernennung zum Landesmusikmeister des Bundes der Musikkapellen für Niederösterreich und Burgenland. Burgenland.

Das bürgerliche Musikleben begann sich in W. in der 1. Hälfte des 19. Jh.s zu entfalten. Bereits 1827 ist eine Akad. von Dilettanten zugunsten der Ortsarmen belegt. 1834 bzw. 1835 kamen J. Haydns Oratorien Schöpfung und Jahreszeiten zur Aufführung, 1845 gab der aus W. stammende Sänger am Theater in der Josefstadt Jakob Haas ein Opernkonzert unter Mitwirkung von W.er Dilettanten. Die bürgerliche Musikbetätigung kumulierte schließlich zunächst in der Gründung der W.er Liedertafel 1843, die 1845 in MGV W. umbenannt wurde und 1847 ihre Statutengenehmigung erreichen konnte. Sich ganz den Zielen des Männergesangs verschreibend, nahm der MGV bereits früh an bedeutenden Sängertreffen teil, so 1851 am Deutschen Sängerfest in Passau und 1865 am 1. Deutschen Sängerbundesfest in Dresden/D. 1858–60 und 1866/67 ruhte das Vereinsleben. 1887 wurde ein Hausorchester und 1893 ein Damenchor gegründet, durch die es möglich wurde, große Werke der Oratorienliteratur (J. Haydns 1903, Jahreszeiten 1908, A. Rombergs Das Lied von der Glocke 1905 [mit 140 einheimischen Sängern!] und R. Schumanns Der Rose Pilgerfahrt 1910) aufzuführen. Darüber hinaus wurden weiters Singspiele, kleine Opern und Volksliederspiele gegeben. Als Chormeister des MGV.s W. fungierten August Haas (1843–56), F. Schiffner (1857–85), Vinzenz Fest (1886–97), Alois Hoppe (1898/99), Leopold Kirchberger (1900–05; * 3.10.1875 Perg/OÖ, † 14.3.1964 W., auch kompositorisch tätig), J. Kliment (1906–08 und 1911–17), Franz Schendl (1909/10), Rudolf Mayrhofer (1918–20), Rudolf Völker (1921–31, auch kompositorisch tätig), Eduard Freunthaller (1932–35 und 1943/44, auch kompositorisch tätig), K. Steger (1936–42 und 1957), Hermann Brait (1945–56 und 1957–59, auch kompositorisch tätig), Peter Steger (1960), Franz Stepanek (1961– 63), Ernst Sobotka (1964–85), Peter Richter (1986–91) und Hans Ghlubner (ab 1991). 1974 erfolgte die Umbenennung des Vereins in Singgemeinschaft des MGV.es W. a. d. Y. 1843. Das Hausorchester erarbeitete unter der langjährigen Leitung von J. Kliment (1891–1919) in Zusammenarbeit mit dem Salonorchester der Stadtkapelle auch größere Orchesterwerke der Klassik und Romantik (J. Haydn, L. v. Beethoven, C. M. v. Weber, Felix Mendelssohn Bartholdy), wobei diese in Konzertprogrammen mit Werken der Unterhaltungsmusik kombiniert wurden. Dirigenten des Hausorchesters nach Kliment waren L. Kirchberger (1919–29) und K. Steger (1930–62). 1890 ging aus dem Umfeld des Hausorchesters das erfolgreiche W.er Streichsextett hervor. Weitere Vereine mit Musikbezug waren die Theatergesellschaft und die W.er Zweigstelle des Wiener Richard Wagner-Vereins ( Wiener Akademischer Wagner-Verein ), die auch Fahrten zu den Bayreuther Festspielen organisierte. Zu erwähnen sind weiters die von Wiener Gesangvereinen unternommenen Ausflüge nach W. (z. B. Wiener Schubertbund , Wiener Männergesang-Verein ).

Theater wurde in W. zunächst v. a. von wandernden Truppen gespielt, 1785 sind Vorstellungen der Kindertruppe von F. Berner belegbar, 1792 versuchte Ignaz Bartsch (Partsch) vergeblich, eine Spielgenehmigung zu erhalten. 1816 begann eine regelmäßige Theaterpflege unter der Leitung von Adolf v. Weber, Bühnenmusiken für manche Stücke steuerte Josef Schreiber bei. 1828 kam es durch die Gesellschaft von Siegmund Bratsch zur Aufführung von C. M. v. Webers Der Freischütz. Sechs Jahre später wurde durch die Truppe von August Seydler das Städtische Theater im heutigen Rathaus – damals ein Gasthaus – eröffnet, das 1881 gesperrt werden musste. In der Zwischenkriegszeit kam es auch zur Aufführung einiger Operetten, wie z. B. Der Zigeunerbaron (Joh. Strauß Sohn, 1927) oder Wo die Lerche singt (F. Lehár, 1933). Eine stete Theaterpflege lässt sich auch 1865–1938 durch den Katholischen Gesellenverein und in den 1930er Jahren im Salesianer-Heim beobachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg blühte die W.er Theaterkultur neuerlich auf, u. a. nahm 1950 der Theater- und Kulturverein W.er Volksbühne seine Tätigkeit auf, der auch Operetten zur Aufführung brachte. 1953 wurden die bis heute (2006) bestehenden Schlosshofspiele begründet.

1947 kam es zur Neugründung des Musikunterstützungsvereins und des MGV.s W. Neben der weiter bestehenden Stadtkapelle (1976–92 unter dem Namen Stadt- und Jugendmusikkapelle) unter der Leitung von Ferdinand Lindner (1945–62), Franz Rinner (2. Kpm. 1952–55), F. Bäuml (2. Kpm. 1955–59), E. V. v. Hartlieb (1962–68), Helmut Schoder (1968–80), Adolf Stockinger (1980–94, 1972–80 2. Kpm.) und Ernst Stockinger (seit 1995) sorgten weitere Formationen (Kolping-Musikkapelle [1951–59], Hausorchester des MGV.s [neu gegr. 1961], Tanzmusikkapelle Herold [1946–68], W.er Tanzkapelle [ab 1947]) für eine musikalische Wiederbelebung der Stadt. Durch die Gemeindezusammenlegung 1972 gibt es derzeit im W.er Gemeindegebiet neben der Stadtkapelle weitere vier Blaskapellen (St. Leonhard am Walde, Windhag, St. Georgen in der Klaus, Konradsheim). Das in den 1950er Jahren mit wechselnder Besetzung aufgetretene W. Streichquartett nahm eine Pionierstellung in der Pflege von Kammermusik ein. Von Bedeutung war auch die Lehrtätigkeit, die seine Mitglieder entwickelten, war dies doch eine Keimzelle der 1963 von Erich Kolar und Friedrich Richter unter den Fittichen des Musikunterstützungsvereins gegründeten MSch. Zwar hatten bereits früher MSch.n in W. bestanden (z. B. ab 1887 die Gesang- und MSch. von F. J. Johnscher und ab 1927 eine städtische MSch.), jedoch konnte sich keine dieser Gründungen über einen längeren Zeitraum hinweg behaupten. Nun konnten jedoch entsprechende Erfolge erzielt werden, 1965 zählte die Schule 260 Schüler. Aus der 1975 von der Stadtgemeinde übernommenen Schule entstand 1968 schließlich auch das Kammerorchester der MSch., dessen Musiker sich zunächst aus Mitgliedern des Hausorchesters des MGV.s und Musikschülern zusammensetzten und das 1969 bereits seinen ersten Auslandsauftritt absolvierte. 1973 wurde es als Verein Kammerorchester W. a. d. Y. neu begründet. Unter seinen Leitern, E. Kolar (1968–86) und Wolfgang Sobotka (seit 1986), entwickelte es sich von einem zunächst v. a. auf Musik des 18. Jh.s spezialisierten Klangkörper zu einem symphonisch ausgerichteten Ensemble, das auch romantische Werke nicht scheut. 1977 wurde im Rahmen des Orchesters das Barockensemble gegründet, 1996 in ensemble mosaik umbenannt. Zur Bereicherung des musikalischen Lebens trugen ab den 1950er Jahren auch die Gastspiele der Wiener Sängerknaben und die Konzerte des Niederösterreichischen Tonkünstlerorchesters bei. Bis zur Eröffnung des Stadtsaales 1975 standen für Musik- und Theateraufführungen in W. nur größere Hotel- bzw. Gasthaussäle sowie die städtischen Turnhalle zur Verfügung (Konzertsäle).

Auch bekannte Persönlichkeiten der Musikgeschichte hielten sich in W. auf, so besuchte z. B. A. Bruckner zwischen 1876/80 mehrmals seinen Freund F. Schiffner in W. (s. Abb.). Die W.er Sommerfrische genossen weiters u. a. E. Hanslick, H. Wolf und R. Weinwurm, K. Pilß hatte verwandtschaftliche Beziehungen zu W., C. Debrois v. Bruyck lebte ab 1874 in W. In W. geboren wurden u. a. Luc. Haselböck, E. Kales, B. Kolar, R. Küchl und P. M. Ober.

Die in W. a. d. Y. 1852 entstandene Textvariante des Liedes Stille Nacht! Heilige Nacht! ist in ihrer Bedeutung als ein Beispiel für grundsätzlich nicht ungewöhnliche lokale oder regionale Paraphrasierungen des bekannten Liedes zu sehen.


Literatur
M. Stockinger, Die Stadtkapelle W. a. d. Y. Ursprung, Entwicklung u. Funktion, Dipl.arb. Wien 1999; W. Gugler, Kirchenmusik u. Orgelbau in der Stadtpfarrkirche W./Y., Dipl.arb. Wien 1979; G. Allmer in Das Orgelforum 21 (Dezember 2017); J. Settele, 110-jährige Orchestertradition der Statutarstadt W./Y. 25 Jahre Verein „Kammerorchester W. a. d. Y.“, Dipl.arb. Wien 1998; W. Sobotka, Das Musikwesen in W./Y. dargestellt am Beispiel des MGV.es (1843), Hausarb. Wien 1978; Fs. 150 Jahre MGV. 100 Jahre Singgemeinschaft 1993; Fs. zum 150jährigen Bestand der Stadtmusikkapelle W. a. d. Y. 1995; [Fs.] Wo man singt… Aus der Gesch. des MGV.es W. a. d. Y. 1843–1933, 1933; [Fs.] Der Männer-Gesangverein W. a. d. Y. von 1843–1893, 1893; F. Richter et al., 800 Jahre W. a. d. Y. 1186–1986, 1986; F. Richter, Die Volksschule in W. a. d. Y. 1996; Th. Mayr, Aus den Chroniken der Stadt W. a. d. Y. 1797–1921, 1925; E. Kindslehner, Das Leben u. Wirken E. V. v. Hartliebs, Dipl.arb. Wien 1990; G. Trathnigg in Jb. des Musealvereines Wels 1 (1954); Ch. Zacher, W. a. d. Y. zw. 1945 u. 1955, Dipl.arb. Wien 1995; P. Maier, W. a. d. Y. Metropole des Y.tales 1993; W. Zambal in W. Rosner/R. Motz-Linhart (Hg.), [Kgr.-Ber.] W. a. d. Y. u. die Eisenwurzen 1998, 2004; P. Stepanek, Unterwegs zur „freien Stadt“. Studien zur Gesch. der Stadt W. a. d. Y., Diss. Wien 1987; A. Sengseis, W.s Klosterkirche im Wandel der Zeit 1991; BrucknerH 1996; O. G. Schindler in Jb. der Ges. f. Wr. Theaterforschung 17 (1970); D. Hotz, Festspiele in Niederösterreich 1945–2009, 2010; P. Gretzel in schaufenster Kultur.Region Dez. 2018/Jänner 2019; MGÖ 1–3 (1995); www.waidhofen.at (5/2006); www.pfarre-waidhofen.at (5/2006); eigene Recherchen.

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Waidhofen an der Ybbs‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/12/2018]

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