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Weis-Ostborn Weis-Ostborn Maria (eig. Weis Ritter von Ostborn), Familie
Maria (Marie) Anna, verh. v. Rokitansky: 3.4.1806 Wien, † 1888-10-2222.10.1888 Wien. Sängerin (Sopran), Gesangspädagogin. Erhielt ab ihrem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht, mit ihrer Lehrerin studierte sie auch kleine Gesangsszenen ein. Später bis Februar 1820 Klavierausbildung durch J. N. Zapf. Ersten Gesangsunterricht erhielt sie ab 1821 in der Singschule bzw. dem Konservatorium der GdM, wo sie bereits seit Jänner des Jahres als Klavierspielerin eingesetzt worden war. A. Salieri erkannte noch im selben Jahr ihr Talent und erteilte ihr bis 1822 kostenlosen Gesangsunterricht. Im selben Jahr beschied er ihr in einem Zeugnis, die entsprechenden Fähigkeiten zur Gesangslehrerin erworben zu haben (s. Abb.). Gemeinsam mit A. Hähnel, einer weiteren Schülerin Salieris, wurde sie dabei öfters vom jungen F. Liszt, damals Kompositionsschüler Salieris, am Klavier begleitet. 1823 vollendete W. ihre Studien bei G. Ciccimarra, bei denen zur selben Zeit auch H. Sontag und C. Unger Unterricht nahmen. In der Folge trat sie als Konzertsängerin im Musikverein, in Wiener Kirchen (v. a. St. Peter, St. Michael und Dominikanerkirche), bei Wohltätigkeitsveranstaltungen (s. Abb.) in und außerhalb Wiens (Pressburg, Wiener Neustadt) sowie in privaten Salons auf. Letztere Auftritte, an denen auch J. Vesque v. Püttlingen teilnahm, fanden z. T. unter musikalischer Leitung von Salieri statt. Im Palais von Fürst Cl. Metternich wirkte sie unter der musikalischen Leitung von J. Weigl neben italienischen Opernsängern an der Darstellung verschiedener Opernszenen mit. Gemeinsame Auftritte u. a. mit L. Lablache, A. Hähnel, Antonio Tamburini und G. Hellmesberger. Angebote des Hoftheaters von Hannover/D sowie des Kärntnertortheaters lehnte W. ab, sie beschränkte sich auf Konzertgesang. Darüber hinaus erteilte sie 1826–34 sehr erfolgreich privaten Gesangsunterricht, zu ihren Schülerinnen und Schülern zählten u. a. mehrere Vertreter des Hochadels. Außerdem pflegte sie Kontakte zu Fr. Schubert, der ihr immer wieder neue Lieder zur Überprüfung der Sangbarkeit vorgelegt haben soll. Nach ihrer Eheschließung am 9.8.1834 in St. Augustin (Wien I) mit dem Prof. für pathologische Anatomie, Carl von Rokitansky (* 19.4.1804 Königgrätz/Böhmen [Hradec Králové/CZ], † 23.7.1878 Wien), der am 27.3.1827 L. v. Beethovens Leiche obduziert hatte, beendete M. W. ihre Karriere als Sängerin. Der Ehe entstammten sieben Kinder, von denen vier Söhne das Erwachsenenalter erreichten, darunter die beiden Sänger H. und V. v. Rokitansky, denen sie den ersten Gesangsunterricht erteilt hatte.
Literatur
U. Rokitansky-Tilscher in D. Angetter et al. (Hg.), Strukturen und Netzwerke 2018; ÖBL 9 (1986); NFP 23.10.1888, 4; Brief von Josef Weis v. Ostborn an Victor v. Rokitansky v. 4.1.1890, abgedruckt in R. Angermüller, Antonio Salieri. Teil III Dokumente, 1972, 228ff; A. Ziegler, Adressen-Buch von Tünkünstlern, Dilettanten […] in Wien 1823, 124; Taufbuch der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube (Wien VI), fol. 80; Trauungsbuch der Pfarre St. Augustin 1824–36, fol. 162; Sterbebuch der Pfarre St. Augustin 1888, fol. 17; Mitt. U. Rokitansky-Tilscher (5/2019).


Ihr Bruder

Joseph Leopold: * 17.11.1807 [nicht 1806] Wien, † 14.2.1905 [nicht 1904] Graz. Beamter, Violinist. Hauptberuflich Finanzbeamter, betätigte er sich als dilettierender Geiger. Auch er war mit Fr. Schubert bekannt. N. Paganini widmete ihm 1832 in Paris ein Erinnerungsblatt. Er ehelichte am 23.9.1844 in Graz Carolina Juliana Hüttenbrenner (* 26.11.1827 Graz, † 7.1.1916 Graz), Tochter des Bruders von A. Hüttenbrenner, Andreas, wodurch die Familie in den Besitz mehrerer Autographe von Fr. Schubert kam. Seit 1850 lebte er in Graz.


Ehrungen
Oberfinanzrat.


Dessen Söhne

Hans: * 19.3.1846 Wien, † 29.8.1906 Weiz/St. Rechtsanwalt, Dirigent, Komponist. Praktizierte als Rechtsanwalt (Dr. jur.) in Graz und Weiz, daneben erwarb er sich große Verdienste um das Grazer Musikleben. So stand er u. a. mit Rich. Wagner in Briefverkehr, der auf seine Vermittlung hin 1873 in einem Konzert des von ihm mitbegründeten Grazer Richard Wagner-Vereins dirigieren sollte; Terminschwierigkeiten verhinderten dies jedoch.


Werke
Operette Der Sonntagsjäger 1869, Orchesterwerke, Missa solemnis in b, Chöre, Lieder.


Julius: * 11.2.1862 Wiener Neustadt/NÖ, † 24.9.1927 Maria Saal/K. Finanzbeamter und Chordirigent. Dr. jur., hauptberuflich in der Finanz-Landesdirektion in Graz tätig. Fungierte daneben 1906–22 als Chormeister der Grazer Akademischen Sängerschaft Gothia und war mit G. Mahler befreundet, den er intensiv förderte (Grazer EA.en des Klagenden Lieds und der 8. Symphonie, Österreichische EA des Lieds von der Erde). Verheiratet mit Marie, geb. Schnerich (* 14.12.1854 Tarvis [Tarvisio/I], † Jänner 1927 Graz, Schwester von A. Schnerich), die bei L. Weinlich-Tipka eine Gesangsausbildung erhielt. Ihr Sommersitz in Maria Saal, der Tonhof, war ein Treffpunkt für Künstler und Kritiker wie J. Labor, M. Baumayer, E. Decsey u. a. Sein in Wien lebender Sohn, der Arzt Wolfgang W.-O. (1895–1960), galt als sehr guter Musiker. Wolfgangs Tochter Maja (eig. Maria, 1919–2004) war Sängerin. Sie besuchte zumindest im Sommersemester 1951 als Externe an der Wiener MAkad. das Seminar für Lied und Oratoriumsstudium bei E. Reichert. Nach ihrer Heirat mit G. Lampersberg 1954 setzte sie als Erbin des Tonhofes die von ihren Großeltern begonnene Tradition des sommerlichen Künstlertreffpunkts (u. a. mit F. Cerha, I. Eröd, A. Logothetis, O. M. Zykan) fort.


Ehrungen
Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens 1904; Hofrat; Ehrenchormeister des Grazer akademischen Gesangvereins Gothia.


Hans’ Sohn Rudolf: * 8.11.1876 Graz, † 18.12.1962 Graz. Dirigent und Komponist. Erhielt seine musikalische Ausbildung 1892–1900 an der MSch. des Musikvereins für Steiermark (v. a. bei E. W. Degner) und betrieb private Gesangstudien bei M. Krämer-Widl; daneben hörte er 1896–1900 Vorlesungen über Musikgeschichte und Ästhetik an der Univ. Graz (bei F. v. Hausegger). 1902–12 war W.-O. Musikdirektor und Organist in Knittelfeld, hier Gründer des Philharmonischen Vereins und Chormeister des Sängervereins. 1913–19 Direktor der MSch. der Philharmonischen Gesellschaft in Laibach, danach kurz Chordirektor in Groß-St. Florian/St. 1920–56 Domchordirektor in Graz, daneben Unterrichtstätigkeit am Akademischen Gymnasium sowie am Konservatorium. Chormeister des Grazer MGV.s (1921–23), des Grazer Männerchors (1925–32), der Akademischen Sängerschaft Gothia (1930–33) und des Kaufmännischen Gesangvereins (1923–26) sowie Dirigent des Hausorchesters (Orchesterverein) des Grazer Lehrergesangvereins.


Gedenkstätten
Gedenktafel am Wohnhaus (Graz, Burggasse 5); Porträtrelief am Johann-Josef-Fux-Konservatorium, Nikolaig.2, Graz.
Ehrungen
Ehrenchormeister des Knittelfelder Sängervereins 1912; Prof.-Titel 1929; Päpstlicher Silvester-Orden 1956; Ehrenmitglied des Steirischen Tonkünstlerbundes (1959) u. des Steirischen Sängerbundes (1961).
Werke
Oratorium Christophorus, Messen, Requien, kleinere Kirchenmusikwerke, gemischte u. Männerchöre, Kammermusik, Volksliedbearbeitungen, Klaviermusik, Lieder, Orgelsätze zum Kirchengesangbuch Lobet den Herrn!; – gem. m. A. Konrad (Hg.) Sursum Corda! Gebet und Gesangbuch zunächst für die studierende Jugend 1909 (21912).
Literatur
K. Stekl in K. Stekl/W. Suppan (Hg.), [Fs.] Steirische Musikerjubiläen 1971; StMl 1962–66; Riemann 1961 u. 1975; W. Suppan in Mitt. d. Steir. Tonkünstlerbundes 1 (1960); W. Suppan in Stud. mus. 6 (1964); SchubertL 1997; Müller-Asow 1929; Kürschner 1954; [Kat.] Musik i. d. St. 1980 [Foto R. W.-O.]; R. Fischer (Hg.), Dt. Chormeisterbuch 1925; F. J. Ewens, Lex. des dt. Chorwesens 1954; Weissenbäck 1937; Ch. Glanz, Die Grazer Akademische Sängerschaft „Gothia“ u. die Rolle der Musik in ihrer Gesch., Dipl.arb. Graz 1984; F-A 1936 u. 2 (1978); Wurzbach 26 (1874) [Rokitansky]; Die Stunde 4.10.1927, 5; Freie Stimmen 23.1.1927, 4; Grazer Volksbl. (Abend-Ausgabe) 20.9.1904, 2, 22.10.1904, 11; Grazer Tagespost (Abendbl.) 5.4.1902, [1f]; Neues Wr. Tagbl. 4.5.1944, 5; Arbeiterwille 14.1.1916, 7; www.oerwg.com (5/2006); https://de.wikipedia.org (6/2019); Taufbuch der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube (Wien VI) 1805–08, fol. 201; Trauungsbuch der Pfarre Graz-Graben 1823–45, fol. 224; Sterbebuch der Pfarre Graz-Graben 1867–1909, pag. 674; Mitt. Archiv MUniv. Wien (6/2019).

Autor(en)
Christian Fastl
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl/Monika Kornberger, Art. „Weis-Ostborn (eig. Weis Ritter von Ostborn), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22/10/2019]