
Boruttau,
Alfred Julius
* 1.7.1877 Königsberg/Ostpreußen (Kaliningrad/RUS),
† 25.6.1940 München/D.
Sänger (Tenor), Musikpädagoge, Komponist.
B. studierte zunächst Philologie in Königsberg und Berlin und schloss mit dem Doktorat ab. Auf Rat von Eugen Gura nahm er später privaten Gesangsunterricht bei Julius Hey und Giovanni Battista Lamperti sowie darstellerischen Unterricht bei Emanuel Reicher. In der Folge absolvierte er Konzertreisen nach Riga, St. Petersburg/RUS und Helsinki und erhielt 1903 ein erstes Engagement am Landestheater in Linz. Am 13.4.1904 debütierte B. als Tamino in W. A. Mozarts Zauberflöte an der Wiener Hofoper und wurde 1905 von G. Mahler als Heldentenor engagiert. Er sang hier insgesamt 52 Vorstellungen, jedoch vornehmlich in kleineren Rollen. 1906 verpflichtete ihn A. Neumann an das Deutsche Landestheater in Prag, wo er bis 1910 blieb. In dieser Zeit gastierte B. auch in Leipzig/D, Mannheim/D und Brünn und gab zahlreiche internationale Konzerte, u. a. 1906 in Marienbad vor dem englischen König Edward VII. 1910 erhielt er einen Dreijahresvertrag an der Metropolitan Opera in New York/USA, es ist jedoch unklar, ob er diesen erfüllte oder andere Gastspiele in den USA annahm. 1912 kehrte B. nach Wien zurück, wo er nun hauptsächlich als Konzertsänger und Gesangslehrer wirkte (u. a. an der Schule von E. Schwarzwald). B. engagierte sich besonders für den zeitgenössischen Liedgesang und bewegte sich auch im Umfeld der Wiener Schule, u. a. sang er 1913 Klaus Narr in der UA von A. Schönbergs Gurre-Liedern und war auch bei dem berühmten ‚Watschenkonzert‘ beteiligt: Am 31.3.1913 brachte er unter der Leitung von Schönberg im Wiener Musikverein zwei Lieder aus Alban Bergs Lieder nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg op. 4. zur UA, wonach das Konzert aufgrund der Tumulte im Publikum abgebrochen werden musste. B. war auch Mitglied des Vereins für musikalische Privataufführungen und sang in diesem Rahmen 1919 Lieder von Igor Strawinsky. Darüber hinaus gab er mehrfach Konzerte mit K. Weigl und führte einige von dessen Werken auf (u. a. die Kantate Weltfeier 1913 im Musikverein unter F. Schreker). B. war daneben selbst schöpferisch tätig – er komponierte einige Lieder –, außerdem gab er zahlreiche (Volks-)Lieder heraus und übersetzte hierfür Gesangstexte ins Deutsche (u. a. alle Vokalwerke von J. Sibelius, frühe französische Lieder von R. Wagner). 1914 übernahm B. eventuell für kurze Zeit die Leitung des Theaters in Aachen/D. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Landsturmleutnant (später Landsturmoberleutnant). Danach konzentrierte er sich auf das Unterrichten und erhielt 1923 eine Stelle am Neuen Wiener Konservatorium (Musiklehranstalten Wien), außerdem verfasste er einige pädagogische Schriften. B. war zeitweise Präsident des Österreichischen musikpädagogischen Verbandes, der Wiener Oratorienvereinigung und Präsidiumsmitglied des Internationalen Rates für Sing- und Sprechkultur. In den letzten Jahren lebte und wirkte er in München, wo er weiter als Gesangspädagoge tätig war. Zu seinen Schüler:innen gehörten u. a. Ilmari Florell von Delwig, Marguerite Györi, Hans Kittel, Otto Scheidl, Walter Vollmar und L. Weber. B. heiratete am 1.6.1904 in Wien die Schauspielerin Helene Štastný (Stastny, * 16.8.1880 Wien, † ?), mit der er den Sohn Alfred Eugen (* 29.10.1904, † ?) bekam. Seine zweite Frau, die Opernsängerin Franziska Cahn (* 9.5.1880 Siegburg/D, † 11.10.1942 KZ Auschwitz [Oświęcim/PL]) heiratete er am 24.12.1912 in Aachen (Scheidung 14.3.1923). Am 8.5.1923 heiratete er in Wien seine ehemalige Schülerin, die Altistin Grete (eig. Margarete) Maria Karas (geb. * 12.8.1892 Graz, † nach 1954 Ort?).
Ehrungen
Kammersänger; Silberne Ehrenmedaille vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration 1915; Widmungsträger v. Werken v. R. Maux, H. Grädener.
Kammersänger; Silberne Ehrenmedaille vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration 1915; Widmungsträger v. Werken v. R. Maux, H. Grädener.
Schriften
Über Grundlagen, Ausbau und Grenzen der Stimmkunst 1941; Artikel in Zss.; als Hg./Übersetzer: Sämtliche Vokalwerke v. J. Sibelius; Lieder v. Jacob Kremberg, O. Bull, Johann Hermann Schein, Kaiser Joseph I.; zahlreiche skandinavische, dt. u. frz. Volkslieder; als Übersetzer: R. Wagners Lieder Freud und Leid sind flüchtge Träume (WWV 58), Maria Stuarts Abschied (WWV 61), Schlafe, mein Kind! (WWV 53), Die Erwartung (WWV 55) in R. Wagner, Sämtliche Lieder, hg. v. Emil Liepe 1916.
Über Grundlagen, Ausbau und Grenzen der Stimmkunst 1941; Artikel in Zss.; als Hg./Übersetzer: Sämtliche Vokalwerke v. J. Sibelius; Lieder v. Jacob Kremberg, O. Bull, Johann Hermann Schein, Kaiser Joseph I.; zahlreiche skandinavische, dt. u. frz. Volkslieder; als Übersetzer: R. Wagners Lieder Freud und Leid sind flüchtge Träume (WWV 58), Maria Stuarts Abschied (WWV 61), Schlafe, mein Kind! (WWV 53), Die Erwartung (WWV 55) in R. Wagner, Sämtliche Lieder, hg. v. Emil Liepe 1916.
Werke
Acht Lieder 1907.
Acht Lieder 1907.
Literatur
K-R 2004; Deutschlands, Österreich-Ungarns u. der Schweiz Gelehrte, Künstler u. Schriftsteller in Wort u. Bild 3 (1911); Der Humorist 10.2.1903, 3; (Linzer) Tages-Post 6.2.1904, 5, 4.6.1904, 4, 17.10.1905, 5, 19.10.1905, 5, 6.4.1914, 10, 1.6.1917, 6, 19.10.1923, 9, 1.12.1925, 9; Linzer Volksbl. 22.3.1904, 6; Wr. Salonbl. 29.6.1906, 16; Prager Tagbl. 22.9.1907, 15; Montags-Revue aus Böhmen 18.11.1907, 7; Pilsner Tagbl. 8.2.1910, 4; Prager Abendbl. 13.4.1910, 3; Signale f. die musikalische Welt H. 15 (1913), 553f; Fremdenbl. 26.1.1913, 31, 9.11.1913, 16, 15.12.1913, 8; Neues Wr. Tagbl. 17.3.1913, 17, 3.12.1925, 4, 1.7.1927, 8, 11.7.1940, 10; Sport & Salon 11.10.1913, 10; Neues Wr. Journal 20.11.1913, 11; NFP 27.8.1915, 11, 28.6.1918, 10, 8.7.1918, 6, 21.1.1923, 13; Reichspost 13.12.1925, 16; Radio Wien 14.8.1954, 16; Taufbuch 1879–81 der Pfarre Rossau (Wien IX), fol. 163, RZ 302; Trauungsbuch 1904 der Evangelischen Pfarre Wien-Innere Stadt (Lutherische Stadtkirche), RZ 256; Taufbuch 1905 der Evangelischen Pfarre Wien-Innere Stadt (Lutherische Stadtkirche), RZ 216; Trauungsbuch 1923 der Evangelischen Pfarre Wien-Hietzing, fol. 68, RZ 34; https://moebus-flick.de (11/2025); https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Skandalkonzert_1913 (11/2025); eigene Recherchen (www.familysearch.org; www.geni.com; https://archiv.wiener-staatsoper.at; www.anno.onb.ac.at).
K-R 2004; Deutschlands, Österreich-Ungarns u. der Schweiz Gelehrte, Künstler u. Schriftsteller in Wort u. Bild 3 (1911); Der Humorist 10.2.1903, 3; (Linzer) Tages-Post 6.2.1904, 5, 4.6.1904, 4, 17.10.1905, 5, 19.10.1905, 5, 6.4.1914, 10, 1.6.1917, 6, 19.10.1923, 9, 1.12.1925, 9; Linzer Volksbl. 22.3.1904, 6; Wr. Salonbl. 29.6.1906, 16; Prager Tagbl. 22.9.1907, 15; Montags-Revue aus Böhmen 18.11.1907, 7; Pilsner Tagbl. 8.2.1910, 4; Prager Abendbl. 13.4.1910, 3; Signale f. die musikalische Welt H. 15 (1913), 553f; Fremdenbl. 26.1.1913, 31, 9.11.1913, 16, 15.12.1913, 8; Neues Wr. Tagbl. 17.3.1913, 17, 3.12.1925, 4, 1.7.1927, 8, 11.7.1940, 10; Sport & Salon 11.10.1913, 10; Neues Wr. Journal 20.11.1913, 11; NFP 27.8.1915, 11, 28.6.1918, 10, 8.7.1918, 6, 21.1.1923, 13; Reichspost 13.12.1925, 16; Radio Wien 14.8.1954, 16; Taufbuch 1879–81 der Pfarre Rossau (Wien IX), fol. 163, RZ 302; Trauungsbuch 1904 der Evangelischen Pfarre Wien-Innere Stadt (Lutherische Stadtkirche), RZ 256; Taufbuch 1905 der Evangelischen Pfarre Wien-Innere Stadt (Lutherische Stadtkirche), RZ 216; Trauungsbuch 1923 der Evangelischen Pfarre Wien-Hietzing, fol. 68, RZ 34; https://moebus-flick.de (11/2025); https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Skandalkonzert_1913 (11/2025); eigene Recherchen (www.familysearch.org; www.geni.com; https://archiv.wiener-staatsoper.at; www.anno.onb.ac.at).
Autor*innen
MWA
Letzte inhaltliche Änderung
26.3.2026
Empfohlene Zitierweise
MWA,
Art. „Boruttau, Alfred Julius“,
in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung:
26.3.2026, abgerufen am ),
https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_B/Boruttau_Alfred.xml
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.





