Logo ACDH-CH
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Breinbauer, Breinbauer, true Familie
Oberösterreichische Orgelbauerfamilie.

Josef: * 17.2.1807 Haibach bei Freinberg/OÖ, † 27.4.1882 Ottensheim/OÖ. Orgelbauer. Ging aus einer Mühlen- und Sägewerksbesitzerfamilie hervor. Schon im Jugendalter interessierte er sich für Kirchenmusik und war in seiner Heimatpfarre Freinberg Mitglied des Kirchenchores. Bald suchte er das nur wenige Kilometer entfernte Passau auf, wo ihn die große Orgel im Dom St. Stephan besonders faszinierte. Dort fand er Kontakt zu Orgelbauern, denen er bei ihrer Arbeit zusehen und gelegentlich auch behilflich sein durfte. Bereits 1830/31 baute er seine erste Orgel als Autodidakt. Während seiner Wanderschaft lernte er bei verschiedenen Orgelbauern, von denen ihm der Klagenfurter Tischler, Klavier- und Orgelbauer Nikolaus Müller in einem Zeugnis seine ausgezeichneten Fähigkeiten bescheinigte. Ab 1832 baute er in seinem Heimatdorf Haibach eine Werkstätte auf, wo bis zu seiner Übersiedelung nach Ottensheim im Jahr 1844 über zehn Orgeln entstanden (1844 wird daher wohl fälschlich als Gründungsjahr des Unternehmens genannt). In Ottensheim sollen weitere 70 Werke für Pfarren in Oberösterreich, in Niederösterreich und Böhmen entstanden sein. Bei den vielen durchgeführten Reparaturen hatte er durchwegs mit rein mechanischen Schleifladenorgeln zu tun. Diese Bauweise behielt er auch beim Bau neuer Orgeln fast bis zu seinem Lebensende bei, obwohl von manchen Orgelbauern schon pneumatische Trakturen gebaut wurden. Die Gehäuse seiner Orgeln, die über Jahre hinweg einander stark ähneln, kann man dem vom Spätklassizismus geprägten Neobarock zuordnen. Dem aktuellen Wandel des Klangideals der Orgel im Lauf des 19. Jahrhunderts folgte er durchaus, wie aus einigen Dispositionen und den Berichten über die Umbauten im Alten Dom in Linz und in den Stiftskirchen Schlägl und Zwettl hervorgeht. Die von den diözesanen Orgelrevisoren, die seine Orgeln zwar in jeder Hinsicht lobten, vorgeschriebenen, vom Cäcilianismus geprägten Neuerungen lehnte er jedoch als Bevormundungen ab. An den Orgeln aus seiner Werkstätte schätzte man ihre Solidität und Beständigkeit. Obwohl er zahlreiche Kleinorgeln in Dorfpfarrkirchen baute, berief man ihn mehrmals zu Neubauten, Umbauten und Reparaturen in bedeutende Kirchen. In späteren Lebensjahren arbeitete auch schon sein Sohn Leopold mit. Als Lehrlinge bzw. Gehilfen sind 1854 Anton Hanel (1820–80) und J. Lachmayr bekannt.


Werke
zahlreiche Kleinorgeln mit weniger als 12 Registern; von größeren Werken seien genannt: Waizenkirchen/OÖ (1851, II/20), Obernberg am Inn/OÖ (1853, II/16), Wolfsbach/NÖ (1858, II/16), Grieskirchen/OÖ (Stadtpfarrkirche 1859, II/17), Scheibbs/NÖ (Stadtpfarrkirche 1874, II/21), Pfarrkirchen im Mühlkreis/OÖ (1874, II/17), Aussig (Dominikanerkirche 1875, II/14), Grein/OÖ (Stadtpfarrkirche 1878, II/16), Teplitz (Böhmen, 1878, II/18), Steinakirchen am Forst/NÖ (1879, II/21); zu einigen in der Literatur genannten Werken konnten bislang keine Nachweise gefunden werden.


Sein Sohn

Leopold (I): * 14.1.1859 Ottensheim, † 18.5.1920 Ottensheim. Orgelbauer. Erste Kenntnisse im Orgelbau erwarb er sich schon früh in der Werkstätte seines Vaters, bei dem er auch die Lehre absolvierte. Zugleich nahm er auch Musikunterricht bei J. Waldeck (II.). Während seiner Wanderjahre arbeitete er einige Zeit bei Friedrich Ladegast in Weißenfels/D. Dort lernte er die neuen Traktursysteme kennen, die er bereits bei seinen ersten Werken auch anwandte. Er arbeitete dann einige Zeit mit seinem Vater zusammen und übernahm unmittelbar nach dessen Tod das „Orgelbau=Geschäft“.

Dessen Sohn

Leopold (II): * 9.11.1886 Ottensheim, † 9.1.1920 Ottensheim. Orgelbauer. Nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule in Linz absolvierte er elektrotechnische Studien in Mittweida bei Chemnitz/D. Musikalisch hoch talentiert, er erwies sich als hervorragender Organist und später als Intonateur. Die Lehre absolvierte er bei seinem Vater, danach war er Mitarbeiter bei anderen namhaften Orgelbauwerkstätten in der Schweiz. 1904 wird wieder die Mitarbeit bei seinem Vater erwähnt. Die letzte gemeinsam mit ihm gebaute Orgel (1920) war mit elektropneumatischer Steuerung für die staatliche Lehrer- u. Lehrerinnenbildungsanstalt in Linz bestimmt. Zur selbständigen Führung der Werkstätte kam es nicht mehr, da er kurz vor dem Tod seines Vaters an den Folgen eines Kriegsleidens verstarb.


Werke
zahlreiche Kleinorgeln mit weniger als 12 Registern, von größeren Werken seien genannt: Vöcklamarkt/OÖ (1883, II/16), Wilhering (Stiftskirche 1884, II/30), Purgstall/NÖ (1886, II/22), Leopoldschlag/OÖ (1885, II/14), Gresten/NÖ (1887, II/18), Ottensheim (1885, II/23), St. Georgen am Ybbsfelde/NÖ (1888, II/13), Oberndorf an der Melk/NÖ (1889, II/14), Petzenkirchen/OÖ (1889, II/13), Traun/OÖ (1890, II/23), Puchheim/OÖ (Basilika 1891, II/24), Steinerkirchen am Innbach/OÖ (1892, II/14), Hohenfurth (Vyšší Brod/CZ; Stiftskirche 1892, II/32), Reichenau im Mühlkreis/ OÖ (1893, II/14), Leopoldschlag/NÖ (1893, II/14), Frankenburg/OÖ (1894, II/14), Schildorn/OÖ (1895, II/13), Mauthausen/OÖ (1896, II/13), Prägarten/OÖ (1897, II/20), Strass im Strassertal/NÖ (1897, II/16), Amstetten (Stadtpfarrkirche 1898, II/20), Schlierbach (Stiftskirche 1899, II/26), Braunau (Stadtpfarrkirche 1899, Disposition?), Neumarkt im Mühlkreis/OÖ (1900, II/17), Wartberg ob der Aist/OÖ (1900, II/16), Gramastetten/OÖ (1900, II/17), Freistadt (Stadtpfarrkirche, II/31), Linz (Militärreitschule, für Konzert des Musikvereins, 1901, II/18), St. Marienkirchen an der Polsenz/OÖ (1901, II/16), Vorchdorf (1902, II/17), Bad Zell/OÖ (1902, II/14), Waldzell/OÖ (1904, II/14), Ort im Innkreis/OÖ (1905, II/13), Pettenbach/OÖ (1907, II/21), Hollenstein an der Ybbs/NÖ (1906, II/18), Wartberg an der Krems/OÖ (1906, II/15), Weibern/OÖ (1907, II/16), Haag am Hausruck/OÖ (1907, II/16), Linz (Ausstellungshalle der Landes-Handwerkerausstellung, 1908, II/22; dann nach Göstling an der Ybbs/NÖ übertragen, s. Abb.), Ternberg/OÖ (1908, II/14), Linz (Minoritenkirche 1908, II/18), Altmünster/OÖ (1910, II/16), Kirchdorf an der Krems/OÖ (1912, II/23), Eisgarn/NÖ (Stiftskirche 1912, II/13), Stammersdorf (heute Wien XXI; 1912, II/17), Eferding (1813, II/33), Kopfing im Innkreis/OÖ (1913, II/29), Oberneukirchen/OÖ (1915, II/18), Windischgarsten/OÖ (1917, II/18), Königswiesen/OÖ (Jahr?, II/20); zu einigen in der Literatur genannten Werken konnten bislang keine Nachweise gefunden werden.
Literatur
R. Kreslehner in Ottensheimer Gemeindenachrichten 2004; W. Kreuzhuber, Der Orgelbau in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s in OÖ unter dem Einfluß des Cäcilianismus, Diss. Salzburg 1990; W. Kreuzhuber in [Kgr.-Ber.] Bruckner Symposion 2008, 2010; R. Mayr, Beiträge zur Entwicklungsgesch. des Orgelbaues in OÖ. Stiftskirchen und Stiftspfarren, Diss. Innsbruck 1953; W. Kreuzhuber in [Kgr.-Ber.] Bruckner Symposion 1990, 1993; O. Biba in Bruckner-Jb. 1982/83, 1984; R. G. Frieberger, Der Orgelbau in Oberösterr. im 17. und 18. Jh. 1984; H. Hochhauser/F. Scharf, Orgelbauanstalt B. 1996 (online, 2/2019); Zeitungsberichte.

Autor(en)
Karl Mitterschiffthaler
Empfohlene Zitierweise
Karl Mitterschiffthaler, Art. „Breinbauer, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 14/09/2020]