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Bauernlied
Eine Untergattung des Standesliedes; also ein Lied der Selbstbestätigung und Solidarität, des Standesstolzes und der Standeskritik. Diese Funktion hat im bäuerlichen Bereich Jh.e lang das Gstanzl als Vehikel sozialer Auseinandersetzung ausgeübt (z. B. „Åwa lustig mia Bauern, håbn Oxen und Kiah, im Måhd und bei die Menscher håbn d mehra Schneid mia!“), weshalb mehrstrophige B.er in Österreich selten sind. Bis heute überliefert wird „Ihr Herren schweigt ein wenig still“, dessen Text die Redensart enthält: „Da Adam grub und Eva spann, wo war der Bürger und Edelmann?“ Diese trat bereits beim Bauernaufstand 1381 in England auf („Whan Adam delf and Eva span, who was than a gentleman“) und hat sich als revolutionärer Slogan von dort aus auf dem Festland verbreitet. Eine Sonderform des B.es ist die Bauernklage. Das weitverbreitete „Kein Bauer mag ich nimmer bleiben“ ist oberschichtlich als barockes Gesellschaftslied im 17. Jh. entstanden, hat aber in bäuerlichen Kreisen Verbreitung gefunden, da sich die Sänger mit der darin enthaltenen sozialen Anklage identifizieren.
Literatur
L. Schmidt in Das deutsche Volkslied 46 (1944); H. Strobach, Bauernklagen 1964; O. Moser in JbÖVw 26 (1977); Steinitz 1979; H. Dreo/W. Burian/S. Gmasz, Ein burgenländisches Volksliederbuch 1988.

Autor(en)
Gerlinde Haid †
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid †, Art. „Bauernlied‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/02/2002]