
Atanasijević
(verh. Kwiatkovska), Slava (Slavka, Alojzija)
* 2.11.1850 Esseg/Slawonien (Osijek/HR),
† 10.1.1889 Wien.
Pianistin und Komponistin.
Sie wurde als jüngstes von sieben Kindern in einer angesehenen bürgerlichen Familie in Esseg geboren. Ihr Vater Vasilije (Basil) A. (1796–1877) war Stadtarzt, politisch und kulturell engagiert, erster Ehrenpräsident des Kroatischen Gesangsvereins Lipa sowie ein Anhänger der illyrischen Bewegung. A. erhielt ihre Ausbildung im familiären Umfeld, wie sie für ein Mädchen im 19. Jh. aus bürgerlichen Kreisen üblich war. Sie erhielt privaten Musikunterricht in Klavier und Violine sowie Gesangsstunden bei angesehenen Musikern ihres Heimatortes: Đuro Trišler (Klavier), Anton Stecher und später Theodor Mahulka (Violine), Ivan Humel (Gesang). Die Grundlagen der Komposition erarbeitete sich A. autodidaktisch anhand des Lehrwerks Die Lehre von der musikalischen Komposition von Adolf Bernhard Marx. In den 1870er-Jahren begann sie ihre Konzerttätigkeit in Esseg, wo sie bei Veranstaltungen des Kroatischen Gesangsvereins Lipa auftrat. In den 1870er- und 1880er-Jahren konzertierte sie in Städten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie – darunter Sombor/SRB, Szegedin/Ungarn (Szeged/H), Maria-Theresiopel (Subotica/SRB), Neusatz (Novi Sad/SRB) und Pest – sowie in österreichischen Kurorten wie Bad Gleichenberg/St, Bad Ischl, Bad Aussee (Ausseerland), Franzensbad (Františkové Lázně/CZ), Marienbad und Karlsbad. Bei ihren Konzerten spielte sie regelmäßig auch eigene Kompositionen (darunter Fantasie de concert – Na te mislim [Ich denke an dich] op. 1, Chansonette Slave – Ustaj, ustaj, mili rode, dubok san svoj stresi [Steh auf, steh auf, liebes Volk, schüttle deinen tiefen Schlaf ab] op. 2 und Reflets du printemps – Odbljesci proleća op. 6), wodurch sie sich sowohl als Pianistin als auch als Komponistin präsentierte. Darüber hinaus interpretierte sie Salonstücke anderer Komponisten. Am 8.6.1882 heiratete sie Andzej Eug. Kwiatkowski, einen aus Galizien gebürtigen Katastergeometer und Verwalter in Bosnien. Nach der Heirat beendete sie ihre Karriere. Aus ihrer Korrespondenz mit F. Kuhač geht hervor, dass sie im Eheleben unglücklich war und nach einigen Jahren die Scheidung beantragte. Um sich finanziell abzusichern und dem Eheleben zu entkommen, arbeitete sie in Wien als Gesellschafterin in Adelsfamilien. Sie starb an Tuberkulose und wurde am 12.1.1889 auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.
Werke
Salonstücke f. Kl. (Fantasie de concert – Na te mislim op. 1, Chansonette Slave – Ustaj, ustaj, mili rode, dubok san svoj stresi op. 2, Reflets du printemps – Odbljesci proleća op. 6).
Salonstücke f. Kl. (Fantasie de concert – Na te mislim op. 1, Chansonette Slave – Ustaj, ustaj, mili rode, dubok san svoj stresi op. 2, Reflets du printemps – Odbljesci proleća op. 6).
Literatur
F. Kuhač in Vienac. Zabavi i pouci XLVIII/11, 29.11.1879; F. Kuhač in Dom i sviet VI/3, 1.2.1893; D. Jeremić Molnar, Srpska klavirska muzika u doba romantizma (1841–1914) [Serbische Klaviermusik in der Epoche der Romantik] 2006; M. Kokanović Marković, Društvena uloga salonske muzike u životu i sistemu vrednosti srpskog građanstva u 19. veku [Die gesellschaftliche Rolle der Salonmusik im Leben und Wertesystem des serbischen Bürgertums im 19. Jh.] 2014; A. Vukadinović, Pijanistička i skladateljska djelatnost S. A. [Pianisten- und Kompositionstätigkeit von S. A.], Masterarb. Novi Sad 2025; Hrvatski biografski leksikon 1 (1983); Srpski biografski rečnik 1 (2024); Oesterreichische Buchhändler-Correspondenz 1.6.1878, 208; Wr. Ztg. 23.4.1876, [1]; Sterbebuch der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde zur Hl. Dreifaltigkeit 1870–1919, fol. 75.
F. Kuhač in Vienac. Zabavi i pouci XLVIII/11, 29.11.1879; F. Kuhač in Dom i sviet VI/3, 1.2.1893; D. Jeremić Molnar, Srpska klavirska muzika u doba romantizma (1841–1914) [Serbische Klaviermusik in der Epoche der Romantik] 2006; M. Kokanović Marković, Društvena uloga salonske muzike u životu i sistemu vrednosti srpskog građanstva u 19. veku [Die gesellschaftliche Rolle der Salonmusik im Leben und Wertesystem des serbischen Bürgertums im 19. Jh.] 2014; A. Vukadinović, Pijanistička i skladateljska djelatnost S. A. [Pianisten- und Kompositionstätigkeit von S. A.], Masterarb. Novi Sad 2025; Hrvatski biografski leksikon 1 (1983); Srpski biografski rečnik 1 (2024); Oesterreichische Buchhändler-Correspondenz 1.6.1878, 208; Wr. Ztg. 23.4.1876, [1]; Sterbebuch der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde zur Hl. Dreifaltigkeit 1870–1919, fol. 75.
Autor*innen
Marijana Kokanović Marković
Letzte inhaltliche Änderung
20.11.2025
Empfohlene Zitierweise
Marijana Kokanović Marković,
Art. „Atanasijević (verh. Kwiatkovska), Slava (Slavka, Alojzija)“,
in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung:
20.11.2025, abgerufen am ),
https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f763
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