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Zierer, Zierer, Franz Xaver: Familie?
Franz Xaver: * --1796 1796 (Ort?), 1882 -09-2525.9.1882 Gmunden/OÖ. Flötist und Komponist. Angaben über Geburtsort (nicht Altmannsdorf/NÖ, heute Wien XII) und Ausbildung fehlen bis dato (2006), Z. ist erst anlässlich seines Eintritts in das Wiener Hofopernorchester 1817 greifbar. 1842 war er Mitglied des ersten Komitees der Wiener Philharmoniker, denen er bis zum 1.1.1863 angehörte. 1851–69 lehrte Z. Flöte am Konservatorium der GdM, zu seinen Schülern zählten C. Millöcker (widmete Z. eine Fantasie für Flöte und Klavier, Ms. in der WStLB) und Adolf Terschak. Als Virtuose unternahm er 1828 eine Konzertreise, die ihn bis nach Neapel/I führte, 1832 trat er in Wien gemeinsam mit Al. Khayll auf, 1838 spielte er in einem Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien u. a. gemeinsam mit F. Liszt, J. Merk, A. Slama und Jak. Uhlmann d. Ä. Z. soll auch zum weiteren Kreis um Fr. Schubert gezählt haben. In den Wiener Adressbüchern ist er danach bis 1872 unter der Adresse Wien I, Weihburggasse 15 nachweisbar, anschließend dürfte er nach Gmunden übersiedelt sein. – Ein Violinist gleichen Namens gehörte um 1796 dem Orchester des Theaters in der Leopoldstadt an.
Ehrungen
Ehrenmitglied in- u. ausländischer Vereine (u. a. des Musikvereins für Steiermark 1822 u. der Philharmonischen Ges. Florenz/I).
Werke
Musik f. Fl. (z. T. mit Kl.).
Literatur
Wurzbach 44 (1882) [Terschak] u. 60 (1891), 65; [Fs.] Wr. Philharmoniker 1842–1942, 1942, 122; H. u. K. Blaukopf, Die Wr. Philharmoniker 1986; R. v. Perger/R. Hirschfeld, Gesch. der K. k. GdM 1912, 326; C. F. Pohl, [Fs.] Die Ges. der Musikfreunde des österr. Kaiserstaates u. ihr Conservatorium 1871, 129; MGG 7 (1958) [Khayll] u. 9 (1961) [Millöcker]; Deutsch, Schubert Dokumente 1980; E. Hilmar, Franz Schubert. Dokumente 1801–1830, 2003; E. Hanslick, Gesch. des Concertwesens in Wien 1 (1869), 327; Allgemeine Theaterztg. 1.5.1838; J. F. Schönfeld, Jb. der Tonkunst von Wien u. Prag 1796; Schul- und Konzertbericht des Steiermärkischen Musikvereines in Graz für das Schuljahr 1913–1914, 1914; WStLA (Lehmann-Adressbücher); Archiv der GdM (Partezettel); Mitt. Pfarramt Gmunden; eigene Recherchen (Matriken Pfarre Altmannsdorf).


Vermutlich verwandt (nicht Sohn) war

Franz Joseph: * 27.10.1822 Alservorstadt/NÖ (heute Wien IX), † 30.5.1903 Trattenbach/NÖ (begr. 3.6.1903 Wien, Zentralfriedhof). Lehrer, Kirchenmusiker, Komponist. In Altmannsdorf/NÖ (heute Wien XII) aufgewachsen, erteilte ihm der dortige Oberlehrer Joseph Schmidt (Schmid/Schmied) ersten Violin- und Violaunterricht. Im Alter von 12 Jahren unternahm Z. erste Kompositionsversuche, die damals entstandenen Werke (Messe, Tantum ergo, Messeinlagen) gelangten in der Pfarrkirche St. Oswald in Altmannsdorf auch zur Aufführung. Im Gesang sowie im Klavier- und Orgelspiel waren die Pädagogen Adam Aigner und sein Onkel Johann Knoll in Hetzendorf/NÖ (heute Wien XII) erste Lehrer. 1836–41 besuchte Z. die Normalschule zu St. Anna (Wien I), weitere Orgel- und Kontrapunktstudien betrieb er bei F. Volkert und Am. Rieder bzw. bei J. Drechsler (als Studienkollege von Joh. Strauß Sohn) und S. Sechter (angeblich dessen Lieblingsschüler). 1841–53 war er Schulgehilfe, Organist und Regens chori an der K. k. Schlosskapelle in Hetzendorf. Hier gab er auch Privatmusikstunden und wurde u. a. von Erzhzg.in Maria Anna, einer Tochter K. Franz II./I., gefördert. Ende September 1853 trat Z. als Aushilfsjunge in den Dienst der Hofkapelle ein, 1879 avancierte er zum zweiten Hofkapellendiener der Hofburgkapelle; 1894 pensioniert. Mit L. Eder, J. Greipel, J. B. Ziegler, Fr. Krenn und J. R. v. Herbeck befreundet oder zumindest bekannt, traf Z. 1877 auch mit F. Liszt zusammen, der ihn „als den größten Kirchenkomponisten der Gegenwart“ (Hilscher 1926) bezeichnet haben soll. Rich. Wagner empfahl Z.s Kirchenmusik, die im 19. Jh. weit verbreitet war (bis 1847 sind bereits Aufführungen in Hetzendorf, Altmannsdorf, Inzersdorf/NÖ [Wien XXIII], Laxenburg, Himberg/NÖ, Meidling/NÖ [Wien XII], Hietzing/NÖ [Wien XIII], Lainz/NÖ [Wien XIII], Atzgersdorf/NÖ [Wien XXIII] belegbar) und in Wiener Kirchen häufig gespielt wurde, an den bayerischen Königshof. Mit C. M. Ziehrer war er sehr weitschichtig verwandt, seine Tochter Karoline (?– nach 1926) wirkte als Klavierlehrerin. Zeitgenössische Kritiken lobten Z.s Werke aufgrund ihrer hervorragend gearbeiteten Kontrapunktik und ihrer klaren melodiösen Strukturen außerordentlich, da sie den Anforderungen echter Kirchenmusik vollkommen entsprechen würden. Nicht umsonst wurde seine Messe Nr. 12 in B-Dur (Fugenmesse oder Piusmesse1857, 1871 Papst Pius IX. anlässlich der 20-jährigen Papstjubiläumsfeier gewidmet) zu Z.s populärsten und bekanntesten Werk. Bedeutung erlangte auch die 1873 K. Franz Joseph I. gewidmete Messe Nr. 19 in F-Dur (Kaiser-Festmesse), entstanden anlässlich des Silbernen Regierungsjubiläums des Kaisers. Z.s letzte Komposition (beendet am 16.4.1903) war der wohl in Todesvorahnung entstandene Trauergesang für vier- oder sechsstimmigen Männerchor Wie die Glocken düster dröhnen.


Gedenkstätten
Medaillonrelief am Meidlinger Künstler-Gedenkstein (Wien XII, Theresienbadpark; s. Abb.).
Ehrungen
Stipendien von K. Ferdinand I.; Ehrennadel Kg. Ludwigs II. v. Bayern; Große Silberne Medaille von Papst Pius IX. 1871; Ehrenmitglied zahlreicher Gesangvereine.
Werke
über 500 kirchenmusikalische Werke (mind. 21 lat. Messen, 3 Requien, Gradualien u. Offertorien, weitere kleinere Werke), Orgelfugen, Präludienbücher f. Org. (s. Abb.); Königsfest Ouverture f. Orch. (1901), Salonmusik, Klaviermusik (Gratulationsfuge f. K. Kratzl), Märsche, Tänze; Männerchöre (Mein Vaterland, mein Österreich); – Teilnachlass in der WStLB, einzelne Autographe auch in der ÖNB-Musikslg.
Literatur
Ch. Fastl in M. Jahn/K. Petermayr (Hg.), Jahrbuch des RISM-Österreich 2010 [mit Werkübersicht und Aufführungsspiegel der kirchenmusikalischen Werke]; K. Hilscher, Fs. zur Enthüllung des Meidlinger Künstler-Gedenksteines im Theresienbadparke 1926; Dt. Kunst- & Musik-Ztg. 4.6.1881; Neues Wr. Tagbl. 2.6.1903; Recensionen über die Compositionen von F. J. Z. vom Jahre 1847 bis zum Jahre 1896, 1896; F-A 1936; Wurzbach 60 (1891), 65; MGG 14 (1968) [Ziehrer, Carl Michael]; Czeike 4 (1995) [Meidlinger Künstler-Gedenkstein]; G. Renner, Die Nachlässe in der WStLB 1993; Mitt. Pfarramt Trattenbach; eigene Forschungen (niederösterr. Lehrerschematismen; Nachlass; Kat.e der ÖNB-Musikslg.; Matriken Pfarren Wien-Schottenfeld und Wien-Altmannsdorf).


Ein Anton Z. (* 1765 [Ort?], † nach 1833 [Ort?]) ist bis 1833 als Klaviermacher in der Wiener Vorstadt Landstraße (heute Wien III) nachweisbar, dessen Sohn Aloys Anton (* 1802 [Ort?], † 1.7.1828 Landstraße) war ebenfalls Klavierbauer, während der ältere Bruder Joseph Anton (* ca. 1798 [Ort?], † 8.10.1827 Landstraße) bei seinem Tod als „Compositeur und Klaviermeister“ bezeichnet wird.


Literatur
Hopfner 1999; Ottner 1977; WStLA (Mag. Zivilgericht V 4258/1827).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Zierer, Familie?‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/05/2004]