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Binder, Binder, true Jakob
* 1816-05-011.5.1816 Lichtental/NÖ (Wien IX), † 1881-01-2020.1.1881 Wien. Opern- (Bass) und Volkssänger. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende B. erhielt als Kind Gesangsunterricht bei Regens chori K. Pichler sowie Klavierunterricht beim Schulgehilfen Mathias Geißler. Er wurde Hilfsorganist an der Lichtentaler Kirche, sang bei Leichenzügen und als Altsolist in Wiener Kirchen. Einer abgebrochenen Kaufmannslehre folgte ab 1830 ein Studium am Konservatorium der GdM (Klavier, Violine, Kontrabass, Generalbass) und 1833 der pädagogische Kurs an St. Anna (Wien I). Zunächst verdiente sich B. seinen Unterhalt als Kontrabassist bei verschiedenen Tanzveranstaltungen, u. a. auch mit den Brüdern Furch, wo er auch als Sänger auftrat. Dabei wurde er von K. Kreutzer entdeckt, der ihn als Chorist und für kleine Partien an das Theater in der Josefstadt engagierte, daneben wirkte er mitunter bei Messen an der Badener Kirche mit. Bald wechselte er als zweiter Bassist nach Pressburg. Es folgten Stationen in Agram, eine Gastspielreise durch ungarische und niederösterreichische ( Wiener Neustadt, Baden, Mödling) Städte sowie 1840 ein Engagement in Innsbruck. 1841 in Deutschland (u. a. Hamburg), danach als zweiter Bassist in Prag. Am 15.6.1841 erfolgreiches Gastspiel am Theater in der Josefstadt, wo er in G. Donizettis Oper Die Römer in Melitone debütierte. Es folgten zahlreiche weitere Stationen, u. a. Regensburg/D. Hier heiratete er die Tochter eines Hotelbesitzers. Ab 1846 erneut in Innsbruck, 1848/49 in Olmütz, 1849/50 in Magdeburg/D und mehreren holländischen Spielorten, Herbst/Winter 1850 in Hermannstadt (Sibiu/RO). Bis Ende Juni 1851 am deutschen Theater in Budapest, danach in Kassel/D mit Gastspielreisen durch mehrere deutsche Städte. Über Temeswar (Timişoara/RO) im Frühjahr 1852 Rückkehr nach Wien und Gastauftritt in der Hernalser Arena (Wien XVII). Ab Herbst 1853 dreijähriges Engagement in Linz, wo B.s Frau starb. Am 11.4.1854 heiratete er eine Majorstochter. Nach Engagements in Laibach, Klagenfurt, Pest, Königsberg (Kaliningrad/RUS) und Linz ging er nach Salzburg, wo er am 29.3.1860 zum letzten Mal auftrat. Nach seiner Rückkehr nach Wien Engagement in Varry’s Singspielhalle (Wien XVII), der ersten ihrer Art. Hier debütierte B. am 14.4.1860 und wechselte damit laut eigenen Angaben aus finanzieller Not von der Opern- auf die Brettlbühne. Wenig später engagierte ihn J. Matras für seine Gesellschaft, später sang er u. a. in den Gesellschaften von A. Mannsfeld und F. Hornischer. 1867 Mitglied der Singspielhalle von J. Fürst. Dazu kamen auch Auftritte außerhalb Wiens, so in Bruck an der Leitha/NÖ, Bad Ischl und München. Als „der blade B.“ bzw. „Liechtenthaler Lablache“ erzielte er als Volkssänger große Erfolge und war aufgrund seines Leibesumfanges und seiner eindrucksvollen Bassstimme für einige Zeit eine populäre Lokalgröße. B. galt auch als ausgezeichneter Schubert-Sänger. In seinen letzten Lebensjahren konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auftreten, fiel der Vergessenheit anheim und starb in ärmlichsten Verhältnissen.
Schriften
Memoiren des „dicken Binder“, genannt der „Liechtenthaler Lablache“ 1872.
Literatur
J. Binder, Memoiren des „dicken Binder“ 1872; J. Koller, Das Wr. Volkssängertum in alter und neuer Zeit 1931; L. J. Wetzl, Drei vergessene Lichtentaler aus Franz Schuberts Zeit 1930; Czeike 1 (1992); Signale für die Musikalische Welt 39/14 (Februar 1881), 209ff; NFP 21.1.1881, 22, 22.1.1881, 18; Neuigkeits Welt-Bl. 23.1.1881, [4]; Montags-Revue aus Böhmen 24.1.1881, 7; Morgen-Post 22.1.1881, [2]; Das kleine Volksbl. 11.2.1935, 2; Kleine Volks-Ztg. 7.7.1940, 10; Die Presse 21.1.1881, 15; Neues Wr. Tagbl. 26.1.1941, 35; Klagenfurter Ztg. 29.3.1873, 475; Österr. Morgenbl. 19.6.1841, 304; Der Zwischen-Akt 6.10.1860, [2]; Die neue Zeit 3.6.1849, [4]; Ischler Bade-Liste 23.9.1856, [4]; Taufbuch der Pfarre Lichtental 1811–18, fol. 305; Sterbebuch des Alservorstadtkrankenhauses (Wien VIII) 1881, fol. 11; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
14.11.2018
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Binder, Jakob“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 14.11.2018, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f89c
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Radio Wien 4.7.1930, 16© ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x0001f89c
GND
Binder, Jakob: 12919378X
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