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Walter Walter true (Walther), Lothar Franz
* --ca. 1656 (Ort ?), † 1733 -04-1818.4.1733 Wien. Orgelmacher. Legte am 13.7.1696 in Wien den Bürgereid ab und schien bis 1699 in den Steuerbüchern auf. Am 2.5.1703 wurde er in Nachfolge von Ferdinand Niederhauser (Niederhäußer, * ca. 1668, † 2.11.1702 Wien) am Wiener Hof zum „Calcant und Orgelmacher“ ernannt. Im Vergleich zu seinem Mitbewerber J. U. Römer bezeichnete man W. als diesem in der Orgelbaukunst überlegen „in so weith, alß ein Titian andere Mahler übertreffe“. In seinem Bewerbungsschreiben hebt W. demnach auch die Arbeiten für Kirchen besonders hervor. Als Hoforgelmacher verdiente er 1711 und 1713 monatlich 30 fl. 1714 wohnte W. im „Wagenlehnerschen Hauß beym Schottenthor“ und im darauffolgenden Jahr im „Mittelbeckisch Hauß beym Schotten Thor“, in dem er bis zu seinem Tod verblieb. Über seine Familie ist bekannt, dass Sohn Johann Peter 1714 im Alter von einem dreiviertel Jahr und Sohn Franz Jacob 1715 im Alter von 33 Wochen an Zahnfäule starben. 1721 starb seine fünfjährige Tochter Anna Barbara und 1722 ist der Tod seiner erst 30-jährigen Ehefrau an hitzigem Gallenfieber dokumentiert. Nach W.s Tod blieben die beiden Waisen Johann Jacob und Elisabeth Theresia, die sich im 15. bzw. 11. Lebensjahr befanden, zurück und suchten bei Hof um finanziellen Unterhalt an. Da W. jedoch ein Kapital von über 11.000 fl hinterließ, erhielt jedes Kind vom Hof nur den einmaligen Betrag von je 150 fl. Als Vormund der minderjährigen Kinder traten Hofkammer-Reitoffizier Kasimir Leydecker und Hoforgelmacher J. Leydecker ein. Der Großteil des Vermögens basierte auf Wertpapieren, in die W. ab 1720 investierte. W.s Nachlass umfasste neben wenigen Instrumenten, wie „1 Positiv mit 4 Register“, einem weiteren Positiv „mit 6 Register“, sowie „1 Instrument“, Instrumentenbestandteilen und Werkzeug v. a. eine umfangreiche Bibliothek. 1740 kam es zur Teilung des Erbes von 15.360 fl 2 Kreuzer zwischen dem Jura studierenden Johann Jacob und Elisabeth Theresia, die im selben Jahr Johann Carl Herrich (Herich, * ca. 1705, † 22.11.1779 Wien), einen Bassisten der Hofmusikkapelle, heiratete. J. Leydecker unterzeichnete einerseits als Vormund der Waisen den Vertrag zur Teilung des Erbes und fungierte andererseits als Trauzeuge bei der Hochzeit von Elisabeth Theresia.

Die Orgelbautradition Ws. wurde von Joseph Wibl (Wibel, erwähnt 1719), der als Geselle bei W. arbeitete, sowie von J. Leydecker, der sich als des „des ältisten orglmacher Frantz Walters“ Vetter bezeichnete und bei ihm sieben Jahre lang das Handwerk des Orgelbaus lernte, fortgeführt. W. erlangte vorwiegend als Orgelmacher hohe Bekanntheit, doch fertigte er auch andere Tasteninstrumente an, wie die Signatur „Walter.fecit.i703/Viena“ auf der Unterseite des Cembalos/Hammerflügels SAM 845 belegt. Auch der am 3.4.1782 in der Wiener Zeitung annoncierte „Clavierflüg vom berühmten Walter“ dürfte auf ein Instrument von Lothar Franz W. hindeuten.


Literatur
A. Huber (Hg.), Das österr. Cembalo 2001, 124, 151, 174, 490f; Knaus 1969; R. Maunder, Keyboard Instruments in Eighteenth-Century Vienna 1998; R. Walter in R. Scholz (Hg.), Organa Austriaca 3 (1982); Köchel 1869 [Herrich]. – Archivalien HHStA: OMeA Protokoll 12/1729, Protokoll 14/1733; OMeA Alte Akten Karton 12/1703, Alte Akten Karton 13/1711, Alte Akten Karton 25/1729.

Autor(en)
Beatrix Darmstädter
Empfohlene Zitierweise
Beatrix Darmstädter, Art. „Walter (Walther), Lothar Franz‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]