Logo ACDH-CH
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Ehrbar, Ehrbar, Friedrich Konrad: Familie
Friedrich Konrad: * 1827-04-2626.4.1827 Hildesheim/D, † 1905-02-2323.2.1905 Hart bei Gloggnitz/NÖ. Klaviermacher. Vollwaise ab seinem zweiten Lebensjahr, verbrachte E. die Zeit bis 1841 in einem Waisenhaus. 1841–48 Lehre und Arbeit beim Klavier- und Orgelbauer Friederici in Gera/D. Ab November 1848 als Klaviermacher bei E. Seuffert in Wien tätig, wo er bereits ein Jahr später zum Geschäftsleiter aufgestiegen sein soll. Nach dessen frühem Ableben 1855 leitete seine Witwe Rosa den Betrieb bis zu ihrer Wiederverheiratung mit F. K. E. am 4.6.1857 zu St. Karl. Dieser übernahm den Betrieb im Juni 1857 und führte ihn bis zur Übergabe an seinen einzigen Sohn Friedrich Benedikt E. im Jahre 1898. Das immer wieder tradierte Gründungsjahr 1801 für die Firma E. bezieht sich auf die erste Firmengründung des Vaters von E. Seuffert, M. Seuffert, zusammen mit Joseph Wachtl und Jakob Bleyer. E.s Klaviere errangen auf vielen Ausstellungen Preise und Medaillen. 1876 erbaute er in der Mühlgasse (Wien IV) einen eigenen neuen Konzertsaal für ca. 550 Personen, welcher am 29.12.1877 eröffnet wurde, spätestens ab 1913 von der MSch. Lutwak-Patonay genutzt wurde und bis heute besteht. Bereits davor hatte es jedoch spätestens ab 1852 den Salon Seuffert gegeben, der ab 1859 als Salon E. nachweisbar ist und ca. 200 Personen gefasst haben soll. 1871 heiratete E. in zweiter Ehe B. Randhartingers Tochter Maria, einer der Trauzeugen war der Posaunist (Mitglied der Hofmusikkapelle) Moriz Seegner. E. arbeitete ab 1889 für einige Zeit auch mit P. v. Jankó und Richard Hansmann zusammen und baute Klaviere mit Jankó-Klaviatur.
Ehrungen
k. k. Hof-Pianoforte-Verfertiger [Fabrikant] 1859; Goldenes Verdienstkreuz 1863; Ritter des Franz-Joseph-Ordens 1867; Kammerlieferant von Erzhzg. Otto und Erzhzg.in Maria Josepha; kgl. Serbischer Hof-Clavierfabrikant; sechs Goldmedaillen bzw. Ehrendiplome 1845–78 bei Ausstellungen in Wien (1845, 1873 [Weltausstellung]), München (1854), London (1862), Paris (1867, 1878).


Sein Sohn

Friedrich Benedikt Ernst: * 4.3.1873 Wien, † 1.2.1921 Wien. Klaviermacher. Taufkind seines Großvaters B. Randhartinger. Er maturierte mit Sondergenehmigung bereits im Alter von 16 Jahren und eignete sich parallel zum Schulbesuch in vierjähriger Lehrzeit alle Grundlagen des Klaviermacherberufes an. Danach folgte ein Studium der Physik und des Maschinenbaus an der Technischen HSch. Er wurde gleich nach Betriebsübernahme 1898 zum „K. K. Hof- & Kammer-Clavier-Fabrikant“ ernannt. Nachdem die alten Fabriksräumlichkeiten in Wien IV, Mühlgasse 8, Pressgasse 28 und Laxenburgerstraße 39 (Wien X) zu klein geworden waren, erbaute F. B. E. im Jahre 1910 auf einem 14.500 m2 große Gelände in der Laxenburgerstraße 139 (Wien X) ein neues Fabriksgebäude mit zwei eigenen Holzlagerplätzen. Als Artilleriehauptmann (Offiziersprüfung 1902 mit Auszeichnung) kehrte er schwerkrank aus dem Ersten Weltkrieg zurück. 1900–21 war E. Präsident der Wiener Singakademie.


Ehrungen
Kommandeurkreuz des Ritterordens von San Marino 1900; Ritterkreuz der frz. Ehrenlegion 1901; Ritterkreuz des päpstlichen St. Gregor-Ordens 1901; Ritterkreuz des portugiesischen Christusordens 1901; Kommandeurkreuz des liberischen Ordens der afrikanischen Befreiung 1901; Ottomanischer Medschidié-Orden 3. Klasse 1903; kaiserlicher Rat 1905; Kommerzialrat 1909?; Ehrenzeichen 1. Klasse vom Roten Kreuz; Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens mit Kriegsdekoration; weitere hohe militärische Auszeichnungen.


Dessen Sohn

Friedrich Walter Johann: * 26.1.1900, † 13.12.1970. Klaviermacher. Meisterprüfung am 27.12.1935. Leitung des Betriebes bis 1952.

Weiterführung des Betriebes dann unter seinem Stiefvater Erich Graf, einem Enkel von F. Smetana, bis 1959, gefolgt von Klavierbaumeister Karl Rib, der die Firma E. in weiterer Folge mit den Firmen R. Stelzhammer, Josef Baumbach und G. Stingl an der Adresse Barnabitengasse 8 (Wien VI) vereinigte. 1977 erhielt die Firma E. die Erlaubnis zur Führung des Staatswappens. 1983 folgte ein Konkursverfahren. Ab 1985 im Besitz der Gruppe Allgemeine Leasing, wurde der Betrieb im Juni 1992 endgültig eingestellt und aufgelöst.


Literatur
H. R. Scholz, E., Tradition der Wiener Klavierbaukunst 1986; Hopfner 1999; Die Presse 13.2.1852, 2, 11.3.1857, 2, 7.4.1857, 2; Der Zwischen-Akt 29.9.1859, 3; Fremden-Bl. 21.10.1859, 8; Neue Wr. Musik-Ztg. 3.5.1860, 71; Bll. f. Theater, Musik und Kunst 13.2.1863, 52, 8.11.1867, 360; Wr. Communal-Kalender 11 (1883), Anzeigen [2]; Extrapost 26.11.1894, 7; Österr. Musik- und Theaterztg. 1.4.1889, 9f, 1.5.1889, 6f, 1.5.1897, 3f, 15.12.1897, 7–11; Musik und Theater-Ztg. 12 (1900), Nr. 4–5, 12, 16 (1905), Nr. 3, 1f; Wr. Ztg. 25.1.1900, 1, 9.10.1900, 4; Neues Wr. Tagbl. 13.5.1901, 5, 23.12.1901, 5, 21.9.1903, 6; Neuigkeits-Welt-Bl. 24.2.1905, 5; Die Zeit 31.8.1905, Abendbl., 3, 4.2.1921, 11; Sport & Salon 14.10.1905, 4f; Wr. Montags-Journal 6.11.1911, 7; Reichspost 10.2.1921, 6; Trauungsbuch 1852–59 der Pfarre St. Karl Borromäus (Wien IV), fol. 226; Trauungsbuch 1851–90 der Pfarre Mariabrunn (Wien XIV), fol. 96; Taufbuch der Pfarre St. Karl Borromäus 1872–76, fol. 98, 1900–03, fol. 11; Sterbebuch 1918–35 der Pfarre St. Karl Borromäus, fol. 80; 3 Original Prospekte 1890–1930 mit Firmengeschichte [Archiv des Verfassers A. Langer].

Autor*innen
AL
Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
8.1.2024
Empfohlene Zitierweise
Alexander Langer/Christian Fastl, Art. „Ehrbar, Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 8.1.2024, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001fdd6
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Friedrich Ehrbar (Musik- u. Theater-Ztg. 3 [1905], [1]) © ANNO/ÖNB
Wr. Communal-Kalender 11 [1883], Anzeigen [2]© ANNO/ÖNB
Friedrich Benedikt Ehrbar (Sport & Salon 14.10.1905, 5)© ANNO/ÖNB
Konzertsaal (Österr. Musik- u. Theaterztg. 8 [1897], 9) © ANNO/ÖNB
Gebäudeansicht (Österr. Musik- u. Theaterztg. 8 [1897], 10) © ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x0001fdd6
GND
Ehrbar, Friedrich Konrad: 116381477
OBV
Weiterführende Literatur

ORTE
Orte
LINKS
Österreichisches Biographisches Lexikon Online



ACDH-CH, Abteilung Musikwissenschaft

Publikationen zur Musikwissenschaft im Verlag