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Wiener Konzerthaus / Wiener Konzerthausgesellschaft
Das Gebäude wurde in den Jahren 1911–13 von den Theaterarchitekten F. Fellner und H. G. Helmer in Zusammenarbeit mit Ludwig Baumann errichtet. Als Bauherr fungierte die nach mehrjährigen Vorbereitungen 1910 gegründete Wr. K.ges. Dabei handelte es sich zunächst um einen Zusammenschluss musikalischer Vereine (Wiener Concert-Verein, Wiener Singakademie, Wiener Schubertbund u. a.) zum Zweck der Erbauung und des Betriebs des Wr. K.es. Bereits im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens entwickelte sich die Wr. K.ges. zu einer eigenständigen Institution, in der manche ihrer Gründungsmitglieder, etwa der Wiener Concert-Verein, de facto aufgingen. Seither bildet das K. zusammen mit dem Musikverein (Gesellschaft der Musikfreunde) und der Wiener Staatsoper jene Trias, die an vorderster Stelle für den Ruf Wiens als Musikstadt steht.

Der erste Präsident, C. A. Artaria, beschrieb den kulturellen Zweck und die künstlerische Mission des Wr. K.es folgendermaßen: „Eine Stätte zu sein für die Pflege edler Musik, ein Sammelpunkt künstlerischer Bestrebungen, ein Haus für die Musik und ein Haus für Wien.“ In diesem Geiste wurde das K. am 19.10.1913 in Anwesenheit von K. Franz Joseph I. mit einem feierlichen Konzert eröffnet. R. Strauss schuf für diesen Anlass sein Festliches Präludium op. 61, anschließend erklang L. v. Beethovens Neunte Symphonie. Diese Zusammenstellung – ein zeitgenössisches Werk und ein Meisterwerk der Vergangenheit – sollte für die Wr. K.ges. beispielgebend werden: Traditionsbewusstsein und Innovationsfreude kennzeichnen bis heute ihr Programm. Auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen haben das künstlerische Profil des K.es entscheidend geprägt. Gesellschaftliche Umbrüche und damit einhergehende finanzielle Krisen während der Zwischenkriegszeit etwa führten zu einer starken Diversifikation des kulturellen Angebots. Neben der kontinuierlichen Pflege des klassischen Repertoires in den eigenen Veranstaltungen finden sich auf den Spielplänen der 1920/30er Jahre bedeutende UA.en, Jazz- und Schlagerkonzerte, Lesungen (z. B. von K. Kraus), spiritistische Vorträge, künstlerische Tanzveranstaltungen, Symposien, Kongresse, Fecht- und Boxmeisterschaften. Die Jahre 1938–45 waren für das Wr. K. kultureller Verarmung geprägt. Die Wr. K.ges. bestand bis 1944 als eigenständige Institution, doch wurde das Haus unter dem Druck der nationalsozialistischen Diktatur seiner zentralen künstlerischen Inhalte weitgehend beraubt und in den Dienst des NS-Unterhaltungsbetriebs gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Wr. K.ges. eine wichtige Rolle bei der Erneuerung des österreichischen Musiklebens. V. a. durch die Initiative des damaligen Generalsekretärs E. Seefehlner wurde sie zum führenden Veranstalter zeitgenössischer Musik. Von der Wr. K.ges. ins Leben gerufene Veranstaltungsreihen setzten entscheidende Akzente im Wiener Kulturleben. Alte Musik, Neue Musik und Jazz zählen seitdem zu den inhaltlichen Schwerpunkten des K.es und ergänzen den künstlerischen Kernbereich der klassischen Musikpflege. Nicht vergessen werden darf, dass das K. v. a. in den 1950–70er Jahren die Bühne für zahlreiche internationale Pop- und Rockproduktionen darstellte (Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Jethro Tull, Frank Zappa u. a.) und dadurch für viele Jugendliche zu einem Zentrum ihrer musikalischen Sozialisation wurde.

Das Gebäude des Wr. K.es zählt zu den innovativsten Großbauten der Donaumonarchie und besticht bis heute durch seine Besucherfreundlichkeit sowie die beispielgebende Bau- und Haustechnik. In der Disposition der Innenräume kommt die Erfahrung des auf Theater- und Konzertbauten spezialisierten Architekturbüros Helmer und Fellner zum Tragen: Die Foyerbereiche und Stiegenhäuser ermöglichen den Zu- und Abstrom von etwa 4.000 Personen; die drei historischen Säle – Großer Saal, Mozart-Saal, Schubert-Saal, alle auf einer Ebene gelegen und dennoch akustisch voneinander getrennt – können parallel bespielt oder auch gemeinsam für eine Veranstaltung genutzt werden. In stilistischer Hinsicht verschmelzen in der Architektur des K.es Elemente des späten Historismus und des Jugendstils zu einem Ensemble eigener Prägung. Dank der hohen Qualität der Architektur gab es im Lauf der Jahre nur wenige Umbauten und Reparaturen, die zudem die Struktur des Hauses weitgehend im Originalzustand beließen. Die Generalsanierung des Hauses 1998–2001 machte sich diesen Umstand zunutze: Die historische Bausubstanz wurde teils renoviert, teils rekonstruiert, das Gebäude wurde mit moderner Technik sowie einem vierten Konzertsaal, dem Neuen Saal, ausgestattet. Durch den verantwortungsbewussten Umgang mit seinem Erbe zählt das Wr. K. heute zu den traditionsreichsten und modernsten Konzerthäusern der Welt.

Generalsekretäre: H. Botstiber (1910–37), A. C. Hochstetter (1938–40), F. Reidinger (1940–45), E. Seefehlner (1946–61), Peter Weiser (1961–77), H. Landesmann (1978–84), Alexander Pereira (1984–91), Karsten Witt (1991–96), Christoph Lieben-Seutter (seit 1996). Präsidenten: C. A. Artaria (1910–19), Robert Steinhauser (1919/20), Th. Köchert (1920–36), Philipp Schoeller (1936–45), M. Mautner Markhof (1945–81), H. Haerdtl (1981–97), Harald Sturminger (1997–2005), Theresia Jordis (seit 2005).


Literatur
F. C. Heller/P. Revers, Das Wr. K. Gesch. u. Bedeutung, 1913–1983, 1983; P. M. Wlasits/R. Dietrich, [Fs.] 75 Jahre Wr. K.-Ges. 1913–1988, 1988; E. Barta, Die Fremdveranstaltungen im Wr. K. 1945–1999, 2002; E. Barta/G. Fäßler, Die großen Konzertdirektionen im Wr. K. 1913–1945 , 2001; E. Barta/R. Westphal, Hallo! Swing-Swing! Unterhaltungsmusik der vierziger und fünfziger Jahre im Wr. K., 2004; E. Barta (Hg.), Wr. K. – die Generalsanierung 1998–2001, 2001; E. Barta, Das Wr. K. zw. 1945 u. 1961, 2001; B. Kurtz, Neue Musik im Nationalsozialismus anhand v. Konzerten im Wr. K., Dipl.arb. 2001; www.konzerthaus.at (2/2006).

Autor(en)
Erwin Barta
Empfohlene Zitierweise
Erwin Barta, Art. „Wiener Konzerthaus / Wiener Konzerthausgesellschaft‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]