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Zawinul, Zawinul, true Joe (eig. Josef Erich)
* 1932 -07-077.7.1932 Wien, † 2007-09-1111.9.2007 Wien. Jazzinstrumentalist (Klavier, E-Piano, elektronische Tasteninstrumente, Vocoder) und -komponist. Stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen (der Vater arbeitete in einem städtischen Gaswerk, die Mutter war Postbedienstete), aufgewachsen in Wien-Erdberg und in Oberkirchbach/NÖ. Erste musikalische Schulung ab dem 5. Lebensjahr (Akkordeon), ab dem 12. Lebensjahr Studium am Wiener Konservatorium (Klavier, Violine), Besuch des Gymnasiums. Spielte ab Anfang der 1950er Jahre in verschiedenen Tanzorchestern, darunter das Horst-Winter-Tanzorchester, daneben mit eigenem Jazz-Trio (mit Johnny Fischer, Bass; V. Plasil, Drums), ab 1952 mit H. Koller und 1954–56 mit den Austrian All Stars deren Platteneinspielungen – nicht zuletzt durch die Förderung F. Guldas – auch internationale Anerkennung fanden. 1955/56 mit der gesamten Besetzung der Austrian All Stars in der Bigband von J. Fehring, 1956 Wechsel zur damals wichtigsten österreichischen Jazzband, der Two Sounds Band von Fatty George. 1959 Stipendium der Berklee School of Music in Boston (damit verbunden Übersiedlung in die USA), nach wenigen Tagen Abbruch des Studiums und Engagement im Orchester des Trompeters Maynard Ferguson. 1959–61 Pianist in der Band der Jazz- und Bluessängerin Dinah Washington, 1961–70 in der Combo des Altsaxophonisten Julian „Cannonball“ Adderley, für die er zahlreiche Eigenkompositionen erarbeitete. Daneben Zusammenarbeit mit zahlreichen Jazzgrößen. 1966 gemeinsam mit F. Gulda UA von dessen Concerto for Two Pianos and Orchestra in Wien.

Als einer der Pioniere der Verwendung elektro-akustischer und elektronischer Tasteninstrumente nahm Z. 1969/70 an mehreren stilprägenden Schallplatteneinspielungen des Jazztrompeters Miles Davis teil (v. a. In a Silent Way 1969; Bitches Brew 1969, veröffentlicht 1970), die den Übergang zum Jazz-Rock bzw. der sog. Fusion-Music und damit eine wichtige Wegmarke in der Geschichte des Jazz darstellen; eine Entwicklung, an der Z. maßgeblichen Anteil hatte. Die Titelkomposition von In a Silent Way wurde von Z. während eines Besuchs in Wien geschrieben und nach eigenen Angaben durch den Anblick des verschneiten Wiener Stadtparks angeregt. 1970 mit dem Saxophonisten Wayne Shorter Gründung der Jazzrock-Band Weather Report, die eineinhalb Jahrzehnte sowohl künstlerisch-kreativ als auch kommerziell überaus erfolgreich war (mehrere Welttourneen, regelmäßig Wahl zur besten Jazzgruppe durch das Readers Poll der führenden Fachzeitschrift Down Beat). 1986 Auflösung von Weather Report, danach wechselnde Formationen, vorerst unter dem Namen Weather Update, ab 1987 Z. Syndicate; weltweit auch Solo- (v. a. mit elektronischen Instrumenten) sowie Duo-Auftritte mit verschiedenen Percussionisten und wiederholt mit F. Gulda. In den 1990er Jahren größere Kompositionen mit Österreich- bzw. Mitteleuropabezug, u. a. 1993 Stories of the Danube für elektronische Instrumente, Perkussionsgruppe und Orchester (Auftragskomposition für die Linzer Klangwolke 1993) und 1998 Mauthausen – Vom großen Sterben hören (zum 60. Jahrestag des Baubeginns des NS-Konzentrationslagers Mauthausen). 2004 Gründung des Jazzclubs Birdland im Wiener Hotel Hilton (benannt nach einem legendären New Yorker Jazzclub), 2005 Gründung des eigenen Labels BirdJAM (BHM Music). Z., seit 1963 verheiratet und Vater von drei Söhnen, lebte in Malibu, CA/USA.

Z. galt als der einzige nicht US-amerikanische Musiker, der in einer bestimmten Phase der Geschichte des Jazz von stilprägender Bedeutung war. Zum einen gehörte er zu den Vorreitern des Einsatzes elektronischer Instrumente und Klangeffekte, vom elektroakustischen Piano der 1960er Jahre über den Synthesizer bis zu digitalen Keyboards; Entwicklung eigener klang- oder tonverändernder Zusatzgeräte und eines Instruments, Korg Pepe, ein hinsichtlich Vibrato und Tonhöhe über ein Mundstück regulierbares Akkordeonsystem. Zum anderen galt Z. als einer der künstlerisch bedeutendsten – daneben auch kommerziell erfolgreichsten – Komponisten des modernen Jazz, wobei viele seiner Kompositionen aus instrumentalen Improvisationen entstanden sind, die anschließend anhand von Tonaufnahmen in Notenschrift fixiert wurden. Ausgehend von der afroamerikanischen Tradition hat Z. neuartige Rhythmen und Stilelemente eingeführt – häufig eigenwilliges Zusammenspiel von Bass und Perkussion, ausgeprägter Einsatz von Pausen (Z.: „Ich bin ein space musician“, klare Strukturen –, wobei er sich teilweise auch an folkloren Musiktraditionen Mittel- und Osteuropas orientierte, dabei aber einen ausgeprägten Personalstil entwickelte: „Seine Statements als Tastenspieler wie als Komponist [sind] sofort erkennbar“ (Kunzler, 1531). Zahlreiche Kompositionen Z.s – u. a. Mercy, Mercy, Mercy, In a Silent Way, Birdland – sind Klassiker des modernen Jazz.


Gedenkstätten
J.-Z.-Park (Wien III).
Ehrungen
zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Grammy 1979 (m. Weather Report); Österr. Verdienstkreuz I. Klasse f. Wissenschaft u. Kunst 1993; Österr. Staatspreis (Hans Koller Preis) 2000; Amadeus Austrian Music Awards 2001 u. 2003; Sonderkonzerte zum 70. Geburtstag in Wien u. New York 2002; Ehrenmitglied der MUniv. Graz 2002; Miles Davis Award 2003; Benennung der MSch. Gumpoldskirchen in J. Z.-MSch. 2003; Ehrenbürger von St. Andrä-Wördern 2007; 16 Grammy-Nominierungen, 33 Mal Wahl zum besten Jazz-Keyboarder des Jahres durch das Fachmagazin Down Beat (Stand 2006).
Werke
J. Z. and the Austrian All Stars: His Majesty’s Swinging Nephews 1954–1957, 1992; Cannonball plays Z. (1961–70) 2004; M. Davis: In a Silent Way 1969; Weather Report: Heavy Weather 1976; F. Gulda/J. Z.: Music for Two Pianos (1988) 2006; Stories of the Danube 1996.
Literatur
W. Vancura, J. Z. Ein Portrait 1989; M. Reither, Zur Biographie u. zum Improvisationsstil von J. Z., Dipl.arb. Wien 1991; M. Reither, Die Pentatonik im Jazz. Zur Improvisationstechnik von J. Z., Diss. Wien 1996; I. Carr et al., Jazz Rough Guide 1999; G. Lenger, Der Jazzmusiker, Komponist u. Arrangeur J. Z., Dipl.arb. Graz 1999; B. Glasser, In a Silent Way. A Portrait of J. Z. 2001; G. Baumann, J. Z. Ein Leben aus Jazz 2002; M. Kunzler, Jazz-Lex. 2 (2002); A. Hosp in Falter 27/2002 (7/2007); M. Kidel, J. Z. Ein musikalisches Portrait 2004 (Film); K. Schulz, Jazz in Österreich 1920–1960, 2003; T. R. Schulz in P. N. Wilson, Jazz-Klassiker 2 (2005); H. Winter, Dreh dich noch einmal um 1989, 120f; http://derstandard.at (11.9.2007); http://www.st-andrae-woerdern.gv.at (3/2014); www.kug.ac.at (5/2015).

Autor(en)
Peter Stachel
Empfohlene Zitierweise
Peter Stachel, Art. „Zawinul, Joe (eig. Josef Erich)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]