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Baum, Baum, true Vicki (eig. Hedwig, gesch. Prels, verh. Lert)
* 1888-01-2424.1.1888 Wien, † 1960-08-2929.8.1960 Los Angeles, CA/USA. Harfenistin, Schriftstellerin. Die Tochter eines Kaufmanns, deren Großvater mütterlicherseits der Familie zuliebe auf eine Karriere als Konzertpianist verzichtet hatte, erhielt als Kind zunächst Klavier-, später auf Wunsch ihrer Mutter Harfenunterricht und studierte 1898–1904 Harfe (drei Jahre Vorbildung bei Th. Zamara, drei Jahre Ausbildung bei A. Zamara) am Konservatorium der GdM. Ab 1903 trat sie mit dem Orchester des Konservatoriums auf. Ihr damaliger Freund C. Lafite vermittelte ihr nach Studienabschluss (Reifezeugnis mit vorzüglichem Erfolg) erste Engagements als Harfenistin und trat mit ihr auch außerhalb Wiens auf (Mährisch-Ostrau [Moravská Ostrava/CZ], St. Pölten). Ab Herbst 1906 unterrichtete B. an der MSch. von A. Duesberg, 1909 wechselte sie ans Neue Wiener Konservatorium. Ab September 1908 zweite Harfenistin des Wiener Concert-Vereins (Wiener Symphoniker). Am 8.3.1909 Ziviltrauung mit dem Journalisten Max Prels (eig. Maximilian Franz Anton, * 28.7.1878 Wien, † 1926 Berlin), für den sie in der Folge als Ghostwriterin fungierte. In der von ihrem Mann 1910 gegründeten Zeitschrift Ton und Wort veröffentlichte B. auch Artikel und Erzählungen unter ihrem eigenen Namen. Außerdem erteilte sie Privatstunden, u. a. bei der Familie Lert, die ihr nach der Trennung von ihrem Mann (Scheidung März 1913) Unterstützung bot. Hier hatte sie auch wieder Kontakt zu ihrer Jugendbekanntschaft H. Lert, der sie zu einem Probespiel ans Hessische Landestheater nach Darmstadt/D einlud. Im Jänner 1913 unterzeichnete sie dort einen Dreijahresvertrag, übersiedelte im September 1913 nach Dortmund/D, wirkte jedoch u. a. gemeinsam mit A. Blümel und Jacques van Lier noch bis 1914 bei sog. „Altwiener Abenden“ in verschiedenen Städten der Monarchie mit (u. a. Baden, Krems, Leitmeritz, Marburg, Graz, Triest, Klagenfurt, Innsbruck, Salzburg, Linz). 1914 war sie gemeinsam mit Lert, dessen Lebensgefährtin sie mittlerweile war, an einer Komplettaufführung von R. Wagners Ring des Nibelungen in Berlin beteiligt. Nach ihrer Heirat am 16.7.1916 in Darmstadt gab sie ihre Karriere als Harfenistin auf, ein Angebot B. Walters, für die Saison 1916/17 an die Münchner Staatsoper zu kommen, lehnte sie ab. B. wurde die wichtigste künstlerische Beraterin ihres Mannes und ging mit ihm zunächst nach Kiel/D, danach (1919–23) nach Hannover/D und 1923 nach Mannheim/D. In einem Brief vom Jänner 1922 hatte sie F. Schreker um Unterstützung für die Bewerbung ihres Mannes dorthin ersucht und seine Musik, die sie 1908 im Rahmen einer Aufführung der Pantomime Der Geburtstag der Infantin durch die Schwestern Wiesenthal erstmals hörte, als Inspirationsquelle genannt. Ab Dezember 1919 arbeitete sie offiziell als Schriftstellerin und trug durch einen gut dotierten Vertrag mit dem Ullstein-Verlag wesentlich zum Familieneinkommen bei. In ihrem zweiten Roman Der Eingang zur Bühne (1920) verarbeitete sie ihre Erfahrungen am Konservatorium. 1922 lernte B. in Hannover die Ausdruckstänzerin Mary Wigman kennen, unter der Choreographie von deren Schüler Max Terpis tanzte sie am 6.10.1923 in einer monumentalen Inszenierung von G. F. Händels Oratorium Saul mit. Ende August 1926 zog sie nach Berlin, wo sie der Ullstein-Verlag zu einer Bestsellerautorin aufbauen wollte. Ihr Mann und ihre beiden Söhne, Ernst Wolfgang (1917–2009) und Johannes Peter (1921–2012), folgten erst Anfang 1929. In diesem Jahr erschien ihr bekanntester Roman Menschen im Hotel, den sie mit Alexander Erdai dramatisierte. Bei der Wiener Erstaufführung der Bühnenfassung im Volkstheater im Mai 1930 war B. anwesend. Nicht zuletzt durch dieses Stück, das am Broadway höchst erfolgreich als Grand Hotel gegeben wurde, entstand eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung in die USA, wohin sie Ende März 1932 emigrierte (Exil, Staatsbürgerschaft 1938). Ihre Familie folgte im Sommer des Jahres und ließ sich zunächst in Santa Monica, CA/USA, später in Los Angeles nieder. 1950 wurde bei B. Leukämie diagnostiziert, die sie ihrer Familie verheimlichte. Bis zuletzt schrieb sie an ihren (unvollendeten) Memoiren, die nach ihrem Tod von Schwiegertochter Ruth, der Frau ihres Sohnes Wolfgang, herausgegeben wurden.
Gedenkstätten
V.-B.-Platz (Wien IV); V.-Baum-Str. (Berlin-Rummelsburg).
Ehrungen
Silberne Gesellschaftsmedaille des Konservatoriums der GdM 1904; Großherzogliche Hof- und Kammermusikerin 1912.
Schriften
Autobiographie Es war alles ganz anders. Erinnerungen, hg. v. R. Lert 1962.
Werke
Romane (u. a. Der Eingang zur Bühne 1920, Menschen im Hotel 1929).
Literatur
N. Nottelmann, Die Karrieren der V. B. 2007; I. Korotin (Hg.), biografiA 1 (2016); Czeike 1 (1992); Neues Wr. Tagbl. 23.3.1903, 8, 3.7.1906, 13, 20.3.1923, 4; Das Vaterland 5.9.1906, 14, 21.9.1907, 20; Dt. Volksbl. 28.12.1903, 7; Prager Tagbl. 31.10.1905, 10; Neues Wr. Journal 3.10.1909, 25; Brief an Franz Schreker vom 13.1.1922 (ÖNB, Mus.slg. F 3 Schreker 248); Briefwechsel von V. B. und Max Prels mit Marie Katholicky-Soffé (ÖNB, Hs.slg. 152/37); WStLA, Meldearchiv (www.wien.gv.at); https://de.wikipedia.org (2/2020); www.fembio.org (2/2020); www.genteam.at (2/2020); Mitt. Archiv Wr. Symphoniker (3/2020); eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Baum, Vicki (eig. Hedwig, gesch. Prels, verh. Lert)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18.8.2020]
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Blatt der Hausfrau 44/2 (Zweites Oktober-Heft) 1928, 50
Vicki Baum und Rudolf Beer (Das interessante Blatt 15.5.1930, 21)

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Weiterführende Literatur (OBV)

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