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Couplet
Aus dem Französischen eingedeutschter Fachausdruck, der Unterschiedliches bedeuten kann. Ausgehend von lat. copula = Verbindung sind die Worte altfrz. cople oder couple, provenc. cobla, span. copla seit dem ausgehenden 12. Jh. für die Verbindung von Reimpaaren zur Strophe eines Gedichtes oder Liedes belegt; in der Troubadour-Lyrik Bezeichnung für Strophe schlechthin. Seit dem 14. Jh. übernimmt C. diese Bedeutung, mit der allmählichen Bedeutungseinschränkung auf Strophe heiteren Inhalts (17. Jh.). Im Rondeau der französischen Instrumentalmusik des 17./18. Jh.s sind C.s die wechselnden Abschnitte zwischen Refrain oder Reprise (auch grand c.).

Seit dem 18. Jh. vokale Gattung in Vaudevilles, Opéras-comiques, Singspielen und Possen mit Gesang sowie Operetten französischer und Wiener Provenienz. Durch instrumentale Ritornelle strukturiert und in Strophen unterschiedlicher Verslänge gegliedert, die – auf dieselbe Melodie vorgetragen – mit einem pointierten Refrain schließen, unterbricht das C. die fortlaufende Handlung, indem es sich – zumeist auf ein Stichwort des vorhergehenden Dialogs oder Monologs – der kritischen Betrachtung denkwürdiger Fälle menschlichen Lebens und des politischen sowie kulturellen Alltags widmet. Dem witzigen Stropheninhalt, der von heiter-burlesk über parodistisch bis hin zur beißenden Satire reichen kann, entspricht eine breite Spanne an Gestaltungsmöglichkeiten im Vortrag, der häufig durch die drastisch karikierende Imitation verschiedener Sprechebenen und Gesangsstile und durch einen Wechsel zwischen kantablen Passagen und Sprechgesang gekennzeichnet ist.

Innerhalb der Wiener Volkskomödie profilierte J. Nestroy das satirische C. in seinen Possen mit Gesang; die zunehmende Zahl an Versen führte bei ihm schließlich zu zwei- und dreiteiligen Strophenformen mit Binnen- und Schlussrefrain, deren Metrum sich durch bewusste Akzentuierungen bestimmter Silben einer fließenden Melodielinie zu entziehen scheint. Im Zuge des vieldiskutierten „Niedergangs“ der Wiener Volkskomödie im Geiste F. Raimunds war das C. als Rollenlied bereits in der 2. Hälfte des 19. Jh.s umstritten (Adalbert Stifter, 1867), und in bewusster Abhebung von der französischen Operette Offenbachscher Prägung wählten Komponisten der Wiener Operette nach J. Strauß Sohn (L. Fall, E. Kálmán) im frühen 20. Jh. alternative Bezeichnungen. Im Kabarett der Zwischenkriegszeit war das C. neben dem Chanson eine selbständige Gesangsnummer.


Literatur
HmT 1972; MGG 2 (1995); B. Amlinger, Dramaturgische Strukturen der Gesangseinlage in der Alt-Wiener Volkskomödie, Diss. Wien 1985; P. Branscombe in Proceedings of the Royal Musical Association 98 (1971/72); J. Hein in G. Stieg/J.-M. Valentin (Hg.), Johann Nestroy 1991; F. Nötzold (Hg.), Mein Weib ist pfutsch. Wiener C.s 1969; O. Rommel in J. Nestroy, Gesammelte Werke 6 (1949).

Autor(en)
Dagmar Zumbusch-Beisteiner
Empfohlene Zitierweise
Dagmar Zumbusch-Beisteiner, Art. „Couplet‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/02/2002]