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Wiener Mozartjahr 2006
Wiener Musikfest anlässlich des 250. Geburtstages von W. A. Mozart, das sich mit einer Vielzahl an Veranstaltungen über das ganze Jahr 2006 erstreckte.Neben Salzburg, der Geburtsstadt, bildete Wien damit den zweiten großen Veranstaltungsschwerpunkt in diesem traditionsreichen österreichischen Musikerjubiläum. Die programmatische Vorbereitung und Organisation unterlag der Wiener Mozartjahr Organisationsgesellschaft, die inhaltlich vom weisungsfreien künstlerischen Intendanten Peter Marboe geleitet wurde. Das W. M. 2006 versuchte, Mozarts Leben auf zwölf Monate zu projizieren. Es war ein Jahr mit Themen, die Mozart als Mensch und Musiker bewegten und den dramaturgischen Bogen zur Auseinandersetzung mit der Gegenwart und der Zukunft nach 2006 bildeten. Den Auftakt zum Jahresprogramm mit über 100 verschiedenen Projekten in den Bereichen Theater & Konzerte, Neue Musik, Kinder & Jugend, Ausstellung & Öffentlicher Raum, Audio-Visuelle Medien und Wissenschaft, die meist partnerschaftlich mit den Kulturinstitutionen der Stadt konzipiert wurden, bildete ein dreitägiges Fest für Mozart (27.–29.1.2006). Anhand fünf verschiedener Themen, die in die wichtigsten Säle und Theater der Stadt führten, zeigten Wiener Künstler unterschiedliche Zugänge zum Phänomen Mozart. Ein Mozartfestzelt am Stephansplatz, abendliche „Klangfusionen“ am Maria-Theresien-Platz und Mozarts Krönungsmesse im Dom zu St. Stephan ergänzten das festliche Programm. Einen wichtigen Beitrag zum Geburtstagsfest bildete die Eröffnung des neuen „Mozarthaus Vienna“, in dem sich die einzige erhaltene Wiener Wohnung Mozarts befindet (I, Domgasse 5). Der Pflege einer großen musikalischen Tradition standen im W. M. 2006 zahlreiche innovative Projekte gegenüber, darunter Auftragswerke im Bereich Theater, Konzert und Oper sowie ein umfangreiches Kinder- und Jugendprogramm. Sonderprojekte für junge Mozartrezipienten waren u. a. im Herbert von Karajan Centrum (Karajan, Brüder), in der Wiener Kammeroper, in der Wiener Kinderoper, im Wiener Konzerthaus und im ZOOM Kindermuseum eingeplant. Stellvertretend für das Engagement des W. M. 2006 für zeitgenössisches Kunstschaffen können das erstmalig stattfindende internationale Festival der freien Theatergruppen Höllenfahrt (19.4.–4.5.2006) und das Musikfestival Modernistmozart (7.–10.9.2006) der Wiener Elektro-Musik-Szene angeführt werden. Auch in Österreich tätige Filmschaffende wurden aufgefordert, assoziative Miniaturen zu Mozart in Form von 1-minütigen Kurzfilmen, so genannte Mozart Minutes, zu gestalten. Der von Maurizio Pollini konzipierte achtteilige Konzert-Zyklus, der häuserübergreifend im Konzerthaus, im Musikverein und im Theater an der Wien stattfand, bildete einen der Höhepunkte im klassischen Musikprogramm. Mit Mozart Sakral kam erstmals innerhalb eines Jahres Mozarts gesamtes kirchenmusikalisches Werk zur Aufführung. Das W. M. 2006 hat darüber hinaus insgesamt mehr als 60 Werke aus verschiedenen künstlerischen Bereichen in Auftrag gegeben, darunter die Welturaufführungen I hate Mozart, ein Musiktheater von B. Lang (Musik) und Michael Sturminger (Text), Die Weberischen, ein Musical von Martyn Jacques, Ch. Kolonovits (Musik) und Felix Mitterer (Text), e-magic flute, eine elektronische Sinfonie von Michael Pogo Kreiner oder das Theaterstück Der Don Giovanni-Komplex von Erwin Riess (Text) und O. Neuwirth (Theatermusik). Die von Herbert Lachmayer konzeptualisierte und in Zusammenarbeit mit dem Da Ponte Institut für Librettologie entstandene Ausstellung Mozart – Experiment Aufklärung (17.3.–20.11.2006) in der Albertina widmete sich der Kunstfigur W. A. Mozart im ausgehenden 18. Jahrhundert. Beispielhaft für die Förderung der wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit Mozart standen die internationale Tagung MozART & Science 2006 (1.–4.10.2006) sowie der Kongress des Österreichischen Komponistenbundes (2.–4.2.2006), in welchem der Grundstein zum Aufbau der Federation of European Composers' Associations, eines Dachverbandes der europäischen Komponistenverbände, gelegt wurde. Insgesamt standen dem W. M. 2006 zur Finanzierung seiner Aktivitäten 30 Mio. Euro zur Verfügung. Ein Drittel davon wurde für das Festival New Crowned Hope (14.11.–13.12.2006) unter der künstlerischen Leitung des US-Regisseurs Peter Sellars umgewidmet, mit dem das W. M. 2006 einen internationalen Ausklang fand.
Literatur
P. Marboe (Hg.), W. M. 2006 – Ouvertüre 2005; P. Marboe (Hg.), W. M. 2006 – Programm 2006; P. Marboe (Hg.), W. M. 2006 – Dokumentation 2006; P. Marboe (Hg.), Mozart.Spuren – Wegweiser für Zeitgenossen 2005; H. Lachmayer (Hg.), Mozart – Experiment Aufklärung im Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts 2006; P. Marboe (Hg.), Mozart Now – das Monatsprogramm zum Wiener Mozartjahr 2006, 1–12 (2006); M. Heise (Hg.), New Crowned Hope 2006; L. Bratić et al., Verborgene Geschichte/n – Remapping Mozart 2006; D. Flosdorf/P. Andritsch, PùnKitititi – Mozart für Kinder 2006; M. Diederichs-Lafite in ÖMZ 61/1–2 (2006).

Autor(en)
Anita Schlögl
Empfohlene Zitierweise
Anita Schlögl, Art. „Wiener Mozartjahr 2006‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 15/10/2007]