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Bohème-Quartett
Wiener Vokalensemble, gegründet um 1927, hervorgegangen als „heiteres“ Quartett aus dem Wiener Lehrer-A-capella-Chor (Rudolf Schenk, Heinrich Friedl, Leo Fritz, A[dolf?]. Raab sowie Rudolf Danzer am Klavier). Mitglieder waren R. Schenk (1. Tenor), H. Friedl (2. Tenor), L. Fritz (1. Bass) und Ludwig Rombach (2. Bass), der auch das Management des Ensembles übernahm, sowie der Pianist Josef Drexler. Um 1938 kamen Hugo Werner Floch (1. Tenor) für Schenk und Ferry Schindler (2. Bass) für Rombach. Nach dem Vorbild des amerikanischen Vokalquartetts The Revelers wurden Arrangements von aktuellen Schlagern einstudiert, die Drexler eigens für das Quartett schrieb. Eine optische Einheitlichkeit erzielten die vier Sänger durch das Tragen einer schwarzen runden Brille, Drexler hingegen trug keine. Nach einer sechsmonatigen Probenzeit erster Auftritt bei einem Kameradschaftsabend der Schlaraffia im Gasthaus „Zum Bratwurstglöckerl“ (Wien III). Nachweislich erster öffentlicher Aufritt am 17.3.1928 im Militärcasino. Zu Silvester 1929 erstmaliger Einsatz auf Radio Wien; erste Schallplattenaufnahmen für Columbia wurden 1930 als Jazzgesangsquartett „Die Boheme“ veröffentlicht. In der Folge regelmäßige Auftritte in und außerhalb Wiens in Vergnügungslokalen, Großkinos, Kabaretts, im Wiener Konzerthaus sowie im Rundfunk, teilweise auch in Spielfilmen, etwa 1931 in Purpur und Waschblau und zuletzt 1943 in Der weiße Traum. Mitwirkung als Teil des Orchesters in P. Abrahams Operette Märchen im Grandhotel (UA 29.3.1934 Theater an der Wien). Ab Ende 1936 Teil des Ensembles des musikalischen Lustspiels Warum lügst du, Cherie (M: L. K. Märker) in der Scala, dem ehemaligen Johann Strauß-Theater (Wien IV). Noch 1949 Rundfunkauftritte im Wiener Konzerthaus, wo sie am 30.11.1939 ihr 10-jähriges [!] Jubiläum gefeiert hatten, traten sie bis 1954 auf (in welcher Besetzung, ist jedoch offen). Neben Schallplattenaufnahmen in der Originalbesetzung mit Drexler am Klavier bzw. H. Sandauer und Rudi Timpelfeld am Doppelklavier (1936) nahm das B.-Q. auch Platten mit verschiedenen österreichischen Kapellen auf (Columbia-Tanzorchester, Apollo-Cinema-Orchester, verschiedene Kapellen von F. Fox, Sonora Band) und wirkte als Refrainsänger bei zahlreichen Aufnahmen der Kapelle von H. Sandauer mit. Dazu kamen Aufnahmen mit Solisten wie Renate Müller und F. Schier. Im Verlag Doblinger erschienen ab 1935 über 50 Schlager aus dem Repertoire des B.-Q.s. Im Unterschied zu den deutschen Comedian Harmonists interpretierte das B.-Q. nicht nur aktuelle Schlager, sondern auch Wienerlieder und wechselte dementsprechend zwischen Hochsprache und Dialekt. Mit diesem starken Regionalbezug verfügte es über ein Alleinstellungsmerkmal unter den vergleichbaren deutschsprachigen Ensembles der Zeit.

Um 1909 bestand ein aus ehemaligen Hofopernsängern zusammengesetztes Quartett mit gleichem Namen, das im Grazer Orpheum auftrat. Ende 1931 trat in Graz ein weiteres Bohemequartett, bestehend aus den Opernsängern Karl Fischer-Niemann, Alfred Schütz, Wilhelm Tisch und Florian Haller auf.


Werke
Plattenaufnahmen für Columbia und Odeon.
Literatur
M. Hortig et al. in Bockkeller 5 (November-Dezember 2014); W. Hirschenberger/H. Parnes, Diskographie österr. Popularmusik 2013; Der Tag 18.3.1928, 10, 29.11.1931, 10; Kleine Volks-Ztg. 30.11.1939, 7; Fußball-Sonntag 6.3.1938, 8f; Das kleine Bl. 4.10.1940, 20; Tonfilm Theater Tanz 3/1 (1935), 4; Siriusmappe 5/9 (1931), 19, 6/4 (1932), 2; Oesterreichische Wehrztg. 24.2.1928, 5; Grazer Tagbl. 16.11.1909, 4, 17.11.1909 (Abend-Ausgabe), 2; https://grammophon-platten.de/page.php?170 (7/2020); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; https://konzerthaus.at/datenbanksuche).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Bohème-Quartett‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 23.10.2020]
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Radio Wien 1.9.1933, 23© ANNO/ÖNB
Illustrierte Kronen-Ztg. 12.11.1935, 3© ANNO/ÖNB
Tonfilm Theater Tanz 3/1 (1935), 4
Die Muskete 1.6.1939, [42]© ANNO/ÖNB
Das Kleine Radio-Bl. 4.10.1940, 8© ANNO/ÖNB