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Derschmidt, Derschmidt, Matthias sen.: Familie
Matthias sen.: * --ca. 1763 Kaplitz/Böhmen (Kaplice/CZ), † 1858-02-2525.2.1858 Pregarten/OÖ. Schullehrer, Komponist. Das Findelkind M. D. besuchte die Volksschule in Budweis und später die Präparandie in Linz, wo er 1780 sein Gehilfenzeugnis erhielt. Nach zwei unbekannten Dienstjahren und zwei Jahren als Gehilfe in Scharlinz/OÖ (etwa 1782/83) wechselte er als Gehilfe nach Pregarten. 1787 erhielt er das Lehrerzeugnis. Im selben Jahr wurde D. Schullehrer in Pregarten. Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Pensionierung (1846). Nachfolger wurde sein Sohn M. jun. (* 24.9.1817 Pregarten). In der Zeit der Napoleonischen Kriege soll D. als Widerstandskämpfer tätig gewesen sein und mit anderen Männern drei Franzosen ermordet haben. Seine erste Ehefrau Johanna Krakowizer war die Tochter eines Mayrs (Großbauern) aus Hagenberg/OÖ. Dieser Ehe, geschlossen am 4.9.1787, entstammten drei Kinder: Johann, Ferdinand und Joseph. Letzterer wurde ebenfalls Lehrer. Eine zweite Ehe ging er am 28.2.1813 mit der Schulmeistertochter Anna Scheibert († 1859) aus Katsdorf/OÖ ein. Dieser Ehe entspross der Sohn M. jun. D. galt allgemein als wohlhabend. In seiner Heimatgemeinde verlieh er Geld gegen Zinsen.
Werke
Deutsche Messe Hier liegt vor deiner Majestät in D-Dur für zwei Singstimmen u. Org. (Privatbesitz)
Literatur
V. Derschmidt in Vierteltakt 2003, 1, 4.1–4.2.; Schulschematismen 1826, 1838, 1843; Trauungsbuch der Pfarre Pregarten 1785–1836, pag. 12; Taufbuch der Pfarre Pregarten 1785–1831, pag. 49.


Sein Ururenkel

Hermann: * 15.2.1904 Kollerschlag/OÖ, † 17.6.1997 Wels/OÖ. Lehrer, Volkslied- und Volkstanzsammler und -forscher. Der Sohn des Lehrerehepaars Rudolf D. und Aloisia Marianne Seidl wurde musikalisch von Jugendmusikbewegung und Wandervogel geprägt. Nach Absolvierung der Schulpflicht besuchte D. die Lehrerbildungsanstalt in Linz. Im Anschluss daran tat er, oft nur für kurze Zeit, in vielen Orten Oberösterreichs Dienst, so etwa in Altenberg bei Linz, Arnreit, Frankenburg, Klaffer, Kleinraming, Unterlaussa, Wels und Weyer. Schon in dieser frühen Zeit betätigte er sich als Volksmusikforscher, indem er vor allem an seinen Dienstorten Tänze, Lieder und Jodler aufzeichnete. 1932 ehelichte er Ottilie Reichel, die Tochter des bekannten Hygienikers Heinrich Reichel. D. war Mitglied der NSDAP und Mitarbeiter der NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude, weshalb er 1939 – er war um diese Zeit Volksschuldirektor in Frankenburg – zum Leiter des Gauausschusses für Volksmusik im Gau Oberdonau (nachmals Oberösterreichisches Volksliedwerk) wurde. Er unterstand damals direkt A. Quellmalz, der allen Gauausschüssen vorstand. Versuche, Feldforschungen nach Art seines Vorgesetzten durchzuführen, kamen aus Kriegsgründen nicht zustande. Nach Kriegsende übersiedelte D. mit seiner Familie nach Wels, wo er bis zu seiner Pensionierung als Lehrer tätig war und sich in vielfacher Weise in das Kulturleben der Stadt einbrachte. Hauptthemen seiner Forschungen auf dem Gebiet der Volksmusik und des Volkstanzes sowie als langjähriger Mitarbeiter am Österreichischen Volksliedwerk waren Ländler und Jodler. D. beschäftigte sich aber auch mit Alter Musik und gilt als Gründer der Volkstanzgruppe Welser Rud (1946/48) und, gemeinsam mit anderen, der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz (1956).


Ehrungen
Stelzhamer-Plakette; Kulturmedaille der Stadt Wels in Gold; Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich; Prof.-Titel; Raimund-Zoder-Medaille 1968.
Schriften
(Auswahl): Unsere Jodler 1930 (mehrere Neuauflagen); Heimische Tänze 1950; (gem. m. L. Daxperger) Volkslieder aus Oberösterreich 1950; (gem. m. E. Schützenberger) Spinnradl. Unser Tanzbuch, 5 Folgen, 1959 u. ö.; Österreichische Tänze 1959 u. ö.; 20 Jahre Welser Rud 1968; Über Singtänze und Tanzlieder in Oberösterreich in JbÖVw 32/33 (1984); Tänze aus OÖ 1985; zahlreiche Aufsätze über Volkslieder und Volkstänze.
Literatur
W. Deutsch (Hg.), [Fs.] H. Derschmidt 1984; K. Petermayr in Klänge der Macht. Nationalsozialistische Musikpolitik in Oberösterreich 2010; Who is who in Öst. 1987/88; Schneider 1985; MGÖ 2 (1995); W. Tuschner in JbÖVw 47 (1998); H. Jeglitsch in Der fröhliche Kreis 57/4 (2007).


Hermanns Sohn

Wolfram Volker: * 22.12.1934 Linz. Lehrer, Musiker, Komponist, Volksmusikforscher. Die erste musikalische Ausbildung erhielt er schon in frühester Jugend von seinem Vater. Nach dem Besuch der Volksschule in Frankenburg (1944) kam er an das Stiftsgymnasium in Kremsmünster, das von den Nationalsozialisten damals als „Knaben-Oberschule“ geführt wurde. 1945 wechselte D. an das Gymnasium in Wels, wo er von W. Kolneder Violinunterricht erhielt. In Harmonielehre wurde er damals von Walter Daxperger gebildet. Zu dieser Zeit kam er auch mit der Wandervogelbewegung in Kontakt und wurde als Volkstänzer Mitglied der von seinem Vater gegründeten Welser Rud. Nach der 1953 abgelegten Matura wurde D. in einem einjährigen Kurs in Linz zum Lehrer ausgebildet. Seine erste Stelle erhielt er 1954 an der Hauptschule Traun/OÖ. Dieser folgten weitere Stationen an den Hauptschulen von Leonding/OÖ (1955), Lambach (1958), Marchtrenk/OÖ (1958–63) und Wels (1963–67) sowie an den Volksschulen in Eberstalzell/OÖ (1955–57) und (Bad) Wimsbach/OÖ (1957) und an der Polytechnischen Schule in Wels (1967–92). 1992–94 war er über die Oberösterreichische Landesmusikdirektion dem Oberösterreichischen Volksliedarchiv zugeteilt. 1988–99 unterrichtete er zudem am Brucknerkonservatorium (heute Anton Bruckner Privatuniv.) das Fach Volksmusik. Am 31.8.1963 ehelichte er Gerlinde Schindler, mit der er fünf Kinder hat. Neben seinen beruflichen Verpflichtungen war bzw. ist D. u. a. im Oberösterreichischen Volksliedwerk und der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz tätig, wo er Seminare und Feldforschungen organisiert, sich aber auch wissenschaftlich beschäftigt. Er schrieb u. a. eine umfassende Abhandlung über den oberösterreichischen Landler, organisierte 1994 eine großangelegte Feldforschung im Strudengau und zeichnet für die Herausgabe zahlreicher Notenpublikationen aus dem Oberösterreichischen Volksliedarchiv verantwortlich. D. ist regelmäßiger Referent bei der Sommerakademie des Österreichischen Volksliedwerkes. Darüber hinaus ist er für die Gründung vieler Volksmusikgruppen verantwortlich. Als Komponist tritt D. ausschließlich im volksmusikalischen Bereich in Erscheinung.


Ehrungen
Ehrenmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Österr. Volkstanz 1984; Konsulent der oberösterr. Landesregierung für Volksbildung und Heimatpflege 1984; Raimund Zoder-Medaille 1990; „Maximilian“ (Sparte Kultur) der Stadt Wels 1998; Ehrenmitglied des Oberösterreichischen Volksliedwerkes (2004); Kulturmedaille des Landes Oberösterreich 2004; Verdienstmedaille in Gold der Marktgemeinde Gunskirchen/OÖ 2005; Ehrenmitglied des Innviertler Kulturkreises 2006; Walter Deutsch-Preis 2008; Prof.-Titel 2015.
Schriften
Der Baß in der alpenländischen Volksmusik, 2 Teile, 1988 u. 1994; Weihnachtsschalmei. 18 Stücke für Blockflötenquartett 1990; Spielheft „Lambach“ 1991; Der Landler 1998 (gem. m. W. Deutsch); Drüberschlagen oder zuwigsunga? 2000; Kikeriki. Ein Hahnliederbuch 2002 (gem. m. E. Hahnl); Zur Gesch. der Landlerforschung in OÖ in W. Froihofer (Hg.), Volkstanz zwischen den Zeiten 2012; Alte Mühlviertler Jodleraufzeichnungen in Vierteltakt 2013; Geigerische Tanzmusik 15 Hefte (2000–14).
Werke
1 Jodler zum 60. Geburtstag von G. Haid, 44 Kanons, ca. 30 Tänze (alle im Selbstverlag bzw. im Oberösterreichischen Volksliedwerk erschienen).
Literatur
(Auswahl): A. Kaufmann in Unser Mitteilungsbl. 3 (1983); K. Petermayr, V. D. 2018 [vollständiges Werk-, Schriften- und Literaturverzeichnis]; M. Söllner in Vierteltakt 2014, Nr. 2; W. Tuschner in Vierteltakt 2004, Nr. 4.


Dessen Neffe

Wolfram: * 8.5.1964 Wels. Kontrabassist. In der musikalischen Familie erhielt er bereits im Kindesalter Cellounterricht, zunächst von seiner Mutter und dann von Roland Roiss an der Landesmusikschule Linz. Bassspielen lernte er vorerst autodidaktisch. Nach seinem Studium der Verfahrenstechnik an der TU Graz studierte er von 1989–95 Jazz-Kontrabass an der MHsch. bzw. MUniv. Graz bei W. Darling, E. Oberleitner und A. Roidinger sowie Klavier bei F. Pauer. Als guter Notenleser substituierte er zeitweilig auch an der Grazer Oper. Nach Abschluss des Studiums wurde W. D. ein begehrter Jazzbassist und spielte in vielen Formationen mit nationalen und internationalen Jazzmusikern wie K. Miklin, W. Puschnig, I. Reiger, W. Schabata, Toninho Horta, Irina Karamarković, Oliver Lake, Kirk Lightsey, David Murray, Boško Petrović, Gregory Porter, Ack van Rooyen, Terje Rypdal, Toots Thielemans, Carmen Bradford, Jazzmeia Horn oder Shantel alias Stefan Hantel. Darüber hinaus 1992–97 Mitglied der von Sigi Feigl gegründeten Big Band Süd. Auftritte bei zahlreichen Jazzfestivals wie Zagreb Jazzfair, Jazzfest Wiesen, JVC Jazzfestival, Gmundner Festwochen, Jazztage Viersen, Burghausen/D, Imatra/FIN, Imst/T, Schwaz, Inntoene, Wels, Passau, Muhu/EST, Washington, Thorshaven, Färöer/DK, Rijeka/HR, Straubing/D. Sein breites musikalisches Spektrum reicht vom Jazz über Klassik bis zur Volksmusik. Als Begleitmusiker ist er auf zahlreichen Aufnahmen zu hören.


Werke
Remember (mit Big Band Süd 1995); Soil (mit Paul Zauners Blue Brass 2006); Togu (mit Hollotrio 2011); Ars Futura (Trio mit Thomas Wall und P. Zauner 2016); Die Kunst der Fuge und die Improvisation (mit Austrian Art Gang 2017).
Literatur
www.wolframderschmidt.com (12/2020); https://de.wikipedia.org (12/2020); pers. Mitt. (1/2021).

Autor(en)
Klaus Petermayr
Emanuel Wenger
Empfohlene Zitierweise
Klaus Petermayr/Emanuel Wenger, Art. „Derschmidt, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 28.5.2021]

MEDIEN
Hermann Derschmidt 1972© 1972 Eckhart Derschmidt
© 1972 Eckhart Derschmidt
Wolfram Derschmidt am 9.12.2020 im Porgy & Bess© 2020 Eckhart Derschmidt
© 2020 Eckhart Derschmidt

GND
Derschmidt, Matthias sen.
Weiterführende Literatur (OBV)
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Derschmidt, Hermann
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Derschmidt, Volker
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Derschmidt, Wolfram
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