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Cerha, Cerha, true Friedrich
* 1926-02-1717.2.1926 Wien. Komponist, Dirigent. Studium an der Wiener MAkad. (u. a. bei A. Uhl) und an der Univ. Wien. Ab 1950 Geiger und Musikerzieher an Wiener MSch.n. 1953 Kompositionsseminar bei J. M. Hauer, 1956–58 Besuch der Darmstädter Ferienkurse. 1958 mit K. Schwertsik Gründer (bis 1983 auch Leiter) des Ensembles die reihe, das sich durch exemplarische Aufführungen für die Präsentation neuer Werke, insbesondere der klassischen Moderne einsetzt (1978 mit H. Landesmann Gründung des Zyklus’Wege in unsere Zeit). 1960 Gründung der Camerata Frescobaldiana (Ensemble für Musik des 17. Jh.s). Seit 1959 Lehrbeauftragter, ab 1969 a. o. Prof., 1976–88 o. Prof. für Komposition, Notation und Interpretation neuer Musik an der Wiener MAkad. Ab 1961 Dirigent bei führenden Institutionen zur Pflege neuer Musik, bei internationalen Festivals und an Opernhäusern. 1968–75 Präsident der österreichischen Sektion der IGNM. Ab 1993 Interpretationsarbeit mit dem Klangforum Wien, 1996 dessen Präsident. Meisterkurse. Seit 1950 auch als bildender Künstler tätig.

Nach Kriegsende setzte sich C. mit dem Neoklassizismus auseinander, später wurden die Werke A. Weberns und ab 1956 die seriellen Techniken der Avantgarde zu Ausgangspunkten seiner kompositorischen Entwicklung. „Nach der Auseinandersetzung mit klassischer Moderne, Werken der Wiener Schule und seriellen Techniken setzte eine eigenständige Entwicklung in der Anwendung der letzteren und in der Komposition mit von traditionellen Formeln befreiten Klangphänomenen ein“ (C.).

1962–78 stellte C. den 3. Akt von Alban Bergs Oper Lulu fertig (UA 24.2.1979 Paris). Als Dirigent leistete er einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis zeitgenössischer Musik in Österreich. C. gilt als der bedeutendste zeitgenössische Komponist Österreichs.

Seit 1951 verheiratet mit Gertraud C. (geb. Möslinger): * 25.7.1928 Markgrafneusiedl/NÖ. Musikerin und Musikpädagogin. 1961–87 Lehrtätigkeit an der Wiener MHsch.


Ehrungen
P (Auswahl): Förderungspreis der Stadt Wien 1953; Kulturwochenpreis der Stadt Innsbruck 1955; Förderungspreis der Theodor-Körner-Stiftung 1964; Prof.-Titel 1969; Förderungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kultur 1971; Preis der Stadt Wien für Musik 1974; Großer Österreichischer Staatspreis 1986; Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark; Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold; Goldener Löwe für das Lebenswerk der Musik-Biennale von Venedig 2006 (erstmals vergeben); Goldenes Ehrenzeichen für die Verdienste um das Land Wien 2008; Silbernes Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich 2010; Großer Musikpreis des Landes Salzburg 2011; Ernst von Siemens Musikpreis 2012.
Schriften
Der Turandotstoff in der deutschen Literatur, Diss. Wien 1949; Zu meiner Musik und einigen Problemen des Komponierens heute in Beiträge 68/69; Zu Karl Amadeus Hartmanns Essay (oder: Ist Neue Musik wirklich so schwer zu hören?) in R. Ulm (Hg.), Eine Sprache der Gegenwart. musica viva 1945–1995, 1995.
Werke
WV in MaÖ 1997; Spiegel (1960–72); Konzert für Sopransaxophon und Orchester 2003/04; Momente 2004/05; Opern: Netzwerk 1962–80, Baal 1974–80, Der Rattenfänger 1987, Der Riese vom Steinfeld 2002; Hg. von Werken A. Weberns und von Heften der Reihen Diletto musicale und Wiener Urtext-Ausgabe.
Literatur
NGroveD 5 (2001) u. 4 (1980); MaÖ 1997; MGG 15 (1973) u. 4 (2000); Goertz 1979, 1994; Erhart 1998; Personenlex. Öst. 2001; Beiträge zur österreichischen Musik der Gegenwart 1992; [Kat.] Musikalische Dokumentation F. C. 1986; I. Gamperl, Bertold Brecht – F. C. Baal. Ein Vergleich, Dipl.arb. Wien 1990; C. McShane, The music of F. C. and an analysis of his opera Der Rattenfänger, Diss. Texas 1995; www.friedrich-cerha.com (1/2012); www.wikipedia.org (1/2012).

Autor(en)
Andrea Harrandt
Empfohlene Zitierweise
Andrea Harrandt, Art. „Cerha, Friedrich‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]