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Červený Červený true (Czerweny), Familie
Blasinstrumentenmacher

Václav František: * 27.9.1819 Dubeč/CZ (Bezirk Prag-Ost), † 19.1.1896 Königgrätz (Hradec Králové/CZ). Blasinstrumentenmacher. Č. erhielt ab 1832 eine fünfjährige Ausbildung bei Eduard Bauer in Prag und arbeitete danach als Geselle u. a. bei Anton Johann Kleps in Wien und bei F. Schöllnast in Pressburg. Er gründete 1842 in Königgrätz mit vier Mitarbeitern eine eigene Firma, die sich in der Folge rasch entwickelte. 1880 wurden bereits über 100 Arbeiter beschäftigt, die Jahresproduktion lag bei 3000 Instrumenten. Č. fertigte alle Arten von Blasinstrumenten, handelte auch mit Schlaginstrumenten und war daher in der Lage, Militärkapellen komplett auszustatten. Mitverantwortlich für den Aufschwung der Firma war die Mitte des Jahrhunderts einsetzende Reorganisation der Militärkapellen in Europa. Ab 1850 betreute der Bruder František eine Niederlassung in New York/USA, 1867 wurde eine Filiale in Kiev (Kyjiv/UA) gegründet, später eine in Lemberg (L’viv/UA). 1876 traten die Söhne Jaroslav (1851–1928) und Stanislav (1854–1911) in den Betrieb ein. Von 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Firma von Karl Šámal geführt. 1948 erfolgte die Eingliederung in das verstaatlichte Firmenkombinat Amati Kraslice in Luby/CZ (Schönbach). Nach der politischen Wende in Tschechien arbeiten die beiden Firmen weiterhin zusammen, wobei Amati Holz- und Blechblasinstrumente fertigt, während Č. den Sektor der Trompeten und Flügelhörner mit Drehventilen abdeckt.

Der Erfolg Č.s begründet sich auf der Verbindung von Geschäftsgeist, Musikalität und technischem Verständnis. 1844 wurde ihm das erste Privileg verliehen, es betraf das sog. Cornon (ein lang gestreckter Horntyp mit Wiener Ventilen). Eine „Tonwechsel-Maschine“ (ein Umschaltventil, mit dem die Grundstimmung des Instruments verändert werden kann) wurde 1846 patentiert. Wenig später wurden zwei Bassinstrumente patentiert, das Phonikon (1848) bzw. das Baroxyton (1853). Für die Militärmusik bestimmt war ein Kontrafagott aus Metall, genannt Tritonikon (patentiert 1856). Weitere Privilegien betrafen Verbesserungen von Ventilen oder von bereits bestehenden Instrumenten (ausführlich bei Dullat). Wegen ihrer charakteristischen Klangeigenschaften erfreuten sich „Kaiserbaryton“ (1882) und „Kaiserbass“ (1884) größter Beliebtheit. Es handelt sich dabei um konische, weit mensurierte Bassinstrumente, die einen weichen und tragfähigen Ton besitzen und sich durch gute Ansprache und Intonation auszeichnen. Č. war Juror bei verschiedenen Ausstellungen und erhielt 1884 den Titel eines „Kaiserlich-königlichen Hof- und Kammerlieferanten“ verliehen. Dullat zählt insgesamt 16 Prämierungen auf, wobei die Auszeichnungen anlässlich der Weltausstellungen in Paris (1855, 1867, 1878, 1889) hervorgehoben werden sollen, da sich Č. in diesem Fall gegen die ortsansässige Firma Adolphe Sax behaupten konnte.


Literatur
MGG 15 (1973); NGroveD 5 (1980); G. Dullat, V. F. Č. & Söhne 1842–1992, 1992; H. Heyde, Das Ventilblasinstrument 1987, 72; W. Waterhouse, The New Langwill Index 1993; Informationsmaterial der Fa. Amati Kraslice / V. F. Č. & Synové.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Červený (Czerweny), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/02/2002]