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Willfort, Willfort, true Manfred Herrand Joseph
* 1909-11-3030.11.1909 Wien, 1982-10-077.10.1982 Tutzing/D (begr. Wien). Dirigent, Kapellmeister und Bibliotheksleiter. Seine Eltern Bertha, geb. Salzer, und Friedrich W., Sekretär des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, waren enge Freunde des Schriftstellers Fritz v. Herzmanovsky-Orlando. In Wien nahm W. privaten Musikunterricht bei Hans Weisse und daran anschließend 1931–34 bei H. Schenker (Musiktheorie). 1932–34 besuchte er die Kapellmeisterschule von O. Kabasta an der Wiener MAkad. Sein Debüt als Dirigent erfolgte am 6.9.1934 im Rahmen eines Konzertes von Absolventen der MAkad., das im österreichischen Rundfunk (Radio Wien) übertragen wurde. Die Wiener Symphoniker spielten unter seiner Leitung L. v. Beethovens Coriolan-Ouvertüre op. 62 und J. Brahms’ 4. Symphonie op. 98. 1935 erhielt W. unter Alfons Dressel eine Stelle als Solorepetitor an den Städtischen Bühnen Nürnberg/D. Die beiden nächsten Stationen führten ihn nach Ostpreußen, wo er 1937/38 am Landestheater Allenstein (Olsztyn/PL) und am Opernhaus Königsberg (Kaliningrad/RUS) als Kapellmeister wirkte. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde W. in die Wehrmacht eingezogen. Zw. 1941/44 hatte er künstlerische Führungspositionen in deutsch besetzten Gebieten inne. Zunächst ereilte ihn ein Ruf an das Deutsche Theater in Lille/F, an dessen Aufbau er in seiner Funktion als 1. Kapellmeister beteiligt war. 1942 folgte ein zweijähriges Engagement an der Vlaamse Opera in Gent/B, wo er als Opernchef u. a. den Parsifal von R. Wagner erstmals in flämischer Sprache auf die Bühne brachte. Nach neuerlichem Kriegsdienst geriet W. in amerikanische Gefangenschaft, aus der er im November 1945 entlassen wurde. Zurück in Wien, verpflichtete ihn die Wiener Staatsoper (damals in der Volksoper) für die Spielzeit 1947/48. Anschließend war W. als Opernchef drei Jahre am Landestheater in Linz tätig. 1953 ließ er sich in Essen/D nieder, um bis 1956 das Amt des Kapellmeisters an den Essener Bühnen auszuüben. 1958–74 leitete er ebenda die Städtische Musikbücherei, die in dieser Zeit ihre im Krieg verlorene Geltung wiedererlangte und sich zu einer wichtigen Institution im Essener Kulturleben entwickelte. Neben einer großen Auswahl an Literatur bot sie den Besuchern regelmäßig ein abwechslungsreiches Programm an Lesungen, Vorträgen und Konzerten. Im Laufe seiner Karriere trat W. mehrfach als Gastdirigent der Wiener Symphoniker sowie der Brüsseler und Antwerpener Philharmonie in Erscheinung. Darüber hinaus leitete er zahlreiche Rundfunkkonzerte bei Radio Wien, bei den Sendern Lille und Brüssel sowie beim Linzer Sender Rot-Weiß-Rot. Der Schwerpunkt der unter seiner Leitung aufgeführten Musik lag auf Werken der klassischen und romantischen Literatur aus dem deutschsprachigen Raum. W. war ab 1969 mit Ute Bourgeois verheiratet. Er starb auf einer Reise in Tutzing.
Schriften
Peregrina II in der neuen Hugo-Wolf-Gesamtausg. in NZfM 126/11 (1965); Debussy – der Mensch in NZfM 129/3 (1968); Hans Pfitzner in NZfM 130/5 (1969); Clara Schumann in NZfM 132/5 (1971); Das Urbild des Andante aus Schuberts Klaviertrio Es-Dur, D 929 in ÖMZ 33/6 (1978). – Systematischer Kat. der Musikbibliothek. Verzeichnis des Gesamtbestandes 1973, 1974 [Essen, Stadtbibliothek].
Literatur
Radio-Wien 31.8.1934; Essener Woche 51–52 (1953), 25; Neue Ruhr Ztg. 25.10.1958; WAZ 6.11.1982; F. v. Herzmanovsky-Orlando, Ausgewählte Briefwechsel 1885 bis 1954, 1989, 424; F. K. Prieberg, Handbuch Dt. Musiker 1933–1945, 22009; V. Funtenberger in Musik – Hören. Lesen. Wissen. 75 Jahre Musikbibliothek der Stadtbibliothek Essen 1930–2005, 2005; Geburts- und Taufbuch der Pfarre St. Othmar unter den Weißgerbern (Wien III) 1909–11, fol. 79; Archiv der MUniv. Wien (Matrikel); www.wienersymphoniker.at (6/2016); www.schenkerdocumentsonline.org (6/2016).

Autor(en)
MD
Empfohlene Zitierweise
MD, Art. „Willfort, Manfred Herrand Joseph‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 11/08/2016]