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Weinberger, Weinberger, true Josef
* 1855-05-066.5.1855 Liptószentmiklós/H (Liptovský Mikuláš/SK), † 1928-11-088.11.1928 Wien. Verleger. Der Sohn eines Goldschmieds kam mit seiner Familie in den 1860er Jahren nach Wien (seit 1894 österreichischer Staatsbürger). Erhielt Klavierunterricht und zeigte schon früh Gesangstalent, das er in verschiedenen Männergesangvereinen ausübte. Nach einer kaufmännischen Ausbildung eröffnete er am 1.11.1885 gemeinsam mit Carl Hofbauer eine Kunst- und Musikalienhandlung in Wien I, Kärntnerstraße 34, die auch Musikalien verlieh. Ab Anfang 1889 widmete sich W. vorwiegend dem Verlagsgeschäft, gründete in Leipzig/D in Zusammenarbeit mit Carl Günther, dem Besitzer des Friedrich Hofmeister-Verlags, einen Verlag und erhielt 1890 die Konzession für einen Musikalienverlag in Wien, den er in Wien I, Kohlmarkt 8 (ab 1901 Maximilianstraße [heute: Mahlerstraße] 11), errichtete. 1892 kam auf seine Anregung in seinem Verlag ein Album der Wiener Meister im Rahmen der Wiener Musik- und Theaterausstellung heraus, das u. a. neue Werke von J. Brahms, A. Bruckner, I. Brüll, J. Strauß Sohn und C. M. Ziehrer enthielt (s. Abb.). 1894 vergrößerte W. seinen Bestand durch die Übernahme des Musikverlags von Artaria & Co (beinhaltete zahlreiche Werke J. Haydns, W. A. Mozarts, Fr. Schuberts und L. Beethovens) sowie mehrerer Werke aus dem Verlag von Vincenz Kratochwill. Ein Jahr später kaufte er über 1.500 Theaterwerke des Verlags Kratz und gründete eine Niederlassung in Paris („Edition Weinberger, France et Belgique“) mit dem Ziel, Werke deutschsprachiger Komponisten in Frankreich und Belgien einzuführen. Hier erkannte er die Vorteile der seit 1851 bestehenden SACEM, der französischen Urheberrechtsgesellschaft, für Komponisten, Autoren und Musikverleger und gründete mit Verlegerkollegen 1897 nach dem französischen Vorbild die AKM. W. zählte zu den Autoren der Statuten, referierte bei der konstituierenden Sitzung am 17.10.1897 die Satzungen und wurde zum ersten Präsidenten gewählt. W. behielt dieses Amt bis zu seinem Tod. Im selben Jahr schloss W. einen Exklusivvertrag mit G. Mahler und kaufte die Hofmusikalienhandlung von dessen Agent Gustav Lewy. Ab 1898 Mitglied des Sachverständigenkollegiums für Tonkunst im Bereich Urheberrecht. 1901 Mitbegründer und geschäftsführender Verwaltungsrat der Universal Edition, die bis 1911 in seinen Büroräumen ihren Sitz hatte. Ab 1904 Mitglied des Komitees zur Errichtung des Johann-Strauß-Denkmals. Durch persönliche Beziehungen zu vielen Komponisten konnte W. im Laufe der Zeit seinem Verlagskatalog große Namen, wie zum Beispiel zu finden sind. Auf sein reges Bemühen geht die Gründung der AKM 1897 zurück, W. zählt zu den Autoren der Statuten und war bis zu seinem Tod der Präsident der Vereinigung. Durch die persönliche Freundschaft zu vielen Komponisten konnte W. im Laufe der Zeit seinem Verlagskatalog große Namen, wie zum Beispiel F. Smetana, Joh. Strauß Sohn (dessen Bühnenwerke er ab 1899 exklusiv vertrieb), Ermanno Wolf-Ferrari, E. W. Korngold, F. Lehár und E. Kálmán hinzufügen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die zerstörten Verlagshäuser in Wien und London Etwa 1921 kaufte er mit dem Italiener Cesare Adami das Berliner Theater am Schiffbauerdamm, das er in Neues Operettentheater umbenannte und bis 1934 im Eigentum des Verlags war, 1927/28 betrieb er auch ein Büro in Berlin. Er erlitt mit dem Theater jedoch finanzielle Verluste und verpachtete es bald. Sein Sohn Franz (* 28.5.1895 Wien), der W.s Verlag hätte übernehmen sollen und schon eine einschlägige Ausbildung in Leipzig absolviert hatte, starb am 22.5.1917 an der Front. W.s. Nachfolger wurde daher Otto Blau (1893–1980), Sohn seiner Schwägerin, der seit 1922 im Verlag tätig war. Testamentarisch hatte W. die Errichtung eines Fonds bei der AKM zur Unterstützung „junger, begabter und mittelloser“ Komponisten verfügt.

1953 wurde das Unternehmen abermals in Deutschland – diesmal in Frankfurt am Main – angesiedelt. Vom österreichischen Stammhaus in Wien (J. W. Musikverlagszentrum Wien) werden heute die großen, umfangreichen Operettenkataloge, das internationale Musical-Repertoire und die Konzertmusik verwaltet. Mit den gleichnamigen Verlagen in London und Frankfurt besteht eine enge Zusammenarbeit. Durch das W. Musikverlagszentrum erfolgt außerdem die Administration der Verlage Arends Music und AutoBahn. Neu gegründet bzw. erworben wurden folgende Firmen/Verlage: Papageno, Wien Melodie, Wiener Musikproduktion, Euro-Music, Fortissimo und Wiener Arion.


Ehrungen
Kaiserlicher Rat 1903; königlich preußischer Roter Adler-Orden IV. Klasse 1908; Ehrenpräsident der AKM auf Lebenszeit 1925; Ehrenpräsident des Musikschutzes; Cavaliere des italienischen Kronen-Ordens; J. W.-Fonds des österr. Musikverbandes; J.-W.-Fonds der AKM seit Ende 1972.
Literatur
J. Michel/R. Toeman, 100 Jahre Bühnen- und Musikalienverlag J. W. In Arbeit 1985; 100 Years Remembered. A history of the theatre and music publishers J. W. In Arbeit 1985; MGG 17 (2007) u. 14 (1968); NGroveD 27 (2001); I. Waldingbrett in ÖMZ In Arbeit 58/11–12 (2005); M. G. Hall, Österr. Verlagsgeschichte 1918–1938 In Arbeit 1 (1985); 100 Jahre AKM In Arbeit 1997; Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel 16.11.1928, 280; Wr. Ztg. 10.11.1928, 6f; NFP 10.11.1928, 22; Oesterr.-ungar. Buchhändler-Correspondenz 23.10.1897, 591f; Die Presse 10.11.1885, 7; Neues Wr. Journal 18.10.1897, 3, 8.5.1906, 6, 16.7.1909, 9; Wr. Ztg. 18.6.1905, 2, 23.12.1908, [1]; Der neue Tag 26.6.1919, 9; www.josefweinberger.de (10/2018); www.weinberger.co.at (10/2018); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; http://www.hofmeister.rhul.ac.uk; www.friedhoefewien.at).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Weinberger, Josef‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/02/2019]

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